Warum mausern Vögel? Die Mauser einfach erklärt

Warum mausern Vögel? Federn bestehen aus totem Keratin, nutzen sich ab und lassen sich nicht reparieren, also werden sie planmäßig ersetzt. Wie, wann und warum.

Ein zerzauster Singvogel in der Mauser mit lückenhaftem, halb nachgewachsenem Gefieder sitzt im Spätsommer auf einem Zweig (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz erklärt: die Mauser in Stichpunkten
  2. Warum können Vögel ihre Federn nicht einfach reparieren?
  3. Wie läuft die Mauser genau ab?
  4. Welche Arten von Mauser gibt es?
  5. Kann ein Vogel die Farbe ohne Mauser ändern?
  6. Was löst die Mauser aus, und warum ist der Zeitpunkt so wichtig?
  7. Warum sehen Vögel im Spätsommer kahl oder zerzaust aus?
  8. Verhalten sich Vögel in der Mauser anders?
  9. Mythen und Fakten zur Mauser
  10. Warum ist die Mauser für die Vogelbestimmung wichtig?
  11. Wie können Sie mausernden Vögeln helfen?
  12. Häufige Fehler rund um die Mauser
  13. Das Fazit
  14. Quellen
  15. Häufige Fragen

Vögel mausern, weil Federn sich abnutzen und nicht repariert werden können. Eine Feder ist ein totes Gebilde aus Keratin, derselben Eiweißfamilie, aus der Ihre Fingernägel bestehen, und sobald sie ausgewachsen ist, bekommt sie weder Blut noch Nährstoffe. Sonnenlicht, Abrieb, Bakterien und Federlinge bauen sie langsam ab, deshalb ersetzen Vögel ihre Federn nach einem festen Plan, meist mindestens einmal im Jahr, damit sie weiter fliegen, warm und trocken bleiben und anderen Vögeln die richtigen Signale senden können.

Hinter dieser einfachen Antwort steckt ein bemerkenswert gut organisierter Vorgang. Dieser Beitrag erklärt, wie die Mauser funktioniert, warum verschiedene Vögel so unterschiedlich mausern, wie die Mauser die Farben verändert, die Sie am Futterhaus sehen, und was das für Vogelbeobachter bedeutet.

Kurz erklärt: die Mauser in Stichpunkten

  • Was sie ist: der geplante, regelmäßige Austausch der Federn, Follikel für Follikel.
  • Wie oft: Die meisten Vögel haben mindestens eine Vollmauser im Jahr, viele zusätzlich eine Teilmauser.
  • Wann: In Mitteleuropa mausern die meisten Singvögel im Spätsommer und Frühherbst, nach der Brut.
  • Die Reihenfolge zählt: Schwungfedern werden meist wenige auf einmal ersetzt, symmetrisch an beiden Flügeln.
  • Die Ausnahmen: Enten, Gänse, Schwäne, Seetaucher und Lappentaucher werfen alle Schwungfedern gleichzeitig ab und sind wochenlang flugunfähig. Pinguine ersetzen fast alles auf einmal und fasten an Land.
  • Die Kosten: Federn bestehen fast nur aus Eiweiß, die Mauser ist also teuer, und Vögel überschneiden sie selten mit Brut oder langem Zug.
  • Farbwechsel: Mauser, Abnutzung oder beides erklären, warum viele Vögel im Frühjahr anders aussehen als im Herbst.

Warum können Vögel ihre Federn nicht einfach reparieren?

Eine wachsende Feder steckt in einem Follikel in der Haut und wird über Blutgefäße in ihrem Inneren versorgt. Das sieht man manchmal an einer Blutkielfeder: einer jungen Feder, die noch in einer wachsartigen Hülle steckt, mit einem dunklen, blutgefüllten Kiel. Ist die Feder fertig gewachsen, zieht sich die Blutversorgung zurück, die Hülle blättert ab, und übrig bleibt totes Keratin.

Ab diesem Moment kann die Feder nur noch schlechter werden. Mehrere Kräfte setzen ihr zu:

  • Ultraviolettes Licht baut Keratin ab, besonders in hellen Federn.
  • Abrieb durch Pflanzen, Bruthöhlen, Sand und Wind lässt Federspitzen ausfransen.
  • Federzersetzende Bakterien und Federlinge zerbeißen und verdauen Keratin.
  • Alltäglicher Verschleiß durch Fliegen und Putzen löst und bricht nach und nach die winzigen Häkchenstrahlen, die eine Federfahne wie ein Reißverschluss zusammenhalten.

Vögel kämpfen ständig dagegen an. Beim Putzen richten sie die Federäste neu aus und verteilen Öl aus der Bürzeldrüse. Verhaltensweisen wie das Staubbaden, Sonnenbaden und das Einemsen, bei dem Vögel Ameisen ins Gefieder bringen, helfen vermutlich gegen Parasiten. Doch Pflege verlangsamt den Verfall nur. Am Ende hilft nur eine neue Feder.

Melanin, das Pigment, das Federn schwarz und braun färbt, macht Keratin widerstandsfähiger. Das ist ein Grund, warum viele weiße Seevögel wie Möwen und Basstölpel schwarze Flügelspitzen haben: Das dunkle Pigment schützt die äußeren Schwungfedern, die am stärksten beansprucht werden.

Wie läuft die Mauser genau ab?

Ein mausernder Vogel lässt nicht einfach Federn fallen und wartet ab. Im selben Follikel beginnt eine neue Feder zu wachsen, und während sie wächst, schiebt sie die alte heraus. In den meisten Fällen fällt die alte Feder also erst aus, wenn der Ersatz schon unterwegs ist, was die Lücken klein hält.

Warum Schwungfedern in fester Reihenfolge ersetzt werden

Für einen Vogel, der zur Flucht auf das Fliegen angewiesen ist, könnte der Verlust zu vieler Flügelfedern auf einmal tödlich sein. Die meisten Vögel lösen das, indem sie die Schwungfedern in fester Abfolge ersetzen, wenige auf einmal, wobei an beiden Flügeln dieselben Federn gleichzeitig ausfallen, damit der Vogel im Gleichgewicht bleibt.

Bei vielen Singvögeln werden die Handschwingen, die langen äußeren Flügelfedern, von innen nach außen zur Flügelspitze hin erneuert, während Armschwingen und Schwanzfedern eigenen Abfolgen folgen. Aufmerksame Beobachter sehen manchmal über mehrere Wochen eine kleine Lücke, die durch den Flügel eines Vogels wandert. Eine Vollmauser dauert bei einem kleinen Singvogel je nach Art meist etwa ein bis drei Monate.

Warum Enten und Gänse flugunfähig werden

Enten, Gänse und Schwäne gehen anders vor. Sie werfen alle Schwungfedern gleichzeitig ab, ersetzen sie gemeinsam und können mehrere Wochen nicht fliegen. Seetaucher, Lappentaucher und viele Alken machen es genauso.

Diese Strategie ergibt Sinn für Vögel, die Gefahren schwimmend oder tauchend entkommen können. Den ganzen Wechsel in einem Schub zu erledigen, verkürzt die Gesamtzeit mit beschädigten Flügeln. Viele Wasservögel ziehen vor dieser flugunfähigen Phase auf große Seen, in Feuchtgebiete oder geschützte Küstenbuchten, und manche unternehmen regelrechte Mauserzüge zu traditionellen, sicheren Orten. Ein berühmtes Beispiel liegt vor der deutschen Küste: Ein großer Teil der nordwesteuropäischen Brandgänse mausert im Sommer im Wattenmeer, und auf großen Seen wie dem Bodensee sammeln sich mausernde Haubentaucher und Enten. Wie ihre Federn in dieser Zeit wasserdicht bleiben, lesen Sie in unserem Beitrag warum Enten nicht nass werden.

Warum Pinguine alles auf einmal mausern

Pinguine treiben das Prinzip noch weiter. In einer sogenannten Katastrophenmauser ersetzt ein Pinguin innerhalb weniger Wochen fast sein gesamtes Federkleid. Weil Isolierung und Wasserdichtigkeit in dieser Zeit beeinträchtigt sind, kann er nicht ins Meer, um zu fressen. Pinguine fressen sich vorher Reserven an und stehen dann fastend an Land, während das neue Gefieder das alte in Büscheln herausschiebt.

Warum Adler und Albatrosse Jahre brauchen

Sehr große Vögel stehen vor dem umgekehrten Problem. Ihre Schwungfedern sind so lang, dass ein kompletter Satz mehr Zeit und Eiweiß braucht, als eine einzige Saison hergibt. Viele große Greifvögel und Albatrosse ersetzen ihre Schwungfedern in überlappenden Wellen, sodass ein Flügel Federn verschiedenen Alters enthalten kann. Seeadler brauchen zum Beispiel mehrere Jahre, bis sie das Alterskleid mit dem weißen Schwanz tragen, und durchlaufen bis dahin eine Reihe fleckig brauner Jugendkleider.

Welche Arten von Mauser gibt es?

Im deutschsprachigen Raum sind traditionelle Begriffe verbreitet, die sich an Lebensabschnitt und Jahreszeit orientieren. In Nordamerika nutzt man ein System, das Philip Humphrey und Kenneth Parkes 1959 entwickelt haben und das seitdem verfeinert wurde. Die folgende Tabelle stellt beide nebeneinander.

Deutscher BegriffFachbegriff nach Humphrey und ParkesWas er bedeutetBeispiel im Garten
JugendkleidJuvenal plumageDas erste echte Gefieder, das ein junger Vogel im Nest bekommtGefleckte junge Amseln und Rotkehlchen im Frühsommer
JugendmauserPreformative moltDie erste Mauser nach dem Ausfliegen, oft nur teilweiseJunge Singvögel ersetzen im ersten Herbst ihr lockeres Kleingefieder
Vollmauser nach der BrutPrebasic moltDie jährliche Hauptmauser, meist vollständigZerzauste Altvögel am Futterhaus im August
Schlicht- oder RuhekleidBasic plumageDas Gefieder aus dieser HauptmauserDas unscheinbare Winterkleid vieler Arten
Teilmauser vor der BrutPrealternate moltEine zusätzliche, meist teilweise Mauser vor der BrutzeitManche Zugvögel im afrikanischen Winterquartier
Prachtkleid oder BrutkleidAlternate plumageDas Gefieder aus dieser zusätzlichen MauserEin Blaukehlchen oder Braunkehlchen im Frühjahr

Der Kernpunkt: Jeder Vogel hat eine jährliche Hauptmauser, aber nur manche Arten haben zusätzlich eine Mauser vor der Brut. Viele vertraute Gartenvögel, etwa Kohlmeise, Blaumeise und Rotkehlchen, sehen das ganze Jahr über im Wesentlichen gleich aus und haben keine nennenswerte zweite Mauser.

Warum mausern manche Vögel zweimal im Jahr?

Eine zweite Mauser kostet zusätzliche Energie, also muss sie sich lohnen. Sie entwickelt sich eher bei Arten, deren Gefieder stark beansprucht wird, etwa bei Vögeln in offenem Gelände oder in grellem Sonnenlicht, oder bei Arten, deren Männchen ein auffälliges Brutkleid brauchen.

Ein bekanntes europäisches Beispiel ist der Fitis. Dieser kleine Laubsänger, der in Afrika südlich der Sahara überwintert, erneuert sein Gefieder zweimal im Jahr vollständig, einmal nach der Brut in Europa und einmal im Winterquartier. Viele andere Langstreckenzieher, darunter manche Grasmücken und Schafstelzen, haben im Winterquartier zumindest eine Teilmauser, was erklärt, warum Zugvögel im Herbst und Frühjahr so verschieden aussehen können.

Welche Vögel mausern dreimal im Jahr?

Schneehühner sind das berühmte Beispiel. Das Alpenschneehuhn, das in den Alpen, in Skandinavien und in der gesamten Arktis lebt, wechselt zwischen weißem Winterkleid und fleckig braunem Sommerkleid, mit zusätzlichen Teilmausern dazwischen. Die Wechsel halten es im Winter vor Schnee und im Sommer vor Fels und Tundra gut getarnt.

Kann ein Vogel die Farbe ohne Mauser ändern?

Ja, und das überrascht viele Vogelbeobachter. Manche Farbwechsel entstehen durch Abnutzung, nicht durch neue Federn.

Der Star ist das beste Beispiel. Im Herbst haben frische Starenfedern helle Spitzen, die den Vogel mit weißen und beigen Punkten übersäen. Über den Winter nutzen sich diese Spitzen ab, und im Frühjahr wirken dieselben Federn glänzend schwarz mit purpurnem und grünem Schimmer. Der Vogel hat nicht gemausert, sein Prachtkleid war die ganze Zeit unter den Punkten verborgen.

Beim männlichen Haussperling ist es ähnlich. Sein schwarzer Latz wächst im Herbst teilweise unter hellen Federrändern verborgen, und er wird größer und schwärzer, wenn sich diese Ränder zum Frühjahr hin abnutzen. Das Männchen des Bergfinken zeigt denselben Effekt besonders deutlich: Die bräunlichen Federränder am Kopf nutzen sich über den Winter ab, bis im Frühjahr ein tiefschwarzer Kopf zum Vorschein kommt. Auch Buchfinken werden auf diese Weise zum Frühjahr hin kräftiger gefärbt.

Farbe kann sich auch über die Ernährung ändern. Rot, Orange und Gelb in vielen Federn stammen von Carotinoiden, die Vögel mit der Nahrung aufnehmen und beim Wachsen in die Federn einlagern. Wächst das neue Gefieder bei schlechter Ernährung, kann ein normalerweise roter Vogel blasser, orange oder gelblich ausfallen. Bekannt ist das etwa von Fichtenkreuzschnäbeln und Birkenzeisigen, deren Rot unterschiedlich stark ausfallen kann. Dieser Zusammenhang zwischen Mauser, Nahrung und Farbe ist Teil unseres Beitrags warum Männchen oft bunter sind.

Was löst die Mauser aus, und warum ist der Zeitpunkt so wichtig?

Die Mauser wird von Hormonen gesteuert, und der wichtigste äußere Taktgeber ist die Tageslänge. Wenn die Brutzeit ausklingt und die Geschlechtshormone sinken, helfen andere hormonelle Signale, darunter Schilddrüsenhormone, das Federwachstum in Gang zu setzen. Nahrungsangebot, Alter, Gesundheit und der Zugfahrplan eines Vogels können den Zeitpunkt verschieben.

Der Zeitpunkt ist entscheidend, weil die Mauser teuer ist. Federn bestehen fast vollständig aus Eiweiß, und bei vielen Vögeln wiegt das gesamte Gefieder Angaben zufolge mehr als das Skelett. Neue Federn zu bilden, erhöht den Stoffwechsel, und mit Lücken in den Flügeln kostet das Fliegen mehr Kraft. Die meisten Vögel vermeiden es deshalb, die Mauser auf ihre beiden anderen großen Kostenfaktoren zu legen: Brut und Langstreckenzug.

Der typische Jahreslauf eines mitteleuropäischen Singvogels sieht so aus:

  1. Frühjahr: Rückkehr ins Brutgebiet, bei manchen Arten nach einer Teilmauser im Winterquartier.
  2. Spätes Frühjahr und Sommer: Nestbau, Eiablage und Aufzucht der Jungen.
  3. Spätsommer bis Frühherbst: Vollmauser, oft verbunden mit auffällig stillem, heimlichem Verhalten.
  4. Herbst: Zug nach Süden oder Einrichten für den Winter bei Standvögeln.
  5. Winter: Leben vom frischen Gefieder, das die beste Isolierung des Jahres bietet.

Es gibt viele Varianten. Manche Langstreckenzieher verschieben die Mauser ganz oder teilweise, bis sie ihr Winterquartier erreicht haben, etwa viele Rohrsänger. Andere unterbrechen sie und setzen sie an einem ergiebigen Rastplatz fort. In Nordamerika legen mehrere Singvögel aus dem Westen einen Mauserstopp im Monsungebiet im Nordwesten Mexikos ein, um die sommerlichen Regenfälle und das reiche Insektenangebot dort zu nutzen, bevor sie weiterziehen.

Auch für den Winter ist der Zeitpunkt wichtig. Vögel in kalten Regionen gehen mit ihrem frischesten Gefieder in den Winter, was dazu passt, wie Federn sie in kalten Nächten warm halten.

Warum sehen Vögel im Spätsommer kahl oder zerzaust aus?

Wer Vögel füttert, bemerkt die Mauser oft im August am deutlichsten. Altvögel wirken ausgeblichen und struppig. Schwänze sind kurz oder fehlen. Jungvögel sehen aus, als trügen sie zwei Kleider gleichzeitig.

Am verblüffendsten ist ein Vogel mit kahlem Kopf. Immer wieder werden im Spätsommer Amseln, Kohlmeisen oder Blaumeisen beobachtet, die ihre Kopffedern auf einmal verloren haben, sodass dunkle Haut und die Ohröffnungen sichtbar sind. Aus Nordamerika sind solche kahlen Köpfe vor allem von Kardinälen und Blauhähern bekannt. Als Erklärungen gelten ein ungewöhnliches, aber normales Mausermuster bei einzelnen Vögeln und ein starker Befall mit Federmilben oder Federlingen. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Die gute Nachricht: Die Federn wachsen in der Regel innerhalb weniger Wochen nach.

Ein kahler Vogel am Futterhaus ist meist nicht krank. Wirkt er zusätzlich teilnahmslos, sitzt er lange aufgeplustert da oder hat verkrustete Augen, lesen Sie unseren Ratgeber zu kranken Vögeln am Futterhaus.

Verhalten sich Vögel in der Mauser anders?

Oft ja. Mit Lücken in den Flügeln ist das Fliegen weniger effizient und die Flucht langsamer. Viele Singvögel werden während einer starken Mauser unauffälliger, singen weniger und halten sich mehr in dichter Deckung auf. Das ist ein Grund, warum Gärten im Spätsommer seltsam still wirken können, obwohl die Vögel gar nicht fort sind.

Wasservögel sind in ihrer flugunfähigen Phase besonders scheu. Die Männchen vieler Entenarten tragen im Sommer außerdem ein Schlichtkleid: Ein Stockerpel verliert zum Beispiel seinen glänzend grünen Kopf und sieht eine Zeit lang fast aus wie ein Weibchen. Das unauffällige Kleid hilft ihm vermutlich, nicht aufzufallen, solange er nicht fliegen kann.

Mausernde Vögel baden und putzen sich außerdem sehr viel. Neue Federn schieben sich aus wachsartigen Hüllen, die abgezupft werden müssen, und Baden scheint dabei zu helfen. Eine saubere Vogeltränke kann im August sehr gut besucht sein.

Mythen und Fakten zur Mauser

Mythos: Vögel verlieren jedes Jahr alle Federn auf einmal. Fakt: Die meisten Vögel ersetzen ihre Federn nach und nach über Wochen oder Monate. Nur wenige Gruppen wie Pinguine und Wasservögel tauschen große Federsätze auf einmal.

Mythos: Ein kahlköpfiger Vogel ist immer krank. Fakt: Der Verlust der Kopffedern ist ein bekanntes Spätsommerphänomen, und die Federn kommen meist wieder.

Mythos: Vögel ändern im Frühjahr ihre Farbe, weil die alten Federn umgefärbt werden. Fakt: Federn können ihr Pigment nach dem Wachsen nicht mehr ändern. Frühjahrswechsel entstehen durch eine neue Teilmauser, durch Abnutzung, die verborgene Farben freilegt, oder durch beides.

Mythos: Gemausert wird nur im Frühjahr und Herbst. Fakt: Bei Singvögeln der gemäßigten Breiten findet die meiste Mauser nach der Brut statt, im Spätsommer und Frühherbst. In den Tropen, bei Seevögeln und bei Langstreckenziehern sieht der Zeitplan ganz anders aus.

Mythos: Eine einzelne Feder bedeutet, dass ein Vogel angegriffen wurde. Fakt: Einzelne Federn unter einem Ast sind in der Mauserzeit normal. Ein dichter Haufen vieler Federn an einer Stelle, eine sogenannte Rupfung, deutet eher auf einen Sperber oder eine Katze hin.

Warum ist die Mauser für die Vogelbestimmung wichtig?

Mauser und Abnutzung erklären einen großen Teil der Verwirrung beim Bestimmen. Wer die Grundlagen kennt, vermeidet typische Fehler:

  • Rechnen Sie mit verschiedenen Herbst- und Frühjahrskleidern. Viele Zugvögel, Enten und Finken sehen nach der Herbstmauser ganz anders aus als im Frühjahr.
  • Bestimmen Sie das Alter am Gefieder. Junge Vögel sehen im ersten Jahr oft anders aus als Altvögel, und manche Arten wie Möwen und Seeadler brauchen mehrere Jahre bis zum Alterskleid.
  • Achten Sie auf Federränder. Frische Herbstfedern haben oft helle oder beige Säume, die sich bis zum Frühjahr abnutzen.
  • Rechnen Sie mit Mischkleidern. Ein Vogel mitten in der Mauser kann Flecken aus alten und neuen Federn zeigen, die zu keiner Abbildung im Bestimmungsbuch passen.

Einen systematischen Ansatz finden Sie in unserem Ratgeber Vögel bestimmen, der auf Gestalt, Verhalten und Lebensraum setzt, die sich mit der Mauser nicht verändern.

Wie können Sie mausernden Vögeln helfen?

Beschleunigen können Sie die Mauser nicht, aber Sie können sie den Vögeln in Ihrer Umgebung erleichtern.

  1. Bieten Sie eiweiß- und fettreiches Futter an. Federn bestehen aus Eiweiß. Schwarze Sonnenblumenkerne, Fettfutter, ungesalzene Erdnüsse und Mehlwürmer eignen sich gut im Spätsommer. Unser Ratgeber zur Frage, ob man Vögel im Sommer füttern sollte, wägt Vor- und Nachteile ab.
  2. Halten Sie das Wasser frisch und sauber. Mausernde Vögel baden oft, um ihr Gefieder zu pflegen.
  3. Sorgen Sie für dichte Deckung. Sträucher, Hecken und Reisighaufen bieten mausernden Vögeln einen sicheren Rückzugsort, solange sie schlechter fliegen.
  4. Behalten Sie Katzen im Blick. Ein Vogel mit Lücken in den Flügeln ist leichter zu fangen, gerade im Spätsommer, wenn auch viele unerfahrene Jungvögel unterwegs sind.
  5. Lassen Sie Mauserfedern liegen. In Deutschland sind alle europäischen Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt, und das Recht schränkt grundsätzlich auch den Besitz von Teilen wie Federn ein, selbst wenn sie auf natürlichem Weg ausgefallen sind. Die genauen Regeln und Ausnahmen unterscheiden sich von Land zu Land, erkundigen Sie sich im Zweifel bei der zuständigen Naturschutzbehörde.
  6. Machen Sie sich um kahle Vögel keine Sorgen. Beobachten Sie, freuen Sie sich und lassen Sie die Federn nachwachsen.

Häufige Fehler rund um die Mauser

  • Einen zerzausten Vogel für eine andere Art halten. Prüfen Sie zuerst Schnabel, Gestalt und Verhalten.
  • Einen stillen Garten für verlassen halten. Im Spätsommer mausern viele Vögel einfach versteckt in der Deckung.
  • Enten im Schlichtkleid für Weibchen halten. Achten Sie im Sommer auf Schnabelfarbe und Flügelzeichnung, die die Geschlechter oft noch unterscheiden.
  • Glauben, leuchtende Frühjahrsfarben kämen von neuem Pigment. Abnutzung und Teilmausern erklären die meisten Frühjahrswechsel.

Das Fazit

Vögel mausern, weil Federn tote, stark beanspruchte Gebilde sind, die sich abnutzen und nicht repariert werden können. Ihr Ersatz hält einen Vogel flugfähig, warm, trocken und in der Lage, die richtigen Signale zu senden. Jede Vogelgruppe hat eine Mauserstrategie entwickelt, die zu ihrem Leben passt: schrittweise und symmetrisch bei Singvögeln, alles auf einmal bei Wasservögeln und Pinguinen, über Jahre verteilt bei Adlern und Albatrossen. Wenn Ihre Futterhausgäste im August das nächste Mal zerrupft aussehen, beobachten Sie eines der am genauesten getakteten Ereignisse im Jahr eines Vogels.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Wie oft mausern Vögel?

Die meisten Vögel ersetzen jede Feder mindestens einmal im Jahr, meist in einer Vollmauser nach der Brutzeit. Viele Singvögel haben zusätzlich eine Teilmauser im Spätwinter oder Frühjahr, bei der einige Körperfedern gegen ein Brutkleid getauscht werden. Einige Arten wie das Alpenschneehuhn mausern Teile ihres Gefieders dreimal im Jahr, während große Adler mehr als ein Jahr brauchen, um alle Schwungfedern zu erneuern.

Tut die Mauser Vögeln weh?

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass eine normale Mauser so schmerzhaft ist, wie wir uns das vorstellen. Eine neue Feder wächst im selben Federfollikel und schiebt die alte heraus, ähnlich wie ein neuer Zahn. Wachsende Federn sind durchblutet und deshalb empfindlich, solange sie sich entwickeln, und die Mauser kostet viel Energie. Vögel verhalten sich in einer starken Mauser oft ruhiger und heimlicher.

Warum sehen Vögel am Futterhaus im Spätsommer kahl oder zerzaust aus?

Der Spätsommer ist für viele Gartenvögel die Hauptmauserzeit, abgenutzte Federn und halb nachgewachsene Ersatzfedern ergeben ein struppiges Bild. Gelegentlich verlieren Amseln oder Meisen alle Kopffedern auf einmal und sehen ein, zwei Wochen lang völlig kahl aus. Die Ursache dieses Musters wird noch diskutiert, Federmilben können eine Rolle spielen, doch die Federn wachsen meist normal nach.

Können Vögel während der Mauser fliegen?

Die meisten schon, weil sie ihre Schwungfedern nach und nach in fester Reihenfolge an beiden Flügeln gleichzeitig ersetzen. Enten, Gänse, Schwäne, Seetaucher, Lappentaucher und viele Alken sind die große Ausnahme. Sie werfen alle Schwungfedern auf einmal ab und sind mehrere Wochen flugunfähig, deshalb ziehen sie sich auf große, sichere Gewässer zurück, bis die neuen Federn nachgewachsen sind.

Was löst die Mauser bei Vögeln aus?

Die Mauser wird vor allem durch Hormone gesteuert, die auf die Tageslänge reagieren. Wenn die Brutzeithormone nach dem Nisten sinken, helfen Schilddrüsenhormone und andere Signale, den Federwechsel einzuleiten. Vögel vermeiden es meist, die Mauser mit Brut und langen Zugstrecken zu überschneiden, weil jedes davon viel Energie kostet. Nahrungsangebot, Alter und Gesundheit können den genauen Zeitpunkt verschieben.

Sollte ich Vögel während der Mauser anders füttern?

Federn bestehen fast vollständig aus Eiweiß, mausernde Vögel brauchen also Protein und Fett. Schwarze Sonnenblumenkerne, Fettfutter, ungesalzene Erdnüsse und Mehlwürmer sind im Spätsommer nützlich. Sauberes Wasser zum Baden hilft Vögeln, neue und alte Federn in gutem Zustand zu halten. Dichte Sträucher bieten mausernden Vögeln ein sicheres Versteck, solange sie weniger gut fliegen.