Warum verstecken Vögel Futter? So funktionieren Wintervorräte

Warum verstecken Vögel Futter? Um magere Zeiten zu überstehen. Eichelhäher, Meisen, Kleiber und Tannenhäher legen Tausende Verstecke an und finden sie wieder.

Eine Meise steckt im Winter einen Sonnenblumenkern in einen Spalt der Baumrinde (KI-Illustration)
KI-generierte Illustration, kein Foto
In diesem Artikel
  1. Kurz erklärt: warum Vögel Vorräte anlegen
  2. Was bedeutet es, wenn ein Vogel Futter versteckt?
  3. Welche zwei Hauptstrategien gibt es?
  4. Welche Vögel legen die größten Vorräte an?
  5. Wie merken sich Vögel, wo ihr Futter liegt?
  6. Stehlen Vögel einander die Verstecke?
  7. Warum verstecken Vögel Futter vom Futterhaus?
  8. Pflanzen vergessene Verstecke wirklich Wälder?
  9. Wann legen Vögel die meisten Vorräte an?
  10. Wie können Sie Vögel im Garten beim Verstecken beobachten?
  11. Mythen und Fakten zum Verstecken von Futter
  12. Vorratshaltung weltweit
  13. Kurz und knapp
  14. Quellen
  15. Häufige Fragen

Vögel verstecken Futter, um Zeiten zu überstehen, in denen Nahrung knapp oder schwer erreichbar ist. Indem sie Samen, Nüsse, Insekten oder Beute in Zeiten des Überflusses verstecken, legen sich Arten wie Eichelhäher, Meisen, Kleiber und Tannenhäher eine private Speisekammer an, auf die sie bei Kälteeinbrüchen, geschlossener Schneedecke und in langen Winternächten zurückgreifen können. Viele von ihnen merken sich Tausende Verstecke mit erstaunlicher Genauigkeit, und Buschhäher wissen laut einer 1998 in Nature veröffentlichten Studie sogar, welches Futter sie wann versteckt haben.

Das Anlegen von Vorräten, in der Fachsprache Vorratshaltung oder englisch Caching genannt, gehört zu den am besten untersuchten Verhaltensweisen der Vogelkunde, weil es Ökologie, Gedächtnis und sogar das Pflanzen von Wäldern verbindet. Dieser Beitrag erklärt, warum Vögel es tun, auf welche Weise sie Futter lagern, wie sie sich alles merken und was Sie an Ihrem eigenen Futterhaus beobachten können.

Kurz erklärt: warum Vögel Vorräte anlegen

GrundSo hilft esTypische Beispiele
Den Winter überstehenIm Herbst eingelagertes Futter wird gefressen, wenn die Vorräte knapp werdenMeisen, Kleiber, Eichelhäher
Schlechtwetter überbrückenVorräte helfen über Stürme, Schnee und kurze TageTannenmeise, Sumpfmeise, Haubenmeise
Früh im Jahr Junge fütternVersteckte Nahrung ermöglicht eine Brut im SpätwinterTannenhäher
Schnell und sicher fressenFutter rasch greifen und später an sicherer Stelle fressenViele Meisen und Häher am Futterhaus
Ein kurzes Überangebot nutzenEicheln, Zirbennüsse oder Beute werden gelagert, bevor sie verschwindenEichelhäher, Tannenhäher, Neuntöter

Was bedeutet es, wenn ein Vogel Futter versteckt?

Es bedeutet, dass der Vogel Nahrung für später einlagert, statt sie sofort zu fressen. Die Spannweite reicht von einer Meise, die einen Kern in die Rinde steckt und ihn eine Stunde später frisst, bis zu einem Tannenhäher, der im Herbst Tausende Zirbennüsse über einen ganzen Berghang verteilt vergräbt und sie Monate später wieder hervorholt.

Vorratshaltung lohnt sich überall dort, wo Nahrung zeitlich ungleich verteilt ist. Eine herbstliche Eichel- oder Bucheckernernte hält nur wenige Wochen, bevor sie gefressen wird, verfault oder keimt. Ein kalter Wintertag in Deutschland bietet oft nur acht bis neun Stunden Licht zum Fressen. Schnee kann Nahrung über Nacht begraben. Ein Vogel, der vorgesorgt hat, ist gegen all das versichert.

Welche zwei Hauptstrategien gibt es?

Die Biologie unterscheidet zwei grundlegende Strategien.

Streuverstecke

Vögel mit Streuverstecken verteilen ihre Nahrung auf viele kleine Verstecke, oft nur ein Stück pro Stelle. Meisen, Kleiber, Eichelhäher und Tannenhäher gehen so vor. Die Verteilung verringert das Risiko, alles an einen einzigen Dieb zu verlieren, sei es ein Eichhörnchen, eine Maus oder ein anderer Vogel. Der Preis ist Gedächtnisleistung: Der Vogel muss sich viele einzelne Orte merken.

Zentrale Vorratslager

Andere Vögel lagern große Mengen an einem oder wenigen Orten und verteidigen sie oft. Das klassische Beispiel ist der Eichelspecht im Westen Nordamerikas. Familiengruppen bohren Hunderte oder sogar Tausende kleiner Löcher in einen Speicherbaum, einen abgestorbenen Stamm oder einen hölzernen Leitungsmast und klemmen in jedes Loch eine Eichel. Die Gruppe bewacht diesen Speicher gegen Häher und Hörnchen und versetzt die Eicheln in engere Löcher, wenn sie beim Trocknen schrumpfen.

Würger nutzen eine andere Art von Vorratskammer. Neuntöter, früher auch Dorndreher genannt, und Raubwürger spießen Insekten, Eidechsen, Mäuse und kleine Vögel auf Dornen von Schlehe und Weißdorn oder auf Stacheldraht. So kann ein Singvogel ohne Greifvogelkrallen seine Beute zerlegen, und zugleich lagert er Nahrung für später. Manche Studien deuten darauf hin, dass die Vorratskammern der Männchen den Weibchen auch etwas über deren Qualität verraten könnten.

Welche Vögel legen die größten Vorräte an?

Tannenhäher: die Meister

Der Tannenhäher der Alpen, der Mittelgebirge und der Nadelwälder Nord- und Osteuropas ist der bekannteste Vorratsanleger Europas. Im Spätsommer und Herbst sammelt ein einzelner Vogel Tausende Samen der Zirbe, in den Alpen auch Arve genannt, und in tieferen Lagen vor allem Haselnüsse. Er transportiert sie in einem dehnbaren Kehlsack unter der Zunge und vergräbt sie in kleinen Portionen im Boden. Forschung legt nahe, dass Tannenhäher einen großen Teil dieser Verstecke Monate später wiederfinden, teils unter Schnee, und damit sich selbst über den Winter und ihre Jungen im Frühjahr versorgen. Sein nordamerikanischer Verwandter, der Kiefernhäher, verhält sich sehr ähnlich und gilt dort als Rekordhalter mit Zehntausenden versteckter Samen pro Saison.

Eichelhäher und andere Rabenvögel

Der Eichelhäher trägt im Herbst Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse fort, oft mehrere auf einmal in Kehle und Schnabel, und versteckt sie in der Laubstreu oder im Boden. Studien sprechen von mehreren Tausend Eicheln, die ein einzelner Häher in einem Herbst verstecken kann. Der Eichelhäher ist in ganz Europa, in der Türkei und in weiten Teilen Asiens verbreitet und gilt als einer der wichtigsten natürlichen Pflanzer von Eichenwäldern. In Nordamerika übernimmt der Blauhäher diese Rolle.

Elstern, Kolkraben, Rabenkrähen und Saatkrähen verstecken ebenfalls Futter, besonders überschüssiges Fleisch oder Brot. Wie klug diese Vögel sind, lesen Sie in unserem Beitrag wie schlau Krähen wirklich sind.

Der Meisenhäher: klebrige Vorräte

Der Meisenhäher der nordischen Nadelwälder, in Skandinavien und Russland verbreitet, und sein nordamerikanischer Verwandter, der Kanadahäher, überziehen Nahrungsstücke mit dickem, klebrigem Speichel und kleben sie oberhalb der Schneegrenze in Rindenritzen und Nadelbüschel. Diese Vorräte helfen ihnen, Winter weit unter dem Gefrierpunkt zu überleben, und erlauben beim Kanadahäher sogar, schon im Spätwinter zu brüten, wenn noch Schnee liegt.

Meisen und Kleiber

Kleine Waldvögel sind eifrige Streuversteckanleger. Sumpfmeise, Weidenmeise, Tannenmeise und Haubenmeise verstecken im Herbst und Winter Samen und Insekten. Der Kleiber klemmt Kerne in Rindenspalten und hämmert sie fest, manchmal deckt er sie mit einem Stück Rinde oder Flechte ab. Studien deuten darauf hin, dass Meisen in einer Saison Hunderte bis Tausende Stücke verstecken können, von denen die meisten innerhalb von Tagen bis Wochen wieder geholt werden.

Nicht jede Meise legt Vorräte an. Kohl- und Blaumeisen verstecken im Vergleich zu Sumpf- und Tannenmeisen wenig, was diese Arten für Vergleiche von Gehirn und Verhalten besonders interessant macht.

Eulen und andere Beutegreifer

Mehrere Eulen legen Beutevorräte an. Sperlingskauz und Raufußkauz lagern bei Kälte Mäuse und Wühlmäuse in Baumhöhlen oder auf Ästen, beim Sperlingskauz können sich im Winter regelrechte Depots in Nistkästen oder Höhlen ansammeln. Gefrorene Beute taut der Raufußkauz mitunter auf, indem er sich daraufsetzt, ein Verhalten, das Forschende mit dem Bebrüten von Eiern verglichen haben. Auch Turmfalken verstecken Beute in Grasbüscheln, Spalten oder auf Ästen.

Spechte

Neben dem Eichelspecht verstecken in Nordamerika weitere Spechtarten Nüsse und Samen in Rindenspalten und Löchern. In Europa ist der Buntspecht vor allem für seine Spechtschmieden bekannt, in die er Zapfen klemmt, um sie zu bearbeiten, eine Art Werkbank statt Vorratskammer.

Wie merken sich Vögel, wo ihr Futter liegt?

Hier wird die Vorratshaltung zu einer Geschichte über das Gehirn.

Räumliches Gedächtnis und Landmarken

Experimente mit Meisen, Hähern und Tannenhähern zeigen, dass diese Vögel ihre Vorräte mit dem Gedächtnis finden, nicht mit dem Geruch oder durch zufälliges Suchen. Verschieben Forschende Landmarken in der Nähe von Verstecken, suchen die Vögel auf vorhersagbare Weise an der falschen Stelle, was zeigt, dass sie sich an den Landmarken orientieren. Tannenhäher scheinen große Landmarken wie Felsen und Bäume zu nutzen und ihre Verstecke aus mehreren gleichzeitig zu peilen.

Ein größerer Hippocampus

Der Hippocampus ist die Hirnregion, die bei Vögeln am stärksten mit räumlichem Gedächtnis verbunden ist. Vergleichende Studien an Dutzenden Arten fanden, dass vorratsanlegende Vögel im Verhältnis meist einen größeren Hippocampus haben als verwandte Arten ohne Vorratshaltung. Bei nordamerikanischen Meisen legt die Forschung sogar nahe, dass sich der Hippocampus mit den Jahreszeiten verändert und im Herbst, wenn die Vorratshaltung ihren Höhepunkt erreicht, neue Nervenzellen hinzukommen. Meisen aus rauen, schneereichen Gegenden, etwa aus nördlichen oder hoch gelegenen Populationen, haben meist einen größeren Hippocampus und ein besseres räumliches Gedächtnis als Artgenossen aus milderen Gebieten.

Sich merken, was und wann

Die vielleicht erstaunlichsten Ergebnisse stammen von Buschhähern aus Kalifornien. In Laborversuchen, 1998 in Nature veröffentlicht, zeigten Nicola Clayton und Anthony Dickinson, dass sich Buschhäher nicht nur merkten, wo sie Futter versteckt hatten, sondern auch, welche Art von Futter es war und wie lange das Verstecken zurücklag. Die Vögel holten bevorzugt verderbliche Wachsmottenlarven, wenn wenig Zeit vergangen war, wechselten aber zu haltbaren Erdnüssen, wenn so viel Zeit verstrichen war, dass die Larven verdorben sein mussten. Das galt als Beleg für ein episodenähnliches Gedächtnis, das man lange für typisch menschlich hielt.

Stehlen Vögel einander die Verstecke?

Ständig, und das hat die Strategien der Vorratshaltung geprägt. Plünderung ist bei Hähern, Krähen, Raben und Meisen verbreitet, ebenso bei Nagetieren.

Vorratsanlegende Vögel nutzen mehrere Gegenstrategien:

  1. Verstecken außer Sicht. Viele Häher und Raben verstecken Futter bevorzugt hinter Hindernissen oder im Schatten, wenn andere zuschauen.
  2. Umlagern. Buschhäher, die beim Verstecken beobachtet wurden, kehren oft später allein zurück und verlagern das Futter. In einer bekannten Studie von 2001 fanden Nathan Emery und Nicola Clayton, dass vor allem Häher, die selbst schon gestohlen hatten, ihre Verstecke umlagerten, als ob sie das Risiko aus eigenem Verhalten kannten.
  3. Verstecke verteilen. Streuverstecke machen es einem Dieb schwer, den gesamten Vorrat eines Vogels zu plündern.
  4. Täuschung. Bei Kolkraben wurde beobachtet, dass sie das Verstecken nur vortäuschen oder Zuschauer von echten Verstecken weglocken.

Warum verstecken Vögel Futter vom Futterhaus?

Ein gefülltes Futterhaus ist wie eine nie endende Herbsternte. Vögel, die sich auf Vorratshaltung spezialisiert haben, nutzen das aus. Deshalb sehen Sie:

  • Tannenmeisen und Sumpfmeisen, die einen Kern nehmen, wegfliegen und gleich wiederkommen. Viele dieser Kerne werden gerade versteckt, oft in Nadelbüscheln von Fichten und Kiefern, in Moos oder Flechten.
  • Kleiber, die Kerne in die Rinde benachbarter Bäume, in Zaunpfosten oder Mauerritzen klemmen.
  • Eichelhäher, die sich an Erdnüssen oder Sonnenblumenkernen bedienen und ganze Erdnüsse davontragen, um sie im Rasen oder in Beeten zu vergraben.
  • Haubenmeisen in Gärten nahe Nadelwäldern, die geschälte Sonnenblumenkerne einzeln davontragen.

Die Vorratshaltung erklärt, warum sich ein Futterhaus schneller leert, als die Zahl der Vögel vermuten lässt. Sie bedeutet auch, dass ein Teil Ihres Futters in der Umgebung landet, wo die Vögel es Tage später fressen.

Heißt das, Vögel werden vom Futterhaus abhängig?

Die Forschung spricht dagegen. Vögel mit Zugang zu Futterhäusern finden den größten Teil ihrer Nahrung weiterhin in der Natur, und versteckte Kerne vom Futterhaus sind nur ein Teil einer gemischten Ernährung. Unser Beitrag werden Vögel vom Futterhaus abhängig erklärt die Belege, und unser Ratgeber zur Winterfütterung zeigt, was in kalten Monaten am meisten hilft.

Pflanzen vergessene Verstecke wirklich Wälder?

Ja. Nicht jedes Versteck wird wiedergefunden. Ein Vogel kann sterben, anderswo genug Nahrung finden, eine Stelle unter Schnee verlieren oder einfach nicht zurückkehren. Was übrig bleibt, keimt.

  • Eichen und Eichelhäher. Eichelhäher tragen Eicheln Hunderte Meter bis mehrere Kilometer vom Mutterbaum weg, oft auf offene Flächen, an Waldränder oder in lichte Bestände, wo Sämlinge gut wachsen. Förster nennen das seit Langem Hähersaat, und in manchen Forstbetrieben wird sie gezielt genutzt, um Eichen in Nadelholzbestände zu bringen. Die Forschung geht davon aus, dass Häher den Eichen halfen, sich nach der letzten Eiszeit wieder nach Norden auszubreiten.
  • Zirben und Tannenhäher. Die Zirbe der Alpen ist stark auf den Tannenhäher angewiesen, weil ihre schweren Samen nicht vom Wind verbreitet werden. Vergessene Verstecke sind eine wichtige Quelle neuer Bäume, gerade oberhalb der Waldgrenze. In Nordamerika gilt dasselbe für die Weißstämmige Kiefer und den Kiefernhäher.
  • Andere Bäume. Kleiber, Meisen und andere Vorratsanleger verbreiten vermutlich in kleinerem Maßstab Bucheckern, Haselnüsse, Kiefernsamen und andere Samen.

Damit gehören vorratsanlegende Vögel zu den wichtigsten Samenverbreitern in den Wäldern der gemäßigten Zone.

Wann legen Vögel die meisten Vorräte an?

Die Vorratshaltung folgt dem Kalender und der Uhr.

Jahreszeitlicher Ablauf

Bei den meisten Vorratsanlegern der gemäßigten Breiten steigt die Vorratshaltung im Spätsommer und Herbst stark an, wenn Samen reifen und bevor der Winter beginnt. Tannen- und Sumpfmeisen sowie Kleiber verstecken in Mitteleuropa etwa ab September viel. Eichelhäher folgen der Eichelreife, die meist von September bis November ihren Höhepunkt hat. Tannenhäher beginnen noch früher und ernten Zirbennüsse und Haselnüsse schon ab dem Spätsommer. Im Winter geht die Vorratshaltung auf niedrigerem Niveau weiter, die Vögel lagern und holen Tag für Tag.

Tageszeitlicher Ablauf

Kurzzeit-Vorratsanleger wie Meisen verstecken Futter oft tagsüber und fressen es später am selben oder am nächsten Tag. Manche Studien deuten darauf hin, dass Vögel am späten Nachmittag mehr Verstecke leeren, um ihre Fettreserven vor der langen Nacht aufzufüllen. In einer kalten Nacht kann ein kleiner Vogel einen spürbaren Teil seines Körpergewichts verlieren, nur um warm zu bleiben, deshalb kann Nahrung in Reichweite vor der Dämmerung sehr viel ausmachen. Unser Beitrag wie sich Vögel im Winter warm halten erklärt diese Energiebilanz.

Mastjahre

Viele Bäume, darunter Eichen, Buchen und Kiefern, bringen in manchen Jahren riesige Samenmengen hervor und in anderen kaum etwas. Diese Jahre heißen Mastjahre, bei der Buche spricht man von Buchenmast. In einem Mastjahr verstecken Eichelhäher und Tannenhäher enorme Mengen, und mehr Samen bleiben liegen, was ein Grund dafür ist, dass große Ernten zu Schüben neuer Sämlinge führen können.

Wie können Sie Vögel im Garten beim Verstecken beobachten?

Vorratshaltung ist leicht zu sehen, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen.

  1. Wählen Sie ein Futterhaus nahe an Bäumen. Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse in einem Futterhaus wenige Meter von älteren Bäumen oder Nadelgehölzen entfernt bieten Vorratsanlegern kurze Wege.
  2. Folgen Sie einem einzelnen Vogel. Beobachten Sie nicht das Futterhaus, sondern wohin eine Tannenmeise, Sumpfmeise oder ein Kleiber fliegt, nachdem er es verlassen hat.
  3. Achten Sie auf das Einstecken. Ein versteckender Vogel schiebt den Kern in einen Spalt, ein eingerolltes Blatt, Flechten, ein Nadelbüschel oder lose Rinde, hämmert ihn oft fest und deckt ihn mitunter ab.
  4. Bemerken Sie die Pause. Vorratsanleger schauen sich vor dem Verstecken manchmal um. Diese Vorsicht gilt vermutlich möglichen Dieben.
  5. Kontrollieren Sie Zaunpfosten und Fassaden. Kleiber und Häher nutzen manchmal Risse in Holzzäunen und sogar Spalten an Fensterrahmen oder Verkleidungen.
  6. Führen Sie Notizen. Wer festhält, was er sieht, kann den Verlauf der Saison verfolgen.

Mythen und Fakten zum Verstecken von Futter

Mythos: Vögel horten, weil sie gierig sind. Fakt: Vorratshaltung ist eine Überlebensstrategie, die die Evolution auf unberechenbare Nahrungsangebote abgestimmt hat.

Mythos: Vögel finden ihre Verstecke mit dem Geruchssinn. Fakt: Experimente sprechen für Gedächtnis und sichtbare Landmarken. Was Vögel tatsächlich riechen können, lesen Sie in unserem Beitrag können Vögel riechen.

Mythos: Alle Vögel legen Vorräte an. Fakt: Viele tun es nicht. Amseln, Rotkehlchen und die meisten Finken verstecken kaum Futter. Die Vorratshaltung konzentriert sich auf bestimmte Familien.

Mythos: Vorratsanlegende Vögel vergessen das meiste Futter. Fakt: Studien deuten darauf hin, dass sie einen großen Teil wiederfinden. Was sie übersehen, ist trotzdem wichtig, weil daraus Bäume wachsen.

Mythos: Vorratshaltung gibt es nur im Winter. Fakt: Sie erreicht im Herbst und Winter ihren Höhepunkt, doch viele Vögel verstecken das ganze Jahr über, besonders überschüssige Nahrung an einer reichen Quelle.

Vorratshaltung weltweit

Vorratshaltung kommt überall auf der Welt vor, wo das Nahrungsangebot zwischen Überfluss und Mangel schwankt. In den borealen Wäldern Skandinaviens und Russlands verstecken Lapplandmeisen und Weidenmeisen Tausende Stücke, um lange, dunkle Winter zu überstehen. Im Mittelmeerraum und in den Eichenwäldern der Türkei sammeln Eichelhäher jeden Herbst Eicheln. In den Gebirgen Zentralasiens lagern Tannenhäher Kiefernsamen, ganz wie ihre Verwandten in den Alpen. In wärmeren Regionen, etwa in weiten Teilen Brasiliens, wo Nahrung übers Jahr gleichmäßiger verfügbar ist, spielt das Verstecken bei kleinen Singvögeln eine geringere Rolle, auch wenn manche Häher, darunter der Kappenblauhäher, und andere Rabenvögel überschüssiges Futter lagern. Das grobe Muster, das viele Forschende beobachtet haben: Je rauer und jahreszeitlich wechselhafter die Umwelt, desto stärker verlassen sich Vögel auf Vorräte.

Kurz und knapp

  • Vorratshaltung hilft Vögeln, Kälte, Schnee und saisonalen Nahrungsmangel zu überstehen.
  • Streuversteck-Anleger nutzen viele kleine Verstecke, andere Arten wenige große Lager.
  • Tannenhäher können in einer Saison Tausende Zirbennüsse und Haselnüsse verstecken.
  • Vorratsanlegende Vögel haben im Verhältnis meist einen größeren Hippocampus.
  • Buschhäher merken sich, was, wo und wann sie versteckt haben.
  • Eichelhäher und Tannenhäher pflanzen Eichen und Zirben, indem sie einige Verstecke vergessen.
  • Am Futterhaus sind Tannenmeise, Sumpfmeise, Kleiber und Eichelhäher die wichtigsten Vorratsanleger.

Quellen

Meistgelesen

Häufige Fragen

Warum verstecken Vögel Futter?

Vögel verstecken Futter, um ein unzuverlässiges Nahrungsangebot auszugleichen. Wer Samen, Nüsse oder Beute in Zeiten des Überflusses einlagert, übersteht kalte Nächte, Schneedecken, Schlechtwetter und winterliche Knappheit besser. Manche Arten legen Vorräte auch an, um früh im Jahr Junge zu füttern, oder einfach, um an einer belebten Futterquelle schnell zuzugreifen und später an einem sichereren Ort zu fressen.

Welche Vögel legen Futtervorräte an?

Am ausgeprägtesten ist das Verhalten bei den Rabenvögeln, also bei Eichelhäher, Tannenhäher, Elster und Kolkrabe, sowie bei Meisen und Kleibern. Neuntöter und Raubwürger spießen Beute auf Dornen, Sperlingskauz und Raufußkauz lagern Mäuse in Baumhöhlen, und in Nordamerika legt der Eichelspecht ganze Speicherbäume an. Viele andere Vögel verstecken Futter nur gelegentlich oder gar nicht.

Wie merken sich Vögel, wo sie Futter versteckt haben?

Vor allem mit ihrem räumlichen Gedächtnis. Vorratsanlegende Vögel orientieren sich an Landmarken und am Aufbau ihrer Umgebung. Arten, die Futter verstecken, haben im Verhältnis meist einen größeren Hippocampus, die Hirnregion für räumliches Gedächtnis, als verwandte Arten ohne Vorratshaltung. Experimente deuten darauf hin, dass Häher und Tannenhäher sich Tausende Verstecke über Monate merken können.

Warum nimmt eine Meise nur einen Kern und fliegt weg?

Meisen tragen meist einen einzelnen Kern zu einem nahen Ast, um ihn dort zu öffnen oder zu verstecken. Im Herbst und Winter wird ein großer Teil der weggetragenen Kerne in Rindenspalten, Flechten, Nadelbüscheln oder unter Moos versteckt und später wieder geholt, oft schon nach wenigen Tagen. Nur einen Kern pro Anflug zu nehmen, verkürzt außerdem die Zeit, die der Vogel ungeschützt am Futterhaus verbringt.

Vergessen Vögel ihre Verstecke?

Einige Verstecke werden vergessen oder aufgegeben, andere von Nagetieren oder anderen Vögeln geplündert. Vögel finden einen großen Teil ihrer Vorräte wieder, doch die übrigen Samen sind wichtig. Vergessene Eicheln des Eichelhähers und Zirbennüsse des Tannenhähers können keimen. Förster sprechen deshalb von der Hähersaat, und diese Vögel gehören zu den wichtigsten Pflanzern von Eichen und Zirben.