Schlafen Vögel in ihren Nestern? Wo Vögel wirklich übernachten

Schlafen Vögel im Nest? Meist nicht. Das Nest ist eine Kinderstube, erwachsene Vögel schlafen auf Ästen, in Höhlen, auf dem Wasser oder im Flug. Die Gründe.

Zwei Vögel sitzen an einem Winterabend dicht beieinander am Einflugloch eines bereiften Nistkastens aus Holz (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Warum schlafen die meisten Vögel nicht in ihrem Nest?
  3. Wo schlafen Vögel stattdessen?
  4. Welche Vögel schlafen doch im Nest?
  5. Schlafen Vögel im Winter im Nest?
  6. Schlafen Jungvögel im Nest?
  7. Wie schlafen Vögel sicher?
  8. Wie viel schlafen Vögel, und träumen sie?
  9. Schlafen Vögel jede Nacht am selben Ort?
  10. Schlafender Vogel oder kranker Vogel: Wie erkennt man den Unterschied?
  11. Mythen und Fakten zum Vogelschlaf
  12. Was bedeutet das für Ihren Garten?
  13. Quellen
  14. Häufige Fragen

Meistens nicht. Für die meisten Vögel ist das Nest eine Kinderstube und kein Schlafzimmer, gebaut für Eier und Junge und nur in der Brutzeit genutzt. Erwachsene Vögel schlafen meist auf Ästen in dichter Deckung, in Baumhöhlen, auf dem Wasser oder im flachen Wasser stehend, und einzelne Mauersegler bleiben rund 10 Monate ohne Landung in der Luft. Die wichtigste Ausnahme sind Altvögel, die Eier bebrüten oder kleine Junge hudern: Sie verbringen die Nacht auf dem Nest. Einige Höhlenbrüter übernachten außerhalb der Brutzeit auch in Nistkästen.

Diese Kurzantwort trifft auf die meisten Gartenvögel zu, doch im Detail unterscheiden sich die Arten stark. Hier erfahren Sie, wo Vögel tatsächlich schlafen, warum die meisten ihr Nest meiden und welche Arten die Regel brechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nester dienen vor allem Eiern und Küken, nicht dem Schlaf erwachsener Vögel.
  • Brütende und hudernde Altvögel, oft, aber nicht immer das Weibchen, schlafen nachts auf dem Nest.
  • Die meisten Singvögel schlafen auf Ästen in dichtem Laub, in Nadelbäumen, Efeu oder Hecken.
  • Höhlenbrüter wie Spechte, Meisen und Kleiber schlafen in Baumhöhlen oder Nistkästen.
  • Haben die Jungen das Nest einmal verlassen, kehren die meisten nicht mehr dorthin zurück.
  • Manche Vögel schlafen mit jeweils einer Gehirnhälfte, und einige wenige können im Flug schlafen.

Warum schlafen die meisten Vögel nicht in ihrem Nest?

Ein Nest wird für eine einzige Aufgabe gebaut: Eier warm zu halten und Küken zu schützen, bis sie selbstständig werden. Danach wird es aus mehreren Gründen eher zur Belastung.

Nester locken Fressfeinde an

Ein Nest, das wochenlang genutzt wurde, hinterlässt Spuren: Kot, Gerüche und ein Muster aus an- und abfliegenden Altvögeln. Fressfeinde wie Marder, Katzen, Eichhörnchen, Eichelhäher, Elstern und Krähen lernen, wo Nester liegen. Ein Vogel, der jede Nacht an derselben bekannten Stelle schläft, wäre leichter zu finden. Wer sich zum Schlafen in dichter Deckung verteilt, senkt dieses Risiko.

Nester werden schmutzig und voller Parasiten

Wenn die Jungen ausfliegen, enthalten viele Nester Kot, Federstaub und Parasiten wie Milben, Federlinge, Flöhe und Fliegenlarven. Wer darin schliefe, wäre denselben Plagegeistern ausgesetzt. Das ist ein Grund, warum viele Vögel für jede Brut ein neues Nest bauen und warum Nistkästen am Ende der Saison gereinigt werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber, wann und wie man einen Nistkasten reinigt, und in unserem Artikel zur Frage, ob Vögel ihre Nester wiederverwenden.

Viele Nester sind nicht für Altvögel gebaut

Die meisten Napfnester sind gerade groß genug für einen sitzenden Altvogel mit seinen Eiern oder Jungen. Ein offener Napf bietet wenig Schutz vor Wind und Regen, und viele Nester liegen so, dass ein erwachsener Vogel dort ungeschützt säße. Außerhalb der Brutzeit bietet ein dichter Nadelbaum oder eine efeubewachsene Mauer den besseren Schutz.

Wo schlafen Vögel stattdessen?

Auf Ästen in dichter Deckung

Der typische Gartensingvogel, etwa Amsel, Rotkehlchen, Buchfink, Grünfink, Haussperling oder Ringeltaube, verbringt die Nacht auf einem Ast tief im dichten Grün. Fichten, Eiben, Stechpalmen, Thuja- und Ligusterhecken, Efeu an Mauern und Bäumen sowie dornige Gebüsche sind beliebte Plätze, weil sie den Wind abhalten, ein wenig Wärme speichern und den Vogel vor Eulen und kletternden Fressfeinden verbergen.

Vögel plustern dabei meist ihr Gefieder auf, stecken den Schnabel in die Rücken- oder Schulterfedern und ziehen manchmal ein Bein ins Bauchgefieder. Hockt sich ein Vogel auf einen Ast, ziehen Sehnen, die hinter dem Fersengelenk verlaufen, die Zehen um den Ast zusammen, sodass er auch entspannt ohne viel Kraft festhält. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel warum Vögel im Schlaf nicht vom Ast fallen.

In Baumhöhlen und Nistkästen

Vögel, die in Höhlen brüten, schlafen oft auch in Höhlen, besonders im Winter. Buntspechte und andere Spechte zimmern eigene Schlafhöhlen, häufig im Herbst, und schlafen darin mit dem Körper gegen die Wand gestützt. Kohl- und Blaumeisen, Kleiber, Feldsperlinge und Zaunkönige übernachten in alten Spechthöhlen, natürlichen Hohlräumen und Nistkästen.

Eine Höhle kann in einer kalten Nacht spürbar wärmer sein als die offene Luft, vor allem weil sie den Wind abhält und die Körperwärme der Vögel zurückhält. Manche Arten teilen sich den Platz. Der Zaunkönig ist dafür in Europa bekannt: Bei strenger Kälte übernachten Zaunkönige gemeinsam, und es gibt Berichte über Dutzende Vögel, die sich in einen einzigen Nistkasten oder eine Mauerspalte drängten. In Nordamerika wurden Hüttensänger ähnlich dicht gedrängt in einem einzigen Nistkasten gefunden.

Gemeinsame Schlafplätze im Freien

Viele Vögel versammeln sich zum Schlafen in großen Gruppen. Saatkrähen und Dohlen bilden im Winter in manchen deutschen Städten und Parks Schlafplätze mit Tausenden Vögeln, verstärkt durch Wintergäste aus dem Osten. Stare sammeln sich zu riesigen Schlafgemeinschaften, berühmt für die wogenden Schwärme in der Abenddämmerung. Rauch- und Uferschwalben übernachten vor dem Zug gern im Schilf. Schwanzmeisen sitzen in kalten Nächten eng nebeneinander in einer Reihe auf einem Ast und teilen so ihre Wärme.

Solche Schlafplätze bieten wahrscheinlich Wärme, Sicherheit in der Masse und, wie manche Forschende vermuten, Informationen über gute Nahrungsquellen. Mehr dazu in unserem Ratgeber, wo Vögel nachts schlafen.

Auf dem Wasser und im Flachwasser

Enten, Gänse, Schwäne und Möwen schlafen oft schwimmend auf offenem Wasser, wo Landraubtiere sie kaum erreichen. Graureiher, Flamingos und viele Watvögel schlafen im flachen Wasser oder auf Sandbänken stehend, oft auf einem Bein und mit eingestecktem Schnabel.

In der Luft

Einige Vögel können im Flug schlafen. Der Mauersegler, der im Sommer über fast jeder deutschen Stadt jagt, verbringt die meiste Zeit außerhalb der Brutzeit in der Luft. Eine Studie mit Datenloggern aus dem Jahr 2016 zeigte, dass einzelne Mauersegler rund zehn Monate ohne Landung in der Luft blieben. Fachleute gehen davon aus, dass sie im Flug schlafen müssen, auch wenn es von Mauerseglern noch keine direkten Hirnstrommessungen gibt. Beim Bindenfregattvogel dagegen zeichnete eine Studie aus dem Jahr 2016 die Hirnaktivität auf langen Flügen über dem Meer auf. Die Vögel schliefen tatsächlich im Flug, oft mit jeweils einer Gehirnhälfte, aber nur einen kleinen Bruchteil der Zeit, die sie an Land schlafen.

Welche Vögel schlafen doch im Nest?

Von der Regel “Nester sind für Küken” gibt es einige klare Ausnahmen.

SituationBeispieleGrund
Brütende oder hudernde AltvögelFast alle NestbauerEier und kleine Küken brauchen die ganze Nacht Wärme
Winterschlafplatz im NistkastenMeisen, Kleiber, Zaunkönig, FeldsperlingHöhlen schützen vor Kälte und Wind
Schlaf- oder SpielnesterZaunkönig, manche WebervögelEigene Bauten, die (auch) zum Schlafen dienen
Ganzjährige GemeinschaftsnesterSiedelweber im südlichen AfrikaRiesige Gemeinschaftsnester isolieren gegen Hitze und Kälte
LehmnesterRosttöpfervogel in SüdamerikaGeschlossene, ofenförmige Nester bieten guten Schutz
Alte Nester anderer VögelHaussperling, manche FinkenGelegentliche Nutzung als Unterschlupf

Altvögel auf dem Nest

Solange Eier bebrütet oder kleine Küken gehudert werden, bleibt ein Altvogel nachts auf dem Nest. Bei vielen Singvögeln ist das das Weibchen, bei manchen Arten teilen sich die Partner auch den Nachtdienst. Der Altvogel schläft im Sitzen in kurzen Etappen und hält dabei Eier oder Junge warm.

Sobald die Küken befiedert sind und sich selbst warm halten können, hört das Hudern oft auf, und der Altvogel schläft stattdessen in der Nähe.

Schlaf- und Spielnester

Manche Vögel bauen Nester, die vor allem zum Schlafen dienen. Das bekannteste Beispiel in Mitteleuropa ist der Zaunkönig. Das Männchen baut im Frühjahr mehrere kugelförmige Nester im Rohbau, aus denen das Weibchen eines zum Brüten auswählt und auspolstert. Nicht gewählte Nester werden später zum Teil als Schlafplatz genutzt. Nordamerikanische Zaunkönigarten zeigen ein ähnliches Verhalten, und mehrere Webervogelarten in Afrika und Asien schlafen außerhalb der Brutzeit in ihren gewebten Nestern.

Das eindrucksvollste Beispiel ist der Siedelweber aus dem südlichen Afrika. Kolonien bauen gewaltige Gemeinschaftsnester mit vielen Kammern, die jahrzehntelang bestehen können. Die Vögel nutzen sie das ganze Jahr, und das dicke Halmdach puffert heiße Tage und kalte Wüstennächte ab.

Lehmöfen als Nest

In Brasilien, Argentinien und den Nachbarländern baut der Rosttöpfervogel ein festes, rundes Lehmnest, das an einen alten Holzbackofen erinnert. Diese haltbaren Bauten werden von anderen Arten weitergenutzt und können noch lange nach der Brut Schutz bieten. Wie oft die Töpfervögel selbst außerhalb der Brutzeit darin schlafen, ist unterschiedlich.

Schlafen Vögel im Winter im Nest?

Offene Napfnester aus dem Sommer werden selten zum Schlafen genutzt. Im Winter sind die meisten feucht, flachgedrückt oder zerfallen und bieten kaum Schutz vor Wind oder Schnee. Gelegentlich sitzt vielleicht ein Vogel in oder neben einem alten Napfnest, doch für die meisten Arten ist das keine Gewohnheit.

Geschlossene Räume sind etwas anderes. In kalten Regionen ist der Winter die Zeit, in der Höhlen als Schlafplatz am meisten zählen. Ein kleiner Vogel verliert in einer langen Winternacht schnell Wärme, und eine Höhle oder ein Kasten schützt vor dem Wind und erlaubt es mehreren Vögeln, ihre Körperwärme zu teilen. Deshalb findet man Höhlenbrüter wie Kohl- und Blaumeisen, Kleiber, Feldsperlinge, Zaunkönige und Buntspechte von Spätherbst bis Vorfrühling schlafend in Nistkästen. Viele Vogelfreunde bemerken das erst beim Reinigen im Herbst, wenn frischer Kot auf dem Kastenboden liegt, obwohl die Brut längst vorbei ist.

Auch einige Arten, die keine echten Höhlenbrüter sind, nutzen im Winter geschlossene Unterschlüpfe. Haussperlinge übernachten oft in alten Nestern unter Dachziegeln, in Mauerlöchern und dichtem Efeu, und sie sind in vielen Orten dafür bekannt, sich abends lärmend in dichten Hecken oder Kletterpflanzen zu versammeln. Kurz gesagt: Ist ein Nest geschlossen und trocken, schlafen Vögel im Winter womöglich darin. Ist es ein offener Napf, wählen sie fast immer einen geschützten Ast.

Schlafen Jungvögel im Nest?

Ja, solange sie Nestlinge sind. Junge Singvögel verbringen die meiste Zeit schlafend im Nest und werden wach, um zu betteln, wenn ein Altvogel mit Futter kommt. Die Eltern hudern sie nachts, bis sie ihre Körpertemperatur selbst halten können.

Sind sie einmal ausgeflogen, kehren die meisten Jungvögel nicht zurück. Ästlinge verbringen die Nächte in Deckung nahe dem Nest, oft dicht neben ihren Geschwistern, während die Eltern sie weiter füttern. Bei manchen Arten, etwa einigen Schwalben und Zaunkönigen, kehren die Jungen kurz nach dem Ausfliegen noch zum Übernachten ins Nest oder in dessen Nähe zurück, doch das ist ungewöhnlich. Wer im Frühsommer einen scheinbar verlassenen Ästling im Gebüsch findet, sollte ihn deshalb in der Regel dort lassen: Die Eltern sind meist in der Nähe. Mehr zu dieser Lebensphase lesen Sie in unserem Artikel, wie lange junge Vögel im Nest bleiben.

Wie schlafen Vögel sicher?

Vögel haben mehrere Strategien, um die Gefahren des Schlafens zu verringern.

Schlafen mit einer Gehirnhälfte

Viele Vögel können mit einer Gehirnhälfte schlafen, während die andere wach bleibt. Fachleute nennen das unihemisphärischen Tiefschlaf. Das Auge, das mit der wachen Hälfte verbunden ist, bleibt offen. Eine bekannte Studie von Niels Rattenborg und Kollegen aus dem Jahr 1999 zeigte, dass Stockenten am Ende einer Reihe schlafender Enten das häufiger taten als Enten in der Mitte, und dass sie das offene Auge von der Gruppe weg richteten, dorthin, wo Gefahr drohen konnte. Rattenborg forscht heute am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz in Seewiesen weiter zum Schlaf der Vögel.

Energie sparen in kalten Nächten

Kleine Vögel verbrauchen viel Energie, um nachts warm zu bleiben. Manche Arten senken nachts ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Von mehreren Meisenarten ist bekannt, dass sie in kalten Nächten eine kontrollierte Unterkühlung zulassen, eine sogenannte regulierte Hypothermie, bei der die Körpertemperatur um einige Grad sinkt. Gut untersucht ist das etwa bei Meisen in Skandinavien und bei der nordamerikanischen Schwarzkopfmeise. Kolibris gehen noch weiter und fallen in eine Starre, den Torpor, bei dem Körpertemperatur und Stoffwechsel stark abfallen. Mehr dazu in unserem Artikel, wie Vögel im Winter warm bleiben.

Sichere Plätze wählen

Vögel suchen Schlafplätze, die Fressfeinde schwer erreichen: dünne Astspitzen, dichte Dornbüsche, die Mitte großer Schwärme, offenes Wasser oder Höhlen mit Einfluglöchern, die für Fressfeinde zu klein sind.

Wie viel schlafen Vögel, und träumen sie?

Der Vogelschlaf ähnelt unserem in mancher Hinsicht erstaunlich. Wie Säugetiere haben Vögel zwei Hauptformen des Schlafs: den Tiefschlaf mit langsamer, gleichmäßiger Hirnaktivität und den REM-Schlaf, bei dem die Hirnaktivität eher dem Wachzustand ähnelt. Bei Vögeln sind REM-Phasen meist sehr kurz, oft nur Sekunden lang, und ein schlafender Vogel wechselt viele Male pro Nacht zwischen beiden Zuständen.

Ob Vögel in einem für uns erkennbaren Sinn träumen, ist unbekannt. Untersuchungen an Zebrafinken zeigten, dass gesangsbezogene Hirnregionen im Schlaf Aktivitätsmuster abspielen, die denen beim Singen ähneln. Das deutet darauf hin, dass Schlaf jungen Vögeln helfen könnte, gelernten Gesang zu üben und zu festigen. Ein faszinierender Befund, der aber nichts darüber verrät, was der Vogel dabei erlebt, falls er überhaupt etwas erlebt.

Wie lange Vögel schlafen, hängt vor allem von der Länge der Nacht ab. Die meisten tagaktiven Vögel schlafen während der Dunkelheit, in Mitteleuropa also im Winter deutlich länger als im Sommer, wenn die Nächte nur wenige Stunden dauern. Auf dem Zug fliegen viele Singvögel, die sonst nachts schlafen, einen großen Teil der Nacht hindurch. Sie gleichen den verlorenen Schlaf offenbar mit kurzen Nickerchen am Tag aus, manche nur Sekunden lang.

Schlafen Vögel jede Nacht am selben Ort?

Oft ja. Viele Vögel haben Lieblingsschlafplätze, zu denen sie immer wieder zurückkehren, solange der Platz sicher bleibt. Eine Amsel nutzt womöglich den ganzen Winter dieselbe Eibe, und ein Buntspecht schläft monatelang in derselben Schlafhöhle. Gemeinschaftsschlafplätze von Krähen oder Staren können über Jahre, manchmal Jahrzehnte genutzt werden.

Vögel wechseln ihren Schlafplatz, wenn sich die Bedingungen ändern. Eine Kältewelle kann sie in dichtere Deckung oder in eine Höhle treiben, ein Fressfeind kann sie vertreiben, und der Laubfall im Herbst nimmt Deckung weg, auf die Sommerschlafplätze angewiesen waren. Nach einer Störung, etwa einem Angriff eines Waldkauzes oder einer lauten Nacht mit Feuerwerk, geben Vögel einen Schlafplatz manchmal ganz auf.

Schlafender Vogel oder kranker Vogel: Wie erkennt man den Unterschied?

Diese Frage stellt sich am Futterhaus oft. Gesunde Vögel dösen manchmal auch tagsüber, besonders bei Kälte oder nach einer großen Mahlzeit, und wirken dann aufgeplustert mit halb geschlossenen Augen. Der Unterschied liegt in ihrer Reaktion.

  • Ein ruhender Vogel wird schnell wach, wenn sich in der Nähe etwas bewegt, schaut sich aufmerksam um und fliegt normal davon, wenn man sich nähert.
  • Ein kranker Vogel bleibt oft lange aufgeplustert, sitzt auf dem Futterhaus oder am Boden, ohne wegzufliegen, hat eventuell verkrustete oder geschwollene Augen und reagiert träge.

Sehen Sie einen Vogel, der am Futterplatz dauerhaft aufgeplustert und apathisch wirkt, besonders mit Augenproblemen, nehmen Sie die Futterstelle ab und reinigen Sie sie, denn manche Krankheiten verbreiten sich an Futterstellen. Bei Grünfinken etwa ist die Trichomonadose seit Jahren ein bekanntes Problem. Unser Ratgeber zu kranken Vögeln am Futterhaus erklärt, worauf Sie achten sollten.

Mythen und Fakten zum Vogelschlaf

Mythos: Vögel kehren jede Nacht in ihr Nest zurück. Fakt: Die meisten Vögel nutzen Nester nur für die Aufzucht der Jungen und schlafen den Rest des Jahres woanders.

Mythos: Ein Nest, in dem nachts kein Vogel sitzt, ist verlassen. Fakt: Sobald die Küken befiedert sind, hören die Eltern oft auf zu hudern und schlafen in der Nähe. Ein leeres Nest nach dem Ausfliegen ist normal.

Mythos: Vögel schlafen acht Stunden am Stück. Fakt: Vogelschlaf besteht meist aus vielen kurzen Phasen, unterbrochen von häufigem kurzem Aufwachen, um nach Gefahren Ausschau zu halten.

Mythos: Nistkästen sind nur im Frühjahr nützlich. Fakt: Viele Höhlenbewohner schlafen in kalten Winternächten in Nistkästen.

Was bedeutet das für Ihren Garten?

Mit ein paar einfachen Schritten können Sie Vögeln zu einer sicheren Nachtruhe verhelfen.

  1. Dichte immergrüne Gehölze pflanzen oder erhalten. Heimische Eiben, Stechpalmen, Wacholder, Efeu und dichte Hecken aus Weißdorn oder Liguster bieten geschützte Schlafplätze. Unser Ratgeber zum kleinen vogelfreundlichen Garten zeigt Ideen für die Gestaltung.
  2. Nistkästen im Winter hängen lassen. Reinigen Sie sie nach der Brutzeit, und lassen Sie sie dann hängen, damit Höhlenbewohner darin übernachten können. NABU und LBV empfehlen, die Reinigung im Herbst zu erledigen.
  3. Über einen Schlafkasten nachdenken. Schlaf- oder Überwinterungskästen haben das Einflugloch meist weiter unten, damit warme Luft oben im Kasten bleibt, und innen oft Sitzstangen, damit mehrere Vögel dicht zusammenrücken können.
  4. Einen Reisighaufen anlegen. Ein Gewirr aus Ästen bietet Zaunkönigen, Heckenbraunellen, Rotkehlchen und Sperlingen in kalten Nächten Schutz. Schichten Sie die Äste locker, damit Lücken zum Hineinschlüpfen bleiben, mit dem dichtesten Teil in Bodennähe.
  5. Nächtliche Gefahren verringern. Halten Sie Katzen nachts möglichst im Haus und verzichten Sie auf unnötige Außenbeleuchtung, die schlafende Vögel stören kann.
  6. Schlafplätze nicht stören. Leuchten Sie nachts nicht in Büsche oder Nistkästen, und schneiden Sie Hecken nicht in der Brutzeit. In Deutschland verbietet das Bundesnaturschutzgesetz ohnehin radikale Rückschnitte von Hecken und Gebüschen zwischen Anfang März und Ende September. Ein Vogel, der in der Kälte von seinem Schlafplatz aufgescheucht wird, verliert Energie, die er zum Überleben brauchen könnte.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Wo schlafen Vögel nachts, wenn nicht im Nest?

Die meisten Singvögel schlafen auf Ästen in dichter Deckung, etwa in Nadelbäumen, Eiben, Efeu, dichten Hecken und Gebüschen, wo sie vor Fressfeinden verborgen und vor Wind geschützt sind. Höhlenbrüter wie Spechte, Meisen und Kleiber schlafen in Baumhöhlen oder Nistkästen. Wasservögel schlafen oft schwimmend oder im flachen Wasser stehend, und Mauersegler können sogar im Flug schlafen.

Kehren junge Vögel nach dem Ausfliegen zum Schlafen ins Nest zurück?

Meist nicht. Haben die Jungen der meisten Singvögel das Nest verlassen, verbringen sie die Nächte in Deckung in der Nähe, oft dicht neben ihren Geschwistern, während die Eltern sie weiter füttern. Bei einigen Arten, darunter manche Schwalben und Zaunkönige, wurde beobachtet, dass die Jungen kurz nach dem Ausfliegen noch im oder am Nest übernachten, doch das ist die Ausnahme.

Nutzen Vögel Nistkästen im Winter?

Ja. Höhlenbewohner wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Kleiber, Zaunkönige, Feldsperlinge und kleinere Spechte schlafen in kalten Nächten oft in Nistkästen, manchmal mehrere Vögel dicht zusammen. Wer die Kästen nach der Brutzeit reinigt und über den Winter hängen lässt oder zusätzlich einen Schlafkasten anbietet, gibt ihnen einen geschützten Übernachtungsplatz.

Warum fallen Vögel im Schlaf nicht vom Ast?

Wenn ein Sitzvogel in die Hocke geht, ziehen Sehnen, die hinter dem Fersengelenk verlaufen, die Zehen um den Ast zusammen. Geriffelte Sehnenoberflächen helfen, diesen Griff mit wenig Muskelkraft zu halten. So bleibt der Vogel fest verankert, auch wenn er entspannt ist. Außerdem steckt er den Kopf ins Gefieder und plustert sich auf, um Wärme zu sparen.

Schlafen Vögel mit einem offenen Auge?

Manche ja. Viele Vögel können mit einer Gehirnhälfte schlafen, während die andere wach bleibt, und halten dabei das Auge offen, das mit der wachen Hälfte verbunden ist. Untersuchungen an Stockenten zeigten, dass Enten am Rand einer schlafenden Reihe das häufiger taten und das offene Auge von der Gruppe weg in Richtung möglicher Gefahr richteten.