Samenstände stehen lassen: Diese Stauden füttern Finken im Winter
Samenstände stehen lassen für Finken im Winter: Wilde Karde, Flockenblume, Disteln, Nachtkerze, Sonnenhut und Gräser. Welche Pflanzen und wann zurückschneiden.

In diesem Artikel
- Kurz gefasst: die wichtigsten Samenstände für Finken im Winter
- Warum sind Finken im Winter auf Samenstände angewiesen?
- Welche Finken besuchen im Winter Samenstände?
- Welche Pflanzen halten ihre Samen am längsten?
- So planen Sie einen finkenfreundlichen Samengarten
- Samenstände nach Standort: eine Startliste
- Wie holen Finken die Samen aus unterschiedlichen Samenständen?
- Zählen Bäume und Sträucher auch als Samenstände?
- Was ist mit Sonnenblumen und einjährigen Sommerblumen?
- Wann sollte man Samenstände im Frühjahr zurückschneiden?
- Woran erkennen Sie, dass Vögel die Samenstände nutzen?
- Mythen und Fakten zu Samenständen und Finken
- Häufige Fehler
- Wie ergänzen sich Samenstände und Futterstellen?
- Kurz und knapp
- Quellen
- Häufige Fragen
Die besten Samenstände für Finken im Winter tragen kleine Samen an steifen Stängeln über dem Schnee. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind das vor allem Wilde Karde, Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume, heimische Kratzdisteln, Wegwarte, Nachtkerze, Gewöhnliche Goldrute, Sonnenblumen und locker stehende Gräser. Auch die in Gärten verbreiteten Sonnenhut-Arten werden gern genutzt. Hören Sie im Spätsommer auf, Verblühtes abzuschneiden, lassen Sie die Stängel über den Winter stehen und schneiden Sie erst im Frühjahr auf etwa 20 bis 60 cm zurück.
Das ist die Kurzfassung. Der Rest dieses Ratgebers erklärt, warum Finken bestimmte Samenstände bevorzugen, welche Pflanzen am längsten in den Winter hinein halten, wie Sie sie anordnen, damit Vögel sie wirklich nutzen, und wann Sie zurückschneiden können, ohne der nächsten Generation von Wildbienen zu schaden.
Kurz gefasst: die wichtigsten Samenstände für Finken im Winter
| Pflanze | Samenart | Finken, die sie nutzen | Hält bis in den Winter? |
|---|---|---|---|
| Wilde Karde (Dipsacus fullonum) | Samen in stacheligen Köpfen | Stieglitz | Sehr gut |
| Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume (Centaurea jacea, C. scabiosa) | Kleine Samen in Köpfchen | Stieglitz, Bluthänfling | Gut |
| Kratzdisteln (Cirsium) und Kletten (Arctium) | Samen mit Flugschirm oder Haken | Stieglitz, Grünfink | Disteln im Spätsommer und Herbst, Kletten länger |
| Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus) | Kleine Samen an sparrigen Stängeln | Stieglitz, Bluthänfling | Mäßig |
| Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) | Winzige Samen in Kapseln | Stieglitz, Grünfink | Sehr gut |
| Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) | Winzige Samen | Stieglitz, Erlenzeisig | Gut |
| Sonnenblumen (Helianthus) | Große bis mittlere Samen | Grünfink, Stieglitz, Meisen | Einjährige leeren sich schnell |
| Sonnenhut (Echinacea, Rudbeckia, Gartenstauden) | Kleine Samen in Zapfen | Stieglitz, Grünfink | Gut |
| Acker-Witwenblume und Tauben-Skabiose | Kleine Samen in Köpfchen | Stieglitz | Mäßig |
| Gräser wie Wiesen-Fuchsschwanz oder Zittergras | Grassamen | Sperlinge, Ammern, Finken | Gut |
| Birke und Erle | Samen in Kätzchen und Zäpfchen | Erlenzeisig, Birkenzeisig | Sehr gut, bis in den Spätwinter |
Warum sind Finken im Winter auf Samenstände angewiesen?
Finken sind Samenspezialisten. Ihr kegelförmiger Schnabel ist zum Knacken und Entspelzen gebaut, und die meisten Arten fressen fast das ganze Jahr über Samen. Der Stieglitz ist besonders stark auf halbreife und reife Samen von Korbblütlern ausgerichtet und füttert seine Jungen, anders als viele andere Singvögel, zu einem großen Teil mit Samen und nur ergänzend mit Insekten. Der Bluthänfling ernährt seine Nestlinge sogar fast ausschließlich mit Sämereien.
Der Winter macht das Leben für Finken schwerer. Die Tage sind kurz, die Nächte lang und kalt, und ein kleiner Vogel muss tagsüber genug fressen, um nachts durchzuhalten. Unser Beitrag, wie Vögel im Winter warm bleiben, erklärt die Körperfunktionen dahinter. Samen sind energiereich, und ein Garten voller stehender Samenstände ist ein Buffet, an dem ein Vogel nicht mit Dutzenden anderen um einen Platz am Futterhaus kämpfen muss.
Warum Samenstände und nicht Samen am Boden?
Samen über dem Boden bleiben auch nach Schneefall erreichbar. Sie schimmeln weniger leicht, und Finken können im Sitzen fressen und dabei nach Sperbern Ausschau halten. Viele Finken, vor allem Stieglitz und Erlenzeisig, sind akrobatische Fresser, die sich an schwankende Stängel klammern und sogar kopfüber hängen. Steife, aufrechte Samenstände passen perfekt zu ihnen.
Welche Finken besuchen im Winter Samenstände?
Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Stieglitz (Distelfink). Der zuverlässigste Gast. Sein deutscher Zweitname verrät die Vorliebe. Mit dem dünnen, spitzen Schnabel erreicht er Samen tief in den Köpfen der Wilden Karde. Im Winter ziehen Stieglitze oft in kleinen Trupps durch Gärten und Brachen.
- Grünfink. Kräftigerer Schnabel, nimmt größere Samen wie Sonnenblumenkerne und die Samen aus Hagebutten, aber auch kleinere Sämereien. Die Bestände sind seit einigen Jahren durch die Krankheit Trichomonose deutlich zurückgegangen.
- Erlenzeisig. Frisst im Winter vor allem Samen von Erlen und Birken, oft in gemischten Trupps mit Birkenzeisigen und Stieglitzen.
- Birkenzeisig. In manchen Wintern häufiger, in anderen kaum zu sehen. Nutzt Birkensamen und Staudensamen, die aus dem Schnee ragen.
- Bluthänfling. Ein Vogel der Feldflur, der Samenstände an Wegrändern, Brachen und in großen, naturnahen Gärten nutzt.
- Gimpel. Frisst neben Knospen auch Samen, etwa von Eschen, Birken und verschiedenen Stauden, und kommt im Winter öfter in Gärten.
Auch Haus- und Feldsperlinge, Goldammern, Kohl-, Blau- und Sumpfmeisen nehmen Samen, oft von tief hängenden Ständen oder von Samen, die auf den Schnee gefallen sind.
Andere Regionen
In Nordamerika übernimmt der Goldzeisig die Rolle des Stieglitzes und nutzt Sonnenhut, Astern, Goldruten und Disteln. In Brasilien fressen Safranammern und verschiedene Pfäffchen (Sporophila) intensiv an Grassamenständen. Das Prinzip ist überall dasselbe: Wer Pflanzen aussamen lässt, füttert Samenfresser.
Welche Pflanzen halten ihre Samen am längsten?
Nicht alle Samenstände halten gleich lange. Manche sind in wenigen Wochen leer, weil Vögel sie abernten oder die Samen ausfallen. Andere halten bis in den Spätwinter.
Frühe Saison (Spätsommer bis Frühherbst)
Einjährige Sonnenblumen, Disteln und Ringelblumen sind oft schon vor Ende des Herbstes abgeerntet. Das ist in Ordnung: Sie ernähren Stieglitze in der späten Brutzeit und während des Umherstreifens im Herbst. Pflanzen Sie sie für dieses Zeitfenster, nicht für den Januar.
Mittlere Saison (Herbst bis Frühwinter)
Flockenblumen, Sonnenhut, Wegwarte, Witwenblumen und Skabiosen tragen meist noch Samen, wenn der erste Schnee fällt. Sonnenhut ist besonders nützlich, weil die steifen Zapfen aufrecht und trocken bleiben.
Späte Saison (tiefer Winter)
Wilde Karde, Nachtkerze, Kletten, viele Gräser und Gehölze wie Birke und Erle halten ihre Samen bis weit in den Winter. Sie bringen Vögel durch die mageren Wochen, in denen viele andere Stände leer sind.
Eine Mischung aus allen drei Zeitfenstern bietet Finken Nahrung von August bis März. Und wenn eine Pflanze einmal ein schlechtes Samenjahr hat, füllen andere die Lücke.
So planen Sie einen finkenfreundlichen Samengarten
- Heimische Arten zuerst. An heimischen Pflanzen leben weit mehr Insekten, die andere Vögel im Frühjahr brauchen, und sie sind an Klima und Boden angepasst. Achten Sie auf Saatgut und Pflanzen aus regionaler Herkunft, wie sie Wildstaudengärtnereien anbieten.
- In Gruppen pflanzen. Gruppen aus drei bis sieben Pflanzen einer Art finden Finken leichter als einzelne, verstreute Exemplare. Gruppen wirken im Winter außerdem gestalteter.
- Höhen mischen. Hohe Pflanzen wie Wilde Karde, Königskerze oder Sonnenblumen ragen über den Schnee. Mittelhohe Flockenblumen und Sonnenhut füllen die Mitte. Niedrige Seggen und Gräser geben Deckung.
- Gehölze in der Nähe. Finken fressen entspannter, wenn Sträucher oder kleine Bäume nur einen kurzen Flug entfernt sind. Immergrüne wie Eibe oder Wacholder bieten im Winter besonders guten Schutz.
- Im Spätsommer nicht mehr ausputzen. Das Abschneiden von Verblühtem im Juni verlängert die Blüte. Ab August lassen Sie verblühte Blüten stehen, damit sie Samen ansetzen.
- Stängel stehen lassen. Schneiden Sie Stauden im Herbst nicht zurück. Stehende Stängel fangen außerdem Schnee und schützen die Pflanzenbasis vor Frost.
- Mit Laub und Reisig kombinieren. Samen, die zu Boden fallen, fressen Buchfinken, Sperlinge und Ammern, die gern im Schutz von Laub und Reisig suchen. Lesen Sie dazu, warum Sie das Laub liegen lassen sollten und wie Sie einen Reisighaufen anlegen.
Samenstände nach Standort: eine Startliste
Die folgenden Pflanzen sind in Mitteleuropa bekannt und verbreitet. Prüfen Sie trotzdem, was in Ihrer Region heimisch ist und zu Ihrem Boden passt.
Sonnige, magere Standorte
Wilde Karde, Skabiosen-Flockenblume, Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Acker-Witwenblume, Tauben-Skabiose, Wilde Möhre, Natternkopf, Nachtkerze, Königskerzen und Gräser wie Aufrechte Trespe oder Schafschwingel.
Normale Gartenbeete
Sonnenhut, Sonnenblumen, Gewöhnliche Goldrute, Margeriten, Schafgarbe, Mädchenauge, Ringelblume, Kornblume und Wiesen-Knäuelgras oder Zittergras am Beetrand.
Feuchte und halbschattige Lagen
Wasserdost, Blutweiderich, Sumpf-Kratzdistel, Mädesüß sowie Erlen und Birken in der Nähe für Erlen- und Birkenzeisig.
Balkon und kleine Flächen
Kornblumen, Ringelblumen, eine niedrige Sonnenblumensorte, Wegwarte im großen Kübel und eine kleine Gruppe Flockenblumen. Auch hier gilt: Samen ansetzen lassen, nicht ausputzen.
Wie holen Finken die Samen aus unterschiedlichen Samenständen?
Finken an Samenständen zu beobachten ist eine Lektion in Schnabelform. Jede Pflanze verpackt ihre Samen anders, und jede Finkenart kommt mit manchen Verpackungen besser zurecht als mit anderen.
Zapfen und Scheiben
Sonnenhut und Sonnenblumen halten ihre Samen fest in einer stacheligen oder gewölbten Mitte. Stieglitze sitzen auf dem Stängel oder direkt auf dem Zapfen und ziehen die Samen einzeln heraus, wobei sie den Kopf drehen, um an den Spitzen vorbeizukommen. Grünfinken mit ihrem kräftigeren Schnabel knacken größere Kerne schneller, bewegen sich aber weniger geschickt an dünnen Stängeln.
Flugschirm-Samen
Disteln, Löwenzahn, Wegwarte und Goldruten tragen Samen an einem Schirm aus feinen Haaren, dem Pappus. Stieglitze und Zeisige lösen den Samen und lassen den Flaum davonfliegen, weshalb der Boden unter einer Distelgruppe im Spätsommer oft wie verschneit aussieht.
Kapseln und Ähren
Die Nachtkerze bewahrt winzige Samen in holzigen Kapseln auf, die sich über den Winter nach und nach öffnen und so immer wieder etwas Nahrung freigeben. Königskerzen tragen ihre Kapseln an langen Ähren, die Vögel von oben nach unten absuchen.
Tiefe, stachelige Köpfe
Die Wilde Karde verbirgt ihre Samen am Grund schmaler, stachelbewehrter Kammern. Untersuchungen an Stieglitzen in Großbritannien fanden, dass Männchen, die meist einen etwas längeren Schnabel haben, die Kardensamen im Allgemeinen besser erreichen als Weibchen. Ein kleines, anschauliches Beispiel dafür, wie Schnabelform und Nahrung zusammenpassen.
Zählen Bäume und Sträucher auch als Samenstände?
Für einige Wintervögel sind Bäume wichtiger als jedes Staudenbeet. Birken und Erlen bilden Kätzchen und kleine Zapfen voller winziger Samen, die bis in den Spätwinter hängen bleiben. Erlen- und Birkenzeisige fressen sie in großen Mengen und hängen dabei oft kopfüber an den Zweigspitzen. Nadelbäume wie Fichte, Kiefer und Lärche ernähren in guten Zapfenjahren Fichtenkreuzschnäbel und Erlenzeisige, Buchen in Mastjahren riesige Bergfinkenschwärme, und die Hainbuche liefert dem Kernbeißer Samen.
Wenn Sie Platz für einen Baum haben, verlängert eine heimische Birke oder Schwarzerle neben Ihrem Staudenbeet die Saison für Finken, die Blumenbeete allein nicht versorgen können.
Was ist mit Sonnenblumen und einjährigen Sommerblumen?
Einjährige Sonnenblumen ziehen Finken magisch an, verhalten sich aber anders als Stauden. Großköpfige Sorten können von Grünfinken, Stieglitzen, Meisen und Eichhörnchen in wenigen Tagen abgeerntet werden. In nassen Herbsten schimmeln große Köpfe außerdem, bevor die Vögel damit fertig sind.
Einige Möglichkeiten:
- Mehrköpfige, kleinblütige Sorten wählen. Sie trocknen schneller und verteilen das Futter über einen längeren Zeitraum.
- Einige Köpfe abschneiden und aufhängen. Trocknen Sie sie unter einem Dach und hängen Sie sie im Winter auf, wenn die Staudensamen knapp werden.
- Sommerblumen wie Ringelblumen, Kornblumen oder Cosmea aussamen lassen. Stieglitze picken im Herbst daran.
Vermeiden Sie pollenfreie Schnittblumensorten, wenn es Ihnen um Vögel geht. Sonnenblumen, die für die Vase gezüchtet wurden, bilden oft kaum oder keine keimfähigen Samen und liefern Vögeln wenig.
Wann sollte man Samenstände im Frühjahr zurückschneiden?
Der Zeitpunkt ist aus zwei Gründen wichtig: Vögel fressen im Spätwinter vielleicht noch die letzten Samen, und viele Insekten überwintern in oder an abgestorbenen Stängeln.
- Warten, bis sich Neuaustrieb zeigt, an der Basis der Pflanzen.
- Die Temperatur als Richtwert nehmen. Viele Initiativen zum Schutz von Wildbienen raten, zu warten, bis die Tagestemperaturen zuverlässig über etwa 10 °C liegen. In vielen Regionen Mitteleuropas ist das im April.
- Stoppeln stehen lassen. Schneiden Sie Stängel auf etwa 20 bis 60 cm statt bodennah zurück. Hohle und markhaltige Stängel von Pflanzen wie Königskerze, Karde, Brombeere, Holunder oder Beifuß werden im Sommer zu Nistplätzen für kleine Wildbienen, und der Neuaustrieb verdeckt die Stoppeln bald.
- Schnittgut im Garten lassen. Legen Sie die abgeschnittenen Stängel für einige Wochen locker an den Beetrand oder auf einen Reisighaufen, damit Insekten darin noch schlüpfen können.
Woran erkennen Sie, dass Vögel die Samenstände nutzen?
Finken an Samenständen sind oft leiser und unauffälliger als am Futterhaus. Ein paar Hinweise helfen beim Beobachten:
- Wippende Stängel ohne Wind. Ein Stieglitz oder Zeisig bringt einen Kardenstängel deutlich ins Schwingen. Achten Sie an ruhigen Morgen auf Bewegung im Beet.
- Flaum am Boden. Unter Disteln, Wegwarten und Goldruten liegen nach einem Besuch oft Flugschirme und Spelzen.
- Leere Köpfe. Sonnenhut- und Flockenblumenköpfe, die im Oktober noch dicht wirken und im Dezember kahl sind, wurden meist nicht vom Wind geleert.
- Rufe. Stieglitze verraten sich durch ein helles, perlendes Zwitschern, Erlenzeisige durch feine, gedehnte Rufe aus den Baumkronen von Erlen und Birken.
- Trupps am Morgen. Viele Finken kommen in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang, wenn der Energiebedarf nach der langen Nacht am größten ist.
Wer die Besucher notieren möchte, kann an Mitmachaktionen wie der Stunde der Wintervögel von NABU und LBV im Januar teilnehmen. So wird aus dem eigenen Beet ein kleiner Beitrag zur Vogelkunde, und Sie sehen über die Jahre, welche Pflanzen bei Ihnen am besten funktionieren.
Mythen und Fakten zu Samenständen und Finken
Mythos: Samenstände sehen unordentlich aus, also brauchen Vögel sie wohl nicht wirklich. Fakt: Samenstände im Winter gehören zu den wichtigsten natürlichen Nahrungsquellen für Finken und Sperlinge im Garten. Der Eindruck ist eine Frage der Rahmung: Saubere Kanten und Wege lassen ein Beet mit Samenständen bewusst gestaltet wirken, und bereifte Karden sehen an einem Wintermorgen ausgesprochen schön aus.
Mythos: Samenstände verbreiten Unkraut. Fakt: Heimische Stauden säen sich in gewissem Maß selbst aus, was viele Gärtner begrüßen. Stark aussamende Arten lassen sich an Stellen pflanzen, an denen Ausbreitung kein Problem ist. Das eigentliche Problem sind invasive gebietsfremde Arten, die vor der Samenreife geschnitten werden sollten.
Mythos: Finken fressen nur Nigersaat. Fakt: Nigersaat ist ein praktisches Futter für den Spender, aber wilde Finken fressen Hunderte Samenarten. Niger stammt aus Äthiopien und Indien und wird als Kulturpflanze angebaut, er gehört nicht zur natürlichen Nahrung europäischer Finken. Unser Ratgeber zu Futterspendern für Nigersaat hilft, wenn Sie ihn als Ergänzung nutzen möchten.
Mythos: Samenstände sind nur etwas für Stieglitze. Fakt: Meisen, Sperlinge, Ammern, Grünfinken, Gimpel und sogar Buntspechte nehmen Samen von stehenden Pflanzen.
Häufige Fehler
- Im Herbst alles zurückschneiden. Das entfernt Nahrung und Schutz genau zu Beginn der härtesten Jahreszeit.
- Den ganzen Sommer ausputzen. Putzen Sie früh aus, um die Blüte zu verlängern, und hören Sie im Spätsommer damit auf.
- Nur eine Art pflanzen. Eine Pflanze bietet ein kurzes Zeitfenster. Eine Mischung deckt den ganzen Winter ab.
- Invasive Pflanzen wegen ihrer Samen stehen lassen. Kanadische und Riesen-Goldrute breiten sich aggressiv aus und verdrängen heimische Pflanzen. Wählen Sie heimische Arten wie die Gewöhnliche Goldrute, die dieselben Vögel ernähren.
- Pflanzenschutzmittel an Samenpflanzen. Systemische Insektizide gelangen in Pollen und Nektar, und viele Samenpflanzen sind auch Raupenfutter, das Vögel im Frühjahr brauchen.
- Samenpflanzen weit weg von Deckung setzen. Finken mitten auf freier Fläche fühlen sich durch Sperber bedroht. Setzen Sie Samenbeete in die Nähe von Sträuchern. Unser Ratgeber zu Greifvögeln an der Futterstelle erklärt, wie Jäger offene Flächen nutzen.
Wie ergänzen sich Samenstände und Futterstellen?
Natürliche Samenstände und Futterstellen ergänzen sich. Samenstände verteilen die Vögel im Garten, was Gedränge verringert und damit auch die Übertragung von Krankheiten wie Trichomonose, die sich an vollen Futterstellen leichter ausbreiten. Außerdem haben Finken etwas zu fressen, wenn Sie einmal nicht nachfüllen können.
Futterstellen springen ein, wenn natürliche Samen knapp werden, meist im Hoch- und Spätwinter, und bei Schneefällen, die niedrige Stände begraben. Ein vernünftiger Plan: Stützen Sie sich im Herbst und Frühwinter vor allem auf Samenstände und bauen Sie das Futterangebot im Laufe des Winters aus. Was sich eignet, lesen Sie in unserem Ratgeber, was Vögel im Winter fressen sollten.
Kurz und knapp
- Stieglitze sind eng an Karden, Disteln und Flockenblumen gebunden und füttern ihre Jungen zu einem großen Teil mit Samen.
- Wilde Karde, Flockenblumen, Wegwarte, Nachtkerze, Sonnenhut, Gewöhnliche Goldrute und Gräser gehören zu den nützlichsten Samenständen im Garten.
- Birken- und Erlensamen ernähren im Winter Erlen- und Birkenzeisige.
- Hören Sie im Spätsommer mit dem Ausputzen auf und lassen Sie die Stängel bis zum Frühjahr stehen.
- Schneiden Sie im Frühjahr auf 20 bis 60 cm zurück und lassen Sie hohle Stängel für Wildbienen stehen.
- Lassen Sie invasive Arten wie die Kanadische Goldrute nicht aussamen.
Quellen
Häufige Fragen
Welche Samenstände mögen Stieglitze im Winter am liebsten?
Stieglitze sind bekannt für ihre Vorliebe für Wilde Karde, Disteln und Kratzdisteln, Flockenblumen, Kletten und andere Korbblütler wie Löwenzahn und Wegwarte. Im Garten nutzen sie auch Sonnenblumen, Sonnenhut und Nachtkerze. Ihr feiner, spitzer Schnabel ist darauf ausgelegt, kleine Samen aus Blütenköpfen herauszuholen, oft während sie kopfüber an schwankenden Stängeln hängen.
Wann sollte man Samenstände zurückschneiden?
Lassen Sie sie über den Winter stehen und schneiden Sie im Frühjahr zurück, wenn der Neuaustrieb beginnt und die Tagestemperaturen zuverlässig mild sind, grob über 10 °C. Viele Wildbienen-Initiativen raten außerdem, hohle und markhaltige Stängel auf 20 bis 60 cm Höhe stehen zu lassen, weil einige Wildbienen im folgenden Sommer darin nisten.
Fressen Vögel wirklich Samen von Gartenstauden?
Ja, wenn die Pflanzen Samen ansetzen dürfen und die Stände stehen bleiben. Stieglitz, Grünfink, Erlenzeisig, Bluthänfling, Sperlinge, Meisen und Ammern fressen Samen von Stauden und Gräsern. Wer ständig verblühte Blüten abschneidet, entfernt diese Nahrung. Hören Sie deshalb im Spätsommer damit auf, bei den Pflanzen, die Vögel nutzen sollen.
Sollte man Samenstände invasiver Pflanzen stehen lassen?
Nein. Samenstände invasiver Arten verbreiten diese in angrenzende Naturflächen. In Mitteleuropa gehören Kanadische und Riesen-Goldrute sowie Drüsiges Springkraut zu den bekannten Beispielen, die vor der Samenreife geschnitten werden sollten. Pflanzen Sie stattdessen heimische Arten wie die Gewöhnliche Goldrute, Flockenblumen oder die Wilde Karde, die dieselben Vögel ernähren.
Ersetzen Samenstände eine Futterstelle für Finken?
Nicht ganz, aber sie entlasten die Futterstelle und verteilen die Vögel im Garten. In vielen Regionen sind die Samenstände im Hoch- bis Spätwinter leer, sodass ein Futterspender mit Nigersaat oder Sonnenblumenkernen eine sinnvolle Ergänzung ist. Natürliche Samenstände bergen zudem ein geringeres Krankheitsrisiko als volle Futterstellen, weil sich die Vögel nicht an einem Punkt drängen.