Warum hacken Spechte ins Holz? Futter, Höhlen, Trommeln

Warum hacken Spechte ins Holz? Um Insekten freizulegen, Brut- und Schlafhöhlen zu zimmern und mit lautem Trommeln Reviere und Partner zu werben. Die Erklärung.

Ein kleiner schwarz-weißer Specht klammert sich an einen verwitterten toten Ast, stützt sich auf den Schwanz, Holzspäne fliegen vom Schnabel (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Schnelle Fakten
  2. Welche Gründe haben Spechte zum Hacken?
  3. Wie unterscheidet man Trommeln von Nahrungssuche?
  4. Warum verletzen sich Spechte nicht?
  5. Warum hacken Spechte an Häusern und Metall?
  6. Schaden Spechte den Bäumen?
  7. Warum Spechthöhlen für andere Tiere so wichtig sind
  8. Mythen und Fakten zum Hacken der Spechte
  9. Was das für Vogelfreunde im Garten bedeutet
  10. Warum sich dieses Verhalten entwickelt hat
  11. Quellen
  12. Häufige Fragen

Warum hacken Spechte ins Holz? Aus drei Hauptgründen: um Nahrung zu finden, um Höhlen zum Brüten und Schlafen zu zimmern und um zu trommeln. Das Trommeln ist ein lauter, gleichmäßiger Wirbel von 1 bis 2 Sekunden, der anderen Spechten sagt “dieses Revier ist besetzt” und zugleich um Partner wirbt. Nahrungssuche und Zimmern hinterlassen Löcher, Trommeln meist nicht. Wenn ein Specht auf eine Dachrinne aus Metall oder eine Hauswand hämmert, trommelt er fast immer und sucht kein Futter.

Hinter dieser einfachen Antwort steckt ein bemerkenswertes Stück Evolution. Schnabel, Schädel, Zunge, Füße und Schwanz eines Spechts sind ganz darauf ausgelegt, hart und oft auf Holz zu schlagen. Hier erfahren Sie, was jede Art des Hackens bewirkt, wie die Vögel das unbeschadet überstehen und was es bedeutet, wenn sich ein Specht Ihr Haus aussucht.

Schnelle Fakten

  • Zur Familie der Spechte (Picidae) gehören weltweit mehr als 200 Arten in Amerika, Europa, Afrika und Asien. In Australien, Neuseeland, Madagaskar und der Antarktis fehlen sie.
  • In Deutschland brüten unter anderem Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht, Dreizehenspecht, Weißrückenspecht und Wendehals.
  • Es gibt drei Arten des Hackens: Nahrungssuche, Zimmern und Trommeln. Jede klingt anders.
  • Trommeln ist Kommunikation. Es entspricht dem Gesang anderer Vögel, und beide Geschlechter trommeln.
  • Das Trommeln erreicht im Spätwinter und Frühjahr seinen Höhepunkt. Gezimmert wird vor allem im Frühjahr (Bruthöhlen) und im Herbst (Schlafhöhlen).
  • Besondere Werkzeuge sind ein meißelförmiger Schnabel, steife Schwanzfedern als Stütze, kräftige Kletterfüße, befiederte Nasenlöcher gegen Staub und eine sehr lange Zunge.

Welche Gründe haben Spechte zum Hacken?

1. Nahrungssuche: Futter aus dem Holz holen

Die meisten Spechte fressen Insekten, besonders Käferlarven, holzbewohnende Ameisen und andere Wirbellose unter der Rinde oder im Holz. Ein Specht auf Nahrungssuche arbeitet sich einen Stamm oder Ast entlang, klopft, lauscht und stochert. Findet er eine vielversprechende Stelle, hackt und hebelt er Rinde oder Holz weg, um an die Beute zu kommen.

Ist das Loch offen, übernimmt die Zunge. Spechtzungen sind lang, haben oft eine mit Widerhaken oder Borsten besetzte Spitze und sind mit klebrigem Speichel überzogen. Bei vielen Arten wird die Zunge vom Zungenbeinapparat getragen, einem langen, biegsamen Gerüst aus Knochen und Knorpel, das sich in eingezogenem Zustand um den Hinterkopf legt. So kann die Zunge weit über die Schnabelspitze hinausreichen und Larven tief in ihren Gängen aufspießen oder festkleben.

Die Techniken unterscheiden sich je nach Art:

  • Buntspecht und Kleinspecht lösen Rinde ab und bohren kleine Löcher, um an Larven zu kommen. Der spatzengroße Kleinspecht arbeitet oft an dünnen Zweigen in der Baumkrone und sogar an Schilf- und Staudenstängeln.
  • Der Schwarzspecht hackt große, oft längliche Löcher in tote Bäume und Stubben, um an Rossameisen zu kommen. Die Löcher können so tief sein, dass Holzspäne in großen Mengen am Stammfuß liegen.
  • Grünspecht und Grauspecht suchen einen großen Teil ihrer Nahrung am Boden. Sie hacken sich in Rasen, Wiesen und Ameisenhaufen und holen mit ihrer extrem langen Zunge Ameisen und deren Puppen heraus.
  • Der Mittelspecht stochert bevorzugt in der groben, rissigen Rinde alter Eichen und hackt vergleichsweise wenig.
  • Der Buntspecht klemmt im Winter Kiefern- und Fichtenzapfen in eine Spalte, die sogenannte Spechtschmiede, und hämmert dann die Samen heraus. Unter einer beliebten Schmiede findet man oft ganze Haufen zerzauster Zapfen.

2. Saft und Vorräte: die Spezialisten

Zwei Gruppen nutzen das Hacken auf ungewöhnliche Weise.

Saftlecker in Nordamerika bohren saubere Reihen kleiner Löcher in lebende Bäume, sogenannte Saftbrunnen. Sie kehren zurück, um Saft zu lecken und angelockte Insekten zu fressen. Andere Tiere profitieren davon, in Nordamerika etwa Kolibris im zeitigen Frühjahr, bevor viele Blüten offen sind. Auch unser Buntspecht ringelt im Frühjahr manchmal Bäume, also hackt Ringe kleiner Löcher in die Rinde, um an den aufsteigenden Saft zu kommen.

Eichelspechte im Westen Nordamerikas und in Teilen Mittelamerikas leben in Familiengruppen und bohren Tausende kleiner Löcher in einen toten Baum, einen Holzmast oder ein Holzgebäude. In jedes Loch klemmen sie eine Eichel. Diese “Speicherbäume” können Zehntausende Eicheln fassen und werden von der Gruppe verteidigt. Hier dient das Hacken dem Vorratshalten, nicht dem sofortigen Fressen.

3. Zimmern: ein Zuhause bauen

Fast alle Spechte sind Höhlenbauer. Sie graben ihre Bruthöhlen selbst, statt vorhandene Hohlräume zu nutzen. Ein Paar zimmert meist jede Brutsaison eine neue Höhle, gewöhnlich in totem oder morschem Holz, das innen weicher ist. Je nach Art und Holzhärte dauert die Arbeit etwa eine bis mehrere Wochen, und bei vielen Arten wechseln sich Männchen und Weibchen ab.

Die fertige Höhle hat meist einen runden Eingang und eine Kammer, die sich darunter erweitert. Die Späne werden hinausgeworfen und nicht als Nistmaterial verwendet, sodass die Eier auf einer Lage feiner Holzspäne am Boden liegen.

Spechte zimmern auch Schlafhöhlen, besonders im Herbst und Winter. Diese Höhlen schützen vor Wind, Kälte und Fressfeinden. Das erklärt, warum manche Hausbesitzer im Herbst neue, runde Löcher in Holzverkleidung oder Fassade entdecken: Ein Specht baut sich ein Schlafzimmer.

4. Trommeln: der Gesang des Spechts

Trommeln ist schnelles, rhythmisches Hämmern auf einer gut klingenden Fläche. Es entsteht kein Loch, und es geht nicht um Futter. Spechte wählen Gegenstände, die den Schall gut tragen: hohle Äste, abgestorbene Bäume und in Ortschaften Dachrinnen, Fallrohre, Schornsteinabdeckungen, Lüftungsgitter, Holzmasten, Verkehrsschilder und Satellitenschüsseln.

Trommeln erfüllt dieselbe Aufgabe wie der Gesang bei Singvögeln. Es zeigt an, dass ein Revier besetzt ist, und hilft, einen Partner anzulocken und zu halten. Männchen und Weibchen trommeln. Viele Arten haben zusätzlich echte Rufe, etwa das scharfe “kix” des Buntspechts oder das laute, lachende “klü-klü-klü” des Grünspechts, aber Trommeln trägt im Wald weiter.

Jede Art hat ein typisches Trommelmuster. Der Buntspecht trommelt sehr schnell und kurz, meist unter einer Sekunde. Der Schwarzspecht erzeugt lange, laute, gleichmäßige Wirbel, die kilometerweit zu hören sein können. Der Kleinspecht trommelt länger und leiser, der Grünspecht nur selten. Erfahrene Beobachter bestimmen viele Arten allein am Trommeln. Wer solche Geräusche lernen möchte, beginnt am besten mit unserem Ratgeber zum Vogelbestimmen nach Gehör und unseren Tipps zur Nutzung von Merlin Sound ID.

Wie unterscheidet man Trommeln von Nahrungssuche?

Wenn man den Unterschied einmal kennt, ist er leicht zu hören.

Art des HackensWie es klingtWo es passiertWas zurückbleibtHauptsaison
TrommelnSchnelle, gleichmäßige Wirbel von ein bis zwei Sekunden, immer von derselben StelleKlingende Flächen: tote Äste, Dachrinnen, Masten, SchornsteinabdeckungenMeist nichts oder kleine DellenSpätwinter bis Frühjahr
NahrungssucheUnregelmäßiges Klopfen und Hacken, der Vogel wechselt die StelleRinde, Totholz, von Insekten befallenes HolzVerstreute Löcher, abgelöste Rinde, unregelmäßige KerbenGanzjährig
Ringeln und SaftlöcherLeises, sorgfältiges BohrenLebende Bäume wie Birken, Ahorne, Linden und KiefernWaagerechte Reihen oder Ringe kleiner LöcherVor allem Frühjahr
ZimmernLangsames, gleichmäßiges, kräftiges Meißeln über lange ZeitTotes oder weiches Holz, manchmal FassadenEin rundes Loch mit Spänen darunterFrühjahr (Bruthöhlen), Herbst (Schlafhöhlen)

Warum verletzen sich Spechte nicht?

Der Kopf eines Spechts trifft viele Male pro Minute auf Holz, manchmal mit hoher Geschwindigkeit. Mehrere Merkmale scheinen ihn zu schützen, und die Wissenschaft hat ihr Bild dazu in den letzten Jahren korrigiert.

Ist der Schädel ein Stoßdämpfer?

Jahrzehntelang hieß es in populären Darstellungen, der Spechtschädel enthalte schwammigen Knochen und eine um den Kopf gewickelte Zunge, die das Gehirn wie ein Helm abpolstern. Eine Studie von 2022 unter Leitung von Sam Van Wassenbergh in der Fachzeitschrift Current Biology stellte das infrage. Mit Hochgeschwindigkeitsvideos mehrerer Arten zeigten die Forschenden, dass der Kopf wenig vom Aufprall aufnimmt. Er verhält sich eher wie ein steifer Hammer. Den Stoß zu schlucken, würde Energie verschwenden und das Hacken weniger wirksam machen.

Warum also keine Gehirnerschütterungen? Dieselbe Studie verwies auf die Größe. Spechtgehirne sind winzig, und die Kräfte, die eine Gehirnerschütterung auslösen, hängen von der Hirngröße ab. Nach den Berechnungen bleiben selbst harte Schläge unter der Schwelle, die ein so kleines Gehirn verletzen würde. Dass jeder Schlag kurz und geradlinig ist, mit wenig Verdrehung, hilft vermutlich zusätzlich.

Ganz abgeschlossen ist die Frage nicht. Eine Studie von 2018 fand in Spechtgehirnen Ablagerungen des Proteins Tau, das beim Menschen mit Kopfverletzungen in Verbindung steht. Die Autoren betonten, dass dies bei Vögeln keine Verletzung bedeuten muss und sogar schützend sein könnte. Mehr zu dieser Debatte lesen Sie in unserem Artikel, warum Spechte keine Kopfschmerzen bekommen.

Weitere eingebaute Werkzeuge

  • Schnabel: gerade, hart und meißelförmig, mit einer zähen Hornschicht, die ständig nachwächst, während sie sich abnutzt.
  • Füße: Die meisten Arten haben zwei Zehen nach vorn und zwei nach hinten. Das gibt einen festen Griff an senkrechter Rinde. Einige Arten, etwa der Dreizehenspecht der Alpen und Nadelwälder, haben nur drei Zehen.
  • Schwanz: Versteifte mittlere Schwanzfedern drücken gegen den Stamm und bilden mit den beiden Füßen ein Dreibein. Spechte mausern diese Federn so, dass das wichtige mittlere Paar erst fällt, wenn die neuen Federn bereit sind.
  • Nasenlöcher: von borstigen Federn bedeckt, die Holzstaub fernhalten.
  • Augen: Ein schützendes inneres Augenlid, die Nickhaut, schließt sich kurz vor dem Aufprall und schirmt das Auge nach verbreiteter Ansicht vor Spänen ab.

Warum hacken Spechte an Häusern und Metall?

Diese Frage beschäftigt Hausbesitzer am meisten. Es gibt vier häufige Ursachen, und jede braucht eine andere Lösung.

  1. Trommeln. Dachrinnen, Blechverwahrungen, Schornsteinabdeckungen und hohl klingende Verkleidungen erzeugen einen lauten, befriedigenden Klang. Früh im Jahr kann ein Specht dort jeden Morgen viele Male trommeln. Er sucht kein Futter und richtet außer dem Lärm meist keinen Schaden an.
  2. Insekten im Holz. Holzbienen, Käferlarven und andere Insekten in Verkleidung, Traufe oder Fensterrahmen locken Spechte auf Nahrungssuche an. Reihen unregelmäßiger Löcher und abgeplatzte Farbe deuten darauf hin.
  3. Höhlenbau in der Fassade. Ein einzelnes, rundes Loch etwa in Vogelgröße bedeutet, dass der Vogel eine Höhle baut. In Deutschland betrifft das auffällig oft Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem: Unter dem dünnen Putz liegt weiches Dämmmaterial, das hohl klingt und sich leicht aushöhlen lässt. Häufig ist der Buntspecht der Verursacher. Löcher im Frühjahr sind meist Bruthöhlen, im Herbst oft Schlafhöhlen.
  4. Nistkästen. Buntspechte erweitern manchmal die Einfluglöcher von Meisenkästen aus Holz, um an die Jungvögel zu kommen. Ein Metallschutz um das Einflugloch oder ein Kasten aus Holzbeton verhindert das weitgehend.

In weiten Teilen Europas ist der Buntspecht der häufigste Verursacher, im Südosten Europas, in Österreich und in der Türkei kommt in Obstgärten, Parks und Dörfern auch der Blutspecht dazu. In Nordamerika sind es eher Goldspecht, Dunen-, Haar-, Rotbauch- und Helmspecht.

Was hilft wirklich gegen Spechte am Haus?

Naturschutzverbände wie NABU und LBV empfehlen in der Regel schonende Maßnahmen, abgestimmt auf die Ursache:

  1. Den Grund herausfinden. Schauen Sie auf Schaden und Jahreszeit. Trommeln macht Lärm, aber kaum Löcher. Nahrungssuche hinterlässt verstreute Löcher. Höhlenbau hinterlässt ein großes rundes Loch.
  2. Insekten beseitigen. Sind Insekten im Holz, lassen Sie es behandeln oder austauschen. Ohne Futter kein Grund zum Hacken.
  3. Die Fläche verändern. Gegen Trommeln hilft es, die klingende Stelle abzudecken oder zu dämpfen oder vorübergehend ein leichtes Netz einige Zentimeter vor der Wand zu spannen, damit der Vogel nicht landen kann.
  4. Schnell sichtbare Abschreckung anbringen. Bewegliche, reflektierende Bänder oder Flatterstreifen nahe der Stelle können Spechte abhalten, besonders wenn man sie gleich zu Beginn einsetzt.
  5. Löcher zügig schließen, aber vorher prüfen. Vergewissern Sie sich, dass kein Vogel in der Höhle ist, bevor Sie sie verschließen, und verschließen Sie keine besetzte Bruthöhle. Bei gedämmten Fassaden hilft oft ein Fachbetrieb, der die Stelle dauerhaft repariert und bei Bedarf härter armiert.
  6. Eine Alternative bieten. Ein stehen gelassener toter Baum an sicherer Stelle oder ein passender Spechtnistkasten kann die Aktivität umlenken. Fettfutter kann Spechte in der Nähe beschäftigen, stoppt aber kein Trommeln, weil es dabei nicht um Futter geht.

Alle heimischen Spechte sind geschützt. Verletzen Sie keine Vögel, verzichten Sie auf Klebemittel, Fallen oder alles, was Tiere schädigen kann, und fragen Sie bei besetzten Höhlen im Zweifel die untere Naturschutzbehörde.

Schaden Spechte den Bäumen?

Meistens nicht. Der größte Teil der Nahrungssuche findet in Holz statt, das bereits tot oder morsch ist und in dem Insektenlarven leben. Ein lebender Baum mit vielen Spechtlöchern hat oft schon ein Problem mit holzbohrenden Insekten oder Fäule, und die Spechte reagieren darauf, statt es zu verursachen. In diesem Sinne sind sie eine natürliche Schädlingsbekämpfung. Untersuchungen zu Borkenkäferbefall in Nadelwäldern haben gezeigt, dass Spechte große Mengen Käferlarven fressen können.

Arten, die Saft trinken, sind die teilweise Ausnahme. Ihre Saftlöcher reichen in lebendes Holz, und ein Baum, der Jahr für Jahr stark genutzt wird, kann geschwächt werden. Die meisten Bäume überleben das, und die Vögel bevorzugen bestimmte Bäume, sodass sich Schäden auf wenige Exemplare konzentrieren.

Warum Spechthöhlen für andere Tiere so wichtig sind

Spechte gelten als Baumeister des Waldes, weil ihre Höhlen vielen anderen Arten als Wohnung dienen. Vögel, die eine Höhle brauchen, aber keine selbst graben können, sogenannte Nachnutzer, sind auf alte Spechthöhlen angewiesen. In Mitteleuropa gehören dazu Meisen, Kleiber, Stare, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz, Dohlen und Hohltauben, dazu Fledermäuse, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Wildbienen und Hornissen.

Alte Schwarzspechthöhlen sind besonders wertvoll: Hohltaube, Raufußkauz, Dohle und Schellente nutzen sie. In Südamerika schaffen Spechte wie der Feldspecht, der auch in Termitenbauten oder Erdwänden brütet, Höhlen, die später andere Tiere nutzen.

Darum empfehlen Naturschützer, abgestorbene Bäume, sogenannte Höhlenbäume und Totholz, stehen zu lassen, wo sie sicher sind. Jeder solche Baum kann über viele Jahre eine ganze Kette von Bewohnern beherbergen. Wenn Sie Platz haben, kann ein toter Baum fern von Wegen und Gebäuden eines der wertvollsten Elemente in einem vogelfreundlichen Garten sein.

Mythen und Fakten zum Hacken der Spechte

Mythos: Ein Specht, der auf Metall hämmert, sucht Insekten. Fakt: Er trommelt. Metall wird gewählt, weil es laut ist, nicht weil es dort etwas zu fressen gibt.

Mythos: Spechte schädigen nur kranke Bäume. Fakt: Für die Insektensuche stimmt das meist, aber Arten, die Bäume ringeln, bohren auch in gesunde, lebende Bäume.

Mythos: Der Schädel ist ein schwammiger Stoßdämpfer. Fakt: Neuere Forschung mit Hochgeschwindigkeitsvideos deutet darauf hin, dass der Kopf eher wie ein starrer Hammer wirkt, und die geringe Hirngröße ist ein wichtiger Grund, warum Spechte sich nicht verletzen.

Mythos: Nur Männchen trommeln. Fakt: Auch Weibchen trommeln, und bei vielen Arten antworten sie den Männchen oder verteidigen das Revier mit eigenem Trommeln.

Mythos: Jedes Loch ist ein Nest. Fakt: Viele Löcher sind Fraß- oder Schlafhöhlen. Bruthöhlen entstehen vor allem im Frühjahr, Schlafhöhlen oft im Herbst.

Was das für Vogelfreunde im Garten bedeutet

Spechte gehören zu den lohnendsten Vögeln zum Beobachten, und viel von ihrem Hacken lässt sich gut vom Fenster aus verfolgen. Einige praktische Hinweise:

  • Fettfutter zieht zuverlässig. Buntspechte besuchen Meisenknödel, Fettblöcke und Erdnüsse regelmäßig, besonders in der kalten Jahreszeit. Lesen Sie unseren Ratgeber zu Fettfutter und Fettblöcken und hängen Sie es an eine Stelle mit Stamm oder Pfosten in der Nähe, an dem sich die Vögel abstützen können.
  • Achten Sie darauf, wo geklopft wird. Ein Vogel, der leise klopft und dabei weiterzieht, sucht Nahrung. Einer, der mit lauten Wirbeln immer wieder zum selben klingenden Ast zurückkehrt, trommelt, oft in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang.
  • Lernen Sie die Arten kennen. Im Garten ist der Buntspecht der häufigste Gast. Der Grünspecht zeigt sich auf Rasenflächen, der Kleinspecht eher in alten Obstbäumen. Beobachtungen können Sie über ornitho.de melden oder bei der NABU-Aktion “Stunde der Wintervögel” zählen.
  • Totholz erhalten, wo es sicher ist. Abgestorbene Bäume und liegende Stämme ernähren Spechte und beherbergen später andere Vögel.
  • Geduld beim Trommeln. Frühjahrstrommeln ist meist vorübergehend. Sobald Reviere und Paare feststehen, lässt es nach.

Warum sich dieses Verhalten entwickelt hat

Das Hacken ins Holz verschaffte Spechten Zugang zu zwei Ressourcen, die kaum andere Vögel erreichen: im Baum verborgene Insekten und sichere Höhlen zum Brüten. Nahrung im Holz gibt es auch im Winter, wenn Laub und fliegende Insekten fehlen. Das erklärt, warum viele Spechte in kalten Klimazonen Standvögel sind. Eine Höhle in festem Holz schützt Eier und Küken besser vor Wetter und vielen Fressfeinden als ein offenes Napfnest.

Das Trommeln baute auf demselben Werkzeugkasten auf. Ein Vogel, der ohnehin gerüstet war, hart und schnell auf Holz zu schlagen, konnte diese Fähigkeit in ein Signal verwandeln, das durch dichten Wald trägt. Mit der Zeit hat jede Art ihren eigenen Rhythmus gefunden, und heute gehört dieser Rhythmus so sehr zu ihrer Identität wie ihr Gefieder.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Warum hackt ein Specht an meinem Haus?

Meist aus einem von drei Gründen. Im Spätwinter und Frühjahr trommelt er auf klingenden Flächen wie Dachrinnen, Verkleidungen, Schornsteinabdeckungen oder Lüftungsgittern, um sein Revier zu markieren. Er kann auch Insekten in Holzverkleidung oder Fensterrahmen suchen oder eine Brut- oder Schlafhöhle bauen, gern in gedämmten Fassaden oder weichem Holz. Welcher Grund vorliegt, bestimmt die passende Lösung.

Tut dem Specht das Hacken am Kopf weh?

Spechte erleiden offenbar keine Gehirnerschütterungen, wie ein Mensch sie hätte. Ihr kleines Gehirn, die sehr kurze Dauer jedes Schlags und der Bau von Schädel, Schnabel und Hals halten die Kräfte unter der Verletzungsgrenze. Eine Studie in Current Biology von 2022 fand, dass der Schädel eher wie ein steifer Hammer wirkt als wie ein Stoßdämpfer, und die geringe Hirngröße ist dafür entscheidend.

Töten Spechte Bäume durch ihr Hacken?

Selten. Die meisten Spechte suchen Insekten in totem oder bereits morschem Holz, und Löcher in einem lebenden Baum weisen oft darauf hin, dass er schon Insekten- oder Pilzbefall hat. Eine Ausnahme sind Arten, die Saft trinken: Die nordamerikanischen Saftlecker und gelegentlich auch unser Buntspecht ringeln Bäume. Das kann stark genutzte Bäume schwächen, die meisten überstehen es aber.

Wann trommeln Spechte am meisten?

Das Trommeln erreicht seinen Höhepunkt vom Spätwinter bis ins Frühjahr, wenn Spechte Reviere besetzen und Paare bilden. In Mitteleuropa ist es oft schon ab Januar und Februar zu hören. Männchen und Weibchen trommeln. Nahrungssuche und Zimmern finden das ganze Jahr statt, und im Herbst bauen viele Spechte Schlafhöhlen, weshalb dann neue Löcher in Fassaden auftauchen.

Sind Spechte geschützt?

Ja. In Deutschland sind alle heimischen Spechte nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt, in der EU zusätzlich durch die Vogelschutzrichtlinie, und Österreich und die Schweiz haben vergleichbare Regeln. Spechte dürfen nicht verletzt oder getötet werden, und genutzte Höhlen dürfen nicht zerstört werden. Bei Problemen helfen nur schonende Abwehrmaßnahmen, im Zweifel nach Rücksprache mit der Naturschutzbehörde.