Laub liegen lassen: Warum Laubräumen im Herbst Vögeln schadet
Laub liegen lassen hilft Vögeln: Im Herbstlaub überwintern Insekten, Spinnen und Samen, von denen Amsel, Rotkehlchen und Meisen leben. Gründe und Anleitung.

In diesem Artikel
- Kurz gefasst: warum Laub für Vögel wichtig ist
- Was lebt eigentlich in einem Laubhaufen?
- Welche Vögel suchen im Laub nach Nahrung?
- Warum ist die Laubschicht im Frühjahr am wichtigsten?
- Schadet eine Laubschicht nicht dem Garten?
- So lassen Sie das Laub liegen: ein Plan in sieben Schritten
- Wie viel Laub sollte man behalten?
- Laub liegen lassen: Mythen und Fakten
- Häufige Fehler beim Laub-liegen-lassen
- Hilft liegendes Laub auch in kleinen Gärten und in der Stadt?
- Was ist mit Laub im Gartenteich und in der Vogeltränke?
- Wie Laub in einen Vogelgarten für das ganze Jahr passt
- Wie erklärt man Nachbarn oder dem Vermieter das Laubliegenlassen?
- Kurz und knapp
- Quellen
- Häufige Fragen
Lassen Sie das Laub liegen, weil Herbstlaub kein Gartenabfall ist, sondern Winterlebensraum. Eine Laubschicht unter Sträuchern und in Beeten schützt Raupen, Puppen von Nachtfaltern, Käfer, Spinnen, Schnecken und Samen, von denen bodennah fressende Vögel den ganzen Winter leben. Und sie schützt die Insektengeneration, die Vogeleltern im nächsten Frühjahr an ihre Jungen verfüttern: Ein Paar der nordamerikanischen Carolinameise braucht für eine Brut 6.000 bis 9.000 Raupen. Wer jedes Blatt wegbläst oder absaugt, entfernt diese Nahrung.
Das heißt nicht, dass der ganze Garten verwildern muss. Es heißt, das Laub an die richtigen Stellen zu bringen, es dort möglichst ganz zu lassen und den Frühjahrsputz so zu planen, dass die Tiere darin Zeit zum Schlüpfen haben. Im Folgenden finden Sie die Wissenschaft hinter der Idee, die Vögel, die am meisten davon profitieren, und eine Routine, die im Reihenhausgarten ebenso funktioniert wie auf einem großen Grundstück.
Kurz gefasst: warum Laub für Vögel wichtig ist
- Laubstreu ist Lebensraum für Insekten. Viele Nachtfalter, Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und andere Wirbellose verbringen den Winter als Ei, Larve, Puppe oder erwachsenes Tier in oder unter dem Laub.
- Diese Tiere sind Vogelnahrung. Im Winter picken Vögel sie aus der Streu, und im Frühjahr werden die Überlebenden zu den Raupen, mit denen die meisten Singvögel ihre Jungen aufziehen.
- Bodenvögel suchen direkt im Laub. Amsel, Rotkehlchen, Singdrossel, Heckenbraunelle und Zaunkönig drehen Blätter um und scharren darin nach Beute.
- Laub verbessert den Boden. Das stärkt heimische Pflanzen, an denen wiederum mehr Insekten leben. Es ist ein Kreislauf, und der Laubrechen unterbricht ihn jedes Jahr aufs Neue.
Was lebt eigentlich in einem Laubhaufen?
Eine Laubschicht gehört zu den am dichtesten besiedelten Lebensräumen im Garten. In kalten Nächten ist es darunter einige Grad wärmer als an der offenen Luft, sie hält Feuchtigkeit und verbirgt kleine Tiere vor Feinden. Deshalb verbringt ein erstaunlich großer Teil der Gartentiere die kalte Jahreszeit dort.
Nachtfalter und Schmetterlinge
Die Zahl der Nachtfalterarten übersteigt die der Tagfalter bei Weitem, und viele von ihnen verpuppen sich im Boden oder in der Streuschicht. Manche spinnen ihren Kokon in ein welkes Blatt ein, andere überwintern als Raupe zusammengerollt unter dem Laub, etwa die behaarten Raupen verschiedener Bärenspinner. Auch einige Tagfalter verbringen den Winter als Raupe oder Puppe am Boden oder dicht darüber.
Jedes dieser Tiere, das überlebt, ist potenzielle Nahrung: entweder direkt für einen Wintervogel, der es in der Streu findet, oder, noch wichtiger, als Elterntier der Raupen im nächsten Jahr.
Käfer, Spinnen und alles andere
Laufkäfer, Kurzflügler, Tausendfüßer, Asseln, Spinnen, Schnecken und Regenwürmer nutzen die Laubstreu. Die Larven von Glühwürmchen, die Schnecken jagen, leben ein Jahr oder länger in feuchter Streu und im Boden, bevor sie sich verwandeln. Hummelköniginnen überwintern meist knapp unter der Bodenoberfläche, und eine Laubdecke hilft, sie gegen Frost zu isolieren. Auch Igel bauen ihre Winternester bevorzugt aus trockenem Laub unter Hecken, in Reisig- und Laubhaufen. Ein Garten ohne Laub ist für sie ein Garten ohne Winterquartier.
Samen und Fallobst
Laub hält außerdem Samen heimischer Pflanzen und Gräser fest und verbirgt heruntergefallene Beeren und Fallobst. Buchfinken, Bergfinken, Sperlinge und Tauben suchen diese den ganzen Winter über in der Streu.
Welche Vögel suchen im Laub nach Nahrung?
Manche Vögel sind so eng an die Laubstreu gebunden, dass man sie in einen aufgeräumten Garten kaum locken kann.
Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Amsel. Der auffälligste Laubwender. Mit dem Schnabel schleudert sie Blätter geräuschvoll zur Seite, um Regenwürmer, Schnecken und Insekten freizulegen. Wer im Winter unter einer Hecke lautes Rascheln hört, hat meist eine Amsel gefunden.
- Rotkehlchen. Sucht am Boden unter Sträuchern und folgt oft dem Gärtner, um Tiere aus frisch umgedrehter Erde oder Streu zu erbeuten.
- Singdrossel. Wendet ebenfalls Laub und sucht besonders nach Schnecken, deren Gehäuse sie auf Steinen aufschlägt.
- Heckenbraunelle. Hüpft unauffällig unter Deckung durch die Streu und pickt kleine Insekten und Samen auf.
- Zaunkönig. Stochert in Laubhaufen und Reisig nach Spinnen und Insekten. Für ihn sind strenge Winter besonders gefährlich, weshalb jede Nahrungsquelle zählt.
- Buchfink und Bergfink. Suchen am Boden nach Samen und im Winter unter Buchen nach Bucheckern.
- Wacholderdrossel und Rotdrossel. Wintergäste, die bei Frost auch in Gärten Fallobst und Tiere aus der Streu suchen.
Andere Regionen
Das Muster gilt weltweit. In Nordamerika ist die Laubstreu Lebensgrundlage für Grundammern, Juncos, Einsiedlerdrosseln und Zaunkönige. In Brasilien sucht die Rotbauchdrossel, dort sabiá-laranjeira genannt, in Gärten und Parks zwischen dem Laub nach Nahrung. Überall, wo Bäume ihr Laub abwerfen, haben sich Vögel darauf spezialisiert, von dem zu leben, was darunter liegt.
Warum ist die Laubschicht im Frühjahr am wichtigsten?
Die Nahrungssuche im Winter ist der sichtbare Teil der Geschichte. Die größere Wirkung ist unsichtbar und zeigt sich erst Monate später.
Die meisten Singvögel, auch viele, die als erwachsene Tiere Samen fressen, füttern ihre Nestlinge mit Insekten, vor allem mit Raupen. Raupen sind weich, reich an Eiweiß und Wasser und für kleine Küken leicht verdaulich. Forschungen unter Leitung des Insektenkundlers Doug Tallamy an der University of Delaware schätzten, dass ein einziges Paar der nordamerikanischen Carolinameise für eine Brut in der Größenordnung von 6.000 bis 9.000 Raupen braucht. Für unsere Meisen gilt dasselbe Prinzip: Blaumeise und Kohlmeise legen ihre Brutzeit so, dass die Nestlinge in die Zeit des größten Raupenangebots an Eichen und anderen Laubbäumen fallen.
Woher kommen diese Raupen? Von Faltern, die den Winter überlebt haben, viele davon in der Streuschicht oder im Boden darunter. Wird das Laub jeden Herbst entfernt, verschwinden die Tiere darin mit, und ebenso der Schutz, der Puppen im Boden durch strenge Fröste gebracht hätte. In einem einzelnen Garten ist die Wirkung klein. In einem ganzen Wohngebiet, in dem fast jedes Grundstück bis auf den blanken Boden oder Rasen geräumt wird, summiert sie sich zu einem deutlich dünneren Nahrungsangebot im Frühjahr. Mehr zur Ernährung von Nestlingen lesen Sie in unserem Beitrag, was junge Vögel fressen.
Der Rückgang der Insekten gehört zu den Ursachen, die Fachleute nennen, wenn sie erklären, warum viele insektenfressende Vogelarten abnehmen. In Deutschland hat die viel beachtete Krefelder Studie zum starken Rückgang der Biomasse fliegender Insekten in Schutzgebieten diese Debatte angestoßen. Unser Beitrag, warum Vogelbestände zurückgehen, erklärt die größeren Zusammenhänge. Laub liegen zu lassen gehört zu den wenigen Maßnahmen, die jeder Gartenbesitzer schon am nächsten Wochenende umsetzen kann.
Schadet eine Laubschicht nicht dem Garten?
Das hängt davon ab, wo das Laub landet. Eine dicke, verfilzte Schicht ist für manche Flächen schlecht und für andere sehr gut.
Rasen: Laub umlagern oder mähen
Rasen braucht auch im Winter und zeitigen Frühjahr Licht. Eine dichte, nasse Decke aus ganzen Blättern, besonders aus großen Blättern wie Ahorn oder Platane, kann Stellen ersticken und Schneeschimmel fördern. Die übliche Lösung ist, das Laub vom Rasen zu nehmen und an einen besseren Ort zu bringen, oder eine dünne Schicht mit dem Rasenmäher zu zerkleinern, sodass die Stücke zwischen die Halme fallen und den Boden versorgen. Das Mulchen auf dem Rasen ist ein Kompromiss, kein Gewinn für Tiere, weil das Zerkleinern Kokons zerstört, aber das Laub bleibt immerhin auf dem Grundstück.
Beete und Rabatten: ganzes Laub ist kostenloser Mulch
Unter Sträuchern, in Staudenbeeten und um Bäume wirkt eine Schicht aus ganzem Laub wie Rindenmulch. Sie unterdrückt Unkraut, hält die Bodenfeuchte, gleicht Temperaturschwankungen aus und zerfällt bis zum folgenden Sommer zu Humus. Stauden wachsen im Frühjahr hindurch. Viele heimische Waldpflanzen wie Buschwindröschen, Lungenkraut oder Waldmeister sind genau auf diese Situation eingestellt, denn im Wald fällt jedes Jahr Laub.
Pflanzenkrankheiten
Manche Gärtner befürchten Krankheiten. Bei einigen bestimmten Problemen, etwa Apfelschorf an Obstbäumen, Sternrußtau an Rosen oder der Teerfleckenkrankheit am Ahorn, hilft es, das befallene Laub direkt unter diesen Pflanzen zu entfernen, um den Krankheitskreislauf zu unterbrechen. Ein bekanntes Beispiel aus Mitteleuropa ist die Rosskastanien-Miniermotte: Ihre Puppen überwintern im Kastanienlaub, weshalb Fachleute empfehlen, das Laub unter befallenen weißblühenden Rosskastanien gründlich einzusammeln und nicht im Garten zu kompostieren. Das sind gezielte Ausnahmen, kein Grund, das Laub aus dem ganzen Garten zu entfernen.
Dicke Haufen am Haus
Halten Sie Laub von Hausmauern, Dachrinnen, Abflüssen, Lichtschächten und Wegen fern. Nasses Laub auf Stufen ist rutschig, und Haufen an der Fassade halten Feuchtigkeit. Auf Gehwegen gilt vielerorts außerdem eine Räumpflicht für Anlieger. All das widerspricht nicht dem Laub im Beet ein paar Meter weiter.
So lassen Sie das Laub liegen: ein Plan in sieben Schritten
Diese Routine passt für die meisten Gärten. Passen Sie die Mengen an die Größe Ihrer Bäume und Beete an.
- Laubzonen festlegen. Wählen Sie Beete, Strauchpflanzungen, Baumscheiben und eine wildere Ecke. Am besten sind Stellen nahe Deckung, weil Bodenvögel lieber nur einen kurzen Sprung vom nächsten Strauch entfernt suchen.
- Stark genutzte Flächen räumen. Rechen oder blasen Sie das Laub von Rasen, Terrasse, Wegen, Stufen, Einfahrt und Abflüssen. Bringen Sie es in die Laubzonen statt in die Biotonne.
- Laub in Beeten ganz lassen. Verzichten Sie dort auf den Häcksler. Eine lockere Schicht von einigen Zentimetern ist ideal, unter Sträuchern und in Ecken darf es mehr sein. Decken Sie aber niedrige immergrüne Stauden und fäulnisempfindliche Pflanzen nicht zu.
- Auch Kleinzeug liegen lassen. Heruntergefallene Zweige, Samenstände und abgestorbene Stängel bieten zusätzlich Struktur und Nahrung. Unser Ratgeber zu Samenständen, die über den Winter stehen bleiben sollten, erklärt, welche am wichtigsten sind.
- Überschüssiges Laub in einen Laubkorb. Ein einfacher Ring aus Maschendraht in einer hinteren Ecke hält überschüssiges Laub ordentlich zusammen und macht daraus in ein bis zwei Jahren Laubkompost, einen krümeligen Bodenverbesserer.
- Mit einem Reisighaufen kombinieren. Laub sammelt sich von selbst am Fuß eines Reisighaufens und bietet Vögeln dort Nahrung und Fluchtdeckung zugleich. Lesen Sie dazu, wie Sie einen Reisighaufen für Vögel anlegen.
- Im Frühjahr abwarten. Räumen Sie die Beete nicht am ersten warmen Wochenende leer. Viele Bestäuberschutz-Initiativen raten, zu warten, bis die Tagestemperaturen etwa eine Woche lang zuverlässig über 10 °C liegen. Selbst dann können Sie die Pflanzen einfach durch die Schicht wachsen lassen.
Wie viel Laub sollte man behalten?
Eine feste Menge gibt es nicht, aber mehr ist besser als weniger. Eine brauchbare Richtlinie: Behalten Sie so viel, wie Ihre Beete und Ecken aufnehmen können, ohne Pflanzen zu ersticken, die Ihnen wichtig sind, und lassen Sie den Rest im Laubkorb oder auf dem Kompost statt in der Biotonne. Kommunale Grüngutsammlungen nehmen jeden Herbst riesige Mengen Laub an und verarbeiten sie zentral zu Kompost oder in Biogasanlagen. In jedem Fall gehen die Tiere darin Ihrem Garten verloren.
Wenn in Ihrem Garten kaum Laub fällt, können Sie oft Laub von Nachbarn übernehmen. Wählen Sie Laub von Bäumen, die nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, und nehmen Sie keine Säcke, in denen auch Rasenschnitt von behandelten Flächen steckt. Laub von Straßenbäumen an stark befahrenen Straßen ist für Beete weniger geeignet.
Laub liegen lassen: Mythen und Fakten
Mythos: Laub im Beet lässt meine Pflanzen absterben. Fakt: Stauden und Sträucher haben sich mit dem Laubfall entwickelt. Eine lockere Schicht schützt die Wurzeln vor dem Auffrieren im Wechsel von Frost und Tauwetter. Probleme entstehen vor allem durch sehr dicke, nasse Matten über niedrigen immergrünen Pflanzen oder kleinen Sämlingen.
Mythos: Vögel brauchen im Winter nur Körner. Fakt: Viele Wintervögel fressen beides. Meisen, Zaunkönig, Kleiber, Goldhähnchen, Drosseln und Rotkehlchen sind stark auf ruhende Insekten, Eier und Puppen angewiesen. Selbst Finken und Sperlinge nehmen Wirbellose, wenn sie sie finden.
Mythos: Gehäckseltes Laub ist genauso gut. Fakt: Gehäckseltes Laub ist gut für den Boden, aber das Häckseln tötet viele Insekten und Kokons darin. Für Tiere ist ganzes Laub besser.
Mythos: Laub lockt Ratten und Schädlinge an. Fakt: Ratten werden vor allem von verschüttetem Vogelfutter, Essensresten und dichtem Unterschlupf direkt an Gebäuden angezogen. Eine Laubschicht im Beet mit Abstand zum Haus ist kein nennenswerter Anziehungspunkt. Saubere Futterstellen und aufgeräumtes Futter am Boden sind weit wichtiger.
Mythos: Liegendes Laub sieht unordentlich aus. Fakt: Ordnung ist eine Frage der Rahmung. Scharfe Rasenkanten, freie Wege und ein kleines Schild mit dem Hinweis auf einen Lebensraum lassen Laubbeete bewusst gestaltet wirken. Viele Nachbarn übernehmen die Idee, wenn sie sehen, wie Vögel die Flächen nutzen.
Häufige Fehler beim Laub-liegen-lassen
- Laub nur auf dem Rasen lassen. Der Rasen ist der schlechteste Ort für eine dicke Schicht und der am wenigsten wertvolle Lebensraum. Der Nutzen liegt in Beeten und unter Sträuchern.
- Laubbläser und Laubsauger überall auf höchster Stufe. Leistungsstarke Geräte, besonders Laubsauger mit Häckselfunktion, können Kleintiere einsaugen oder verletzen, und sie sind laut. Der NABU und andere Naturschutzverbände raten seit Jahren davon ab. Nutzen Sie im Beet den Rechen und das Gebläse höchstens sanft auf Wegen.
- Laub verbrennen. Das zerstört Lebensraum, verursacht Rauch und Feinstaub und ist in den meisten Bundesländern und Gemeinden verboten oder nur ausnahmsweise erlaubt. Für Tiere ist es in jedem Fall die schlechteste Lösung.
- Im Frühjahr zu früh räumen. Wer das Laub im März oder am ersten warmen Tag entfernt, wirft genau die Insekten weg, die den ganzen Winter geschützt wurden.
- Laub an die Hauswand oder in Lichtschächte häufen. Das führt zu Feuchtigkeit und Schädlingen und bringt das Laubliegenlassen in Verruf.
- Krankes Laub verteilen. Laub von befallenen Rosskastanien, schorfigen Apfelbäumen oder Rosen mit Sternrußtau gehört nicht in die Laubzonen.
Hilft liegendes Laub auch in kleinen Gärten und in der Stadt?
Ja, und im Verhältnis vielleicht sogar mehr. In einer dicht bebauten Nachbarschaft ist ein einziges Beet mit Laub unter einem Strauch womöglich die einzige Streufläche für mehrere Häuser in jede Richtung. Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Zaunkönige finden sie.
Auf sehr kleinem Raum können Sie:
- Laub unter den einen oder zwei Sträuchern lassen, die Sie haben.
- Etwas Laub um Kübel legen, wo es die Töpfe bei Frost zusätzlich isoliert.
- Einen schmalen Laubkorb im Seitengarten oder hinter dem Gartenhaus aufstellen.
- Das Laub mit einer flachen Wasserstelle und einigen heimischen Pflanzen kombinieren.
Unser Ratgeber, wie Sie einen kleinen vogelfreundlichen Garten anlegen, zeigt, wie diese Elemente in einen kompakten Garten passen.
Was ist mit Laub im Gartenteich und in der Vogeltränke?
Laub, das in einen Teich fällt, gehört teilweise zum natürlichen Ablauf, aber zu viel davon kann faulen und in kleinen Gartenteichen den Sauerstoffgehalt senken. Ein Netz über dem Teich im Herbst und das gesammelte Laub danach in die Beete ist ein vernünftiger Kompromiss.
Bei der Vogeltränke ist es einfacher: Halten Sie sie frei von Laub. Faulendes Laub verdirbt das Wasser schnell und kann Krankheiten unter den Vögeln verbreiten, die dieselbe Tränke nutzen. Unser Ratgeber, wie Sie eine Vogeltränke reinigen, beschreibt eine sichere Routine.
Wie Laub in einen Vogelgarten für das ganze Jahr passt
Laub ist eine Schicht eines größeren Systems. Vögel brauchen in jedem Monat Nahrung, Wasser und Deckung, und ein Garten, der all das über natürliche Strukturen bietet, braucht weniger Zufütterung.
- Herbst: Das Laub fällt und wird zur Streu, Beeren an heimischen Sträuchern reifen, Samenstände trocknen an den Stängeln.
- Winter: Bodenvögel suchen in der Streu, Beerenfresser plündern die Sträucher, Finken bearbeiten die Samenstände. Futterstellen ergänzen das, wie in unserem Ratgeber zur Winterfütterung beschrieben.
- Frühling: Insekten schlüpfen aus Streu und Boden, Raupen erscheinen an heimischen Bäumen, Vogeleltern sammeln sie für ihre Jungen.
- Sommer: Die Laubschicht ist zu nährstoffreichem Boden zerfallen, der gesündere Pflanzen trägt, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Heimische Bäume und Sträucher verstärken diese Wirkung, weil an ihnen mehr Raupenarten leben als an den meisten fremdländischen Ziergehölzen. In Mitteleuropa sind Stiel- und Traubeneiche, Weiden, Birken, Weißdorn und Schlehe besonders ergiebig. Für Früchte in der kalten Jahreszeit lesen Sie unseren Beitrag über Beerensträucher, die Vögel den ganzen Winter ernähren.
Wie erklärt man Nachbarn oder dem Vermieter das Laubliegenlassen?
In Wohnanlagen, Mietgärten und Kleingartenvereinen gibt es oft Vorstellungen von einem ordentlichen Garten. Ein paar praktische Wege:
- Die Vorderseite gepflegt halten. Rasen mähen und abkanten, Gehwege freihalten und das Laub in klar abgegrenzte Beete legen.
- Ein Schild aufstellen. Kleine Schilder mit Hinweisen wie Lebensraum für Igel und Vögel zeigen Absicht statt Vernachlässigung.
- Auf Fachleute verweisen. Der NABU, der LBV und viele Gartenämter und Umweltberatungen empfehlen, Laub als Winterquartier und Mulch im Garten zu lassen. In Nordamerika wirbt die Xerces Society unter dem Motto Leave the Leaves für dieselbe Praxis.
- Die Ersparnis nennen. Weniger Säcke, weniger Fahrten zum Wertstoffhof, weniger gekaufter Mulch und weniger Stunden mit dem Rechen.
Kurz und knapp
- In der Laubstreu überwintern Nachtfalter, Schmetterlinge, Käfer, Spinnen, Schnecken und Glühwürmchenlarven, außerdem Igel und Kröten.
- Bodenvögel wie Amsel, Rotkehlchen, Singdrossel, Heckenbraunelle und Zaunkönig finden darin Winternahrung.
- Ein Meisenpaar braucht für eine Brut viele Tausend Raupen, von denen viele aus überwinterten Faltern hervorgehen.
- Ganzes Laub ist für Tiere besser als gehäckseltes, gehäckseltes Laub ist für den Rasen in Ordnung.
- Bringen Sie Laub von Rasen, Wegen und Abflüssen in Beete und unter Sträucher.
- Warten Sie im Frühjahr, bis es zuverlässig mild ist, oder lassen Sie das Laub in den Beeten einfach verrotten.
Quellen
Häufige Fragen
Warum sollte man Laub im Garten liegen lassen?
Herbstlaub ist Winterquartier. In und unter der Laubschicht überwintern Raupen, Puppen von Nachtfaltern, Käfer, Spinnen, Schnecken und Asseln, außerdem Igel und Kröten. Diese Tiere sind Winterfutter für Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig und im Frühjahr die Grundlage für die Raupen, mit denen Meisen und viele andere Singvögel ihre Jungen füttern.
Muss das Laub auch auf dem Rasen liegen bleiben?
Nein. Eine dicke, nasse Laubdecke kann den Rasen über den Winter ersticken und Schneeschimmel fördern. Der übliche Kompromiss: Rechen Sie das Laub vom Rasen in die Beete, unter Sträucher und um Baumscheiben, wo es am meisten nützt. Alternativ können Sie eine dünne Laubschicht mit dem Rasenmäher zerkleinern, damit sie den Boden düngt.
Sollte man Laub vor dem Liegenlassen häckseln?
Für Tiere ist ganzes Laub besser. Viele Kokons, Puppen und überwinternde Insekten hängen an einzelnen Blättern oder sind darin eingerollt, und Häcksler oder Mäher zerstören sie. Gehäckseltes Laub verbessert trotzdem den Boden und passt daher gut auf den Rasen. In Beeten und unter Sträuchern bietet ganzes Laub mehr Schutz und mehr Vogelnahrung.
Lockt liegendes Laub Zecken an?
Laubstreu hält Feuchtigkeit, und der Gemeine Holzbock, die häufigste Zecke in Mitteleuropa, nutzt sie. Das spricht dafür, Laub von Rasen, Wegen und Spielflächen fernzuhalten, aber nicht dafür, es aus dem ganzen Garten zu entfernen. Legen Sie die Laubschicht in Beete und wilde Ecken, die selten betreten werden, und suchen Sie sich nach der Gartenarbeit ab.
Wann darf man das Laub im Frühjahr entfernen?
Warten Sie, bis die Insekten geschlüpft sind. Eine verbreitete Faustregel lautet, abzuwarten, bis die Tagestemperaturen eine Woche oder länger zuverlässig über etwa 10 °C liegen. Aus Beeten müssen Sie das Laub aber gar nicht entfernen: Stauden wachsen hindurch, und bis zum Sommer ist die Schicht zu Mulch und Humus zerfallen.