Haben Vögel Ohren? So hören Vögel wirklich

Haben Vögel Ohren? Ja, gut versteckte Öffnungen hinter den Augen, bedeckt von besonderen Federn. So funktioniert das Vogelgehör und so jagen Eulen nach Gehör.

Nahaufnahme eines Singvogelkopfs von der Seite mit dem glatten Federfeld hinter dem Auge, unter dem die Ohröffnung liegt (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz beantwortet: Vogelohren auf einen Blick
  2. Wo sind die Ohren eines Vogels?
  3. Warum haben Vögel keine äußeren Ohren?
  4. Wie funktioniert das Ohr eines Vogels?
  5. Was können Vögel hören?
  6. Wie jagen Eulen nach Gehör?
  7. Nutzen manche Vögel Echoortung?
  8. Können Vögel ihr Gehör regenerieren?
  9. Warum ist das Gehör für Singvögel beim Gesanglernen so wichtig?
  10. Haben verschiedene Vögel verschiedene Ohren?
  11. Beeinflusst Lärm wildlebende Vögel?
  12. Mythen und Fakten über Vogelohren
  13. Was das Vogelgehör für Gartenbeobachter bedeutet
  14. Kurze Fakten über Vogelohren
  15. Quellen
  16. Häufige Fragen

Ja, Vögel haben Ohren, und die meisten hören am besten zwischen etwa 1 und 4 kHz. Ihnen fehlt nur die fleischige Ohrmuschel, die Säugetiere haben. Jedes Ohr ist eine Öffnung an der Kopfseite, etwas hinter und unter dem Auge, verborgen unter einem Feld spezieller Federn, den Ohrdecken. Im Inneren hat ein Vogelohr dieselben Grundbausteine wie unseres: einen Gehörgang, ein Trommelfell, ein Mittelohr und ein Innenohr, das Schall in Nervensignale umwandelt.

Vögel hören in dem Bereich gut, auf den es für sie ankommt, vor allem in den Frequenzen ihrer eigenen Gesänge und Rufe. Manche, etwa Eulen, orten eine Maus in völliger Dunkelheit allein nach Gehör. Und sie haben eine Fähigkeit, um die viele Menschen sie beneiden würden: Sie können beschädigte Hörzellen nachwachsen lassen.

Kurz beantwortet: Vogelohren auf einen Blick

MerkmalVögelMenschen
Äußere OhrmuschelKeine; Öffnung unter Federn verborgenFleischige Ohrmuschel
Gehörknöchelchen im MittelohrEines (die Columella)Drei (Hammer, Amboss, Steigbügel)
Hörorgan im InnenohrKurze, leicht gebogene Papilla basilarisLange, aufgerollte Hörschnecke
Typischer HörbereichGrob einige hundert Hz bis etwa 8 bis 10 kHzGrob 20 Hz bis 20 kHz
Beste EmpfindlichkeitBei den meisten Arten etwa 1 bis 4 kHzEtwa 2 bis 5 kHz
Haarzellen nach Schäden neu bildenJaNein

Wo sind die Ohren eines Vogels?

Schauen Sie sich die Seite eines Vogelkopfs an, direkt hinter dem Auge und etwas tiefer: Dort liegt das Ohr, auch wenn Sie es nicht sehen. Die Öffnung ist von den Ohrdecken bedeckt, einem Federfeld, das sich in Struktur oder Farbe oft leicht vom übrigen Gesicht unterscheidet. Bei vielen Arten ist genau dieses Feld ein Bestimmungsmerkmal. Die weiße Wange der Kohlmeise, der schwarze Wangenfleck des Feldsperlings und die kräftig gezeichnete Wange des Stieglitzes liegen alle über dem Ohr.

Manchmal sieht man die Öffnung selbst:

  • Bei Nestlingen, bevor die Federn gewachsen sind, sind die Ohrlöcher gut zu erkennen.
  • Bei nassen Vögeln, nach einem ausgiebigen Bad in der Vogeltränke, teilen sich die Federn und die Öffnung kann sichtbar werden.
  • Bei Vögeln mit nacktem Kopf wie Geiern und manchen Störchen ist das Ohrloch offen zu sehen.

Warum haben Vögel keine äußeren Ohren?

Eine fleischige Ohrmuschel würde im Flug zusätzlichen Luftwiderstand erzeugen, den Wind einfangen und eigene Muskeln und Blutversorgung brauchen. Vögel haben die Aufgaben, die eine Ohrmuschel erfüllt, auf andere Weise gelöst.

Der Schlüssel sind die Ohrdecken. Anders als die meisten Körperfedern haben sie lockere, offene Äste ohne die winzigen Häkchen, die normale Federn zu einer geschlossenen Fahne verbinden. Durch diese offene Struktur kann Schall hindurch, während Windgeräusche gedämpft und Staub, Wasser und Insekten ferngehalten werden. Das ähnelt ein wenig dem Schaumstoffschutz auf einem Mikrofon.

Manche Vögel formen den Schall schon auf dem Weg ins Ohr. Eulen sind das deutlichste Beispiel: Der schüsselförmige Gesichtsschleier sammelt Schall und lenkt ihn zu den Ohren, er wirkt also wie eine äußere Ohrmuschel aus Federn. Mehr dazu weiter unten.

Wie funktioniert das Ohr eines Vogels?

Der Weg des Schalls durch ein Vogelohr ähnelt im Großen und Ganzen unserem, nur etwas vereinfacht.

  1. Der Schall gelangt in den Gehörgang, und zwar durch die Öffnung unter den Ohrdecken.
  2. Das Trommelfell schwingt. Es sitzt am Ende eines kurzen Gehörgangs.
  3. Ein einziger Knochen überträgt die Schwingung. Statt unserer Kette aus drei winzigen Knöchelchen haben Vögel einen stabförmigen Knochen, die Columella. Sie entspricht unserem Steigbügel und leitet die Schwingungen vom Trommelfell ins Innenohr.
  4. Das Innenohr wandelt die Schwingung in Nervensignale um. Das Hörorgan ist die Papilla basilaris, eine kurze, leicht gebogene Röhre statt der langen, schneckenförmigen Hörschnecke der Säugetiere. Sie ist mit Sinneshaarzellen ausgekleidet, die entlang ihrer Länge auf unterschiedliche Frequenzen abgestimmt sind.
  5. Das Gehirn entschlüsselt das Signal. Vögel nutzen beachtliche Hirnbereiche für die Verarbeitung von Schall, besonders Singvögel und Eulen.

Bei vielen Vögeln verbinden Lufträume im Schädel die beiden Mittelohren. Forschende vermuten, dass dadurch jedes Trommelfell auf den Schalldruck von beiden Kopfseiten reagiert, was kleinköpfigen Vögeln helfen könnte, die Richtung eines Geräuschs abzuschätzen. Wie wichtig das ist, unterscheidet sich zwischen den Arten und wird noch untersucht.

Im Innenohr liegen außerdem die Gleichgewichtsorgane, die Bogengänge und verwandte Strukturen, genau wie bei Säugetieren. Für ein fliegendes Tier sind sie entscheidend, ebenso dafür, den Kopf ruhig zu halten. Das sieht man, wenn ein Vogel den Kopf still hält, während sich sein Körper bewegt. Unser Artikel darüber, warum Tauben beim Gehen mit dem Kopf nicken, zeigt eine sichtbare Folge davon.

Was können Vögel hören?

Frequenzbereich

Die meisten Vögel hören ein schmaleres Frequenzband als Menschen. Bei den bisher untersuchten Arten reicht das Gehör typischerweise von einigen hundert Hertz bis irgendwo um 8 bis 10 kHz, mit der besten Empfindlichkeit etwa zwischen 1 und 4 kHz. Genau dort liegen die meisten Vogelgesänge und Rufe, und das ist kein Zufall: Gehör und Lautäußerungen haben sich gemeinsam entwickelt.

Menschen hören dagegen in jungen Jahren etwa 20 Hz bis 20 kHz und verlieren mit dem Alter die hohen Töne. Deshalb hören viele ältere Vogelbeobachter sehr hohe Gesänge nicht mehr, etwa den feinen, zirpenden Gesang des Wintergoldhähnchens, die Rufe des Seidenschwanzes oder die hohen Strophen des Gartenbaumläufers, die die Vögel selbst ohne Mühe hören. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, kann unsere Anleitung zum Vogelstimmen lernen helfen, die Lücke zu schließen.

Empfindlichkeit

In ihrem besten Bereich hören viele Vögel etwa so gut wie Menschen, Eulen sogar viel besser. Die Schleiereule gehört zu den empfindlichsten Hörern, die je bei Vögeln gemessen wurden, und nimmt in ihrem besten Frequenzbereich sehr leise Geräusche wahr.

Zeitliche Auflösung

Beim Timing könnten uns Vögel überlegen sein. Einige Laborstudien deuten darauf hin, dass Vögel schnelle Veränderungen in der Feinstruktur von Tönen verfolgen können, die Menschen als einen einzigen verschwommenen Ton hören. Das könnte erklären, wie Vögel in Gesängen Details heraushören, die für uns einfach klingen. Die Forschung dazu läuft noch, und die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Art und Methode. Man sollte es daher als wahrscheinlichen Vorteil beschreiben, nicht als gesicherte Tatsache.

Sehr tiefe Töne

Tauben sind die bekannteste behauptete Ausnahme vom normalen Hörbereich. Laborversuche in den 1970er-Jahren berichteten, dass Felsentauben, die Stammform unserer Haus- und Brieftauben, Infraschall wahrnehmen können, also sehr tiefe Töne weit unterhalb des menschlichen Hörbereichs. Manche Forschende vermuten, dass das bei der Orientierung eine Rolle spielen könnte, doch diese Idee bleibt spekulativ. Einen Überblick gibt unser Artikel darüber, woher Zugvögel wissen, wohin sie fliegen.

Ultraschall

Es gibt keine guten Belege dafür, dass Vögel Ultraschall hören, also Schall über etwa 20 kHz. Das hat eine praktische Folge: Ultraschall-Vogelabwehrgeräte gelten weithin als wirkungslos, weil die Vögel sie sehr wahrscheinlich gar nicht hören.

Wie jagen Eulen nach Gehör?

Eulen sind die Meister des Vogelgehörs, und mehrere Merkmale wirken dabei zusammen.

Der Gesichtsschleier

Das runde Gesicht einer Eule ist ein Schallsammler. Reihen steifer, dichter Federn bilden eine Schüssel, die den Schall zu den Ohröffnungen lenkt, die hinter den Rändern des Schleiers liegen. Eulen können die Form des Schleiers mit Gesichtsmuskeln leicht verändern.

Asymmetrische Ohren

Bei manchen Eulen, darunter Schleiereule, Raufußkauz, Waldohreule und Bartkauz, sitzen die linke und rechte Ohröffnung unterschiedlich hoch am Kopf. Bei der Schleiereule zeigt ein Ohr leicht nach oben und das andere leicht nach unten. Schall von oben kommt im nach oben gerichteten Ohr etwas lauter an, Schall von unten im anderen.

Das Gehirn der Eule vergleicht sowohl die Ankunftszeit als auch die Lautstärke zwischen beiden Ohren. Zeitunterschiede verraten, wie weit links oder rechts ein Geräusch liegt. Lautstärkeunterschiede, die durch die Asymmetrie entstehen, verraten, wie weit oben oder unten. Zusammen ergibt das eine genaue Ortung in zwei Richtungen.

Jagd im Dunkeln

Klassische Laborversuche mit Schleiereulen zeigten, dass sie Mäuse in völliger Dunkelheit allein mit dem Gehör fangen können. Sie schlagen mit gespreizten Fängen zu, ausgerichtet nach der Laufrichtung der Beute. In freier Natur ist der Bartkauz dafür bekannt, sich kopfüber in tiefen Schnee zu stürzen, um Wühlmäuse zu fangen, die er nicht sieht und nur am Rascheln darunter ortet. Auch der Waldkauz, die häufigste Eule in vielen deutschen Parks und Wäldern, jagt nachts stark nach Gehör.

Eulen müssen auch im Flug hören, und das ist ein Grund, warum ihr Flug so leise ist. Wie ihre Federn das schaffen, erklärt unser Artikel darüber, warum Eulen lautlos fliegen. Wie sie ihr schallsammelndes Gesicht ausrichten, lesen Sie in wie Eulen ihren Kopf so weit drehen.

Sind Federohren echte Ohren?

Nein. Die „Hörner“ von Uhu, Waldohreule und Zwergohreule sind einfach Federbüschel. Mit dem Hören haben sie nichts zu tun, sie helfen wahrscheinlich bei Tarnung und Signalen. Der deutsche Name „Ohreule“ führt hier also ein wenig in die Irre.

Nutzen manche Vögel Echoortung?

Einige wenige tun es, allerdings viel gröber als Fledermäuse. Der Fettschwalm aus dem nördlichen Südamerika, der in dunklen Höhlen brütet, erzeugt hörbare Klicklaute und nutzt die Echos, um sich im Dunkeln zurechtzufinden. Mehrere Salanganenarten in Südostasien und Australasien tun dasselbe. Weil ihre Klicks im menschlichen Hörbereich liegen, ist ihre Echoortung gröber als das Ultraschallsystem einer Fledermaus. Man nimmt an, dass sie damit durch Höhlen navigieren, aber keine Insekten fangen.

Können Vögel ihr Gehör regenerieren?

Ja, und diese Entdeckung hat die Hörforschung verändert.

Ende der 1980er-Jahre zeigten unabhängige Forschungsgruppen: Wenn die Sinneshaarzellen im Innenohr eines Vogels durch lauten Lärm oder bestimmte Medikamente absterben, teilen sich benachbarte Stützzellen und bilden neue Haarzellen, und das Gehör erholt sich. Bei Säugetieren einschließlich des Menschen wachsen verlorene Haarzellen der Hörschnecke nicht nach. Das ist der Hauptgrund, warum lärmbedingte und altersbedingte Schwerhörigkeit dauerhaft sind.

Deshalb sind Vögel, besonders Hühner und einige Singvögel, wichtige Modelle bei der Suche nach Behandlungen gegen menschliche Taubheit. Forschende untersuchen, welche Gene und Signale bei Vögeln die Regeneration anschalten, in der Hoffnung, beim Menschen eines Tages etwas Ähnliches auszulösen.

Warum ist das Gehör für Singvögel beim Gesanglernen so wichtig?

Für Singvögel geht es beim Hören nicht nur darum, Feinde oder Beute zu bemerken. Über das Gehör lernen sie überhaupt erst zu singen.

Singvögel, die große Gruppe der Sperlingsvögel mit Sperlingen, Finken, Drosseln und Grasmücken, lernen ihren Gesang auf eine Weise, die daran erinnert, wie Babys sprechen lernen. Ein junges Männchen hört erwachsenen Vorbildern zu, meist in einer sensiblen Phase früh im Leben, und speichert eine Erinnerung daran, wie der Gesang klingen soll. Später beginnt es zu üben und produziert einen ungeordneten „Jugendgesang“, der sich allmählich verbessert, während es seine eigenen Töne mit dieser gespeicherten Vorlage vergleicht.

Beide Schritte hängen vom Hören ab. Klassische Versuche aus den 1960er-Jahren zeigten, dass junge Singvögel, die vor dem Üben taub wurden, stark abweichende Gesänge entwickelten, selbst wenn sie zuvor erwachsene Artgenossen gehört hatten. Sie mussten sich selbst hören, um die Vorlage zu treffen. Vögel, die isoliert aufwuchsen, sich selbst hören konnten, aber nie ein Vorbild hörten, entwickelten einfachere Gesänge, die trotzdem einige arttypische Merkmale trugen.

Deshalb sind Singvögel eines der wichtigsten Tiermodelle für die Erforschung des Lautlernens, und deshalb gibt es regionale Gesangsdialekte, wie sie etwa von der Goldammer und vom Buchfink bekannt sind. Unser Beitrag darüber, wie Vögel ihren Gesang lernen, geht tiefer, auch darauf, wie lokale Dialekte entstehen.

Nicht alle Vögel lernen ihre Lautäußerungen. Bei Gruppen wie Tauben, Hühnervögeln und den meisten Tyrannen entwickeln sich Rufe und Gesänge weitgehend ohne Nachahmung. Papageien und Kolibris sind dagegen wie Singvögel Lautlerner, und deshalb können Papageien Sprache nachahmen.

Haben verschiedene Vögel verschiedene Ohren?

Der Grundbauplan ist gleich, die Details hängen aber von der Lebensweise ab.

  • Nachtaktive Jäger wie Eulen haben große Ohröffnungen und bei manchen Arten eine bewegliche Hautfalte vor der Öffnung. Ihr Innenohr hat ein ungewöhnlich langes, dicht mit Haarzellen besetztes Hörorgan, das vermutlich eine feine Frequenzanalyse erleichtert.
  • Singvögel haben ein Gehör, das eng auf die Frequenzen der Gesänge und Rufe ihrer eigenen Art abgestimmt ist.
  • Vögel mit tiefer Stimme wie manche Tauben, Raufußhühner und die Rohrdommel erzeugen tieffrequente Laute und achten vermutlich stärker darauf. Tiefe Töne tragen gut durch dichte Vegetation, das Dröhnen der Rohrdommel ist im Schilf weit zu hören.
  • Tauchende Vögel müssen mit Druckänderungen und Wasser zurechtkommen. Wie sie ihre Ohren unter Wasser schützen, ist weniger gut erforscht, und die Details unterscheiden sich.

Diese Unterschiede erinnern daran, dass es „das Vogelgehör“ nicht gibt. Eine Schleiereule und ein Haussperling haben dieselben Bauteile, lauschen aber sehr verschiedenen Welten.

Beeinflusst Lärm wildlebende Vögel?

Vögel leben in einer Welt aus Klängen, deshalb spielt menschlicher Lärm eine Rolle.

  • Gesänge rutschen an lauten Orten nach oben. Eine Studie an Kohlmeisen in europäischen Städten, darunter Leiden in den Niederlanden, fand, dass Vögel in lauten Gegenden mit höheren Mindestfrequenzen sangen, oberhalb des tiefen Verkehrsrauschens. Ähnliche Muster wurden bei anderen Arten auf mehreren Kontinenten beschrieben.
  • Lärm kann Warnrufe und Gesänge überdecken. Vögel überhören dann womöglich Warnungen anderer Vögel oder finden schwerer einen Partner.
  • Manche Vögel meiden laute Gebiete. Studien an Straßen und an Industrieanlagen mit Dauerlärm fanden dort weniger oder andere Arten.
  • Der Zeitplan kann sich verschieben. Manche Stadtvögel singen früher oder nachts, möglicherweise um dem Tageslärm auszuweichen. Das Rotkehlchen, das unter Straßenlaternen auch nachts singt, ist in deutschen Städten ein vertrautes Beispiel. Mehr dazu in unserem Artikel darüber, warum Vögel nachts zwitschern.

Mythen und Fakten über Vogelohren

BehauptungWirklichkeit
„Vögel haben keine Ohren.“Falsch. Sie haben Ohren, nur ohne äußere Ohrmuschel.
„Die Federohren der Eulen sind Ohren.“Falsch. Es sind nur Federn.
„Vögel hören einen breiteren Bereich als Menschen.“Meist falsch. Die meisten Vögel hören einen schmaleren Bereich, abgestimmt auf die Frequenzen ihrer eigenen Rufe.
„Ultraschallgeräte vertreiben Vögel.“Unwahrscheinlich. Von Vögeln ist nicht bekannt, dass sie Ultraschall hören.
„Drosseln finden Regenwürmer durch Hören.“Teilweise. Versuche an der nordamerikanischen Wanderdrossel deuten darauf hin, dass sie Geräusche nutzen kann, sie verlässt sich aber auch stark auf die Augen. Für unsere Amsel ist das weniger untersucht.
„Hörverlust ist bei allen Tieren dauerhaft.“Für Vögel falsch. Sie können Haarzellen im Innenohr neu bilden.

Was das Vogelgehör für Gartenbeobachter bedeutet

  • Vögel hören Sie. Lautes Reden und knallende Türen verscheuchen Vögel vom Futterhaus. Ruhige, langsame Bewegungen in Fensternähe halten sie in der Nähe.
  • Pishing und Klangattrappen wirken, weil Vögel genau hinhören. Setzen Sie beides sparsam ein. Unser Beitrag zum Pishing erklärt die ethischen Fragen, und in Schutzgebieten und zur Brutzeit gilt besondere Zurückhaltung.
  • Ultraschall-Abwehrgeräte helfen kaum gegen Stare, Tauben oder Spechte. Mechanische Lösungen und eine angepasste Gestaltung des Gartens wirken besser.
  • Hohe Gesänge verschwinden bei Ihnen vielleicht zuerst. Eine App zur Stimmerkennung wie Merlin kann bestätigen, was Sie selbst nicht mehr hören.

Kurze Fakten über Vogelohren

  • Vögel haben Ohren seitlich am Kopf, hinter und unter den Augen.
  • Die Öffnungen sind von Ohrdecken bedeckt, Federn mit offenen Ästen.
  • Vögel haben im Mittelohr einen Gehörknochen, die Columella, statt drei.
  • Die meisten Vögel hören am besten zwischen etwa 1 und 4 kHz.
  • Nur wenige Vögel hören deutlich über etwa 10 kHz, und von keinem ist bekannt, dass er Ultraschall hört.
  • Manche Eulen haben unterschiedlich hoch sitzende Ohröffnungen, um Geräusche räumlich genau zu orten.
  • Die Federohren von Uhu und Waldohreule sind Federn, keine Ohren.
  • Fettschwalme und einige Salanganen nutzen eine einfache Echoortung.
  • Vögel können beschädigte Haarzellen im Innenohr neu bilden, Säugetiere nicht.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Haben Vögel Ohren?

Ja. Vögel haben auf beiden Seiten des Kopfes Ohren, etwas hinter und meist leicht unter den Augen. Eine fleischige Ohrmuschel wie Säugetiere haben sie nicht, deshalb liegen die Öffnungen unter einem Feld besonderer Federn, den Ohrdecken. Im Inneren gibt es ein Trommelfell, einen einzigen Gehörknochen im Mittelohr und ein Innenohr, das Schall in Nervensignale umwandelt.

Wo sitzen die Ohren eines Vogels?

Die Ohren liegen seitlich am Kopf, ein wenig hinter und meist etwas unter den Augen. Man sieht sie selten, weil sie unter den Ohrdecken verborgen sind, einem Feld locker gebauter Federn. Bei nassen Vögeln, bei noch nackten Nestlingen und bei Vögeln mit unbefiedertem Kopf wie Geiern ist die runde Ohröffnung dagegen oft deutlich zu sehen.

Hören Vögel besser als Menschen?

In den meisten Punkten nicht. Die meisten Vögel hören einen schmaleren Frequenzbereich als Menschen, am empfindlichsten etwa zwischen 1 und 4 kHz, und nur wenige hören deutlich über 10 kHz. Manche Vögel, vor allem Eulen, sind in ihrem besten Bereich empfindlicher als wir, und Vögel können sehr schnelle Veränderungen im Schall womöglich besser verfolgen.

Sind die Federohren von Uhu und Waldohreule echte Ohren?

Nein. Die Federbüschel von Uhu und Waldohreule sind reine Federn und haben mit dem Hören nichts zu tun. Sie dienen wahrscheinlich der Tarnung und der Kommunikation. Die echten Ohren einer Eule sind Öffnungen seitlich am Kopf, verborgen hinter dem Rand des Gesichtsschleiers, und bei manchen Arten sitzen sie unterschiedlich hoch.

Können Vögel Ultraschall hören?

Es gibt keine guten Belege, dass Vögel Ultraschall hören, also Frequenzen über etwa 20 kHz. Die meisten Arten hören schon irgendwo unterhalb von etwa 10 bis 12 kHz nicht mehr gut. Deshalb gelten Ultraschallgeräte, die Vögel vertreiben sollen, weithin als wirkungslos: Die Vögel können sie sehr wahrscheinlich gar nicht hören.

Können Vögel geschädigtes Gehör regenerieren?

Ja, und das ist eine der wichtigsten Entdeckungen der Hörforschung. Ende der 1980er-Jahre zeigten Forschende, dass Vögel die Sinneshaarzellen im Innenohr neu bilden können, nachdem Lärm oder Medikamente sie zerstört haben, und dass ihr Gehör sich erholt. Säugetiere einschließlich des Menschen können das nicht, deshalb sind Vögel wichtig für die Forschung zu Schwerhörigkeit.