Verletzten Vogel gefunden: Was tun? Erste Hilfe Schritt für Schritt

Verletzten Vogel gefunden, was tun? In einen Karton mit Luftlöchern setzen, dunkel, warm und ruhig halten, kein Futter, kein Wasser, Wildvogelstation anrufen.

Ein kleiner Pappkarton mit Luftlöchern und einem weichen, gefalteten Tuch darin steht auf einer Treppenstufe neben Gartenhandschuhen (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: die fünf Schritte
  2. Woran erkennt man, ob ein Vogel wirklich verletzt ist?
  3. Wie hebt man einen verletzten Vogel sicher auf?
  4. Welcher Karton eignet sich für einen verletzten Vogel?
  5. Sollte man einen verletzten Vogel warm halten?
  6. Warum sollte man einem verletzten Vogel kein Futter und kein Wasser geben?
  7. Wie findet man eine Wildvogelstation?
  8. Wie transportiert man einen verletzten Vogel?
  9. Darf man einen verletzten Wildvogel selbst pflegen?
  10. Was tun bei bestimmten Verletzungen?
  11. Häufige Fehler
  12. Was tun, wenn der Vogel stirbt?
  13. Kurz und knapp
  14. Quellen
  15. Häufige Fragen

Verletzten Vogel gefunden, was tun? Setzen Sie ihn behutsam in einen Pappkarton mit Luftlöchern, der mit einem weichen Tuch ausgelegt ist, schließen den Deckel und stellen ihn an einen dunklen, ruhigen und warmen Ort, fern von Haustieren und Kindern. Geben Sie ihm weder Futter noch Wasser. Benommene Vögel erholen sich oft nach 1 bis 2 Stunden Ruhe. Bei Verletzungen nehmen Sie so schnell wie möglich Kontakt zu einer Wildvogelstation oder einer vogelkundigen Tierarztpraxis auf und folgen deren Anweisungen.

Im Folgenden erklären wir, warum jeder dieser Schritte wichtig ist, woran Sie erkennen, ob ein Vogel wirklich Hilfe braucht, und wie Sie in den häufigsten Situationen richtig handeln: nach einem Anflug an die Fensterscheibe, nach einem Katzenangriff, nach einem Zusammenstoß mit einem Auto und wenn sich ein Vogel in Angelschnur oder Netzen verheddert hat.

Kurz beantwortet: die fünf Schritte

  1. Prüfen, ob der Vogel wirklich Hilfe braucht. Viele junge Vögel am Boden sind gesunde Ästlinge und nicht verletzt.
  2. Sich selbst und den Vogel schützen. Handschuhe tragen oder ein Tuch verwenden, Haustiere und Kinder fernhalten.
  3. Den Vogel sichern. Vorsichtig in einen Pappkarton mit Luftlöchern setzen, der mit einem weichen Tuch ohne Schlaufen ausgelegt ist, und den Deckel schließen.
  4. Dunkel, warm und ruhig halten. Stress tötet verletzte Vögel. Öffnen Sie den Karton nicht, um nachzusehen.
  5. Eine Wildvogelstation anrufen. Kein Futter und kein Wasser geben und nicht versuchen, den Vogel selbst zu behandeln.

Woran erkennt man, ob ein Vogel wirklich verletzt ist?

Nicht jeder Vogel am Boden steckt in Schwierigkeiten, und wer einen gesunden Jungvogel von seinen Eltern wegholt, richtet echten Schaden an. Beobachten Sie deshalb zuerst einige Minuten aus der Entfernung.

Anzeichen, dass ein Vogel Hilfe braucht

  • Er wurde von einer Katze oder einem Hund gepackt, auch wenn er unverletzt aussieht.
  • Es ist Blut zu sehen, eine Wunde oder ein Bein, das in einem seltsamen Winkel absteht.
  • Ein Flügel hängt deutlich tiefer als der andere.
  • Er kann nicht stehen oder fällt immer wieder um.
  • Er sitzt aufgeplustert mit geschlossenen Augen da und weicht nicht aus, wenn Sie sich nähern.
  • Er ist mit Öl, Leim oder einer anderen Substanz verschmiert oder in Angelschnur, Netz oder Schnur verfangen.
  • Er zittert, ist nass und kalt oder liegt auf der Seite.
  • Es ist ein Nestling mit wenigen oder keinen Federn am Boden, und kein erreichbares Nest ist in Sicht.

Anzeichen, dass es dem Vogel wahrscheinlich gut geht

  • Es ist ein voll befiederter Jungvogel mit kurzem Stummelschwanz, der am Boden hüpft und flattert. Das ist fast sicher ein Ästling, der das Nest verlässt, bevor er richtig fliegen kann, und in der Nähe weiter von den Eltern gefüttert wird. Typisch sind junge Amseln, Rotkehlchen und Meisen im Frühsommer.
  • Er ist aufmerksam, entfernt sich von Ihnen, und die Flügel liegen ordentlich am Körper an.
  • Ein Altvogel ruft in der Nähe oder bringt Futter.

Wenn Sie bei einem Jungvogel unsicher sind, erklärt unser Ratgeber Jungvogel gefunden?, wie Sie Nestlinge von Ästlingen unterscheiden und wann Sie eingreifen sollten. Der hartnäckige Mythos, Elternvögel würden Junge verstoßen, die ein Mensch berührt hat, stimmt für die meisten Singvögel nicht, wie wir in verstoßen Vogeleltern Junge, die ein Mensch berührt hat? erklären.

Wie hebt man einen verletzten Vogel sicher auf?

Zuerst sich selbst schützen

Tragen Sie Handschuhe, wenn Sie welche zur Hand haben, oder nehmen Sie ein Handtuch oder Tuch. Vögel können Bakterien und Parasiten tragen, und einige Krankheiten wie Vogelgrippe oder Salmonellen können in seltenen Fällen auf Menschen übergehen. Waschen Sie sich danach gründlich die Hände, auch wenn Sie Handschuhe getragen haben.

Bei manchen Vögeln ist besondere Vorsicht nötig:

  • Greifvögel und Eulen wie Mäusebussard, Habicht, Waldkauz oder Uhu haben kräftige Krallen, die tiefe Stichwunden verursachen. Fassen Sie sie nicht ohne Anleitung an. Rufen Sie eine Greifvogel- oder Wildvogelstation an. Viele Greifvögel unterliegen in Deutschland zusätzlich dem Jagdrecht, deshalb kann auch die Polizei oder die untere Jagdbehörde weiterhelfen.
  • Graureiher, Kormorane, Haubentaucher und Basstölpel stoßen mit dem spitzen Schnabel nach dem Gesicht und können Augen verletzen. Überlassen Sie sie Fachleuten oder tragen Sie eine Schutzbrille, wenn man Sie ausdrücklich um Hilfe bittet.
  • Wasservögel, Möwen und Greifvögel, die krank wirken, sollten Sie bei Vogelgrippe-Geschehen nicht anfassen. Melden Sie sie stattdessen dem zuständigen Veterinäramt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Vogelgrippe und Futterhäusern.
  • Schwäne und Gänse können mit den Flügeln heftig zuschlagen. Holen Sie Hilfe.

So nehmen Sie einen kleinen Singvogel auf

  1. Bereiten Sie zuerst den Karton vor, damit der Vogel so kurz wie möglich in Ihren Händen ist.
  2. Nähern Sie sich ruhig und leise, wenn möglich von hinten.
  3. Legen Sie vorsichtig ein leichtes Tuch über den Vogel. Dunkelheit beruhigt Vögel.
  4. Heben Sie ihn mit beiden Händen auf und halten Sie die Flügel dabei an den Körper gelegt. Drücken Sie nicht zu. Vögel atmen, indem sie die Körperwand bewegen, und Druck auf die Brust kann sie ersticken.
  5. Setzen Sie ihn in den Karton, ziehen Sie das Tuch weg, wenn es sich leicht löst, und schließen Sie den Deckel.

Halten Sie den Umgang so kurz wie möglich. Jede zusätzliche Minute in menschlichen Händen treibt die Stresshormone nach oben, und Fangstress allein kann Vögel töten.

Welcher Karton eignet sich für einen verletzten Vogel?

Ein einfacher Pappkarton ist am besten. Wählen Sie einen, in dem der Vogel stehen und sich umdrehen kann, der aber nicht so groß ist, dass er flattern und sich weiter verletzen kann. Für die meisten kleinen Gartenvögel reicht ein Schuhkarton.

  • Stechen Sie kleine Luftlöcher in Deckel oder Seitenwände, und zwar bevor der Vogel hineinkommt.
  • Legen Sie den Boden mit einem weichen Stoff aus, etwa einem T-Shirt oder Küchenpapier. Vermeiden Sie Frotteehandtücher mit Schlaufen, in denen sich Zehen und Krallen verfangen.
  • Verschließen Sie den Deckel sicher und kleben Sie ihn bei Bedarf zu. Verletzte Vögel können sich plötzlich so weit erholen, dass sie in der Wohnung entkommen.
  • Verwenden Sie keinen Drahtkäfig. Vögel geraten in Panik, fliegen gegen die Gitterstäbe und beschädigen ihr Gefieder.
  • Stellen Sie den Karton nicht in den Kofferraum und lassen Sie ihn nie in einem heißen Auto stehen.

Sollte man einen verletzten Vogel warm halten?

In der Regel ja. Verletzte Vögel und Vögel im Schock verlieren schnell Wärme, und Unterkühlung ist eine häufige Todesursache nach einem Unfall. Stellen Sie den Karton in einen Raum mit normaler Zimmertemperatur, ohne Zugluft.

Wenn der Vogel kalt ist, empfiehlt eine Wildvogelstation womöglich sanfte zusätzliche Wärme. Eine übliche Methode ist ein Heizkissen auf niedriger Stufe unter der Hälfte des Kartons, damit der Vogel ausweichen kann, wenn es ihm zu warm wird. Auch eine Wärmflasche mit warmem, nicht heißem Wasser, in ein Tuch gewickelt, eignet sich. Überhitzung ist ebenfalls gefährlich: Hechelt der Vogel oder hält er die Flügel vom Körper ab, entfernen Sie die Wärmequelle.

Warum sollte man einem verletzten Vogel kein Futter und kein Wasser geben?

Diese Regel fällt vielen am schwersten, aber sie ist wichtig:

  • Gefahr des Verschluckens. Ein geschwächter Vogel schluckt oft nicht richtig. Tropft man ihm Wasser in den Schnabel, kann es in die Luftröhre gelangen und zum Ersticken oder zu einer Lungenentzündung führen.
  • Falsches Futter. Verschiedene Arten brauchen völlig unterschiedliche Nahrung. Brot, Milch und Körner können vielen Vögeln ernsthaft schaden, und manche verletzten Vögel können gar nichts verdauen, bevor sie stabilisiert sind.
  • Die Zeit ist auf Ihrer Seite. Gesunde erwachsene Vögel kommen viele Stunden ohne Futter und Wasser aus. Einen Vogel in einem dunklen, warmen, ruhigen Karton zu stabilisieren, ist weit wichtiger.

Die Wildvogelstation sagt Ihnen, ob und wann Flüssigkeit oder Futter sinnvoll sind und in welcher Form. Warum menschliche Nahrung riskant ist, lesen Sie in was Vögel nicht fressen dürfen.

Wie findet man eine Wildvogelstation?

Wildvogelstationen und Wildtierauffangstationen versorgen verletzte, kranke und verwaiste Wildtiere und entlassen sie wieder in die Natur. Manche werden von Vereinen betrieben, andere von Tierheimen, Tierparks oder engagierten Privatleuten, und einige Tierarztpraxen haben sich auf Vögel spezialisiert.

In Deutschland

  • Online suchen: Geben Sie Wildvogelhilfe, Wildvogelstation oder Wildtierauffangstation zusammen mit Ihrem Ort oder Landkreis ein. Es gibt auch Verzeichnisse, die Auffangstationen nach Postleitzahl auflisten.
  • Naturschutzverbände: Örtliche NABU-Gruppen und in Bayern der LBV kennen meist die nächste Station oder erfahrene Pflegestellen.
  • Tierheime, Tierschutzvereine und Tierarztpraxen vermitteln oft weiter, und manche Tierärztinnen und Tierärzte stabilisieren Wildvögel ohne Kosten.
  • Für Greifvögel und Eulen gibt es eigene Greifvogelstationen. Außerhalb der Öffnungszeiten kann die Polizei vermitteln.

In Österreich und der Schweiz

  • In Österreich helfen Tierschutzvereine, Wildtierauffangstationen und die Tierschutzombudsstellen der Länder mit Adressen.
  • In der Schweiz sind kantonale Pflegestationen zuständig, und die Schweizerische Vogelwarte Sempach bietet auf ihrer Website Hinweise und Adressen für verletzte Vögel.

Was Sie am Telefon sagen sollten

  • Die Art, wenn Sie sie kennen, oder eine Beschreibung: Größe, Farben, Schnabelform.
  • Was vermutlich passiert ist: Fensteranflug, Katze, Auto, am Boden gefunden.
  • Sichtbare Verletzungen und Verhalten.
  • Wo genau Sie den Vogel gefunden haben. Das ist wichtig, weil gesund gepflegte Vögel möglichst nahe am Fundort freigelassen werden.
  • Wie lange der Fund zurückliegt.

Wie transportiert man einen verletzten Vogel?

Sobald eine Station zusagt, den Vogel aufzunehmen, gehört auch die Fahrt zur Versorgung. Ein paar einfache Gewohnheiten machen einen echten Unterschied:

  • Lassen Sie den Karton geschlossen und sichern Sie ihn im Fußraum oder auf einem Sitz mit Gurt, damit er nicht rutschen oder umkippen kann.
  • Halten Sie es im Auto ruhig. Radio aus, keine Gespräche direkt am Karton, und lassen Sie Kinder nicht hineinschauen.
  • Achten Sie auf die Temperatur. Angenehme Zimmertemperatur ist das Ziel. Lassen Sie den Karton weder im Sommer noch im Winter im geparkten Auto, und halten Sie ihn fern von direkter Sonne und starken Lüftungsdüsen.
  • Notieren Sie die Einzelheiten, bevor Sie losfahren: genauer Fundort, Uhrzeit, was passiert ist und was Sie beobachtet haben. Kleben Sie den Zettel auf den Karton, wenn jemand anderes fährt.
  • Fahren Sie direkt hin. Zwischenstopps und Umwege bedeuten mehr Stress und verzögern die Behandlung.

Wenn Sie den Vogel wirklich nicht selbst bringen können, sagen Sie das beim Anruf. In manchen Regionen gibt es ehrenamtliche Fahrdienste oder Rettungsteams, die Tiere abholen.

Darf man einen verletzten Wildvogel selbst pflegen?

Nur in engen Grenzen, und dafür gibt es gute Gründe. Alle europäischen Vogelarten sind durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt, und in Deutschland regelt das Bundesnaturschutzgesetz den Umgang mit ihnen. Wildvögel einzufangen oder zu halten, ist grundsätzlich verboten. Das Gesetz erlaubt aber, verletzte, kranke oder hilflose Tiere vorübergehend aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen und danach unverzüglich freizulassen. Einen Vogel kurz zu sichern und zu einer Station zu bringen, ist also ausdrücklich in Ordnung. Ihn über Wochen selbst aufzupäppeln oder dauerhaft zu behalten, nicht. Österreich und die Schweiz haben vergleichbare Regeln.

Einige Sonderfälle: Für viele Greifvögel gilt zusätzlich das Jagdrecht, deshalb sollten sie in eine Greifvogelstation. Stadttauben haben einen anderen rechtlichen Status als heimische Wildvögel, doch viele Wildvogelstationen nehmen sie trotzdem auf, und in vielen Städten gibt es eigene Taubenhilfen.

Unabhängig vom Recht verlangt eine erfolgreiche Pflege artgerechte Ernährung, Schmerzmittel, Antibiotika, Röntgenbilder bei Brüchen und Flugtraining vor der Freilassung. Zu früh freigelassene Vögel sterben oft.

Was tun bei bestimmten Verletzungen?

Vogel gegen die Scheibe geflogen

Fensteranflüge sind einer der häufigsten Gründe, warum Gartenbesitzer einen benommenen Vogel finden. Viele Vögel sind nach einem Anprall nur vorübergehend betäubt und erholen sich, manche haben aber Kopfverletzungen, die zunächst nicht auffallen.

  1. Setzen Sie den Vogel in einen Karton mit Luftlöchern und stellen Sie ihn für ein bis zwei Stunden an einen dunklen, ruhigen und sicheren Ort.
  2. Öffnen Sie den Karton nicht zum Nachsehen. Wenn Sie hören, dass sich der Vogel lebhaft bewegt, ist er vielleicht so weit.
  3. Tragen Sie den Karton nach draußen, in die Nähe von Deckung, und öffnen Sie ihn. Treten Sie zurück.
  4. Fliegt er kräftig davon, ist die Aufgabe erledigt.
  5. Kann er nach zwei Stunden nicht fliegen, hängt ein Flügel, ist Blut an Augen oder Schnabel, hält er den Kopf schief oder kann das Gleichgewicht nicht halten, rufen Sie eine Wildvogelstation an.

Lassen Sie Vögel bei Tageslicht frei, nicht in der Dämmerung, damit sie noch Zeit haben, einen Schlafplatz zu finden. Wie Sie künftige Anflüge vermeiden, lesen Sie in Vogelschlag an Fenstern verhindern.

Vogel von einer Katze gefangen

Behandeln Sie jeden Vogel aus dem Katzenmaul als Notfall. Katzenspeichel enthält Bakterien, vor allem Pasteurella, die bei Vögeln eine schnelle, tödliche Infektion auslösen können. Schon ein Biss, der zu klein ist, um ihn zu sehen, kann reichen, und viele Wildvogelstationen berichten, dass solche Infektionen Vögel ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen töten. Ein Vogel aus dem Katzenmaul braucht schnell Antibiotika, idealerweise innerhalb weniger Stunden. Lassen Sie ihn nicht frei, auch wenn er gesund wirkt. Unser Ratgeber zu Katzen und Vögeln zeigt, wie Sie vorbeugen.

Vogel von einem Auto angefahren

Halten Sie nur an, wenn es sicher ist, und nur dann. Sichern Sie den Vogel wie beschrieben und rufen Sie eine Station an. Bringen Sie sich im Verkehr niemals selbst in Gefahr. Bei großen Vögeln wie Greifvögeln oder Eulen auf der Straße verständigen Sie die Polizei, die auch den zuständigen Jagdpächter erreichen kann.

Vogel in Angelschnur oder Faden verheddert

Angelschnur, Netze und Drachenschnur verursachen schwere Einschnürungen. Ist ein kleiner Vogel nur leicht verfangen, können Sie die Schnur manchmal mit einer kleinen Schere entfernen, während eine zweite Person den Vogel in ein Tuch gewickelt sanft festhält. Schneiden Sie vorsichtig vom Körper weg und ziehen Sie niemals an Schnur, die in die Haut eingeschnitten hat. Eng um Beine, Flügel oder Zunge gewickelte Schnur und jede Schwellung gehören in fachkundige Hände. Auch Obstnetze und Netze über Gemüsebeeten werden kleinen Vögeln oft zur Falle.

Vogel mit Öl oder klebriger Substanz verschmiert

Versuchen Sie nicht, ihn selbst zu waschen. Spülmittel, Wassertemperatur und Trocknung müssen stimmen, und falsches Waschen kann zu Unterkühlung führen. Sichern Sie den Vogel und rufen Sie eine Station an. Leimfallen für Insekten oder Mäuse sind eine häufige Ursache für verklebte Vögel und sollten im Freien nie verwendet werden.

Kranker Vogel am Futterhaus

Ein aufgeplusterter Vogel mit geschwollenen Augen, Wucherungen oder Schluckbeschwerden ist vielleicht eher krank als verletzt. Grünfinken mit Trichomonaden zum Beispiel wirken apathisch und haben verklebtes Gefieder am Schnabel. Nehmen Sie Ihre Futterstellen für etwa zwei Wochen ab, reinigen und desinfizieren Sie sie und fragen Sie eine Station um Rat. Unser Ratgeber zu kranken Vögeln am Futterhaus erklärt alles Weitere.

Häufige Fehler

  • Wasser oder Futter geben. Das ist der häufigste gut gemeinte Fehler.
  • Ständig nachsehen. Jedes Öffnen des Kartons verursacht Stress.
  • Kinder oder Haustiere heranlassen. Geräusche und Gesichter machen einem Wildvogel Angst.
  • Den Vogel tagelang behalten, um abzuwarten, wie es sich entwickelt. Verlorene Zeit zählt, besonders nach Katzenangriffen.
  • Einen Vogel freilassen, der nicht gut fliegt. Wer nicht kräftig fliegen kann, entkommt keinem Beutegreifer und findet kein Futter.
  • Greifvögel oder Reiher ohne Anleitung anfassen. Krallen und Schnäbel verursachen ernsthafte Verletzungen.
  • Einen Ästling für verletzt halten. Gesunde Ästlinge verbringen Tage am Boden, während die Eltern sie füttern.

Was tun, wenn der Vogel stirbt?

Trotz aller Mühe überleben manche verletzten Vögel nicht. Schock und innere Verletzungen sind nach Anprallen und Angriffen häufig. Stirbt ein Vogel, fassen Sie ihn mit Handschuhen an, legen Sie ihn in einen verschlossenen Beutel und entsorgen Sie ihn im Restmüll oder vergraben Sie ihn. Finden Sie mehrere tote Vögel an einer Stelle oder vermuten Sie eine Krankheit, besonders bei Wasservögeln oder Greifvögeln, melden Sie das dem Veterinäramt Ihres Landkreises, das die Tiere womöglich untersuchen lassen möchte. Waschen Sie sich danach gründlich die Hände.

Kurz und knapp

  • Setzen Sie einen verletzten Vogel in einen Pappkarton mit Luftlöchern und halten Sie ihn dunkel, warm und ruhig.
  • Geben Sie einem verletzten Vogel nie Futter oder Wasser, außer eine Station rät dazu.
  • Vögel aus dem Katzenmaul brauchen innerhalb weniger Stunden Antibiotika, auch ohne sichtbare Wunde.
  • Nach einem Fensteranflug erholen sich benommene Vögel oft nach ein bis zwei Stunden Ruhe im Karton.
  • Heimische Wildvögel sind gesetzlich geschützt. Kurzfristige Aufnahme zur Hilfe ist erlaubt, dauerhafte Haltung nicht.
  • Viele scheinbar verletzte Jungvögel am Boden sind gesunde Ästlinge, die von ihren Eltern versorgt werden.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Soll ich einem verletzten Vogel Wasser geben?

Nein. Geben Sie einem verletzten oder benommenen Vogel weder Futter noch Wasser. Ein geschwächter Vogel kann Wasser in die Luftröhre bekommen und daran ersticken oder eine Lungenentzündung entwickeln, und falsches Futter kann ernsthaft schaden. Vögel kommen viele Stunden ohne Nahrung und Wasser aus. Halten Sie den Vogel dunkel, warm und ruhig und überlassen Sie Flüssigkeit und Futter der Wildvogelstation.

Wie finde ich eine Wildvogelstation in meiner Nähe?

Suchen Sie online nach Wildvogelhilfe, Wildvogelstation oder Wildtierauffangstation zusammen mit Ihrem Ort oder Landkreis. Örtliche NABU- und LBV-Gruppen, Tierheime, Tierschutzvereine und viele Tierarztpraxen vermitteln weiter. In Österreich und der Schweiz helfen Tierschutzorganisationen, Pflegestationen und die Vogelwarte Sempach mit Adressen. Rufen Sie immer an, bevor Sie losfahren.

Darf ich einen verletzten Wildvogel behalten und selbst gesund pflegen?

Nur sehr eingeschränkt. Heimische Wildvögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Das Gesetz erlaubt, verletzte oder hilflose Tiere vorübergehend aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen und danach freizulassen. Die fachgerechte Versorgung verlangt aber artgerechtes Futter, Medikamente und Flugtraining. Eine Wildvogelstation oder vogelkundige Tierarztpraxis ist fast immer der bessere Ort.

Was tun, wenn ein Vogel gegen die Scheibe geflogen ist?

Ist er benommen, aber nicht sichtbar verletzt, setzen Sie ihn für ein bis zwei Stunden in einen Karton mit Luftlöchern, an einen dunklen, ruhigen und vor Haustieren sicheren Ort. Dann tragen Sie den Karton nach draußen und öffnen ihn. Fliegt der Vogel kräftig davon, ist alles gut. Kann er nicht fliegen, hängt ein Flügel, blutet er oder hält den Kopf schief, rufen Sie eine Wildvogelstation an.

Braucht ein Vogel aus dem Katzenmaul Hilfe, auch wenn er gesund aussieht?

Ja. Katzenspeichel enthält Bakterien, die bei Vögeln eine tödliche Infektion auslösen können, oft innerhalb von ein bis zwei Tagen und schon durch einen winzigen, unsichtbaren Biss. Jeder Vogel, den eine Katze im Maul hatte, braucht so schnell wie möglich Antibiotika von einer Tierarztpraxis oder Wildvogelstation, idealerweise innerhalb weniger Stunden. Lassen Sie ihn nicht frei, auch wenn er unverletzt wirkt.