Warum bekommen Vögel auf Stromleitungen keinen Stromschlag?
Warum bekommen Vögel auf Stromleitungen keinen Stromschlag? Auf nur einem Draht fließt kein Strom durch den Körper. Wer zwei Leiter berührt, ist in Gefahr.

In diesem Artikel
- Schnelle Fakten: Vögel und Stromleitungen
- Wie fließt Strom eigentlich?
- Wann bekommen Vögel einen tödlichen Stromschlag?
- Welche Vögel sind am stärksten gefährdet?
- Wie viele Vögel sterben an Stromleitungen?
- Wie machen Netzbetreiber Stromleitungen vogelsicherer?
- Warum bauen Vögel Nester auf Strommasten?
- Was tun, wenn Sie einen verletzten Vogel unter einer Leitung finden?
- Wie groß ist die Gefahr im Vergleich zu anderen Risiken?
- Warum verursachen Tiere Stromausfälle?
- Mythen und Fakten zu Vögeln auf Stromleitungen
- Warum ist es für Menschen gefährlich?
- Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
- Sitzen Vögel gern auf Stromleitungen?
- Häufige Irrtümer
- Fazit
- Quellen
- Häufige Fragen
Vögel bekommen auf Stromleitungen keinen Stromschlag, weil ein Vogel auf einem einzelnen Draht mit beiden Füßen auf derselben Spannung sitzt. Über seinem Körper liegt also keine Spannungsdifferenz, die Strom hindurchtreiben könnte. Vögel sterben jedoch sehr wohl durch Stromschlag, wenn ihr Körper zwei Leiter gleichzeitig berührt oder einen Leiter und ein geerdetes Teil des Masts. Diese Gefahr trifft vor allem große Vögel wie den Weißstorch mit etwa 2 Metern Spannweite, aber auch Uhu, Adler, Bussarde und Milane.
Hier lesen Sie die Physik in einfachen Worten, warum die Größe entscheidet und was Netzbetreiber tun, um Vögel zu schützen.
Schnelle Fakten: Vögel und Stromleitungen
- Ein Draht ist sicher. Ein kleiner Vogel auf einem einzelnen Leiter ist nicht Teil eines Stromkreises.
- Zwei Kontakte sind tödlich. Wer zwei spannungsführende Leiter berührt, oder einen Leiter und ein geerdetes Teil, durch dessen Körper fließt Strom.
- Die Spannweite zählt. Große Vögel wie Störche und Adler überbrücken Abstände, die kleine Singvögel nicht erreichen.
- Masten sind die Gefahrenstellen. Die meisten Stromopfer sterben an Masten, wo Leiter, Isolatoren und geerdete Bauteile nahe beieinanderliegen.
- Anflug ist ein eigenes Problem. Vögel sterben auch, weil sie gegen Leitungen fliegen. Das ist ein anderes Risiko als der Stromschlag.
- Es gibt Lösungen. Abstände, Abdeckungen und Sitzstangen machen Masten für Vögel deutlich sicherer.
Wie fließt Strom eigentlich?
Strom fließt, wenn zwischen zwei Punkten ein Unterschied im elektrischen Potenzial, also eine Spannung, besteht und ein leitender Weg sie verbindet. Stellen Sie sich Spannung wie Druck in einer Wasserleitung vor. Wasser fließt von hohem zu niedrigem Druck. Haben beide Enden eines Schlauchs denselben Druck, fließt nichts.
Eine Stromleitung führt Wechselstrom mit hoher Spannung gegenüber der Erde. Der Draht selbst steht unter Spannung, aber auf einem kurzen Stück hat jeder Punkt nahezu dieselbe Spannung.
Was passiert, wenn ein Vogel auf einem Draht landet?
Setzt sich ein Vogel auf einen Draht, berühren beide Füße dasselbe Seil, nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Die Spannung am linken und am rechten Fuß ist praktisch gleich. Ohne nennenswerten Spannungsunterschied gibt es keinen Antrieb, der Strom durch den Körper schiebt.
Selbst wenn es einen kleinen Unterschied gäbe: Strom nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Das Leiterseil aus Aluminium oder Kupfer hat einen weit geringeren Widerstand als ein Vogelkörper, also fließt der Strom weiter durch das Seil. Elektrisch gesehen ist der Vogel ein Nebenweg, den der Strom kaum nutzt.
Deshalb sitzen Dutzende Stare, Schwalben oder Tauben ungestört nebeneinander auf einer Leitung, und deshalb kann ein Eichhörnchen über ein einzelnes Seil laufen.
Gibt es überhaupt eine Ladung?
Landet ein Vogel auf einer Hochspannungsleitung, nimmt sein Körper kurz die Spannung des Seils an. Manche Ingenieure beschreiben dabei einen winzigen, kurzen Umladestrom. Bei einem kleinen Vogel ist dieser Effekt minimal, und Vögel zeigen keine Anzeichen, dass er sie stört. Starke Belege, dass Vögel dabei etwas Nennenswertes spüren, gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht. Behauptungen in beide Richtungen sind daher mit Vorsicht zu genießen.
Wann bekommen Vögel einen tödlichen Stromschlag?
Ein Vogel stirbt durch Strom, wenn sein Körper einen Stromkreis zwischen zwei Punkten mit unterschiedlicher Spannung schließt. An Freileitungen geschieht das auf zwei Hauptwegen.

Leiter zu Leiter: zwei Drähte berühren
Mittelspannungsleitungen haben meist drei spannungsführende Leiter, die Phasen, und jeder hat in jedem Moment eine andere Spannung. Ein Vogel, der zwei Phasen gleichzeitig berührt, etwa mit einer Flügelspitze die eine und mit dem Fuß die andere, wird zur Brücke. Strom fließt durch seinen Körper, und das endet meist tödlich.
Leiter zu Erde: einen Draht und ein geerdetes Teil berühren
Masten tragen oft Metalltraversen, Erdseile, Transformatoren und andere Bauteile, die mit der Erde verbunden sind. Sitzt ein Vogel auf einer geerdeten Traverse und berührt mit Flügel, Kopf oder Schwanz einen spannungsführenden Leiter, fließt der Strom durch ihn in die Erde.
Nasses Gefieder verschärft das, weil Wasser die Leitfähigkeit verbessert. Manche Unfälle passieren, wenn ein großer Vogel bei Regen landet oder abfliegt und dabei die Flügel ausbreitet.
Welche Vögel sind am stärksten gefährdet?
Die Größe ist der wichtigste Faktor. Kleine Singvögel überbrücken selten den Abstand zwischen Leitern oder zwischen einem Leiter und einem geerdeten Teil. Große Vögel schon.
| Vogelgruppe | Warum gefährdet |
|---|---|
| Weißstorch | Große Spannweite; landet gern auf Masten und brütet traditionell auf hohen Bauwerken |
| Uhu und andere Eulen | Jagen nachts von Masten aus; der Uhu gehört in Mitteleuropa zu den bekannten Stromopfern |
| Adler | Sehr große Spannweite; sitzen im offenen Gelände gern auf Masten |
| Bussarde, Milane und Falken | Nutzen Masten als Ansitzwarte in der offenen Feldflur |
| Geier | Groß, sammeln sich in Gruppen, ruhen auf Bauwerken |
| Rabenvögel | Bauen Nester auf Masten und sitzen oft in Gruppen |
| Papageien und Sittiche | Mönchssittiche bauen in manchen Städten massige Reisignester auf Strommasten |
Ein Weißstorch erreicht eine Spannweite von etwa 2 Metern, ein Seeadler oder Steinadler ebenfalls um die 2 Meter oder mehr. Das reicht bei vielen älteren Mastbauformen leicht, um zwei Leiter oder einen Leiter und ein Metallteil zu berühren.
Warum nutzen Greifvögel Strommasten?
In offener Feldflur, auf Wiesen und in Agrarlandschaften fehlen oft Bäume. Masten bieten hohe Sitzwarten mit weitem Blick auf Beute und manchmal auch Brutplätze. Damit ziehen sie genau die Vögel an, die am stärksten durch Stromschlag gefährdet sind. Das ist ein Grund, warum der Stromtod für Weißstorch, Uhu und Greifvögel in Mitteleuropa gut dokumentiert ist, ebenso für den Spanischen Kaiseradler und den Habichtsadler in Südeuropa und für Adler und Bussarde im Westen der USA.
Wie viele Vögel sterben an Stromleitungen?
Die Schätzungen sind unsicher, die Zahlen aber groß. Eine Studie von Scott Loss, Tom Will und Peter Marra aus dem Jahr 2014 in der Fachzeitschrift PLOS ONE schätzte, dass in den USA jährlich zwischen etwa 12 und 64 Millionen Vögel durch Kollisionen mit Stromleitungen sterben und zwischen etwa 0,9 und 11,6 Millionen durch Stromschlag. Die großen Spannen zeigen, wie schwer es ist, Vogelverluste in einem riesigen Netz zu zählen. Für Deutschland und Europa gibt es ebenfalls Schätzungen, die je nach Methode stark auseinandergehen. Klar ist: Für bestimmte Arten ist das Problem erheblich.
Zur Einordnung: Kollisionen mit Glasscheiben und Hauskatzen töten nach Schätzungen jedes Jahr weit mehr Vögel. Für bestimmte Arten, besonders große Greifvögel, Eulen und Störche, kann der Stromtod aber eine wichtige Todesursache sein.

Anflug oder Stromschlag
Das sind zwei verschiedene Probleme:
- Stromschlag passiert vor allem an Masten, trifft hauptsächlich große Vögel und tritt auf, wenn ein Vogel Leiter oder Leiter und Erde überbrückt.
- Anflug passiert auf den Spannfeldern zwischen den Masten, wenn Vögel gegen Seile fliegen, die sie zu spät sehen. Schwere, wenig wendige Vögel wie Kraniche, Schwäne, Trappen und manche Wasservögel sind oft stärker gefährdet. Netzbetreiber bringen deshalb auffällige Vogelschutzmarker an, damit die Leitungen besser sichtbar sind.
Wie machen Netzbetreiber Stromleitungen vogelsicherer?
Das Risiko hängt stark von der Bauweise der Masten ab und lässt sich deutlich senken. In Deutschland schreibt das Bundesnaturschutzgesetz vor, dass neue Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen so gebaut werden, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind, und dass besonders gefährliche bestehende Masten nachgerüstet werden. Naturschutzverbände wie NABU und LBV haben jahrzehntelang auf diese Regeln hingewirkt und weisen immer wieder auf Masten hin, die noch nicht entschärft sind. In den USA gibt das Avian Power Line Interaction Committee (APLIC) verbreitete Leitlinien heraus. Ähnliche Programme gibt es in Spanien, Südafrika und anderswo.
Übliche Maßnahmen sind:
- Ausreichende Abstände. Masten so gestalten, dass Leiter untereinander und Leiter und geerdete Teile so weit auseinanderliegen, dass ein großer Vogel nicht beides berühren kann. Die Abstände orientieren sich an den Spannweiten großer Vögel.
- Isolierende Abdeckungen. Hauben und Schläuche aus Kunststoff über Leitern, Verbindungsleitungen, Isolatoren und anderen blanken Teilen.
- Sitzwarten lenken. Abweiser auf gefährlichen Traversen und sichere Sitzstangen, die höher als die spannungsführenden Teile angebracht sind.
- Nisthilfen. Nestplattformen, die Weißstörchen und anderen Vögeln einen sicheren Brutplatz abseits spannungsführender Teile bieten.
- Vogelschutzmarker. Spiralen oder bewegliche Markierungen an den Seilen, die Vögeln helfen, Leitungen zu sehen und Kollisionen zu vermeiden.
In der EU sind alle wildlebenden Vogelarten nach der Vogelschutzrichtlinie geschützt, und nationales Naturschutzrecht in Deutschland, Österreich und der Schweiz ergänzt das. Das gibt Netzbetreibern starke Anreize, Schutzkonzepte umzusetzen und Problemmasten zu entschärfen.
Und die Bahn-Oberleitung?
Auch an Oberleitungen der Eisenbahn kommt es zu Stromunfällen bei Vögeln, besonders an Masten und Auslegern, wo spannungsführende und geerdete Teile eng beieinanderliegen. Die Physik ist dieselbe: Wer nur den Fahrdraht berührt, bleibt unversehrt, wer eine Brücke zum geerdeten Mast bildet, nicht. Für Menschen gilt an Bahnanlagen ausnahmslos: Abstand halten, niemals auf Waggons klettern.
Warum bauen Vögel Nester auf Strommasten?
Masten und Freileitungstürme sind hoch, stabil und im offenen Land oft die einzigen hohen Bauwerke. Das macht sie als Brutplatz attraktiv. Das bekannteste Beispiel in Mitteleuropa ist der Weißstorch, der seit Jahrhunderten auf Dächern, Kirchtürmen und Schornsteinen und heute auch auf Masten brütet. In Spanien und Portugal sieht man Storchennester auf Strommasten häufig. In Nordamerika ist es vor allem der Fischadler, der gern auf Masten in Gewässernähe baut. Auch Kolkraben, manche Greifvögel und in einigen Städten eingeschleppte Mönchssittiche nutzen Masten.
Nester auf spannungsführenden Anlagen bringen zwei Probleme. Zweige, nasses Nistmaterial und Kot können einen Strompfad bilden, was Vögel gefährdet und Stromausfälle auslösen kann, und das Nest kann Feuer fangen. Netzbetreiber stellen deshalb oft eine Nisthilfe auf einem separaten, sicheren Mast in der Nähe auf oder setzen eine Plattform oberhalb der spannungsführenden Teile, und versetzen das Nest in Abstimmung mit den Behörden außerhalb der Brutzeit. Störche nehmen solche Plattformen meist gut an.

Was tun, wenn Sie einen verletzten Vogel unter einer Leitung finden?
Halten Sie zuerst Abstand zu Mast und Leitungen. Besteht auch nur die Möglichkeit, dass eine Leitung heruntergefallen oder beschädigt ist, rufen Sie den Netzbetreiber oder den Notruf 112 und bleiben Sie weg.
Liegt der Vogel abseits des Masts und besteht keine elektrische Gefahr:
- Fassen Sie große Greifvögel und Eulen nicht an. Adler, Bussarde und Uhus haben kräftige Krallen und können Menschen ernsthaft verletzen.
- Kontaktieren Sie eine Wildvogelhilfe oder Vogelauffangstation. Viele Regionen haben ehrenamtliche Stellen, die zu Bergung und Transport beraten. Auch die örtliche Naturschutzbehörde oder die Polizei kann weiterhelfen.
- Notieren Sie den Standort des Masts. Eine Mastnummer oder ein GPS-Punkt hilft dem Netzbetreiber, den Mast zu finden und zu prüfen.
- Melden Sie tote Großvögel. Ein toter Storch, Uhu oder Greifvogel unter einem Mast ist ein wichtiger Hinweis auf einen gefährlichen Mast. Nehmen Sie keine Teile des Vogels mit, denn Besitz geschützter Arten ist ohne Genehmigung nicht erlaubt.
Unser allgemeiner Ratgeber, was Sie mit einem verletzten Vogel tun sollten, behandelt kleinere Vögel und die Grundlagen der sicheren Unterbringung.
Wie groß ist die Gefahr im Vergleich zu anderen Risiken?
Stromleitungen sind eine von vielen menschengemachten Gefahren. In Deutschland wie in den USA gehen Fachleute davon aus, dass Glasscheiben und freilaufende Katzen jedes Jahr deutlich mehr Vögel töten. Anflug und Stromschlag an Leitungen sind ernst, werden aber insgesamt meist niedriger geschätzt. Für große, langlebige Arten mit wenigen Jungen, etwa Adler, Uhu oder Storch, kann der Verlust brütender Altvögel lokal aber viel ausmachen.
Wer im eigenen Garten am meisten für Vögel tun will, erreicht meist am meisten, wenn er Glasanprall verhindert und Katzen so weit wie möglich im Haus hält. Lesen Sie dazu, wie Sie Vogelschlag an Fenstern verhindern, und das größere Bild in warum Vogelbestände zurückgehen.
Warum verursachen Tiere Stromausfälle?
Eichhörnchen, Marder und Vögel lösen immer wieder Stromausfälle aus. Wie Vögel sind auch Eichhörnchen auf einem einzelnen Seil sicher. Probleme entstehen, wenn sie auf Anlagen wie Transformatoren klettern und dabei ein spannungsführendes und ein geerdetes Teil verbinden. Das kann das Tier töten und Schutzeinrichtungen auslösen, die einen ganzen Ortsteil vom Netz nehmen. Große Vögel und Nestbauer, die Zweige und nasses Material in Anlagen tragen, können dasselbe bewirken.
Mythen und Fakten zu Vögeln auf Stromleitungen
| Mythos | Fakt |
|---|---|
| Vögel haben eine besondere Isolierung | Vögel sind nicht besonders; sie sind auf einem Draht sicher, weil über ihrem Körper keine Spannung liegt |
| Vogelfüße leiten keinen Strom | Vogelkörper leiten durchaus; sie sind auf einem einzelnen Draht nur nicht Teil eines Stromkreises |
| Alle Stromleitungen sind gleich gefährlich | Das Risiko hängt von Mastbauweise, Leiterabstand und Vogelgröße ab |
| Vögel sterben nie an Stromleitungen | Große Vögel sterben regelmäßig, wenn sie Leiter oder Leiter und Erde überbrücken |
| Was ein Vogel kann, kann ein Mensch auch | Menschen sind fast immer irgendwie geerdet; nähern Sie sich niemals Stromleitungen |
Warum ist es für Menschen gefährlich?
Die Physik, die einen sitzenden Vogel schützt, schützt Menschen nicht. Wer eine Stromleitung berührt, berührt fast immer auch etwas anderes, den Boden, eine Leiter, einen Baum oder ein Fahrzeug, und schafft damit einen Weg zu einer anderen Spannung. Hochspannung kann außerdem ohne direkten Kontakt über Luftstrecken überschlagen.
Halten Sie immer großen Abstand zu Freileitungen und Oberleitungen. Versuchen Sie nie, einen Vogel, einen Drachen oder ein Haustier von einer Leitung oder einem Mast zu retten. Rufen Sie den Netzbetreiber oder den Notruf, und behandeln Sie jede heruntergefallene Leitung als spannungsführend.

Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
Die meisten Gartenvögel sind durch die Leitungen in Ihrer Straße kaum gefährdet, denn Singvögel sind zu klein, um Leiter zu überbrücken. Einige praktische Hinweise:
- Melden Sie tote Großvögel unter Masten. Finden Sie einen toten Bussard, Uhu oder Storch unter einem Mast, informieren Sie den Netzbetreiber und einen Naturschutzverband. So lassen sich Masten finden, die nachgerüstet werden müssen.
- Melden Sie Nester auf Anlagen. Netzbetreiber können Nester in Abstimmung mit den Behörden versetzen oder sichere Nisthilfen bauen.
- Genießen Sie den Anblick. Leitungen gehören zu den besten Orten, um Turmfalken, Mäusebussarde, Schwalben, Stare und Tauben zu sehen. Tipps für einen besseren Blick bietet unser Ratgeber, wie Sie einen Vogel schnell im Fernglas finden.
- Beobachten Sie Verhalten. Warum Vögel auf Leitungen Schlange stehen, führt zu weiteren Fragen, etwa warum Vögel in Schwärmen fliegen und wie Vögel im Schlaf nicht vom Ast fallen.
Sitzen Vögel gern auf Stromleitungen?
Viele schon. Leitungen bieten freie Sicht auf Fressfeinde und Nahrung, einen leichten Abflug und Platz, um in Gruppen zu sitzen. Rauch- und Mehlschwalben sammeln sich im Spätsommer vor dem Zug auf Leitungen, und Stare, Tauben und Türkentauben reihen sich oft entlang der Seile auf. Turmfalken, Neuntöter und Schwarzkehlchen nutzen Leitungen als Ansitzwarten, stoßen hinab, um Insekten oder Mäuse zu fangen, und kehren zurück.
Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass Vögel auf einer Leitung oft in recht regelmäßigen Abständen sitzen. Jeder Vogel hält eine kleine persönliche Zone ein, manchmal gerade so groß, dass der Nachbar ihn nicht erreichen kann. Diese Abstände zu beobachten und zu sehen, wie sie sich ändern, wenn Vögel kommen und gehen, ist eine einfache Verhaltensstudie vom Balkon aus. Mehr dazu, wie man Vogelverhalten liest, finden Sie unter Vogelverhalten verstehen.
Häufige Irrtümer
- Annehmen, Vögel seien “isoliert”. Sie sind es nicht; sie sind nur sicher, weil sie keinen Stromkreis schließen.
- Glauben, nur Hochspannungsmasten seien gefährlich. Viele Unfälle passieren an Mittelspannungsmasten im ländlichen Raum, wo die Leiter näher beieinanderliegen.
- Sich einem Mast nähern, um einem festsitzenden Vogel zu helfen. Überlassen Sie das dem Netzbetreiber und geschulten Helfern.
- Nach einem Sturm annehmen, Leitungen seien stromlos. Heruntergefallene oder durchhängende Leitungen können weiter unter Spannung stehen.
Fazit
Ein Vogel auf einem einzelnen Draht ist sicher, weil beide Füße dieselbe Spannung haben und kein Strom durch ihn fließt. Gefährlich wird es, wenn sein Körper zwei Punkte mit unterschiedlicher Spannung verbindet, also zwei Leiter oder einen Leiter und ein geerdetes Teil. Deshalb sind große Vögel wie Störche, Uhus, Adler und Bussarde besonders gefährdet, vor allem an Masten. Vogelsichere Masten, Abdeckungen und gelenkte Sitzwarten verringern diese Verluste stark, und Meldungen toter Großvögel helfen, Problemstellen zu finden und zu beheben.
Quellen
- Loss, Will and Marra (2014), Refining estimates of bird collision and electrocution mortality at power lines in the United States, PLOS ONE
- NABU: Naturschutzbund Deutschland
- LBV: Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern
- Avian Power Line Interaction Committee (APLIC)
- Europäische Kommission: EU-Vogelschutzrichtlinie
Häufige Fragen
Warum bekommen Vögel auf der Stromleitung keinen Stromschlag?
Strom fließt nur, wenn zwischen zwei Punkten eine Spannung besteht. Ein Vogel auf einem einzelnen Draht hat beide Füße auf demselben Potenzial, deshalb fließt praktisch kein Strom durch seinen Körper. Der Strom fließt weiter durch das Metallseil, das viel besser leitet als der Vogel. Gefährlich wird es erst, wenn ein Vogel gleichzeitig zwei Leiter oder einen Leiter und ein geerdetes Bauteil berührt.
Können Vögel an Stromleitungen einen tödlichen Stromschlag bekommen?
Ja. Vögel sterben, wenn ihr Körper zwei unter Spannung stehende Leiter oder einen Leiter und ein geerdetes Teil des Masts wie eine Metalltraverse verbindet. Am stärksten gefährdet sind große Vögel mit großer Spannweite, etwa Weißstorch, Uhu, Adler, Bussarde, Milane und Geier. In Europa und Nordamerika ist der Stromtod für manche Greifvögel und Eulen eine bedeutende Todesursache.
Würde ein Mensch an einer Stromleitung auch keinen Schlag bekommen?
Probieren Sie es niemals aus. Ein Mensch, der eine Leitung berührt, hat fast immer zugleich Kontakt zum Boden, zu einer Leiter, einem Baum oder einem Fahrzeug, und damit einen Weg für den Strom. Hochspannung kann zudem über kleine Luftspalte überschlagen. Halten Sie immer großen Abstand zu Freileitungen und Oberleitungen, und behandeln Sie heruntergefallene Leitungen stets als spannungsführend.
Wie schützen Netzbetreiber Vögel vor Stromschlägen?
Mit vogelschutzgerechten Masten: ausreichend Abstand zwischen den Leitern und zwischen Leitern und geerdeten Teilen, isolierende Abdeckungen, Sitzstangen oberhalb der gefährlichen Bereiche und Nisthilfen für Störche. In Deutschland verlangt das Bundesnaturschutzgesetz, dass Mittelspannungsmasten vogelsicher gebaut und gefährliche Altmasten nachgerüstet werden. Gegen Anflug helfen gut sichtbare Vogelschutzmarker an den Leiterseilen.
Spüren Vögel den Strom auf der Leitung?
Vermutlich in den meisten Fällen kaum oder gar nichts. Da kein nennenswerter Strom durch den Körper fließt, gibt es wenig zu spüren. Manche Quellen vermuten, dass ein Vogel beim Landen auf einer Hochspannungsleitung eine winzige, kurze Umladung erfährt, doch der Effekt ist klein, und Vögel sitzen täglich ohne erkennbares Unbehagen auf Leitungen.