Starenschwarm (Murmuration): Warum Stare wie eine Wolke fliegen

Starenschwarm erklärt: Eine Murmuration ist eine riesige, wogende Starenwolke in der Abenddämmerung vor dem Schlafplatz. So funktioniert sie und warum.

Ein riesiger Starenschwarm bildet bei Sonnenuntergang eine wirbelnde dunkle Wolke über einem Schilfgebiet (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: Was ist ein Starenschwarm?
  2. Welche Vögel bilden solche Schwärme?
  3. Wann und wo sieht man einen Starenschwarm?
  4. Wie bewegen sich Tausende Stare wie ein einziges Tier?
  5. Warum bilden Stare solche Schwärme?
  6. Mythen und Fakten zum Starenschwarm
  7. Wie klingt ein Starenschwarm?
  8. Werden die Starenschwärme kleiner?
  9. Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
  10. So erleben Sie einen Starenschwarm richtig
  11. Was unterscheidet einen Starenschwarm von einer Keilformation?
  12. Kurz notiert
  13. Quellen
  14. Häufige Fragen

Ein Starenschwarm, im Englischen Murmuration genannt, ist ein riesiger Verband von Staren, der in dichten, sich ständig wandelnden, wolkenartigen Formen fliegt, meist kurz vor der Dämmerung über dem gemeinsamen Schlafplatz. Tausende oder sogar Hunderttausende Vögel drehen, falten und pulsieren, als wären sie ein einziges Lebewesen, und strömen dann in Schilf, Bäume oder Gebäude, um dort die Nacht zu verbringen. Angetrieben wird das Schauspiel nach heutigem Wissen vor allem vom Schutz vor Greifvögeln, und es funktioniert, weil jeder Vogel nur etwa 6 oder 7 nahe Nachbarn im Blick behält.

Das englische Wort ist alt und wörtlich gemeint. „Murmuration“ beschreibt das leise, rauschende Murmeln unzähliger Flügelschläge und wird schon in spätmittelalterlichen englischen Listen von Tiergruppennamen für Stare verwendet. Heute bezeichnet es auch das Flugschauspiel selbst. Im Deutschen sprechen wir meist einfach vom Starenschwarm, von Starenwolken oder vom Schwarmflug der Stare.

Kurz beantwortet: Was ist ein Starenschwarm?

  • Wer: vor allem der Star (Sturnus vulgaris). Einige Watvögel wie Alpenstrandläufer und Knutt zeigen ähnlich synchrone Flüge.
  • Wann: in Mitteleuropa vor allem vom Spätsommer bis in den Winter, in der Abenddämmerung, in den Minuten bevor die Vögel den gemeinsamen Schlafplatz aufsuchen.
  • Wo: über Schilfgebieten, Feuchtwiesen, Wäldchen, Brücken, Seebrücken und Stadtgebäuden, die als Schlafplatz dienen.
  • Warum: die führende Erklärung ist Schutz vor Greifvögeln wie Wanderfalke und Sperber, ergänzt durch Informationsaustausch und das Sammeln am Schlafplatz.
  • Wie: jeder Vogel reagiert auf etwa sechs oder sieben nächste Nachbarn, und diese lokalen Reaktionen laufen blitzschnell durch den ganzen Schwarm.

Welche Vögel bilden solche Schwärme?

Die klassische Murmuration gehört dem Star, einem gedrungenen, kurzschwänzigen Singvogel, der von Weitem schwarz wirkt, im guten Licht aber purpurn und grün schillert. Er ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch und wurde in Nordamerika, im südlichen Afrika, in Australien, Neuseeland und Teilen Südamerikas eingeführt. Nachdem 1890 und 1891 rund 100 Vögel im New Yorker Central Park freigelassen worden waren, breitete sich die Art über den ganzen Kontinent aus.

Stare sind ungewöhnlich gesellig. Sie suchen in lockeren Trupps auf Rasen, Wiesen und Weiden nach Nahrung, stochern im Boden nach Larven und Insekten, und außerhalb der Brutzeit sammeln sich viele von ihnen jeden Abend an gemeinsamen Schlafplätzen. Die Murmuration ist das Flugvorspiel zu dieser Nachtruhe.

Andere Vögel zeigen ähnliche Schauspiele:

  • Watvögel. Trupps von Alpenstrandläufern, Knutts und anderen Strandläufern kreisen über dem Wattenmeer in engen Formationen und lassen beim Wenden gleichzeitig helle Bäuche und dunkle Rücken aufblitzen. An Hochwasserrastplätzen an der Nordseeküste können diese Flüge Starenschwärmen verblüffend ähneln.
  • Blutschnabelweber. Dieser kleine afrikanische Webervogel bildet einige der größten Vogelschwärme der Erde und zieht in dichten, rollenden Wolken über die Savanne.
  • Stärlinge und Grackeln. In Nordamerika können gemischte Winterschlafplätze von Rotschulterstärlingen, Grackeln, Kuhstärlingen und Staren in der Dämmerung lange Ströme und wirbelnde Schwärme bilden, meist aber weniger choreografiert als ein klassischer Starenschwarm.

Tauben, Sittiche und Wasservögel fliegen ebenfalls koordiniert in Gruppen, erreichen aber selten die Dichte und die fließenden Formwechsel der Stare.

Wann und wo sieht man einen Starenschwarm?

Welche Jahreszeit ist am besten?

In Großbritannien und großen Teilen Nordwesteuropas sind Murmurationen ein Ereignis der kalten Jahreszeit. Zu den ansässigen Staren kommen im Herbst Zuzügler aus Skandinavien, dem Baltikum und weiter östlich, die die Schlafplätze anschwellen lassen. In Deutschland sind viele Stare Zugvögel, die im Herbst Richtung Westen und Südwesten ziehen, während in milden Regionen immer mehr überwintern. Große Schwärme bilden sich hier deshalb oft schon im Spätsommer und Herbst, wenn heimische Jungvögel und Durchzügler zusammenkommen. Das genaue Timing hängt von Wetter, Nahrung und dem Schicksal einzelner Schlafplätze ab.

Dänemark bietet eine berühmte Variante, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In den Marschen des Wattenmeers im Südwesten Jütlands bilden durchziehende Stare im Frühjahr und Herbst Schwärme, die dort „Sort Sol“ heißen, schwarze Sonne, weil die Vogelmassen den Abendhimmel scheinbar verdunkeln.

Um welche Uhrzeit?

Murmurationen finden in der Abenddämmerung statt. Stare suchen tagsüber Nahrung, manchmal viele Kilometer vom Schlafplatz entfernt, und fliegen dann in kleinen Trupps zurück, die sich über dem Schlafplatz vereinen. Das Flugschauspiel dauert meist einige Minuten bis etwa eine halbe Stunde. Dann trichtert sich der Schwarm, oft ganz plötzlich, in die Deckung hinab. Wer zuschauen möchte, sollte etwa 45 Minuten vor Sonnenuntergang da sein und bleiben, bis alle Vögel gelandet sind.

Wo bilden sich Starenschwärme?

Schlafplätze brauchen Schutz und Sicherheit. Typisch sind:

  • Große Schilfgebiete und Feuchtgebiete, die für Bodenräuber schwer erreichbar sind.
  • Nadelholzbestände und dichte Gehölze.
  • Seebrücken und Brücken, die warme, geschützte Simse über dem Wasser bieten.
  • Stadtgebäude und Straßenbäume, wo die Stadtwärme in kalten Nächten helfen kann.

Bekannte europäische Orte waren Schilfgebiete in den Somerset Levels, Seebrücken an der englischen Südküste, die Gegend um Gretna an der englisch-schottischen Grenze und Stadtschlafplätze in Rom. In Deutschland finden sich Starenschlafplätze oft in Schilfgürteln an Seen und in Flussauen sowie in Städten. Schlafplätze wechseln im Lauf der Zeit, prüfen Sie also aktuelle Meldungen aus der Region, statt sich auf den Ruf eines Ortes von vor einigen Jahren zu verlassen.

Wie bewegen sich Tausende Stare wie ein einziges Tier?

Diese Frage hat Physiker, Mathematiker und Biologen zu den Staren geführt. Es gibt keinen Anführer. Kein einzelner Vogel kennt die Form des ganzen Schwarms. Das Muster entsteht aus einfachen lokalen Regeln, die jedes Individuum befolgt.

Welche Regeln befolgt jeder Star?

1987 zeigte der Computergrafik-Forscher Craig Reynolds, dass sich realistische Schwärme mit drei Regeln simulieren lassen, die für jeden virtuellen Vogel gelten. Er nannte diese Vögel „Boids“:

  1. Trennung: Komm deinen Nachbarn nicht zu nah.
  2. Ausrichtung: Steuere in die durchschnittliche Richtung der Vögel in deiner Nähe.
  3. Zusammenhalt: Bewege dich zur durchschnittlichen Position der Vögel in deiner Nähe.

Echte Stare sind komplexer, aber diese Regeln treffen den Kern. Die Abstimmung ist lokal, und trotzdem entsteht Ordnung auf der Ebene des gesamten Schwarms.

Wie viele Nachbarn beobachtet jeder Star?

Eine wegweisende Studie, 2008 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht, rekonstruierte mit synchronisierten Kameras die dreidimensionalen Positionen einzelner Stare in Schwärmen über Rom. Das Team des europäischen Projekts STARFLAG unter Leitung italienischer Physiker fand heraus, dass jeder Vogel mit einer festen Zahl von Nachbarn interagiert, im Schnitt etwa sechs oder sieben, und nicht mit allen Vögeln innerhalb eines bestimmten Abstands.

Dieser Unterschied ist wichtig. Eine Regel, die auf Abstand beruht, im Fachjargon „metrisch“, würde versagen, sobald sich ein Schwarm ausdünnt, weil manche Vögel plötzlich keine Nachbarn mehr in Reichweite hätten. Eine Regel, die auf einer Zahl von Nachbarn beruht, „topologisch“ genannt, funktioniert dagegen, ob der Schwarm dicht gepackt oder weit auseinandergezogen ist. Die Forscher argumentierten, dass Schwärme so zusammenhalten, wenn Greifvögel sie zum Ausdehnen und Zusammenziehen zwingen.

Warum reagiert der ganze Schwarm gleichzeitig?

Eine Folgestudie von 2010, ebenfalls in PNAS, zeigte, dass Änderungen von Tempo und Richtung eines Vogels mit den Änderungen anderer Vögel im gesamten Schwarm zusammenhängen, ganz gleich wie groß er ist. Physiker nennen das „skalenfreie“ Korrelation. Einfach gesagt: Die Information über eine Wende geht nicht verloren, während sie von Vogel zu Vogel wandert. Eine Störung an einem Rand kann sich in etwa einer Sekunde oder weniger über Zehntausende Vögel ausbreiten.

Die dunklen Bänder, die scheinbar über einen Starenschwarm laufen, gehören zu diesem Bild. Forscher, die Stare bei Angriffen von Wanderfalken in Rom beobachteten, beschrieben „Erregungswellen“: Vögel kippen kurz zur Seite oder weichen aus, und die Änderung läuft nach außen wie eine La-Ola-Welle durchs Stadion. Wenn sich die Vögel neigen, zeigt mehr von ihrer dunklen Flügelfläche zum Betrachter, und so erscheint die Welle als wandernder dunkler Streifen.

Steht der Schwarm an einem Kipppunkt?

Einige Physiker vermuten, dass sich Starenschwärme wie Systeme nahe einem „kritischen“ Zustand verhalten, in dem kleine Anstöße große, schnelle Gruppenreaktionen auslösen können. Das ist ein aktives Forschungsfeld, und nicht alle Forschenden teilen diese Sichtweise. Gut belegt ist, dass Schwärme weit schneller reagieren, als es ein einzelner Vogel könnte, der den Greifvogel erst selbst sehen müsste.

Warum bilden Stare solche Schwärme?

Niemand hat je einen Star befragt, die Erklärungen stützen sich also auf Verhaltensbeobachtungen, Daten zu Greifvögeln und Modelle. Wahrscheinlich wirken mehrere Gründe zusammen.

Geht es um Schutz vor Greifvögeln?

Das ist die führende Erklärung. Wanderfalken, Sperber, Habichte und Rohrweihen jagen oft an Starenschlafplätzen, und ein Jäger muss ein einzelnes Ziel herausgreifen. Ein dichter, wogender Schwarm macht das sehr schwer. Biologen sprechen vom Verwirrungseffekt. Jeder Star profitiert außerdem vom Verdünnungseffekt: In einem Schwarm von 50.000 Vögeln ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Vogel bei einem Angriff erwischt wird, winzig. Vögel im Inneren des Schwarms sind sicherer als die am Rand, was erklärt, warum die Schwärme so dicht sind.

Eine Bürgerwissenschaftsstudie von 2017 in PLOS ONE, die auf Tausenden Meldungen von Starenschwärmen vor allem aus Großbritannien beruhte, fand, dass die Schwärme größer waren und länger dauerten, wenn Greifvögel anwesend waren. Die Autoren sahen darin eine Bestätigung der Greifvogel-Hypothese, wiesen aber auf die Grenzen von Beobachtungsdaten hin.

Sammeln sich die Stare so am Schlafplatz?

Wahrscheinlich, zumindest teilweise. Die Vögel kommen in kleinen Trupps aus vielen Richtungen, und ein großer, gut sichtbarer Wirbel am Himmel könnte als Leuchtfeuer wirken, das Nachzügler zum Schlafplatz lockt. Manche Forscher vermuten, dass das Schauspiel den Vögeln hilft einzuschätzen, wie viele andere anwesend sind, doch das ist schwerer zu prüfen.

Ist der Schlafplatz eine Informationsbörse?

Eine alte Idee, die sogenannte Informationszentrum-Hypothese, besagt, dass Vögel an gemeinsamen Schlafplätzen erfahren, wo es gute Futterplätze gibt, indem sie morgens erfolgreichen Artgenossen folgen. Die Belege dafür sind je nach Art gemischt. Die Idee könnte einen Teil des Nutzens gemeinsamer Schlafplätze erklären, auch wenn sie das Flugschauspiel selbst nicht erklärt.

Hilft der Schwarm beim Warmhalten?

Murmurationen gehören zur kalten Jahreszeit, und das gemeinsame Übernachten in großen Gruppen an geschützten Orten verringert vermutlich den Wärmeverlust in der Nacht. Das ist aber ein Vorteil des Schlafplatzes und nicht des Wirbelflugs davor. Das große Bild erklärt unser Ratgeber, wie Vögel im Winter warm bleiben.

Mythen und Fakten zum Starenschwarm

BehauptungWas die Forschung sagt
Ein Anführer lenkt den Schwarm.Falsch. Es gibt keinen Anführer. Das Muster entsteht aus lokalen Regeln, die jeder Vogel befolgt.
Stare beobachten jeden Vogel im Schwarm.Falsch. Studien in Rom fanden, dass jeder Vogel etwa sechs oder sieben Nachbarn verfolgt.
Starenschwärme gibt es das ganze Jahr.Überwiegend falsch. Große Schwärme gehören in die Zeit außerhalb der Brut, vor allem Herbst und Winter.
Die dunklen Wellen entstehen, weil die Vögel zusammenrücken.Teilweise richtig. Dichteänderungen spielen mit, doch vieles kommt vom Seitwärtskippen, das mehr Flügelfläche zeigt.
Die Stare fliegen nur zum Spaß.Unbekannt und als Hauptgrund unwahrscheinlich. Der Schutz vor Greifvögeln ist am besten belegt.
Nur Stare bilden solche Schwärme.Falsch. Watvögel und einige andere Arten zeigen ähnlich synchrone Flüge.

Wie klingt ein Starenschwarm?

Stellen Sie sich nahe an einen großen Schlafplatz, und Sie hören, woher der englische Name stammt. Der Schwarm erzeugt ein weiches, anschwellendes Rauschen der Flügel, wenn er über Sie hinwegzieht, lauter und leiser, je nachdem wie die Vögel drehen. Sobald sie gelandet sind, bricht im Schilf oder in den Bäumen ein lautes Geschwätz aus Pfiffen, Klicks und Quietschen los, das bis weit in die Dunkelheit anhalten kann. Stare sind begabte Imitatoren, und im Chor am Schlafplatz können Bruchstücke anderer Vogelrufe und sogar technische Geräusche wie Handyklingeln stecken.

Werden die Starenschwärme kleiner?

In Teilen Europas lautet die Antwort wahrscheinlich ja, auch wenn einzelne Schlafplätze aus lokalen Gründen wachsen und schrumpfen. Der Star hat in Großbritannien seit den 1970er-Jahren stark abgenommen und steht dort auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Brutvögel. Ähnliche Rückgänge wurden aus anderen Teilen Nordeuropas gemeldet, auch aus Deutschland, wo NABU und LBV den Star 2018 zum Vogel des Jahres wählten, um auf den Verlust seiner Lebensräume aufmerksam zu machen. Als mögliche Ursachen gelten Veränderungen in der Landwirtschaft, der Verlust von Dauergrünland und Weiden, auf denen Stare Bodentiere suchen, und eine geringere Überlebensrate der Jungvögel. Wie stark jeder Faktor wirkt, ist noch umstritten.

In Nordamerika sieht es anders aus. Dort ist der Star eine weit verbreitete eingeführte Art, und obwohl auch seine Zahlen seit dem Höhepunkt gesunken sind, bleibt er häufig. Mehr zum Rückgang vieler Vogelarten lesen Sie in unserem Beitrag darüber, warum die Vogelbestände schrumpfen.

Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?

Die meisten Gartenbesitzer begegnen Staren eher am Futterhaus als in einer wirbelnden Wolke. Sie kommen in Trupps, fressen schnell und können einen Meisenknödel an einem Nachmittag leeren, genau das gesellige Verhalten, das auch den Schwarmflug antreibt. Wenn Stare Ihre Futterstellen überrennen, finden Sie praktische Lösungen in unserem Ratgeber, wie Sie Stare vom Futterhaus fernhalten.

Einige Wege, den Garten mit dem großen Schauspiel zu verbinden:

  1. Den Feierabendverkehr beobachten. Achten Sie an Herbstnachmittagen auf kleine Startrupps, die um Sonnenuntergang zielstrebig in eine Richtung fliegen. Sie steuern oft einen Schlafplatz an, und wer ihrer Linie folgt, findet manchmal eine Murmuration.
  2. Beobachtungen melden. Wer Größe und Datum von Schlafplätzen auf ornitho.de oder eBird meldet, hilft der Forschung zu verfolgen, wo sich Schlafplätze bilden und wie sie sich verändern. Unser Ratgeber zur Nutzung von eBird erklärt, wie es geht.
  3. Auf Greifvögel achten. Jagt ein Sperber an Ihrem Futterhaus, sehen Sie eine kleine Version desselben Drucks, der Schwärme zusammenschweißt. Hier steht, was Sie gegen Greifvögel am Futterhaus tun können.
  4. Den Schwarm verstehen. Murmurationen sind die extreme Form einer weiter verbreiteten Gewohnheit. Die ganze Wissenschaft dahinter erklärt unser Beitrag, warum Vögel in Schwärmen fliegen.

So erleben Sie einen Starenschwarm richtig

Starenschwärme kosten nichts, doch ein wenig Planung macht den Unterschied zwischen einem großartigen Abend und kalten Füßen an einem leeren Schilfufer.

  1. Aktuelle Meldungen prüfen. Schlafplätze wandern. Suchen Sie nach Sichtungen der letzten Woche bei örtlichen NABU- oder LBV-Gruppen oder auf Meldeportalen.
  2. Früh da sein. Planen Sie 45 Minuten bis eine Stunde vor Sonnenuntergang ein.
  3. Einen guten Standort wählen. Stellen Sie sich so, dass Sie freien Himmel über dem Schlafplatz sehen, am besten mit dem Sonnenuntergang hinter den Vögeln für kräftige Silhouetten.
  4. Warm anziehen. Die Herbst- und Winterdämmerung ist kalt, und Sie stehen still. Unser Ratgeber zur richtigen Kleidung für die Vogelbeobachtung erklärt das Zwiebelprinzip.
  5. Leise sein und Abstand halten. Gehen Sie nicht an den Schlafplatz heran, und verzichten Sie auf Taschenlampen und Drohnen. Störungen können Vögel vertreiben, die eine sichere Nacht brauchen.
  6. Die Ränder beobachten. Suchen Sie nach einem Falken oder Sperber am Schwarm. Bei einem Angriff sehen Sie oft, wie sich der Schwarm teilt, zusammenzieht oder eine dunkle Welle durch seinen Körper schickt.
  7. Bis zum Einfall bleiben. Der letzte Abstieg in den Schlafplatz, manchmal ein plötzliches Herabströmen, ist oft der eindrucksvollste Moment.

Was unterscheidet einen Starenschwarm von einer Keilformation?

Beides ist koordinierter Flug, doch beide lösen verschiedene Probleme. Gänse und Kraniche, die in Keilformation ziehen, sparen vermutlich Energie, weil sie den Aufwind aus den Wirbelschleppen an den Flügelspitzen des Vordermanns nutzen. Stare in einer Murmuration sparen so keine Energie. Sie fliegen dicht gepackt in drei Dimensionen und wechseln ständig die Richtung, was der Flucht vor Greifvögeln dient, nicht dem sparsamen Langstreckenflug. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag, warum Vögel in V-Formation fliegen.

Kurz notiert

  • Eine Murmuration ist ein Flugschauspiel vor dem Schlafplatz, vor allem von Staren.
  • Der englische Name stammt vom murmelnden Rauschen der vielen Flügel.
  • Die Schwärme fliegen in der Abenddämmerung, vor allem von Spätsommer bis Winter.
  • Jeder Star verfolgt etwa sechs oder sieben nächste Nachbarn, nicht einen festen Abstand.
  • Richtungswechsel laufen fast ohne Verzögerung durch den ganzen Schwarm, eine Eigenschaft, die skalenfreie Korrelation heißt.
  • Am besten belegt ist der Schutz vor Greifvögeln durch Verwirrung und Verdünnung.
  • Watvögel wie Alpenstrandläufer und Knutt fliegen im Wattenmeer ähnlich.
  • Der Star hat in Großbritannien und Teilen Mitteleuropas deutlich abgenommen und war 2018 in Deutschland Vogel des Jahres.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Wann im Jahr sieht man Starenschwärme?

In Mitteleuropa sind große Starenschwärme vor allem ein Ereignis des Spätsommers, Herbstes und milden Winters. Sie bauen sich ab etwa September und Oktober auf und lösen sich im Frühjahr auf, wenn die Vögel zum Brüten auseinanderziehen. Der Zeitpunkt schwankt mit Ort und Wetter. In den Marschen des dänischen Wattenmeers ist die berühmte Sort Sol, die schwarze Sonne, im Frühjahr und Herbst zur Zugzeit am bekanntesten.

Um welche Uhrzeit beginnt eine Murmuration?

Murmurationen finden in der Abenddämmerung statt. Stare verbringen den Tag mit der Nahrungssuche auf Feldern und in Siedlungen und sammeln sich in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang über dem Schlafplatz. Das Flugschauspiel dauert meist einige Minuten bis etwa eine halbe Stunde, dann fällt der Schwarm in Schilf, Bäume oder Gebäude ein. Wer etwa 45 Minuten vor Sonnenuntergang da ist, liegt richtig.

Wie viele Vögel sind in einem Starenschwarm?

Das schwankt enorm. Kleine Schwärme bestehen aus einigen Hundert Staren, große Schlafplätze in Europa werden oft auf Zehn- oder Hunderttausende Vögel geschätzt, und von einzelnen historischen Schlafplätzen wurden Millionen gemeldet. Alle Zahlen sind grobe Schätzungen, denn bewegte Schwärme lassen sich kaum zählen. Nehmen Sie einzelne Rekordzahlen daher mit Vorsicht.

Gibt es Starenschwärme auch in Nordamerika?

Ja. Der Star wurde in den 1890er-Jahren in Nordamerika eingeführt und nutzt heute auf weiten Teilen des Kontinents gemeinsame Schlafplätze, besonders im Herbst und Winter. Die Schwärme sind dort weniger berühmt als die klassischen europäischen, und nordamerikanische Winterschlafplätze mischen Stare oft mit Rotschulterstärlingen und Grackeln.

Warum stoßen Stare im Schwarm nicht zusammen?

Jeder Star reagiert auf eine kleine Zahl naher Nachbarn, laut dreidimensionalen Studien an Schwärmen über Rom etwa sechs oder sieben. Er passt Tempo und Richtung an diese Nachbarn an und hält dabei einen Mindestabstand. Schnelle Reaktionen und ein ausgezeichnetes Bewegungssehen sorgen dafür, dass sich diese lokalen Anpassungen ohne Zusammenstöße durch den ganzen Schwarm fortsetzen, selbst bei großer Dichte.

Werden die Starenschwärme kleiner?

In Teilen Europas vermutlich ja. Der Star hat in Großbritannien und mehreren anderen Ländern seit den 1970er-Jahren stark abgenommen und steht in Großbritannien auf der Roten Liste. In Deutschland wählten NABU und LBV ihn 2018 zum Vogel des Jahres, auch wegen seines Rückgangs. Einzelne Schlafplätze wechseln zudem von Jahr zu Jahr, ein ruhigerer Ort hat seine Vögel also vielleicht nur an einen Nachbarplatz verloren.