Spielen Vögel? Welche Arten spielen und warum

Spielen Vögel? Ja. Kolkraben rutschen verschneite Dächer hinab, Keas werfen Gegenstände, Möwen fangen Muscheln im Flug. Welche Arten spielen und warum.

Ein Kolkrabe wälzt sich an einem sonnigen Wintertag auf dem Rücken im frischen Schnee (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: Welche Formen von Spiel zeigen Vögel?
  2. Woran erkennen Forschende, dass ein Vogel spielt?
  3. Welche Vögel spielen?
  4. Warum spielen Vögel?
  5. Wie verändert sich das Spiel, wenn ein Vogel älter wird?
  6. Spielen Vögel mit dem Wind?
  7. Spielen Vögel mit anderen Arten?
  8. Können Vögel Spiele spielen?
  9. Welche Vögel spielen am ehesten, und warum?
  10. Spielen auch Gartenvögel?
  11. Ist Spiel ein Zeichen dafür, dass ein Vogel glücklich ist?
  12. Mythen und Fakten zum Spielverhalten von Vögeln
  13. Kurz und knapp
  14. Quellen
  15. Häufige Fragen

Ja, manche Vögel spielen. Kolkraben rutschen verschneite Dächer hinunter und wälzen sich im Schnee, Keas in Neuseeland werfen Gegenstände herum und ringen darum, Krähen hängen kopfüber an Leitungen, und Möwen lassen Muscheln fallen, nur um sie in der Luft wieder zu fangen. Am häufigsten spielen intelligente, sozial lebende Vögel mit langer Jugendzeit, vor allem Papageien und Rabenvögel. In einer Studie von 2017 begannen wilde Keas mehr zu spielen, nachdem ihnen Aufnahmen ihres Spielrufs vorgespielt wurden.

Lange galt Spiel als Verhalten, das fast nur Säugetiere zeigen. Sorgfältige Beobachtungen der vergangenen Jahrzehnte haben dieses Bild verändert. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Wissenschaft Spiel definiert, welche Vögel spielen, wozu es dienen könnte und was Sie im eigenen Garten beobachten können.

Kurz beantwortet: Welche Formen von Spiel zeigen Vögel?

Art des SpielsWie es aussiehtBeispiele
ObjektspielGegenstände tragen, werfen, fallen lassen, fangen oder bearbeitenKeas, Kolkraben, Krähen, Möwen, einige Greifvögel
BewegungsspielRutschen, Rollen, Hängen, Purzeln in der LuftKolkraben, Krähen, Rosakakadus, Alpenkrähen
SozialspielVerfolgen, Scheinkämpfe, Tauziehen, spielerisches RaufenKeas, Kolkraben, Elstern, Papageien
EinzelspielEin einzelner Vogel wiederholt eine spielerische HandlungKopfüber hängende Krähen, Federn fallen lassende Schwalben

Woran erkennen Forschende, dass ein Vogel spielt?

Spiel ist schwer zu definieren, und das ist ein Grund, warum es bei Vögeln lange übersehen wurde. Der am häufigsten genutzte Rahmen stammt vom Psychologen Gordon Burghardt, der fünf Kriterien vorgeschlagen hat. Ein Verhalten gilt als Spiel, wenn es:

  1. Nicht voll funktional ist. Es hilft dem Tier in diesem Moment nicht direkt beim Überleben oder bei der Fortpflanzung.
  2. Spontan und freiwillig ist. Das Tier tut es aus eigenem Antrieb, und es scheint in sich selbst belohnend zu sein.
  3. Sich von der ernsten Form unterscheidet. Es ist übertrieben, unvollständig oder ungewöhnlich in der Abfolge, etwa ein Kampf ohne Verletzungen.
  4. Wiederholt wird. Das Tier tut es immer wieder, oft mit Abwandlungen.
  5. In entspannter Lage stattfindet. Das Tier ist gesund, satt und nicht bedroht.

Diese Kriterien helfen, echtes Spiel von Verhalten zu trennen, das nur lustig aussieht. Ein Kolkrabe, der während einer Verfolgungsjagd um sein Revier in der Luft purzelt, spielt nicht unbedingt. Ein Kolkrabe, der an einem ruhigen Tag mit vollem Kropf allein immer wieder dieselbe Rolle fliegt, spielt dagegen sehr wahrscheinlich.

Welche Vögel spielen?

Spielverhalten wurde bei vielen Vogelgruppen beschrieben, doch es ballt sich in wenigen Familien.

Papageien: der Kea und seine Verwandten

Der Kea, ein großer Bergpapagei der Südinsel Neuseelands, ist vielleicht der am besten untersuchte verspielte Vogel. Junge Keas raufen, rollen sich auf den Rücken, treten nacheinander, werfen Gegenstände und spielen mit Stöcken Tauziehen. Sie untersuchen und zerlegen außerdem fast alles, von Rucksäcken bis zu Scheibenwischern, was sie berühmt und bei Besuchern manchmal unbeliebt gemacht hat.

Forschende haben bei Keas einen besonderen „Spielruf“ identifiziert, eine trillernde Lautäußerung, die beim Spielen zu hören ist. In einer Studie aus dem Jahr 2017 spielten Raoul Schwing und Kollegen wilden Keas Aufnahmen dieses Rufs vor. Die Vögel, die ihn hörten, begannen mehr zu spielen, manchmal miteinander und manchmal allein mit Flugakrobatik, selbst wenn sie vorher nicht gespielt hatten. Die Forschenden beschrieben dies als eine Art emotionale Ansteckung: Eine verspielte Stimmung breitet sich in der Gruppe aus, ein wenig wie Lachen bei Menschen.

Auch andere Papageien spielen. Rosakakadus und andere Kakadus in Australien sieht man oft kopfüber an Leitungen und Ästen schaukeln, an Masten hinunterrutschen oder sich in Pfützen wälzen. In Südamerika spielen Aras und Sittiche in Gefangenschaft und in freier Natur mit Zweigen, Schoten und miteinander. Heimpapageien, vom Wellensittich bis zum Graupapagei, spielen bereitwillig mit Spielzeug.

Krähen, Kolkraben, Häher und Elstern

Die Rabenvögel stehen den Papageien beim Spielen kaum nach. Der Kolkrabe, der in Nordamerika, Europa, dem nördlichen Asien und Teilen Afrikas vorkommt und sich in Deutschland nach starker Verfolgung im 20. Jahrhundert wieder ausgebreitet hat, ist vor allem bekannt für:

  • Rutschen an verschneiten Hängen oder Dächern, teils mehrmals hintereinander, wobei er jedes Mal wieder hinaufklettert.
  • Wälzen im Schnee auf dem Rücken.
  • Luftspiele, darunter Rückenflug, das Weiterreichen von Zweigen zwischen zwei Vögeln und das Fallenlassen und Fangen von Gegenständen in der Luft.
  • Kopfüber hängen an Ästen, mit einem oder beiden Füßen.

Ein viel geteiltes Video, 2012 in Russland gedreht, zeigte eine Nebelkrähe, die immer wieder auf einem kleinen Deckel ein verschneites Dach hinunterrutschte und den Deckel jedes Mal wieder hinauftrug. Ein Video ist keine Studie, aber es passt zu vielen Freilandbeobachtungen von Rabenvögeln. Auch Aaskrähen, Elstern, Flötenvögel in Australien, Eichelhäher und Blauhäher in Nordamerika wurden beim Spiel mit Gegenständen oder miteinander beschrieben. Unser Ratgeber zur Frage, wie schlau Krähen wirklich sind, erklärt die Intelligenz dahinter.

Greifvögel

Junge Greifvögel spielen oft mit Gegenständen, während sie das Jagen lernen. Beobachter haben junge Falken, Habichtartige und Adler gesehen, die sich auf Kiefernzapfen stürzen, Blättern nachjagen, Stöcke tragen und Gegenstände im Flug fallen lassen und wieder fangen. Fischadler und manche Milane lassen ebenfalls Dinge fallen und fangen sie erneut. Diese Form des Spiels sieht sehr nach Jagdübung aus. Wer im Frühsommer junge Rotmilane oder Turmfalken beobachtet, sieht manchmal genau solche Szenen.

Möwen und andere Seevögel

Silbermöwen und andere Möwen lassen gelegentlich Muscheln oder andere Gegenstände aus der Luft fallen und fangen sie, bevor sie auf Boden oder Wasser treffen. Ein Teil dieses Verhaltens gehört eindeutig zur Nahrungssuche, denn Möwen lassen Muscheln auf harte Flächen fallen, um sie zu knacken. Studien haben aber festgestellt, dass junge Möwen auch Gegenstände fallen lassen und fangen, die kein Futter sind, vor allem bei Wind. Das passt zur Definition von Spiel.

Schwalben und Segler

Mehrfach wurde beschrieben, dass Rauchschwalben und andere Schwalben im Flug eine Feder fallen lassen und hinterherstoßen, um sie wieder zu fangen, manchmal beteiligen sich weitere Schwalben an der Jagd. Das Verhalten könnte mit dem Sammeln von Federn für die Nestauskleidung zusammenhängen, dauert aber oft deutlich länger, als es der Nestbau erfordern würde.

Weitere Gruppen

Spiel oder spielähnliches Verhalten wurde auch bei einigen Singvögeln beschrieben, etwa bei der Spottdrossel in Amerika und bei Timalien, außerdem bei Trappen und einigen Watvögeln. Die Belege sind unterschiedlich stark, und in vielen Fällen ist die Forschung vorsichtig, weil eine einzelne Beobachtung Spiel nicht sicher von Erkundung, Balz oder Aggression trennen kann.

Warum spielen Vögel?

Spielen kostet Energie und kann einen Vogel Gefahren aussetzen. Biologen gehen deshalb davon aus, dass es Vorteile bringen muss. Mehrere Erklärungen sind durch Befunde gestützt, und sie schließen einander nicht aus.

Übung für das Erwachsenenleben

Viele Spielformen ähneln Fähigkeiten erwachsener Vögel: Nahrung bearbeiten, Beute fangen, Rivalen abwehren, bei schwierigem Wind fliegen. Die Übungshypothese besagt, dass Jungvögel diese Fähigkeiten gefahrlos proben, bevor es darauf ankommt. Das Spiel junger Greifvögel, das oft die Jagd nachahmt, passt gut dazu.

Die Welt kennenlernen

Objektspiel überschneidet sich mit Erkundung. Indem ein junger Vogel Dinge aufhebt, fallen lässt, zieht und ausprobiert, lernt er, was Gegenstände sind, wie sie sich verhalten und ob sie nützlich sind. Das könnte erklären, warum verspielte Vögel oft auch sehr gute Problemlöser sind.

Soziale Bindungen aufbauen

Sozialspiel bei Keas, Kolkraben und Papageien hilft jungen Vögeln möglicherweise, die Regeln ihrer Gruppe zu lernen, Bündnisse zu knüpfen und Signale zu üben. Scheinkämpfe ohne Verletzungen zeigen ihnen, wie weit sie gehen können und wie andere reagieren.

Entwicklung und Flexibilität des Gehirns

Manche Forschende vermuten, dass Spiel das Gehirn flexibel macht und Tiere darauf vorbereitet, mit Unerwartetem umzugehen. Das kurze Verlieren des Gleichgewichts beim Rutschen oder Purzeln könnte jungen Vögeln sogar helfen, sich im Flug schnell wieder zu fangen.

Freude

Spiel könnte auch in sich selbst belohnend sein. Das Experiment mit dem Spielruf der Keas legt nahe, dass Spiel eine emotionale Seite hat, die sich zwischen Vögeln überträgt. Wenn Spielen sich gut anfühlt, wäre das der unmittelbare Grund, warum Vögel es tun, während die langfristigen Vorteile erklären, warum es sich in der Evolution entwickelt hat.

Wie verändert sich das Spiel, wenn ein Vogel älter wird?

Bei den meisten verspielten Arten nimmt das Spiel zu, nachdem die Jungen das Nest verlassen haben, erreicht in den ersten Monaten oder im ersten Lebensjahr seinen Höhepunkt und geht dann zurück. Dieses Timing passt zur Übungs- und Lernhypothese, denn in dieser Phase lernen junge Vögel Fliegen, Nahrungsbearbeitung und Sozialleben.

Junge Kolkraben verbringen ihre ersten Jahre oft in lockeren Trupps nicht brütender Vögel, die weit umherstreifen und sich an Nahrungsquellen und gemeinsamen Schlafplätzen sammeln. In diesen Jugendtrupps wurde ein Großteil des Rabenspiels beobachtet: Verfolgungsjagden, Zerren, Weiterreichen von Gegenständen und Luftakrobatik. Sobald sich Kolkraben in einem Revier niederlassen und brüten, spielen sie weniger, doch auch erwachsene Vögel tun es noch gelegentlich.

Bei Keas zeigt sich ein ähnliches Muster. Junge Keas sammeln sich in Gruppen und spielen intensiv, während erwachsene Vögel mehr Zeit mit Nahrungssuche und Revierverteidigung verbringen. Junge Keas untersuchen neue Gegenstände offenbar auch bereitwilliger als Altvögel, was ihnen helfen könnte, in einer rauen Bergwelt neue Nahrungsquellen zu entdecken.

Bei Heimpapageien bleibt das Spiel bis ins Erwachsenenalter erhalten, vielleicht weil die Haltung den Druck wegnimmt, stundenlang nach Futter suchen zu müssen. Das ist ein Grund, warum Beschäftigung für Heimvögel so wichtig ist.

Spielen Vögel mit dem Wind?

Viele Beobachter meinen ja. An windigen Tagen sieht man Kolkraben, Krähen, Alpenkrähen, Dohlen, Möwen und Eissturmvögel in Aufwinden an Klippen und Bergkämmen hängen, kippen, abfallen und wieder aufsteigen, ohne erkennbares Ziel. Ein Teil davon ist sicher effizientes Reisen oder Nahrungssuche, denn Vögel nutzen aufsteigende Luft, um Energie zu sparen. Manchmal wiederholen sie aber viele Minuten lang in entspannter Weise dasselbe Absinken und Aufsteigen. Das erfüllt mehrere von Burghardts Kriterien.

Spiel im Wind könnte jungen Vögeln helfen, den Flug in Turbulenzen zu beherrschen, eine überlebenswichtige Fähigkeit. In den Alpen lohnt es sich besonders, an böigen Tagen Kolkraben und Alpendohlen zu beobachten, die sich an Graten und Gipfeln im Aufwind treiben lassen. An Nord- und Ostsee bieten junge Möwen, die im Wind das Fallenlassen und Fangen üben, ein ähnliches Schauspiel.

Spielen Vögel mit anderen Arten?

Gelegentlich, und diese Fälle gehören zu den eindrucksvollsten. Kolkraben wurden in Nordamerika und Europa bei Begegnungen mit Wölfen beschrieben, die verspielt wirken: Sie zupfen an Schwänzen, hüpfen nah heran und springen wieder weg und lassen sich jagen, ohne dass es zu echten Angriffen kommt. Forschende, die Wölfe und Kolkraben gemeinsam untersuchen, etwa im Yellowstone-Nationalpark, weisen darauf hin, dass Kolkraben Wölfen folgen, um an deren Beute zu gelangen. Ein Teil des Neckens hat also womöglich einen praktischen Hintergrund: Die Raben testen, wie nah sie sich gefahrlos heranwagen können. Trotzdem wirken manche Begegnungen durch ihre Entspanntheit und Wiederholung wie Spiel.

Auch Krähen und Elstern bedrängen Hunde und Katzen, zupfen an Schwänzen oder stoßen auf sie herab. Meist handelt es sich dabei um Hassen, ein Abwehrverhalten gegenüber möglichen Beutegreifern. Es kann wie Schabernack aussehen, ist aber in der Regel von Vorsicht getrieben und nicht von Vergnügen.

Können Vögel Spiele spielen?

Manches Spiel von Vögeln ist so strukturiert, dass es wie ein richtiges Spiel wirkt. Kolkraben wurden dabei beobachtet, wie sie abwechselnd Stöcke im Flug fallen lassen und fangen, wobei ein Vogel fallen lässt und ein anderer fängt. Keas spielen Tauziehen mit klarem Hin und Her. Junge Krähen jagen einander manchmal um einen Baum herum und wechseln dabei die Führung.

Die Wissenschaft behauptet vorsichtshalber nicht, dass Vögel Regeln im menschlichen Sinn befolgen. Doch das Hin und Her dieser Interaktionen zeigt, dass Vögel spielerisches Verhalten mit Partnern abstimmen können und Spielsignale erkennen. Bei Keas übernimmt der Spielruf diese Rolle. Bei Kolkraben und Krähen erfüllen möglicherweise Körperhaltungen und bestimmte Rufe denselben Zweck.

Welche Vögel spielen am ehesten, und warum?

Eine vergleichende Übersicht von Judy Diamond und Alan Bond, die Keas viele Jahre lang untersucht haben, kam zu dem Ergebnis, dass Spiel bei Vögeln auf wenige Familien konzentriert ist, vor allem Papageien und Rabenvögel, mit vereinzelten Berichten aus anderen Gruppen. Über die Gruppen hinweg tritt Spiel vor allem bei Arten mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen auf:

  • Große Gehirne im Verhältnis zur Körpergröße.
  • Eine lange Jugendphase, in der die Jungen wochen- oder monatelang von den Eltern abhängig sind oder in ihrer Nähe bleiben.
  • Eine vielseitige, anspruchsvolle Ernährung, die gelernt werden muss, etwa das Herauslösen von Nahrung oder das Verwerten von Aas.
  • Ein soziales Leben in Gruppen oder Familien.
  • Eine lange Lebensdauer, durch die sich frühes Lernen auszahlt.

Das sind dieselben Merkmale, die mit Intelligenz und Problemlösefähigkeit in Verbindung gebracht werden. Ein körnerfressender Fink, der zwei Jahre lebt und das meiste, was er braucht, in wenigen Wochen lernt, hat vom Spielen weniger zu gewinnen als ein Kolkrabe, der Jahrzehnte alt werden kann.

Spielen auch Gartenvögel?

Manche schon, auch wenn vieles, was am Futterhaus wie Spiel aussieht, ernste Angelegenheit ist. So erkennen Sie den Unterschied.

Anzeichen dafür, dass ein Vogel spielt

  1. Die Handlung wiederholt sich ohne klares Ziel. Eine Krähe lässt einen Zweig fallen, fängt ihn, lässt ihn wieder fallen.
  2. Der Vogel ist entspannt. Keine Warnrufe, keine erkennbare Bedrohung.
  3. Es ist ein junger Vogel. Jungvögel spielen mehr als Altvögel. Unser Ratgeber zum Vogelverhalten verstehen erklärt, wie Sie Jungvögel am Verhalten erkennen.
  4. Die Regeln wirken flexibel. Verfolgungen wechseln die Richtung, Rollen werden getauscht, niemand wird verletzt.

Was wie Spiel aussieht, es aber meist nicht ist

  • Verfolgungsjagden am Futterhaus. Meist Konkurrenz um Futter oder Revier.
  • Wälzen in Staub oder Erde. In der Regel ein Staubbad, eine Form der Gefiederpflege, die unser Ratgeber warum Vögel im Staub baden erklärt.
  • Ausgebreitet am Boden liegen. Oft ein Sonnenbad. Lesen Sie dazu warum Vögel sonnenbaden.
  • Ameisen durchs Gefieder streichen. Das ist das sogenannte Einemsen, beschrieben in unserem Ratgeber was Einemsen bei Vögeln ist.
  • Purzeln in der Luft im Frühjahr. Oft ein Balzflug, besonders bei Tauben, Kiebitzen und manchen Greifvögeln.

Vögel, bei denen sich das Hinschauen lohnt

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Rabenkrähen und Nebelkrähen, Saatkrähen, Dohlen, Elstern, Eichelhäher und Kolkraben Ihre besten Kandidaten. Im Hochgebirge kommen Alpendohlen hinzu. In Nordamerika sind Amerikanerkrähen, Kolkraben und Blauhäher die besten Chancen, in Brasilien Sittiche, Papageien, Tukane und der Schopfblaurabe. Möwen an einem windigen Strand, sei es an der Nordsee oder am Bodensee, sind fast überall einen Blick wert.

Nach Spiel Ausschau zu halten ist auch eine gute Möglichkeit, Kinder für Vogelverhalten zu begeistern. Unser Ratgeber zur Vogelbeobachtung mit Kindern enthält Ideen, wie junge Beobachter bei der Sache bleiben.

Ist Spiel ein Zeichen dafür, dass ein Vogel glücklich ist?

Spiel gehört zu den besseren Hinweisen, die wir auf positive Zustände bei Tieren haben, und die Tierschutzforschung nutzt es zunehmend in diesem Sinn. Weil Spiel meist dann auftritt, wenn ein Tier sicher, satt und gesund ist, ist ein spielender Vogel in diesem Moment zumindest nicht gestresst, hungrig oder krank. Die Keastudie ergänzt dieses Bild, denn eine verspielte Stimmung schien sich zwischen den Vögeln auszubreiten, ähnlich wie gute Laune unter Menschen.

Vorsicht bleibt dennoch geboten. Wir können nicht genau wissen, was ein Vogel empfindet, und fehlendes Spiel bedeutet nicht, dass ein Vogel unglücklich ist. Viele Arten spielen selten oder nie, und erwachsene Vögel verspielter Arten verbringen die meiste Zeit mit ernsten Aufgaben. Bei Heimvögeln ist ein plötzlich nachlassendes Interesse an Spielzeug und Erkundung allerdings beachtenswert, weil es ein frühes Zeichen für Krankheit oder Stress sein kann. Bei Wildvögeln ist beobachtetes Spiel ein kleines Geschenk: ein Hinweis darauf, dass diese Vögel zumindest im Moment genug Nahrung, Sicherheit und Zeit haben.

Mythen und Fakten zum Spielverhalten von Vögeln

Mythos: Nur Säugetiere spielen. Fakt: Spiel ist bei Vögeln gut belegt, besonders bei Papageien und Rabenvögeln, und wurde sogar für manche Reptilien und Fische vermutet.

Mythos: Wenn ein Vogel etwas Seltsames tut, spielt er. Fakt: Viele merkwürdig wirkende Verhaltensweisen wie Einemsen, Sonnenbaden und Balzflüge haben eine bestimmte Funktion.

Mythos: Vögel spielen genauso wie Kinder. Fakt: Es gibt Parallelen wie Tauziehen und Fangen, aber das Spiel von Vögeln ist von ihrem Körperbau und ihrer Lebensweise geprägt.

Mythos: Heimvögel müssen nicht spielen. Fakt: Vogeltierärzte und Tierschutzorganisationen halten Spielzeug und Beschäftigung bei der Futtersuche für Papageien und andere Heimvögel für wichtig. Langeweile kann zu Federschäden und Stress führen.

Mythos: Erwachsene Vögel spielen nie. Fakt: Spiel ist bei Jungvögeln am häufigsten, doch auch erwachsene Keas, Kolkraben und Papageien spielen.

Kurz und knapp

  • Die Forschung nutzt Kriterien wie Burghardts fünf Merkmale, um Spiel zu definieren.
  • Papageien und Rabenvögel spielen unter den Vögeln am meisten.
  • Keas haben einen Spielruf, der andere Keas zum Spielen bringt.
  • Kolkraben und Krähen rutschen im Schnee, hängen kopfüber und werfen Gegenstände im Flug.
  • Junge Greifvögel üben die Jagd durch Objektspiel.
  • Spiel hängt mit großen Gehirnen, langer Jugendphase und sozialem Leben zusammen.
  • Vieles, was am Futterhaus wie Spiel aussieht, ist Konkurrenz, Staubbaden oder Sonnenbaden.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Spielen Vögel wirklich?

Ja, manche Vögel spielen eindeutig. Spiel ist bei Krähen, Kolkraben, Hähern, Elstern, Papageien wie dem Kea, einigen Greifvögeln, Möwen und einigen weiteren Gruppen beschrieben. Dazu gehören Objektspiel, etwa das Werfen und Fallenlassen von Zweigen, Bewegungsspiel wie Rutschen und Luftrollen und Sozialspiel wie Verfolgungsjagden und Scheinkämpfe. Am häufigsten spielen Jungvögel intelligenter, sozialer Arten.

Woran erkennen Forschende, dass ein Vogel spielt?

Sie nutzen Kriterien wie die des Psychologen Gordon Burghardt. Spiel ist ein Verhalten ohne erkennbaren unmittelbaren Nutzen, es geschieht freiwillig, unterscheidet sich von der ernsten Form des Verhaltens, wird wiederholt und tritt auf, wenn das Tier entspannt, satt und sicher ist. Verhalten, das alle fünf Kriterien erfüllt, gilt in der Regel als Spiel.

Welche Vögel spielen am meisten?

Papageien und Rabenvögel zeigen das meiste Spielverhalten. Der Kea aus Neuseeland ist dafür berühmt, und Kolkraben, Krähen, Elstern und Eichelhäher spielen mit Gegenständen und miteinander. Vergleichende Studien deuten darauf hin, dass Spiel vor allem bei Arten mit im Verhältnis zur Körpergröße großem Gehirn und langer Jugendphase vorkommt.

Warum spielen Vögel?

Die wichtigsten Erklärungen lauten: Spiel hilft Jungvögeln, Fähigkeiten zu üben, die sie später brauchen, etwa Nahrung zu bearbeiten, im Wind zu fliegen oder zu kämpfen, und es hilft ihnen, neue Gegenstände und Artgenossen kennenzulernen. Spiel könnte außerdem die Flexibilität des Gehirns fördern. Manche Forschende vermuten, dass Spielen sich schlicht gut anfühlt und so das Erkunden belohnt.

Spielen auch Gartenvögel?

Manche ja. Krähen und Eichelhäher tragen, lassen fallen und zerren an Gegenständen, Schwalben lassen im Flug gelegentlich Federn fallen und fangen sie wieder, und junge Vögel vieler Arten jagen einander auf spielerisch wirkende Weise. Vieles, was am Futterhaus nach Spiel aussieht, ist aber Futterkonkurrenz oder Revierverteidigung. Der Zusammenhang entscheidet über die Deutung.