Jungvogel gefunden: Was tun und was lassen?

Jungvogel gefunden, was tun? Das hängt vom Alter ab: Nestlinge zurück ins Nest, befiederte Ästlinge in Ruhe lassen und bei Verletzung Wildvogelhilfe rufen.

Eine junge Amsel mit geflecktem Gefieder und kurzem Schwanz sitzt auf dem Rasen unter einem Strauch (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: Was tun mit einem Jungvogel?
  2. Schritt 1: Ist der Jungvogel verletzt?
  3. Schritt 2: Ist es ein Ästling oder ein Nestling?
  4. Häufige Ästlinge im Garten und wie sie aussehen
  5. Schritt 3: Was tun mit einem Ästling?
  6. Schritt 4: Was tun mit einem Nestling?
  7. Was Sie nicht tun sollten, wenn Sie einen Jungvogel finden
  8. So sichern Sie einen Jungvogel, bis Hilfe kommt
  9. So finden Sie eine Wildvogelstation
  10. Wann findet man am häufigsten Jungvögel?
  11. So beugen Sie Notfällen mit Jungvögeln im Garten vor
  12. Häufige Fehler
  13. Quellen
  14. Häufige Fragen

Jungvogel gefunden, was tun? Klären Sie zuerst, ob es ein Ästling oder ein Nestling ist. Ein befiederter Jungvogel, der hüpft und sich an Ihrem Finger festklammert, ist ein Ästling: Er hat das Nest absichtlich verlassen, seine Eltern sind in der Nähe, und Sie sollten ihn in Ruhe lassen. Ein fast nackter oder flaumiger Nestling gehört ins Nest. Setzen Sie ihn zurück, wenn Sie das Nest finden, die Eltern verstoßen ihn nicht, weil Sie ihn berührt haben. Eine Wildvogelstation brauchen Sie nur, wenn der Vogel verletzt ist, von einem Haustier gepackt wurde oder wirklich verwaist ist.

Das Cornell Lab of Ornithology bringt es auf den Punkt, und NABU und LBV sagen hierzulande dasselbe: Die allermeisten scheinbar verlassenen Jungvögel sind gesunde Ästlinge, deren Eltern in der Nähe sind und auf sie aufpassen. Gut gemeinte Rettungsaktionen für gesunde Ästlinge gehören zu den häufigsten Arten, wie Menschen jungen Vögeln versehentlich schaden.

Kurz beantwortet: Was tun mit einem Jungvogel?

Was Sie sehenWas es bedeutetWas Sie tun
Befiedert, hüpft, klammert fest, kurzer SchwanzÄstling, normale EntwicklungsphaseIn Ruhe lassen. Haustiere und Kinder fernhalten. Nur bei Gefahr in einen nahen Strauch setzen
Nackt, flaumig oder mit Federkielen, kann nicht hüpfen oder greifenNestling, zu früh aus dem NestZurück ins Nest setzen, wenn Sie es finden
Nestling, Nest zerstört oder unerreichbarBraucht ein ErsatznestErsatznest nahe der alten Stelle anbringen und aus der Ferne beobachten
Blutet, Flügel hängt, kann nicht stehenVerletztSichern und sofort eine Wildvogelstation anrufen
Von Katze oder Hund gepackt, auch ohne sichtbare WundeNotfallSofort eine Wildvogelstation anrufen
Kalt, schwach, Augen geschlossen, von Insekten bedecktKrank oder geschwächtSichern, warm halten, Wildvogelstation anrufen
Beide Eltern nachweislich totVerwaistWildvogelstation anrufen
Flauschiges Küken läuft am Boden, etwa Entenküken oder junger KiebitzNestflüchterIn Ruhe lassen, die Eltern sind meist in der Nähe
Mauersegler am BodenKann nicht allein startenImmer Hilfe holen, nicht in die Luft werfen

Schritt 1: Ist der Jungvogel verletzt?

Prüfen Sie vor allem anderen, ob der Vogel sofort fachkundige Hilfe braucht:

  • Blut, Wunden oder ein sichtbar gebrochenes Bein.
  • Ein Flügel hängt tiefer als der andere.
  • Er kann nicht stehen oder den Kopf nicht halten.
  • Er war im Maul einer Katze oder eines Hundes. Auch ohne sichtbare Wunde ist das ein Notfall. Wildvogelstationen behandeln Katzenopfer mit Vorrang, weil Bakterien aus dem Katzenmaul eine rasch fortschreitende Infektion auslösen können.
  • Er ist kalt, teilnahmslos, hat die Augen geschlossen oder ist von Fliegen oder Ameisen bedeckt.
  • Sie haben beide Eltern tot gefunden.

Trifft einer dieser Punkte zu, springen Sie zum Abschnitt weiter unten, wie Sie einen Jungvogel sicher unterbringen, und rufen Sie eine Wildvogelstation an. Das Cornell Lab empfiehlt, fachkundige Hilfe zu holen, wenn beide Eltern tot sind, der Jungvogel verletzt ist, Sie das Nest nicht finden oder sicher sind, dass der Vogel verwaist ist.

Trifft nichts davon zu, geht es dem Vogel wahrscheinlich gut. Bestimmen Sie als Nächstes sein Alter.

Schritt 2: Ist es ein Ästling oder ein Nestling?

Ästlinge: befiedert und hüpfend

Ästlinge sind befiedert, können hüpfen oder kurz flattern, und ihre Zehen umklammern Ihren Finger oder einen Zweig fest. Typisch sind außerdem:

  • Ein kurzer, stummeliger Schwanz, der noch nicht ausgewachsen ist.
  • Flaumbüschel, die zwischen den Federn herausstehen.
  • Gelbe oder helle Schnabelwinkel, die sogenannten Schnabelwülste.
  • Unbeholfener, flatternder Flug über kurze Strecken oder gar keiner.

Ästlinge haben das Nest im Rahmen ihrer normalen Entwicklung verlassen. Viele Singvögel verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können, weil ein Nest voller großer, lauter Junge Nesträuber anlockt. Draußen verteilen sich die Jungen im Gebüsch und am Boden, und die Eltern füttern sie weiter. Diese Phase dauert je nach Art einige Tage bis etwa zwei Wochen, bei Amseln oft deutlich länger, bis die Jungen völlig selbstständig sind.

Ein Ästling auf Ihrem Rasen hat sich nicht verirrt. Die Eltern sind meist in der Nähe, oft außer Sicht, und kommen immer wieder zum Füttern. Häufig hören Sie den Jungvogel nach ihnen rufen.

Nestlinge: nackt, flaumig oder mit Federkielen

Nestlinge sind spärlich befiedert und können weder hüpfen noch laufen, flattern oder sich festklammern. Sehr junge Nestlinge haben oft noch geschlossene Augen und nackte, rosa Haut. Ältere zeigen Blutkiele, die wie kleine, umhüllte Federstifte aussehen.

Ein Nestling am Boden ist fehl am Platz. Er kann herausgefallen sein, von einem Geschwister hinausgedrängt oder von Wind oder einem Nesträuber heruntergestoßen worden sein. Das Nest ist meist ganz in der Nähe.

Sonderfälle: Junge, die an den Boden gehören

Manche Vögel schlüpfen mit Daunenkleid und offenen Augen und verlassen das Nest innerhalb eines Tages. Zu diesen Nestflüchtern gehören Enten, Gänse, Blässhühner, Kiebitze, Rebhühner und Fasane. Ein flauschiges Entenküken, das hinter seiner Mutter über einen Weg läuft, ist genau dort, wo es hingehört. Lassen Sie es in Ruhe und scheuchen Sie es nicht.

Finden Sie nach längerer Beobachtung ein einzelnes Entenküken ohne Mutter weit und breit, rufen Sie eine Wildvogelstation an. Entenküken sind auf die Wärme und den Schutz der Mutter angewiesen, und Stationen haben oft konkrete Tipps, wie man sie wieder zusammenführt.

Eine wichtige Ausnahme sind Mauersegler. Junge oder erwachsene Mauersegler, die am Boden liegen, können wegen ihrer langen Flügel und kurzen Beine in der Regel nicht selbst starten. Werfen Sie einen Mauersegler nie in die Luft, das kann ihn schwer verletzen. Setzen Sie ihn in einen Karton und rufen Sie eine Station an, die Erfahrung mit Seglern hat.

Häufige Ästlinge im Garten und wie sie aussehen

Junge Vögel sehen oft anders aus als ihre Eltern, ein Grund, warum Menschen sie für verloren halten. Einige, denen Sie wahrscheinlich begegnen:

ArtSo sieht der Ästling ausWas Sie erwartet
AmselBraun mit hellen Flecken und gefleckter Brust, kurzer Schwanz, gelbe SchnabelwinkelSitzt oft still auf dem Rasen oder in niedrigen Büschen, während die Eltern füttern
RotkehlchenNoch ohne rote Brust, braun mit vielen hellen TupfenVersteckt sich in dichter Deckung, die Eltern warnen mit scharfem Ticken
KohlmeiseWie ein blasses Altvogelbild, Wangen gelblich statt weiß, Kopf mattGanze Familien ziehen bettelnd durch Hecken und Bäume
HaussperlingSchlicht braun, kurzer Schwanz, flaumig, gelbe SchnabelwinkelHüpft bettelnd durch niedrige Deckung und an Futterstellen
Ringeltaube und TürkentaubeSieht aus wie ein kleiner, etwas schuppiger Altvogel, bei der Ringeltaube fehlt der weiße HalsfleckVerlässt das Nest fast ausgewachsen und sitzt oft am Boden
Elster und EichelhäherFlaumiger, mit kürzerem Schwanz als die ElternLaut und auffällig, Altvögel können Menschen und Haustiere scheltend anfliegen

Altvögel, die zetern, warnen oder Sie anfliegen, sind ein gutes Zeichen: Die Eltern sind da und verteidigen ihre Jungen. Halten Sie Abstand. Wenn Sie den Vogel bestimmen möchten, erklärt unser Ratgeber Vögel bestimmen, welche Hinweise zu Größe, Gestalt und Verhalten auch bei Jungvögeln funktionieren.

Schritt 3: Was tun mit einem Ästling?

Meist nichts. Es gibt in der Regel keinen Grund, mehr zu tun, als den Vogel bei Gefahr auf einen nahen Ast zu setzen und Haustiere im Haus zu behalten.

  1. Lassen Sie den Vogel, wo er ist, außer er ist in unmittelbarer Gefahr, etwa auf einer Straße, einer Einfahrt oder auf offenem Rasen mit einer Katze in der Nähe.
  2. Wenn Sie ihn umsetzen müssen, setzen Sie ihn auf einen niedrigen Ast oder in einen dichten Strauch, höchstens ein, zwei Meter von der Fundstelle entfernt. Die Eltern finden ihre Jungen über Rufe und Sicht, halten Sie die Strecke also kurz.
  3. Behalten Sie Katzen und Hunde für einige Tage im Haus oder an der Leine. Das ist das Hilfreichste, was Sie tun können.
  4. Halten Sie Kinder und andere Menschen fern, damit sich die Eltern zum Füttern herantrauen.
  5. Beobachten Sie, wenn Sie möchten, aus der Ferne. Schauen Sie aus dem Fenster oder aus großem Abstand zu, denn die Eltern sind vorsichtig, solange Menschen nah sind. Fütterungen gehen schnell und werden leicht übersehen.

Nehmen Sie einen gesunden Ästling nicht zur Sicherheit mit ins Haus. In dieser Zeit bei den Eltern lernen Ästlinge, Nahrung zu finden, Feinde zu erkennen und zu fliegen. Wer einen herausnimmt, nimmt ihm genau diese Lernzeit.

Schritt 4: Was tun mit einem Nestling?

Wenn Sie das Nest finden

Setzen Sie den Vogel so schnell wie möglich zurück. Die Eltern verlassen ihn nicht, weil Sie ihn berührt haben. Die meisten Singvögel riechen schlecht und erkennen ihre Jungen nicht am Geruch.

  1. Schauen Sie nach oben. Nester sitzen meist im nächsten Strauch, Baum, unter der Dachtraufe, auf einer Außenleuchte oder in einem Blumenkasten.
  2. Wärmen Sie Ihre Hände an und heben Sie den Nestling behutsam auf, sodass er sich in Ihrer hohlen Hand sicher fühlt.
  3. Setzen Sie ihn ins Nest und verlassen Sie den Bereich sofort.
  4. Beobachten Sie aus der Ferne, am besten von drinnen, ob die Altvögel zurückkommen.

Wenn das Nest zerstört oder unerreichbar ist

Sie können ein Ersatznest bauen, das Küken hineinsetzen und beobachten, ob die Eltern zurückkehren.

  1. Wählen Sie einen kleinen Behälter, etwa ein Plastikschälchen für Beeren oder ein kleines Weidenkörbchen. Er muss Wasser ablaufen lassen, bohren Sie in geschlossene Behälter also Löcher.
  2. Polstern Sie ihn mit dem alten Nestmaterial, wenn Sie es noch finden, sonst mit trockenem Gras oder Laub.
  3. Befestigen Sie ihn sicher im selben Baum oder Strauch, so nah wie möglich an der alten Neststelle und nicht in der prallen Sonne.
  4. Setzen Sie den Nestling oder die Nestlinge hinein und entfernen Sie sich.
  5. Beobachten Sie aus der Ferne, ob die Eltern zum Füttern kommen. Sehen Sie nach angemessener Zeit keine Altvögel oder wirkt der Nestling schwach, rufen Sie eine Wildvogelstation an und fragen Sie um Rat.

Dazu passt ein weiterer Hinweis: Wer ein besetztes Nest umsetzt, riskiert, dass die Eltern es aufgeben. Ein Ersatz muss deshalb sehr nah an der ursprünglichen Stelle hängen, möglichst innerhalb von ein bis zwei Metern.

Was Sie nicht tun sollten, wenn Sie einen Jungvogel finden

Diese Fehler machen aus einem gesunden Jungvogel am häufigsten einen Pflegefall.

Nicht füttern

Keine Regenwürmer, kein Brot, keine Milch, keine Körner und kein Tierfutter. Jungvögel brauchen artspezifisches Futter, und falsches Futter kann sie töten. Nestlinge brauchen zudem eine genaue Fütterungstechnik, sonst gerät Futter in die Atemwege.

Kein Wasser geben

Träufeln Sie einem Jungvogel nie Wasser in den Schnabel. Junge Vögel können Wasser in die Lunge bekommen. Für verletzte Vögel gilt dasselbe: kein Futter und kein Wasser. Eine Station gibt dem Vogel, was er braucht.

Keinen gesunden Ästling mit nach Hause nehmen

Das ist der häufigste Fehler. Ästlinge am Boden sind normal und meist gut versorgt. Wer einen mit ins Haus nimmt, trennt ihn genau dann von den Eltern, wenn er sie am dringendsten braucht.

Nicht selbst aufziehen

Alle heimischen Wildvögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt, in Österreich und der Schweiz gelten vergleichbare Regeln. Das Gesetz erlaubt zwar, verletzte, kranke oder hilflose Tiere vorübergehend aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen und danach freizulassen. Die Aufzucht eines Jungvogels ist aber Arbeit für Fachleute: Nestlinge müssen je nach Art alle 20 bis 30 Minuten von morgens bis abends gefüttert werden, mit dem richtigen Futter. Handaufgezogene Vögel überleben in der Natur oft nicht, weil ihnen wichtige Lernerfahrungen fehlen oder weil sie sich zu sehr an Menschen gewöhnen.

Nicht ständig nachschauen

Jeder Besuch kann eine Fütterung verzögern. Die Eltern kommen nicht herunter, solange Menschen nah sind. Beobachten Sie vom Fenster aus oder aus großer Entfernung.

Nicht warten, bis es dem Vogel besser geht

Ist ein Vogel verletzt, kalt oder wurde er von einem Haustier gepackt, zählt die Zeit. Rufen Sie umgehend eine Wildvogelstation an.

So sichern Sie einen Jungvogel, bis Hilfe kommt

Ist der Vogel verletzt oder krank, oder hat Ihnen eine Station gesagt, dass Sie ihn bringen sollen, gehen Sie so vor:

  1. Bereiten Sie zuerst einen Behälter vor. Ein kleiner Pappkarton mit Luftlöchern, ausgelegt mit einem weichen Tuch oder Küchenpapier, eignet sich gut. Für einen kleinen Vogel reicht auch eine Papiertüte.
  2. Tragen Sie Handschuhe, wenn Sie welche haben, oder waschen Sie danach gründlich die Hände.
  3. Heben Sie den Vogel behutsam auf und setzen Sie ihn in den Behälter. Schließen Sie den Deckel locker.
  4. Halten Sie ihn dunkel, ruhig und warm, fern von Kindern, Haustieren und Lärm. Dunkelheit beruhigt Vögel. Ein nackter Nestling braucht zusätzlich Wärme, etwa eine lauwarme, in ein Tuch gewickelte Wärmflasche unter einem Teil des Kartons.
  5. Fassen Sie ihn nicht wieder an und öffnen Sie den Karton nicht zum Nachsehen.
  6. Geben Sie kein Futter und kein Wasser.
  7. Rufen Sie sofort eine Wildvogelstation an und folgen Sie deren Anweisungen zu Wärme und Transport.

Rufen Sie an, bevor Sie losfahren. Manche Stationen und Praxen können bestimmte Arten nicht aufnehmen, und ein Anruf gibt ihnen Zeit, sich vorzubereiten oder Sie an die richtige Stelle zu verweisen.

So finden Sie eine Wildvogelstation

In Deutschland, Österreich und der Schweiz kümmern sich Wildvogelstationen, Wildtierauffangstationen und spezialisierte Pflegestellen um verletzte und verwaiste Vögel, oft ehrenamtlich. So finden Sie eine:

  • Suchen Sie online nach Wildvogelhilfe, Wildvogelstation oder Wildtierauffangstation zusammen mit Ihrem Ort oder Landkreis. Es gibt auch bundesweite Verzeichnisse von Pflegestellen, etwa über die Wildvogelhilfe.
  • Fragen Sie örtliche Naturschutzgruppen von NABU, LBV oder in der Schweiz von BirdLife Schweiz. Viele Gruppen kennen die nächste Station.
  • Rufen Sie eine Tierarztpraxis, ein Tierheim oder einen Tierschutzverein an, um sich weitervermitteln zu lassen.
  • Für Mauersegler und Schwalben gibt es eigene, spezialisierte Pflegestellen, weil diese Arten besonderes Futter und Erfahrung brauchen.

Speichern Sie die Nummer einer Station schon jetzt im Handy, bevor Sie sie brauchen. Frühling und Frühsommer sind für Wildvogelstationen die arbeitsreichste Zeit, und wer weiß, wen er anrufen kann, spart wertvolle Minuten.

Wann findet man am häufigsten Jungvögel?

Die meisten Singvögel in Mitteleuropa brüten vom Frühling bis in den Sommer. Die Hochsaison für Jungvögel am Boden reicht grob von April bis Juli, bei Amseln, die mehrere Bruten machen, oft bis in den August. Bei den meisten Singvögeln dauert der ganze Brutzyklus vom Brüten bis zum Ausfliegen etwa vier Wochen. Amsel, Rotkehlchen, Kohl- und Blaumeise, Haussperling, Hausrotschwanz und Tauben gehören zu den Gartenvögeln, deren Ästlinge Menschen am häufigsten finden.

So beugen Sie Notfällen mit Jungvögeln im Garten vor

Sie können dafür sorgen, dass weniger Jungvögel in Not geraten:

  • Lassen Sie Katzen im Haus, vor allem von Frühling bis Sommer. Freigänger gehören zu den größten Gefahren für Ästlinge.
  • Verschieben Sie starken Heckenschnitt auf die Zeit nach der Brutsaison. In Deutschland ist das radikale Zurückschneiden von Hecken zwischen dem 1. März und dem 30. September ohnehin verboten, schonende Formschnitte sind erlaubt, wenn keine Nester betroffen sind. Prüfen Sie Sträucher vor jedem Schnitt sorgfältig.
  • Schauen Sie nach, bevor Sie hohes Gras mähen oder Gestrüpp räumen, wo sich Bodenbrüter und Ästlinge verstecken.
  • Lassen Sie besetzte Nester in Ruhe. Umgesetzte Nester werden oft aufgegeben.
  • Machen Sie Fenster für Vögel sichtbar. Ästlinge und unerfahrene Jungvögel prallen besonders oft gegen Scheiben. Siehe unseren Ratgeber Vogelschlag an Fenstern verhindern.
  • Halten Sie Futterstellen und Tränken sauber, damit Jungvögel keinen Krankheiten ausgesetzt sind. Wie das geht, erklärt Vogelfutterhaus reinigen.

Einen breiteren Überblick, wie Sie Ihren Garten für brütende Vögel sicherer machen, gibt unser Einstieg in die Vogelbeobachtung im Garten.

Häufige Fehler

  1. Einen gesunden Ästling retten. Die meisten Jungvögel am Boden sind Ästlinge in der Obhut ihrer Eltern.
  2. An den Anfassmythos glauben. Die Eltern verstoßen einen Nestling nicht, weil ein Mensch ihn berührt hat.
  3. Mit der Pipette Wasser geben. Jungvögel können es einatmen.
  4. Brot, Milch oder Würmer anbieten. Falsches Futter schadet jungen Vögeln.
  5. Einen Ästling weit wegtragen. Setzen Sie ihn höchstens ein, zwei Meter um, damit die Eltern ihn finden.
  6. Die Katze draußen lassen. Haustiere sind die größte unmittelbare Gefahr für Ästlinge.
  7. Mit einem verletzten Vogel zu lange warten. Rufen Sie umgehend eine Station an.
  8. Einen Mauersegler in die Luft werfen. Er braucht fachkundige Hilfe.

Wenn Sie an Ihren Futterstellen auch erwachsene Vögel sehen, die krank wirken, lesen Sie unseren Ratgeber kranke Vögel am Futterhaus mit Anzeichen und nächsten Schritten.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Nehmen die Eltern einen Jungvogel nicht mehr an, wenn ich ihn angefasst habe?

Doch, sie nehmen ihn weiter an. Das Cornell Lab of Ornithology und Vogelschutzverbände wie der NABU betonen, dass Elternvögel einen Nestling nicht verstoßen, weil ein Mensch ihn berührt hat. Die meisten Singvögel erkennen ihre Jungen kaum am Geruch. Wenn Sie einen Nestling finden und das Nest sehen, setzen Sie ihn schnell und behutsam zurück und entfernen Sie sich dann, damit die Eltern wiederkommen.

Woran erkenne ich, ob ein Jungvogel ein Ästling oder ein Nestling ist?

Ästlinge sind befiedert, hüpfen oder flattern und klammern sich mit den Zehen fest an Ihren Finger oder einen Zweig. Nestlinge sind spärlich befiedert oder nackt, können weder hüpfen noch richtig greifen und gehören ins Nest. Ästlinge sind die jungen Vögel, die Menschen am häufigsten finden, und sie brauchen meist keine Hilfe, weil die Eltern sie weiter füttern.

Soll ich einem Jungvogel Wasser oder Futter geben?

Nein. Fachleute raten dringend davon ab, Jungvögel zu füttern oder ihnen Wasser zu geben. Junge Vögel können Wasser in die Luftröhre bekommen, und falsches Futter wie Brot, Milch oder Regenwürmer aus dem Garten kann sie krank machen. Halten Sie den Vogel warm, dunkel und ruhig und überlassen Sie die Entscheidung über Futter einer Wildvogelstation oder einer vogelkundigen Tierarztpraxis.

Darf ich einen Jungvogel selbst aufziehen?

Davon ist dringend abzuraten. Alle heimischen Wildvögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Verletzte oder hilflose Tiere dürfen zwar vorübergehend aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen und freizulassen, doch die Aufzucht verlangt artgerechtes Futter und viel Erfahrung. Handaufgezogene Vögel überleben in der Natur oft nicht. Bringen Sie den Vogel deshalb zu einer Wildvogelstation.

Wie finde ich eine Wildvogelstation in meiner Nähe?

Suchen Sie online nach Wildvogelhilfe, Wildvogelstation oder Wildtierauffangstation zusammen mit Ihrem Ort oder Landkreis. Auch örtliche NABU- oder LBV-Gruppen, Tierheime, Tierschutzvereine und viele Tierarztpraxen vermitteln weiter. Rufen Sie an, bevor Sie losfahren, damit man Ihnen sagen kann, wie Sie den Vogel transportieren und ob die Station die Art aufnehmen kann.