Wo schlafen Vögel nachts?

Wo schlafen Vögel nachts? Meist in dichten Nadelbäumen, Baumhöhlen, Efeu oder großen Schlafplatzgemeinschaften, nicht im Nest. So übernachtet jede Vogelgruppe.

Ein kleiner Singvogel sitzt in der Abenddämmerung aufgeplustert auf einem Zweig tief im Inneren eines dichten Nadelbaums (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: wo Vögel schlafen
  2. Schlafen Vögel nachts im Nest?
  3. Was macht einen guten Schlafplatz aus?
  4. Wo schlafen kleine Singvögel?
  5. Welche Vögel schlafen in Baumhöhlen und Nistkästen?
  6. Warum schlafen manche Vögel an riesigen Gemeinschaftsschlafplätzen?
  7. Wo schlafen Enten, Gänse und Watvögel?
  8. Schlafen Vögel mit einem offenen Auge?
  9. Können Vögel im Flug schlafen?
  10. Welche Vögel sind nachts aktiv?
  11. Wie überleben winzige Vögel lange, kalte Nächte?
  12. Wann gehen Vögel schlafen und wann wachen sie auf?
  13. Mythen und Fakten zum Vogelschlaf
  14. Wie kann ich Vögeln einen sicheren Schlafplatz bieten?
  15. Häufige Fehler
  16. Kurz und knapp
  17. Quellen
  18. Häufige Fragen

Die meisten Vögel verbringen die Nacht auf einem geschützten Ast, in einer Baumhöhle oder an einem Gemeinschaftsschlafplatz, nicht im Nest. Kleine Singvögel von 10 bis 20 g ziehen sich in dichte Nadelbäume, Hecken und Efeu zurück, Spechte, Meisen und Kleiber schlafen in Höhlen, Krähen, Dohlen, Stare und Schwalben sammeln sich zu Tausenden, und Enten und Watvögel ruhen auf offenem Wasser oder Sandbänken, wo sich kein Beutegreifer unbemerkt anschleichen kann. Nester werden nachts nur genutzt, solange die Eltern Eier bebrüten oder kleine Junge wärmen.

Andere Vögel schlafen nachts überhaupt nicht. Eulen jagen, und in Frühjahrs- und Herbstnächten ziehen Millionen Singvögel über uns hinweg. Dieser Ratgeber erklärt, wo verschiedene Vögel übernachten, wie sie sicher schlafen und wie Sie den Vögeln in Ihrem Garten einen besseren Schlafplatz bieten.

Kurz beantwortet: wo Vögel schlafen

  • Kleine Singvögel: im Inneren dichter Nadelbäume, dorniger Sträucher, Kletterpflanzen und Hecken, eng am Stamm.
  • Höhlenbrüter: Spechte, Meisen, Kleiber, Gartenrotschwänze und Zaunkönige schlafen in Baumhöhlen und Nistkästen, besonders im Winter.
  • Schwarmvögel: Krähen, Dohlen, Saatkrähen, Stare und Schwalben schlafen an großen Gemeinschaftsschlafplätzen.
  • Wasservögel: Enten, Gänse, Möwen und Watvögel schlafen auf dem Wasser, auf Sandbänken, im Watt und auf Inseln.
  • Nachtaktive Vögel: Eulen, Ziegenmelker und Nachtreiher jagen, und die meisten ziehenden Singvögel fliegen nachts.
  • Luftspezialisten: Mauersegler und Fregattvögel können im Flug schlafen.

Schlafen Vögel nachts im Nest?

In der Regel nicht. Das ist das häufigste Missverständnis rund um den Vogelschlaf. Ein Nest wird für Eier und Junge gebaut und höchstens einige Wochen genutzt. In dieser Zeit sitzt nachts ein Elternteil, bei Singvögeln oft das Weibchen, auf den Eiern oder den kleinen Jungen, um sie zu wärmen. Sobald die Jungen ausgeflogen sind, wird das Nest aufgegeben. Es ist dann meist mit Kot verschmutzt und voller Milben, einen Grund zur Rückkehr gibt es nicht.

Den Rest des Jahres schlafen Altvögel dort, wo sie vor Beutegreifern und Wetter am sichersten sind. Ausführlicher behandeln wir das in schlafen Vögel im Nest?. Kurz gesagt: Schlafplatz und Nistplatz sind zwei verschiedene Dinge mit verschiedenen Aufgaben.

Ausnahmen gibt es. Spechte schlafen manchmal in der Höhle, die sie selbst gezimmert haben, und Haussperlinge übernachten gelegentlich in alten Nestern unter Dachziegeln. Die Grundregel gilt aber.

Was macht einen guten Schlafplatz aus?

Ein Schlafplatz muss drei Probleme gleichzeitig lösen: Beutegreifer, Kälte und Wetter.

  1. Schutz vor Beutegreifern. Eulen, Katzen, Marder, Waschbären und Schlangen jagen nachts. Vögel wählen Plätze, die schwer erreichbar oder schwer zu sehen sind: die Mitte dorniger Sträucher, dünne Außenzweige, die kein kletterndes Säugetier tragen, oder geschlossene Höhlen.
  2. Schutz vor Wind und Kälte. Ein kleiner Vogel kann in einer einzigen kalten Nacht einen großen Teil seiner Fettreserven verbrauchen. Dichtes Laub und Höhlen bremsen den Wind und halten etwas Wärme.
  3. Schutz vor Regen und Schnee. Nadeln, Dachüberstände und Höhlen halten das Gefieder trockener, und trockenes Gefieder isoliert.

Die besten Schlafplätze vereinen alle drei. Deshalb sind dichte Nadelgehölze wie Fichte, Kiefer, Tanne, Eibe und Wacholder in kalten Regionen so wichtig für Vögel, und deshalb kehrt ein Vogel, der eine gute Höhle gefunden hat, gern dorthin zurück.

Wo schlafen kleine Singvögel?

In dichten Nadelbäumen, Hecken und Efeu

Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Zaunkönige, Finken und Sperlinge schlafen in dichter Deckung. Sie ziehen sich tief in die Pflanze zurück, oft nah an den Stamm, wo Nadeln oder Blätter ein Dach bilden. An Winterabenden können Sie manchmal beobachten, wie Amseln in der Dämmerung nacheinander in eine Eibenhecke oder einen Wacholder schlüpfen und bis zum ersten Licht nicht mehr herauskommen.

Stechpalme, Eibe, Liguster und dichte Hecken sind in Mitteleuropa klassische Schlafplätze. Besonders wertvoll ist Efeu an Mauern und alten Bäumen: Als immergrüne Kletterpflanze bietet er im Winter dichte, windgeschützte Deckung genau dort, wo sonst alles kahl ist.

Warum fallen sie im Schlaf nicht vom Ast?

Sitzvögel haben in den Beinen eine Sehnenanordnung, die die Zehen um den Ast schließt, wenn der Vogel in die Hocke geht. Eine geriffelte Oberfläche in der Sehnenscheide hilft, diesen Griff mit wenig Muskelkraft zu halten. Wie wichtig dieser Sperrmechanismus im Vergleich zu Gleichgewicht und Muskelkontrolle ist, wird in der Forschung noch diskutiert, doch in jedem Fall schlafen Singvögel aufrecht auf einem Zweig, ohne umzukippen. Die Anatomie erklären wir in warum Vögel im Schlaf nicht vom Ast fallen.

Wie schlafen sie?

Ein schlafender Singvogel plustert sein Gefieder zu einer runden Kugel auf, die eine Schicht warmer Luft einschließt, und dreht meist den Kopf, um den Schnabel ins Rückengefieder zu legen. Anders als oft gezeichnet steckt der Schnabel im Rücken- und Schultergefieder, nicht unter dem Flügel. Viele Vögel ziehen außerdem ein Bein ins Bauchgefieder, um über die nackte Haut weniger Wärme zu verlieren.

Welche Vögel schlafen in Baumhöhlen und Nistkästen?

Höhlenschlafen ist bei Vögeln verbreitet, die auch in Höhlen brüten. Eine Höhle ist in einer windigen Nacht viel wärmer als ein offener Ast und verbirgt den Vogel vor Eulen.

  • Spechte. Bunt-, Mittel- und Schwarzspecht nutzen Schlafhöhlen, und viele zimmern sich im Herbst eigene Schlafhöhlen, meist eine pro Vogel.
  • Meisen. Kohl- und Blaumeisen übernachten im Winter regelmäßig in Nistkästen, meist jeder Vogel für sich.
  • Kleiber schlafen in Baumhöhlen und Nistkästen.
  • Zaunkönige übernachten in kalten Nächten manchmal zu mehreren in einem Nest oder Nistkasten und wärmen sich gegenseitig. Berichte über größere Gruppen in einem einzigen Kasten gibt es aus Großbritannien.
  • Haussperlinge und Stare schlafen in Mauerlöchern, unter Dachziegeln und in Fassadenspalten.
  • In Nordamerika drängen sich Hüttensänger bei strengem Frost teils zu Dutzenden in einen einzigen Nistkasten.

Das ist ein guter Grund, Nistkästen nach der Brutzeit über den Winter hängen zu lassen. Reinigen Sie sie vorher, dann dienen sie manchen Vögeln als Winterschlafzimmer. Wann und wie, erklärt unser Ratgeber zum Nistkastenreinigen.

Warum schlafen manche Vögel an riesigen Gemeinschaftsschlafplätzen?

Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen in der Vogelbeobachtung gehören Gemeinschaftsschlafplätze, an denen sich abends Tausende oder sogar Hunderttausende Vögel sammeln.

Krähen, Saatkrähen und Dohlen

In Mitteleuropa sammeln sich Saatkrähen und Dohlen im Winter an großen Schlafplätzen in Wäldern, Parks und Städten, verstärkt durch Wintergäste aus Osteuropa. Die Vögel fliegen jeden Abend auf denselben Routen ein und machen oft an Vorsammelplätzen Halt, bevor sie in den eigentlichen Schlafplatz einfallen. In Nordamerika bilden Amerikanerkrähen Winterschlafplätze mit Zehntausenden Vögeln, häufig in Städten, wo Licht und Wärme ihnen möglicherweise helfen, Eulen zu erkennen.

Stare und ihre Schwarmwolken

Stare bilden vor dem Schlafengehen berühmte Schwärme, die in der Dämmerung in wechselnden Formen über den Himmel wirbeln, bevor sie sich in Schilfgebieten, Wäldchen oder auf Bauwerken niederlassen. In Deutschland sind solche Starenschwärme besonders im Herbst zu sehen, oft über Schilfgürteln an Seen. Man nimmt an, dass diese Flugmanöver Beutegreifer wie Wanderfalken verwirren. Mehr dazu in was ist eine Starenwolke?.

Schwalben und Mauersegler

Rauchschwalben und Uferschwalben sammeln sich im Spätsommer und Herbst vor dem Wegzug zu Tausenden in Schilfgebieten. In Nordamerika übernachten Schornsteinsegler in Kaminen und strömen in der Dämmerung wie umgekehrter Rauch hinein. Unser Mauersegler dagegen verbringt einen großen Teil seines Lebens in der Luft, dazu gleich mehr.

Papageien und andere tropische Vögel

Viele Papageien, Sittiche und manche Tauben schlafen gemeinsam. In Brasilien und anderswo in Südamerika fliegen Papageien und Aras oft weite Strecken zwischen Nahrungsgebieten und traditionellen Schlafbäumen und rufen in der Morgen- und Abenddämmerung laut. Auch die Halsbandsittiche, die sich in Städten am Rhein angesiedelt haben, schlafen in großen Gruppen in Parkbäumen. Kuhreiher und andere Reiher bilden in warmen Regionen weltweit gemischte Schlafplätze in Bäumen über dem Wasser.

Welchen Vorteil hat das Schlafen in der Masse?

Die Wissenschaft hat mehrere Gründe vorgeschlagen, und vermutlich trifft mehr als einer zu:

  • Sicherheit in der Menge. Mehr Augen und Ohren bemerken einen Beutegreifer früher, und jeder einzelne Vogel wird seltener erwischt.
  • Wärme. Dicht gedrängte Vögel verlieren weniger Wärme.
  • Information. Nach der Informationszentrum-Hypothese folgen Vögel, die einen schlechten Tag hatten, am nächsten Morgen erfolgreichen Nachbarn zu guten Nahrungsplätzen.

Es gibt auch Nachteile: Große Schlafplätze können Krankheiten verbreiten und locken Beutegreifer an.

Wo schlafen Enten, Gänse und Watvögel?

Viele Wasservögel schlafen auf offenem Wasser, auf Inseln, Sandbänken oder im Watt. Wasser wirkt wie ein Burggraben: Ein Fuchs kann sich nicht nähern, ohne zu schwimmen oder zu platschen, und das warnt die Vögel. Enten schlafen oft in Gruppen treibend auf dem Wasser und paddeln dabei manchmal sanft mit einem Fuß, um nicht ans Ufer zu treiben. Blässgänse und Saatgänse, die im Winter an Niederrhein und Nordsee rasten, fliegen abends zu sicheren Schlafgewässern.

Watvögel wie Knutt, Alpenstrandläufer und Austernfischer suchen im Wattenmeer bei Niedrigwasser Nahrung und sammeln sich bei Hochwasser an Hochwasserrastplätzen auf Stränden, Sandhaken und Salzwiesen. Diese Rastplätze sind entscheidend, und wiederholte Störungen durch Menschen und Hunde zwingen die Vögel, Energie zu verbrauchen, die sie während des Zuges nicht übrig haben.

Viele Wasser- und Watvögel stehen beim Ruhen außerdem auf einem Bein, was den Wärmeverlust über die nackten Beine verringert.

Schlafen Vögel mit einem offenen Auge?

Manche ja, und das ist eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse der Vogelforschung. Vögel beherrschen den unihemisphärischen Tiefschlaf, bei dem eine Gehirnhälfte schläft, während die andere aufmerksamer bleibt. Das Auge, das mit der wachen Hälfte verbunden ist, bleibt offen.

Eine bekannte Studie an Stockenten zeigte das deutlich. Enten am Rand einer Reihe hielten das nach außen gerichtete Auge häufiger offen als Enten in der geschützten Mitte, und die zugehörige Gehirnhälfte schlief leichter. Die Vögel konnten also die Schlaftiefe daran anpassen, wie ungeschützt sie saßen.

Vögel haben wie Säugetiere sowohl Tiefschlaf als auch REM-Schlaf, ihre Schlafphasen sind aber meist kürzer und stärker unterbrochen. Ein Vogel, der wach wirkt und ab und zu die Augen öffnet, döst womöglich in kurzen Schüben.

Können Vögel im Flug schlafen?

Manche können es, das ist kein Mythos. Forschende statteten Bindenfregattvögel, Meeresvögel, die tagelang über dem Ozean jagen, ohne zu landen, mit kleinen Messgeräten für die Hirnaktivität aus. Die Aufzeichnungen zeigten, dass die Vögel im Flug tatsächlich schliefen, in kurzen Phasen von Sekunden, oft mit einer Gehirnhälfte, manchmal mit beiden. Insgesamt schliefen sie in der Luft weit weniger als an Land, deutlich unter einer Stunde am Tag.

Der Mauersegler, der bei uns in Städten brütet und in Afrika überwintert, kann nach Daten aus kleinen Datenloggern außerhalb der Brutzeit rund zehn Monate in der Luft bleiben. Man geht davon aus, dass er beim Gleitflug aus großer Höhe schläft.

Welche Vögel sind nachts aktiv?

Nicht jeder Vogel schläft, wenn die Sonne untergeht.

Eulen und Ziegenmelker

Die meisten Eulen, etwa Waldkauz, Waldohreule und Schleiereule, jagen nachts oder in der Dämmerung und nutzen dabei ihr Gehör und ihr Sehvermögen bei wenig Licht. Weiche Federkanten dämpfen ihr Fluggeräusch. Der Ziegenmelker fängt in der Dämmerung und nachts fliegende Insekten über Heiden und lichten Kiefernwäldern. Nachtreiher suchen weltweit nach Einbruch der Dunkelheit an Gewässern nach Nahrung.

Nachtsänger

Die Nachtigall ist berühmt für ihren nächtlichen Gesang, vor allem unverpaarte Männchen im Frühjahr. Auch Sumpfrohrsänger und Feldschwirl singen oft nachts. Rotkehlchen und Amseln singen manchmal nachts in der Nähe von Straßenlaternen. Was Sie da hören, erklärt unser Ratgeber warum Vögel nachts singen.

Nächtliche Zugvögel

Die meisten ziehenden Kleinvögel, darunter Grasmücken, Laubsänger, Drosseln, Fliegenschnäpper und Rotkehlchen, ziehen nachts. Nachtflug hat mehrere wahrscheinliche Vorteile: kühlere, ruhigere Luft, weniger Greifvögel, Orientierung an den Sternen und Tageslicht zum Fressen. In Spitzennächten im Frühjahr und Herbst sind über Mitteleuropa enorme Mengen Vögel unterwegs, was Radarstudien, unter anderem der Schweizerischen Vogelwarte, eindrucksvoll zeigen. In ruhigen Oktobernächten hört man oft die feinen Zugrufe von Singdrosseln.

Deshalb ist künstliches Licht in der Nacht ein Problem. Helle Beleuchtung kann Zugvögel vom Kurs abbringen und in Städte locken, wo sie mit Glas kollidieren. Unnötige Außenbeleuchtung während der Zugzeiten auszuschalten, ist eine der einfachsten Hilfen. Unser Ratgeber Vogelschlag an Fenstern verhindern geht näher darauf ein.

Wie überleben winzige Vögel lange, kalte Nächte?

Eine Winternacht ist für einen Vogel von 10 bis 20 g eine ernste Prüfung. Kleine Vögel haben mehrere Strategien:

  • Fettreserven. Meisen und viele andere Kleinvögel legen tagsüber Fett an, verbrauchen einen großen Teil davon über Nacht und bauen es am nächsten Tag wieder auf.
  • Kontrollierte Unterkühlung. Meisen können ihre Körpertemperatur nachts um mehrere Grad senken, um Energie zu sparen. Das ist eine gesteuerte Absenkung, kein echter Winterschlaf.
  • Torpor. Kolibris gehen noch weiter und fallen in eine tiefe Starre, in der Körpertemperatur und Herzschlag stark sinken. Wild leben Kolibris nur in Amerika. Wie ihr Nachtschlaf funktioniert, erklärt schlafen Kolibris?.
  • Muskelzittern. Vögel erzeugen Wärme, indem sie ihre großen Flugmuskeln zittern lassen.
  • Ein warmer Schlafplatz. Höhlen und dichte Nadelbäume sind spürbar wärmer und windstiller als offene Äste.
  • Schneehöhlen. Birkhühner, Schneehühner und andere nordische Hühnervögel graben sich in lockeren Schnee ein und schlafen in einer Höhle, die sie vor bitterer Kälte schützt.

Wann gehen Vögel schlafen und wann wachen sie auf?

Die meisten tagaktiven Vögel ziehen sich um Sonnenuntergang zurück und verlassen den Schlafplatz bei oder vor Sonnenaufgang, wobei sich die Zeiten über das Jahr mit der Tageslänge verschieben. Die Helligkeit zählt mehr als die Uhrzeit, deshalb gehen Vögel an trüben Abenden früher schlafen. Arten wie Rotkehlchen und Amsel sind sehr früh und sehr spät aktiv und singen oder rufen oft fast in der Dunkelheit.

Am Futterhaus herrscht in der letzten Stunde vor der Dämmerung oft Hochbetrieb, weil Vögel ihre Fettreserven für die Nacht auffüllen, und dann wieder beim ersten Licht, wenn sie ersetzen, was sie verbraucht haben. Wenn Sie im Winter füttern, sind diese beiden Zeitfenster die wichtigsten.

Mythen und Fakten zum Vogelschlaf

MythosFakt
Vögel schlafen jede Nacht im Nest.Nester werden nachts nur beim Brüten und Hudern genutzt.
Vögel stecken den Kopf unter den Flügel.Sie legen den Schnabel ins Rücken- und Schultergefieder.
Vögel schlafen die ganze Nacht durch.Vogelschlaf ist oft unterbrochen, mit kurzen Phasen und häufigen Kontrollblicken.
Vögel können im Flug nicht schlafen.Fregattvögel schlafen im Flug, Mauersegler mit großer Wahrscheinlichkeit auch.
Nachts singende Vögel sind verwirrt.Manche Arten singen nachts ganz normal, künstliches Licht verstärkt den Nachtgesang bei anderen.

Wie kann ich Vögeln einen sicheren Schlafplatz bieten?

Einen Krähenschlafplatz können Sie nicht anlegen, aber Sie können Ihren Garten zu einem viel besseren Übernachtungsort für kleine Vögel machen.

  1. Pflanzen Sie dichte, immergrüne Gehölze. Eibe, Stechpalme, Wacholder, Fichte oder Kiefer bieten Winterschutz. Heimische Arten, die zu Ihrer Region passen, sind am besten.
  2. Erhalten Sie Hecken und Gebüsch. Dichte, gestufte Sträucher, besonders dornige wie Weißdorn, Schlehe und Heckenrose, sind ideale Nachtdeckung. Schneiden Sie nicht alles zu dünnen, offenen Formen.
  3. Lassen Sie totes Holz stehen, wo es sicher ist. Stehendes Totholz bietet Höhlen zum Schlafen und Brüten. Ist ein abgestorbener Baum keine Gefahr, lassen Sie zumindest einen Teil des Stammes stehen.
  4. Lassen Sie Nistkästen im Winter hängen. Reinigen Sie sie im Spätsommer oder Herbst und lassen Sie Vögel darin übernachten. Spezielle Schlafkästen mit Einflugloch nahe dem Boden sind eine weitere Möglichkeit.
  5. Legen Sie einen Reisighaufen an. Ein lockerer Haufen aus Ästen gibt Zaunkönigen, Heckenbraunellen und Rotkehlchen Schutz vor Wind und Beutegreifern. Siehe Reisighaufen für Vögel anlegen.
  6. Schalten Sie unnötige Außenbeleuchtung aus. Besonders während des Frühjahrs- und Herbstzuges helfen dunkle Nächte den Zugvögeln und verringern womöglich lichtbedingten Nachtgesang.
  7. Halten Sie Katzen nachts im Haus. Schlafende Vögel und Ästlinge sind nach Einbruch der Dunkelheit für Katzen leichte Beute. Siehe unseren Ratgeber zu Katzen und Vögeln.
  8. Bieten Sie im Winter am späten Nachmittag fettreiches Futter an. Fettfutter und Sonnenblumenkerne helfen Vögeln, die Reserven für lange Nächte aufzubauen.

Häufige Fehler

  • Dichte Sträucher im Herbst radikal schneiden. Das entfernt Winterdeckung genau dann, wenn Vögel sie brauchen. Beachten Sie außerdem, dass starke Rückschnitte von Hecken nach dem Bundesnaturschutzgesetz ohnehin nur von Oktober bis Februar erlaubt sind, und lassen Sie auch dann dichte Bereiche stehen.
  • Efeu und Kletterpflanzen von jeder Wand und jedem Zaun entfernen. Wo sie kein Bauwerk schädigen, sind sie wertvolle Schlafplätze.
  • Nistkästen im Herbst abnehmen. Viele Vögel nutzen sie im Winter zum Übernachten.
  • Schlafplätze mit Taschenlampe oder Kamera stören. Aufgescheuchte Vögel verbrauchen in einer kalten Nacht Energie, die sie womöglich nicht ersetzen können.

Kurz und knapp

  • Nester sind für Eier und Junge, Altvögel schlafen auf Ästen, in Höhlen oder an Gemeinschaftsschlafplätzen.
  • Singvögel stecken den Schnabel ins Rückengefieder, nicht unter den Flügel.
  • Stockenten können mit einem offenen Auge schlafen und passen das an ihre Position an.
  • Bindenfregattvögel schlafen im Flug in kurzen Phasen.
  • Mauersegler können rund zehn Monate ununterbrochen in der Luft bleiben.
  • Die meisten ziehenden Singvögel fliegen nachts.
  • Meisen senken nachts ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Schlafen Vögel nachts in ihrem Nest?

Meistens nicht. Ein Nest ist eine Kinderstube, kein Bett. Altvögel nutzen es, solange sie Eier bebrüten oder kleine Junge hudern, und in dieser Zeit verbringt oft ein Elternteil die Nacht darin. Sobald die Jungen ausgeflogen sind, verlässt die Familie das Nest, das dann meist verschmutzt und voller Parasiten ist. Den Rest des Jahres schlafen Vögel auf geschützten Ästen, in Höhlen oder an Gemeinschaftsschlafplätzen.

Wo sind Vögel nachts, wenn es regnet?

An denselben Schlafplätzen wie in trockenen Nächten, nur suchen sie die geschütztesten Stellen: das Innere dichter Nadelbäume, Efeu und Kletterpflanzen, Baumhöhlen, Nistkästen und die Unterseite von Dachüberständen und Brücken. Sie sitzen aufgeplustert mit dem Schnabel im Rückengefieder, und die gut gefetteten Deckfedern lassen das meiste Wasser abperlen. Starke Unwetter kosten trotzdem Energie und können schwache Vögel töten.

Kommen Vögel jede Nacht an denselben Schlafplatz zurück?

Viele ja. Meisen, Spechte und Kleiber nutzen im Winter oft Nacht für Nacht dieselbe Höhle oder denselben Nistkasten, und Gemeinschaftsschlafplätze von Krähen, Dohlen, Staren und Schwalben werden teils über Jahre oder Jahrzehnte genutzt. Manche Vögel wechseln den Schlafplatz mit Jahreszeit, Wetter oder Störungen, doch ein guter, geschützter Platz wird meist immer wieder aufgesucht.

Können Vögel im Flug schlafen?

Manche schon. Messungen der Hirnaktivität bei Bindenfregattvögeln über dem Meer zeigten, dass sie im Flug in kurzen Phasen schlafen, oft mit nur einer Gehirnhälfte, insgesamt weit unter einer Stunde am Tag. Mauersegler können außerhalb der Brutzeit rund zehn Monate ununterbrochen in der Luft bleiben, und Forschende gehen davon aus, dass sie im Gleitflug in großer Höhe schlafen.

Warum singen Vögel mitten in der Nacht?

Einige Arten singen von Natur aus nachts, allen voran die Nachtigall, vor allem unverpaarte Männchen im Frühjahr. Andere wie Rotkehlchen und Amseln singen nachts in der Nähe heller Straßenlaternen und Außenleuchten, die offenbar ihren Tagesrhythmus verschieben. Rufe am nächtlichen Himmel im Frühjahr und Herbst stammen meist von ziehenden Singvögeln wie Drosseln.