Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen?
Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen? Ein kleines, fest sitzendes Gehirn, extrem kurze Schläge in gerader Linie und ein steifer Schädel schützen sie.

In diesem Artikel
- Kurz beantwortet: Wie schützen Spechte ihr Gehirn?
- Wie hart schlägt ein Specht zu?
- Warum macht ein kleines Gehirn einen so großen Unterschied?
- Warum schützen Schläge in gerader Linie das Gehirn?
- Ist der Schädel eines Spechts ein Stoßdämpfer?
- Wozu dient das Zungenbein des Spechts?
- Bekommen Spechte jemals Hirnschäden?
- Ist Trommeln für den Kopf härter als Nahrungssuche?
- Warum bricht der Schnabel des Spechts nicht?
- Spechte rund um die Welt
- Mythen und Fakten zum Spechtkopf
- Kann die Spechtforschung Menschen helfen?
- Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
- Schnelle Fakten
- Quellen
- Häufige Fragen
Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen oder Gehirnerschütterungen vom Hacken? Vor allem, weil ihr Gehirn sehr klein ist und eng im Schädel sitzt. Dadurch verträgt es das plötzliche Abbremsen beim Aufprall, etwa 1.000 g oder mehr, weit besser als ein menschliches Gehirn. Jeder Schlag dauert außerdem nur etwa eine tausendstel Sekunde und trifft in gerader Linie entlang des Schnabels. Entgegen einer verbreiteten Vorstellung deutet neuere Forschung darauf hin, dass der Schädel gar kein Stoßdämpfer ist: Er funktioniert eher wie ein steifer Hammer.
Dieser letzte Befund hat jahrelange Annahmen umgeworfen, etwa dass schwammiger Knochen und ein um den Kopf geschlungenes Zungenbein jeden Schlag abfedern. Hier lesen Sie, was Fachleute heute für den eigentlichen Schutz des Spechtkopfes halten und was noch unbekannt ist.
Kurz beantwortet: Wie schützen Spechte ihr Gehirn?
- Kleines Gehirn: Die Belastbarkeit gegenüber Stößen steigt stark, je kleiner ein Gehirn ist. Ein Spechtgehirn wiegt nur wenige Gramm.
- Enger Sitz: Wenig Flüssigkeitsraum um das Gehirn begrenzt Schwappen und Prellungen.
- Kurze Schläge: Jeder Aufprall dauert etwa eine halbe bis eine Millisekunde.
- Schläge in gerader Linie: Der Kopf bewegt sich geradlinig und dreht sich kaum. Drehbewegungen verursachen beim Menschen die schlimmsten Hirnverletzungen.
- Steifer statt federnder Kopf: Schädel und Schnabel leiten die Kraft ins Holz, statt sie aufzunehmen.
- Kräftiger Hals und Körper: Muskeln, Schwanz und Füße stützen den Vogel und kontrollieren jeden Schlag.
- Offene Fragen: Eine Studie fand ein mit Hirnverletzungen verbundenes Protein in einigen Spechtgehirnen, und seine Bedeutung ist nicht geklärt.
Wie hart schlägt ein Specht zu?
Für seine Größe sehr hart. Klassische Messungen legten nahe, dass der Kopf eines Spechts beim Auftreffen auf Holz mit etwa dem 1.000-Fachen der Erdbeschleunigung (1.000 g) oder mehr abgebremst wird. Neuere Hochgeschwindigkeitsaufnahmen ergeben je nach Art und Art des Hackens Spitzenwerte von einigen Hundert bis über tausend g. Zum Vergleich: Gehirnerschütterungen beim Menschen werden oft mit Kopfbeschleunigungen von grob 60 bis 100 g oder mehr in Verbindung gebracht, auch wenn die genaue Schwelle stark schwankt.
Spechte schlagen zudem oft zu. Das Trommeln, das schnelle Signal, mit dem Spechte ihr Revier beanspruchen und Partner anlocken, erreicht je nach Art etwa 10 bis 25 Schläge pro Sekunde. Eine Bruthöhle in festes Holz zu zimmern, kann Tage bis Wochen dauern. Über einen Tag gerechnet kommen Schätzungen auf Tausende Schläge.
Genau diese Zahlen faszinieren Ingenieurinnen und Mediziner. Würde ein Mensch seinen Kopf so hart und so oft anschlagen, wären die Schäden schwer. Warum Spechte das überhaupt tun, erklärt unser Artikel, warum Spechte ins Holz hacken.
Warum macht ein kleines Gehirn einen so großen Unterschied?
Das ist der Kern der Antwort, und er folgt aus einfacher Physik. Wenn ein Kopf in Bewegung plötzlich stoppt, bewegt sich das Gehirn im Inneren noch einen Augenblick weiter und drückt gegen den Schädel. Die dabei im Hirngewebe entstehende Belastung hängt stark von der Größe des Gehirns ab.
Skalierungsregeln legen nahe, dass die Beschleunigung, die ein Gehirn verträgt, mit sinkender Hirnmasse steigt, und zwar ungefähr proportional zur Hirnmasse hoch minus ein Drittel. Praktisch bedeutet das: Ein Gehirn von wenigen Gramm hält Beschleunigungen aus, die um ein Vielfaches höher liegen als bei einem menschlichen Gehirn von etwa 1.300 bis 1.400 g. Forschende, die die Zahlen verglichen, kamen zu dem Ergebnis, dass selbst ein harter Spechtschlag in dem Bereich bleibt, den ein so kleines Gehirn vertragen sollte.
Einfach gesagt: Ein Specht ist kein winziger Mensch mit zusätzlicher Polsterung. Er ist ein kleines Tier, dessen Gehirn von Natur aus robust gegenüber Stößen ist, die einem großen Gehirn schaden würden.

Spielt der Sitz des Gehirns eine Rolle?
Ja. Beim Menschen umgibt Hirnwasser das Gehirn und federt Alltagsbewegungen ab. Bei einem heftigen Aufprall kann sich das Gehirn in dieser Flüssigkeitsschicht aber verschieben und gegen den Schädel stoßen. Das Gehirn eines Spechts sitzt eng im Schädel, mit vergleichsweise wenig Flüssigkeitsraum drumherum. Es hat also weniger Platz, um Schwung aufzubauen, bevor es auf Knochen trifft.
Auch Form und Ausrichtung des Gehirns helfen. Das Spechtgehirn ist so ausgerichtet, dass seine breite Fläche in Schlagrichtung zeigt. Die Kraft verteilt sich dadurch auf eine größere Fläche, statt sich an einer Stelle zu bündeln.
Warum schützen Schläge in gerader Linie das Gehirn?
Viele schwere Hirnverletzungen beim Menschen entstehen nicht durch gerade Schläge, sondern durch Drehung, wenn der Kopf herumgerissen wird oder peitschenartig schwingt. Drehbewegungen erzeugen Scherkräfte, die Nervenfasern tief im Gehirn dehnen und zerreißen.
Spechte schlagen weitgehend geradlinig. Schnabel, Kopf und Hals liegen in Bewegungsrichtung, und die kräftige Halsmuskulatur hält den Kopf auf Kurs. Hochgeschwindigkeitsvideos zeigen beim Aufprall bemerkenswert wenig Verdrehung. So vermeidet der Specht genau die Art von Drehbelastung, die Gehirnen am meisten schadet.
Auch der Körper hilft mit. Ein Specht klammert sich mit kräftigen Füßen an den Stamm, bei vielen Arten mit zwei Zehen nach vorn und zwei nach hinten. Die steifen Schwanzfedern stützen sich gegen die Rinde. Dieser Dreipunktstand macht den Vogel zu einer stabilen Plattform, sodass jeder Schlag kontrolliert und genau sitzt. Beim Buntspecht am Meisenknödel oder beim krähengroßen Schwarzspecht im Buchenwald lässt sich diese Haltung gut beobachten.
Ist der Schädel eines Spechts ein Stoßdämpfer?
Jahrelang beschrieben Artikel, Museumstafeln und sogar manche Ingenieursveröffentlichungen den Spechtschädel als natürlichen Stoßdämpfer. Die Geschichte ging so: Schwammiger Knochen hinter dem Schnabel, ein biegsames Zungenbein und polsterndes Gewebe schlucken die Energie jedes Schlags.
Eine Studie aus dem Jahr 2022 unter Leitung von Forschenden der Universität Antwerpen stellte das infrage. Das Team filmte Schwarzspechte, Buntspechte und nordamerikanische Helmspechte mit Hochgeschwindigkeitskameras beim Hacken und verfolgte die Bewegung von Schnabel und Auge. Ergebnis: Der Kopf bremste fast so schnell ab wie die Schnabelspitze. Auf dem Weg vom Schnabel zum Gehirn wurde also nur sehr wenig Energie aufgenommen.
Die Modellrechnungen des Teams zeigten, warum das sinnvoll ist. Wäre der Kopf ein guter Stoßdämpfer, würde er jeden Schlag abschwächen, und der Vogel müsste härter oder öfter zuschlagen, um das Holz aufzuhacken. Die Evolution scheint einen steifen Hammer zu bevorzugen, der Kraft effizient überträgt. Das Gehirn ist vor allem durch seine geringe Größe geschützt, nicht durch Polsterung.
Und der schwammige Knochen?
Spechtschädel haben tatsächlich Bereiche mit plattenartigem, schwammigem Knochen, vor allem am Hinter- und Oberkopf, und der Schnabel ist aus Knochen und Horn geschichtet. Diese Merkmale helfen dem Schädel wahrscheinlich, über Millionen Schläge hinweg Rissen und Materialermüdung zu widerstehen, ähnlich wie ein gut gebauter Hammerstiel. Nach der neueren Datenlage liegt ihre Hauptaufgabe aber eher in der Stabilität als darin, Stöße abzufangen, bevor sie das Gehirn erreichen.
Wozu dient das Zungenbein des Spechts?
Der Zungenbeinapparat gehört zu den bemerkenswertesten Merkmalen eines Spechts. Er ist ein biegsames Gerüst aus schlanken Knochen und Knorpel, umhüllt von Muskeln, das die Zunge trägt. Bei vielen Spechten beginnt er nahe der Kehle, teilt sich in zwei lange Hörner, biegt sich um den Hinterkopf, verläuft über die Schädeldecke und ist nahe der Augenhöhle verankert, bei manchen Arten sogar im Bereich der Nasenlöcher.
Diese Konstruktion erlaubt es Spechten, die Zunge weit aus dem Schnabel zu schieben, um Insektengänge, Ameisennester und Rindenspalten auszuloten. Der Grünspecht, der sich vor allem von Ameisen ernährt und oft am Boden auf Rasenflächen zu sehen ist, und der Wendehals haben besonders lange Zungen.
Manche Forschende vermuteten, das Zungenbein wirke wie ein Sicherheitsgurt oder eine Schlinge um das Gehirn, die Vibrationen dämpft. Diese Idee wird noch diskutiert, ist aber nicht eindeutig belegt. Die nachgewiesene Hauptaufgabe der Zunge ist die Nahrungsaufnahme.

Arbeiten Saftlecker anders?
Die nordamerikanischen Saftlecker hacken viele flache Löcher, damit Baumsaft fließt, und lecken dann Saft und darin gefangene Insekten auf. Ihre Zungen sind kürzer und haben pinselartige Spitzen, und ihr Hacken ist meist weniger kräftig als beim Zimmern. Sie haben dieselbe Grundkonstruktion des Kopfes wie andere Spechte, nutzen sie aber leichter. Auch unser Buntspecht ringelt übrigens manchmal Bäume, um an Saft zu kommen.
Bekommen Spechte jemals Hirnschäden?
Hier ist die Wissenschaft ehrlich gesagt noch nicht am Ende. Eine Studie von 2018 untersuchte konservierte Spechtgehirne aus Museumssammlungen und verglich sie mit Gehirnen von Vögeln, die nicht hacken. In einigen Spechtgehirnen fanden sich Ablagerungen des Proteins Tau. Beim Menschen werden solche Ablagerungen mit wiederholten Kopfverletzungen und Erkrankungen wie der chronisch-traumatischen Enzephalopathie in Verbindung gebracht.
Die Autoren schlossen daraus ausdrücklich nicht, dass Spechte Hirnverletzungen haben. Tau könnte bei Vögeln eine andere, vielleicht sogar schützende Rolle spielen, und die Stichprobe war klein. Im Verhalten zeigen Spechte keine klaren Anzeichen einer Beeinträchtigung. Sie suchen Nahrung, brüten und überleben in freier Natur wie andere Vögel ähnlicher Größe.
Die genaueste Aussage lautet daher: Spechte sind offenbar gut gegen die Art akuter Verletzung geschützt, die Hacken beim Menschen verursachen würde. Ob es langfristige Kosten gibt, erforscht die Wissenschaft noch.
Und die Augen?
Schnelles Abbremsen könnte theoretisch die Augen belasten. Spechte schließen kurz vor jedem Aufprall ein kräftiges drittes Augenlid, die Nickhaut. Sie schützt die Augen wahrscheinlich vor Holzsplittern und hilft vielleicht, sie ruhig zu halten. Steife, borstenartige Federn über den Nasenlöchern halten außerdem Holzstaub aus den Atemwegen fern.
Ist Trommeln für den Kopf härter als Nahrungssuche?
Nicht unbedingt, aber anders. Spechte hacken auf drei Hauptarten, und jede belastet den Kopf auf ihre Weise.
- Suchklopfen: leichte, tastende Schläge auf die Rinde, um Insekten zu finden oder lose Rinde abzulösen. Die Kraft ist mäßig, der Rhythmus unregelmäßig.
- Zimmern: langsame, kräftige Schläge, um Brut- oder Schlafhöhlen auszumeißeln oder an holzbohrende Larven zu kommen. Hier entstehen die höchsten Aufprallkräfte.
- Trommeln: sehr schnelle Schlagserien auf eine gut klingende Fläche, etwa einen hohlen Ast, einen Holzmast oder eine Blechabdeckung auf dem Schornstein. Jeder einzelne Schlag ist meist leichter als beim Zimmern, doch die Frequenz ist extrem.
Trommeln ist ein Signal, ähnlich wie der Gesang anderer Vögel. Jede Art hat einen typischen Rhythmus, eine typische Geschwindigkeit und Länge, und erfahrene Vogelbeobachter können Arten oft allein am Trommeln unterscheiden. Der Schwarzspecht erzeugt lange, laute Wirbel, die weit durch den Wald tragen. Der Buntspecht trommelt kurz und sehr schnell, der Kleinspecht länger und leiser. Der Mittelspecht trommelt dagegen nur selten und macht sich eher mit quäkenden Rufen bemerkbar.
Weil es beim Trommeln um Lautstärke und nicht um das Holz geht, suchen sich Spechte klingende Flächen. Deshalb hämmert im Frühjahr mitunter ein Buntspecht auf Dachrinne, Satellitenschüssel oder Fensterrahmen. Das Metall ist ein Lautsprecher, keine Nahrungsquelle.
Warum bricht der Schnabel des Spechts nicht?
Der Schnabel steckt jeden Schlag als Erstes ein, also muss er stark sein und gleichmäßig abnutzen. Er besteht aus einem Knochenkern mit einer Hülle aus Keratin, demselben Eiweiß, aus dem Fingernägel sind. Bei Spechten ist diese Hornscheide dick und hart und wächst ständig nach. So wird ersetzt, was an der meißelförmigen Spitze abgenutzt wird.
Untersuchungen der Feinstruktur deuten darauf hin, dass die Keratinplättchen in Schichten liegen, die das Ausbreiten winziger Risse bremsen. Bei manchen Arten unterscheiden sich Ober- und Unterschnabel leicht in Länge oder Aufbau, was die Belastung verteilen könnte. Wie viel jedes dieser Details beiträgt, wird noch erforscht. Zusammen erklären sie aber, warum Spechtschnäbel trotz lebenslanger harter Beanspruchung selten brechen.

Spechte rund um die Welt
Es gibt über 200 Spechtarten auf allen Kontinenten außer Australien und der Antarktis. Alle teilen denselben Grundbauplan des Kopfes, angepasst an ihre Lebensweise.
| Art | Verbreitung | Typisches Hackverhalten |
|---|---|---|
| Buntspecht | Europa und Asien | Häufigster Specht im Garten; trommelt laut im Frühjahr; plündert auch Nistkästen |
| Schwarzspecht | Europa und Asien | Krähengroß; zimmert große Höhlen, die später Eulen, Hohltauben und Schellenten nutzen |
| Grünspecht | Europa | Sucht oft am Boden nach Ameisen; lauter, lachender Ruf |
| Mittelspecht | Mittel- und Osteuropa | Stochert eher in grober Rinde alter Eichen, als dass er kräftig hackt |
| Kleinspecht | Europa und Asien | Spatzengroß; sucht an dünnen Zweigen |
| Blutspecht | Südosteuropa, Türkei, Naher Osten | Häufig in Obstgärten, Gärten und Ortschaften, auch in Österreich |
| Wendehals | Europa, Asien, Afrika | Zimmert kaum selbst; frisst vor allem Ameisen mit langer Zunge |
| Helmspecht | Nordamerika | Groß; hackt rechteckige Löcher auf der Suche nach Rossameisen |
Die Vielfalt zeigt, dass “Specht” schwere Zimmerleute, sanfte Rindenstocherer und bodennah jagende Ameisenfresser umfasst. Kräftige Zimmerer wie Schwarzspecht und Helmspecht schlagen am härtesten zu und haben die stabilsten Schädel und die stärksten Halsmuskeln.
Mythen und Fakten zum Spechtkopf
Mythos: Spechte haben eingebaute Stoßdämpfer. Fakt: Neuere Hochgeschwindigkeitsaufnahmen deuten darauf hin, dass der Kopf wie ein steifer Hammer wirkt. Das Gehirn ist vor allem durch seine geringe Größe geschützt.
Mythos: Die Zunge wickelt sich wie ein Polster um das Gehirn. Fakt: Der Zungenbeinapparat verläuft um den Schädel, nicht direkt um das Gehirn, und seine belegte Hauptaufgabe ist die Nahrungsaufnahme. Eine Schutzfunktion ist unsicher.
Mythos: Spechte haben nie irgendwelche Folgen im Gehirn. Fakt: Eine Studie fand Tau-Ablagerungen in einigen Spechtgehirnen. Was das bedeutet, ist noch unbekannt.
Mythos: Spechte hacken nur, um Futter zu finden. Fakt: Sie hacken auch, um Brut- und Schlafhöhlen zu bauen, und trommeln, um sich zu verständigen.
Mythos: Spechte machen gesunde Bäume kaputt. Fakt: Die meisten Höhlen entstehen in totem oder morschem Holz. Spechte zeigen Insektenbefall eher an, als dass sie ihn verursachen.
Kann die Spechtforschung Menschen helfen?
Ingenieure lassen sich seit Langem von Spechten inspirieren, etwa bei Schutzhelmen und stoßfester Elektronik. Die neueren Befunde bringen eine Wendung: Der Schutz des Spechts beruht vor allem auf seiner Größe, also macht ein nachgeahmter Kopf einen Helm für Menschen nicht automatisch sicherer. Einige Ideen lassen sich trotzdem übertragen, etwa Drehbewegungen zu verringern und Kräfte auf eine größere Fläche zu verteilen. Beides ist in modernem Helmdesign bereits zentral.
Forschende untersuchen außerdem den geschichteten Spechtschnabel aus Keratin, Knochen und Bindegewebe, um Materialien zu entwickeln, die wiederholten Stößen ohne Risse standhalten.
Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
Wer weiß, wie ein Spechtkopf funktioniert, schaut am Futterplatz und im Garten genauer hin.
- Hören Sie im Spätwinter und Frühjahr hin. Das Trommeln erreicht seinen Höhepunkt, wenn Spechte ihre Reviere abstecken. Lautes Hämmern an Dachrinne oder Schornstein ist meist ein Männchen, das wirbt, kein Vogel auf Futtersuche.
- Bieten Sie Fettfutter an. Meisenknödel, Fettblöcke und Erdnussspender locken in ganz Europa Buntspechte an, gelegentlich auch Mittel- oder Blutspechte. Unser Ratgeber zu Futterspendern für Fettfutter zeigt Modelle, an denen sich Spechte mit dem Schwanz abstützen können.
- Lassen Sie Totholz stehen, wo es sicher ist. Ein abgestorbener Baum oder ein dicker toter Ast fern von Wegen und Gebäuden bietet Nahrung und Brutplätze. Alte Spechthöhlen nutzen später Meisen, Kleiber, Stare und Fledermäuse.
- Achten Sie auf die Haltung. Sehen Sie, wie sich der Schwanz gegen die Rinde stemmt und der Kopf gerade vor und zurück geht. Dieser Dreipunktstand trägt dazu bei, dass jeder Schlag sicher ist.
- Lernen Sie Ihre Spechte kennen. In den meisten Gärten ist der Buntspecht der häufigste Gast, in Parks mit Rasenflächen oft der Grünspecht. Beobachtungen können Sie über ornitho.de oder bei Mitmachaktionen von NABU und LBV melden.
Trommelt ein Specht an Ihrem Haus, ist das Verhalten meist jahreszeitlich und lässt nach, wenn die Reviere verteilt sind. Die Stelle vorübergehend abzudecken oder mit flatternden Bändern zu versehen, genügt in der Regel. Alle Spechte sind geschützt, verletzen oder vertreiben Sie sie also nicht mit Gewalt. Sorgen, dass sich der Vogel selbst verletzt, müssen Sie sich nicht machen.
Schnelle Fakten
- Der Kopf eines Spechts wird beim Schlag mit etwa 1.000 g oder mehr abgebremst.
- Jeder Aufprall dauert nur etwa eine halbe bis eine Millisekunde.
- Ein Spechtgehirn wiegt nur wenige Gramm und verträgt Stöße deshalb weit besser als ein menschliches.
- Geradlinige Schläge vermeiden die Drehkräfte, die die schlimmsten Hirnverletzungen verursachen.
- Hochgeschwindigkeitsvideos zeigen: Der Kopf wirkt wie ein steifer Hammer, nicht wie ein Stoßdämpfer.
- Das Zungenbein verläuft um den Schädel und erlaubt es, die Zunge weit über den Schnabel hinaus zu strecken.
- Ein kräftiges drittes Augenlid schließt sich kurz vor dem Aufprall.
- In einigen Spechtgehirnen wurden Tau-Ablagerungen gefunden; ihre Bedeutung ist unbekannt.
- In Deutschland brüten mehrere Spechtarten, darunter Bunt-, Schwarz-, Grün-, Grau-, Mittel- und Kleinspecht sowie der Wendehals.
Quellen
- Van Wassenbergh, S., et al. (2022). Woodpeckers minimize cranial absorption of shocks. Current Biology
- Farah, G., et al. (2018). Tau accumulations in the brains of woodpeckers. PLOS ONE
- NABU: Naturschutzbund Deutschland
- LBV: Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern
- Schweizerische Vogelwarte Sempach
Häufige Fragen
Warum bekommen Spechte kein Schädel-Hirn-Trauma?
Vor allem wegen Größe und Physik. Das Gehirn eines Spechts ist winzig und sitzt so eng im Schädel, dass es kaum hin und her schwappen kann. Deshalb verträgt es weit höhere Kräfte als ein menschliches Gehirn. Jeder Schlag dauert nur etwa eine tausendstel Sekunde, trifft in gerader Linie mit dem Schnabel, und die kräftige Halsmuskulatur hält den Kopf auf Kurs.
Wickelt sich die Zunge des Spechts um das Gehirn?
Nicht ganz. Die Zunge wird vom Zungenbeinapparat gestützt, einem Gerüst aus langen, schlanken Knochen und Muskeln. Bei vielen Spechten verläuft er vom Schnabelgrund um den Hinterkopf herum und über die Schädeldecke nach vorn. So kann der Vogel die Zunge weit aus dem Schnabel strecken. Ob diese Schlaufe zusätzlich das Gehirn schützt, ist noch umstritten.
Wie oft am Tag hackt ein Specht?
Die Schätzungen hängen von Art und Tätigkeit ab, aber aktive Spechte können beim Nahrungssuchen, Zimmern und Trommeln Tausende Schläge am Tag ausführen. Trommelwirbel erreichen je nach Art etwa 10 bis 25 Schläge pro Sekunde. Am häufigsten hacken Spechte beim Bau der Bruthöhle und beim Revier-Trommeln im Frühjahr, seltener beim ruhigen Absuchen der Rinde.
Bekommen Spechte eine Gehirnerschütterung?
Es gibt keine klaren Belege, dass gesunde Spechte durch normales Hacken Gehirnerschütterungen erleiden. Eine Studie fand Ablagerungen des Proteins Tau in einigen Spechtgehirnen, das beim Menschen mit Hirnverletzungen in Verbindung gebracht wird. Die Autoren betonten aber, dass es bei Vögeln harmlos oder sogar schützend sein könnte. Die Frage ist offen.
Ist der Schädel eines Spechts ein Stoßdämpfer?
Neuere Forschung spricht dagegen. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen mehrerer Spechtarten zeigten, dass sich ihr Kopf überwiegend wie ein steifer Hammer verhält und die Kraft ins Holz leitet, statt sie abzufedern. Eine Dämpfung würde jeden Schlag sogar schwächen. Das Gehirn ist offenbar vor allem deshalb sicher, weil es klein ist, nicht weil der Schädel den Aufprall schluckt.