Bleiben Vögel ein Leben lang zusammen?
Bleiben Vögel ein Leben lang zusammen? Einige ja, etwa Schwäne, Kraniche und Albatrosse. Die meisten Singvögel paaren sich nur für eine Saison, oft nicht treu.

In diesem Artikel
- Kurz beantwortet: Welche Vögel bleiben ein Leben lang zusammen?
- Was bedeutet „ein Leben lang zusammen“ eigentlich?
- Warum leben die meisten Vögel monogam?
- Wie wählen Vögel ihren Partner?
- Welche Vögel bleiben wirklich ein Leben lang zusammen?
- Bleiben Singvögel ein Leben lang zusammen?
- Gehen Vögel fremd?
- Lassen sich Vögel scheiden?
- Warum zahlen sich lange Paarbindungen aus?
- Welche Vögel bilden gar keine Paare?
- Was passiert, wenn ein Vogel seinen Partner verliert?
- Mythen und Fakten zur lebenslangen Vogelliebe
- Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
- Kurze Fakten
- Quellen
- Häufige Fragen
Manche Vögel bleiben ein Leben lang zusammen, die meisten aber nicht. Rund 90 Prozent aller Vogelarten bilden monogame Paare, doch bei den meisten Singvögeln halten diese Paare nur eine Brutsaison. Echte Langzeitpartnerschaften sind typisch für langlebige Vögel wie Albatrosse, Schwäne, Gänse, Kraniche, Adler, Papageien und Kolkraben. Und selbst „treue“ Paare sind nicht immer sexuell exklusiv: Genetische Studien zeigen, dass viele sozial monogame Vögel Küken großziehen, deren Vater ein Nachbar ist.
Die ehrliche Antwort hat also mehrere Ebenen. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied zwischen sozialer und genetischer Monogamie, welche Vögel wirklich zusammenbleiben, warum Paarbindungen halten, wie oft sich Vögel „scheiden lassen“ und was all das für die Paare bedeutet, die Sie im Garten beobachten.
Kurz beantwortet: Welche Vögel bleiben ein Leben lang zusammen?
| Paarbindung | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Langfristig, oft lebenslang | Derselbe Partner über viele Jahre, Trennung selten | Albatrosse, Schwäne, viele Gänse, Kraniche, Seeadler, Kolkraben, viele Papageien |
| Saisonale Monogamie | Neues oder erneuertes Paar in jeder Brutsaison | Die meisten Singvögel, etwa viele Grasmücken, Laubsänger und Rotkehlchen |
| Ganzjährige Paare, teils über Jahre | Paar bleibt über den Winter zusammen und brütet oft erneut gemeinsam | Sumpfmeise, Kleiber, Elster, viele Amselpaare im Siedlungsraum |
| Polygynie | Ein Männchen, mehrere Weibchen | Zaunkönig, Trauerschnäpper |
| Polyandrie | Ein Weibchen, mehrere Männchen | Odinshühnchen, Mornellregenpfeifer, Blatthühnchen |
| Keine Paarbindung | Kurze Paarung, ein Geschlecht zieht die Jungen allein auf | Kolibris, Birk- und Auerhuhn, Kampfläufer, viele Enten |
| Kooperative Gruppen | Mehrere Altvögel brüten und ziehen Junge gemeinsam auf | Schwanzmeisen mit Helfern, Eichelspechte in Amerika, viele australische Vögel |
Was bedeutet „ein Leben lang zusammen“ eigentlich?
Hinter dem Ausdruck stecken zwei recht verschiedene Dinge, die die Wissenschaft auseinanderhält.
Soziale Monogamie bedeutet, dass Männchen und Weibchen eine Partnerschaft eingehen: Sie teilen ein Revier, bauen oder verteidigen ein Nest und ziehen die Jungen gemeinsam auf. Dieses Muster zeigen rund 90 Prozent der Vogelarten, eine Zahl, die mit den Arbeiten des britischen Ornithologen David Lack in den 1960er Jahren verbunden ist. Das ist weit mehr als bei Säugetieren, von denen die meisten Arten nicht monogam leben.
Genetische (oder sexuelle) Monogamie bedeutet, dass alle Jungen in einem Nest die leiblichen Nachkommen des Paares sind. Das ist viel seltener. Seit der DNA-Fingerabdruck Ende der 1980er und in den 1990er Jahren verfügbar wurde, zeigte sich, dass Küken mit einem Vater außerhalb des Paares, sogenannte Fremdvaterschaften, weit verbreitet sind. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit von Simon Griffith und Kollegen aus dem Jahr 2002 fand solche Jungen bei der großen Mehrheit der untersuchten sozial monogamen Arten, im Durchschnitt etwa ein Küken von zehn.
Lebenslange Monogamie fügt eine dritte Ebene hinzu: Dieselben Partner bleiben über viele Brutsaisons zusammen, bis einer stirbt. Das tut nur ein Teil der sozial monogamen Vögel.
Wer also fragt, ob Vögel ein Leben lang zusammenbleiben, bekommt diese genaueste Antwort: Die meisten Vögel bilden Paare, wenige bleiben lebenslang zusammen, und nur sehr wenige sind streng treu.
Warum leben die meisten Vögel monogam?
Vögel sind ungewöhnlich, was den Pflegeaufwand für ihre Jungen angeht und wie gleichmäßig sich die Arbeit verteilen lässt.
- Beide Geschlechter können füttern. Anders als bei Säugetieren, wo nur Weibchen Milch bilden, können Vogelmännchen genauso gut Futter herbeischaffen wie Weibchen.
- Eier und Küken brauchen ständige Betreuung. Eier müssen bebrütet werden, und viele Küken schlüpfen nackt und hilflos. Ein einzelner Elternteil kann sie oft nicht gleichzeitig wärmen, füttern und selbst Nahrung suchen.
- Nester müssen verteidigt werden. Zwei Altvögel können Räuber und Rivalen besser abwehren als einer.
Bei den meisten Arten hinterlässt ein Männchen, das bei der Aufzucht einer Brut hilft, mehr überlebende Nachkommen als eines, das das Nest verlässt, um weitere Partnerinnen zu suchen. Diese Rechnung begünstigt soziale Monogamie. Wo sie sich ändert, etwa wenn Nahrung so reichlich vorhanden ist, dass ein Elternteil allein zurechtkommt, entstehen andere Paarungssysteme.

Wie wählen Vögel ihren Partner?
Bei den meisten Vögeln wählen vor allem die Weibchen, und die Männchen konkurrieren darum, gewählt zu werden. Worauf Weibchen achten, hängt von der Art ab, doch einige Muster kehren immer wieder.
- Gesang. Bei vielen Singvögeln finden Männchen mit größerem Repertoire oder beständigerem Vortrag schneller eine Partnerin. Der Gesang zeigt auch, dass ein Männchen ein Revier besitzt. Unser Beitrag warum Vögel morgens singen erklärt das Morgenkonzert.
- Gefieder. Kräftige Farben, etwa die rote Brust eines Gimpelmännchens oder das leuchtende Gelb eines Goldammermännchens, können Gesundheit und gute Ernährung anzeigen, weil Farbstoffe und Federstrukturen aufwendig herzustellen sind.
- Revier und Nistplatz. Ein Männchen mit gutem Lebensraum oder einer passenden Höhle kann attraktiver sein als ein auffälligerer Rivale mit schlechtem Revier. Zaunkönigmännchen bauen zum Beispiel mehrere Rohbau-Nester, und das Weibchen wählt eines davon aus und polstert es.
- Balzfüttern. Bei vielen Finken, Meisen und Möwen füttern Männchen die Weibchen vor und während der Brut. Das hilft dem Weibchen möglicherweise, Reserven für die Eiablage aufzubauen, und kann zeigen, dass es einen fähigen Versorger gewählt hat.
- Balztänze. Haubentaucher, Kraniche und Albatrosse zeigen aufwendige gemeinsame Balzrituale, die offenbar helfen, das Paar abzustimmen und die Bindung zu bestätigen. Der „Pinguintanz“ der Haubentaucher, bei dem sich beide Partner mit Wasserpflanzen im Schnabel aufrichten, lässt sich im Frühjahr an vielen deutschen Seen beobachten.
Bei langlebigen Arten ist die Wahl wichtiger, weil die Partnerschaft Jahre halten kann. Die Balz kann sich dort über mehr als eine Saison hinziehen, bevor das Paar zum ersten Mal brütet.
Welche Vögel bleiben wirklich ein Leben lang zusammen?
Albatrosse
Albatrosse sind das Lehrbuchbeispiel. Sie werden sehr alt, beginnen oft erst nach mehreren Jahren zu brüten, und Paare führen bei der Bindung aufwendige Balztänze auf. Einmal verpaart, bleiben viele über Jahre zusammen. Der berühmteste Einzelvogel ist Wisdom, ein Laysanalbatros-Weibchen, das 1956 auf dem Midway-Atoll erstmals beringt wurde und Jahrzehnte später noch brütete. Damit ist sie der älteste bekannte wild lebende Vogel. Wisdom hat mehr als einen Partner überlebt, ein Hinweis darauf, dass sich selbst „lebenslang“ verpaarte Vögel neu binden, wenn ein Partner stirbt.
Eine 2021 veröffentlichte Studie an Schwarzbrauenalbatrossen auf den Falklandinseln fand, dass die Scheidungsraten in Jahren mit ungewöhnlich warmem Meerwasser stiegen. Die Autoren vermuteten, dass Umweltstress, etwa durch schlechtere Nahrungsbedingungen, selbst sehr stabile Paarbindungen stören kann.
Schwäne und Gänse
Höckerschwan, Singschwan und Zwergschwan sowie die meisten Gänse, darunter die bei uns häufige Graugans, bilden in der Regel langfristige Paare. Familien ziehen oft gemeinsam, und junge Gänse bleiben meist den ersten Winter über bei ihren Eltern. Scheidungen kommen vor, sind aber vergleichsweise selten. Konrad Lorenz, der mit seinen Graugänsen in Österreich und Bayern forschte, machte die Treue der Gänse einem breiten Publikum bekannt.
Kraniche
Kraniche, bei uns der Graue Kranich, in Nordamerika der Kanadakranich, bilden langfristige Paare, die für ihre Duettrufe und Tänze bekannt sind. Die Paare festigen ihre Bindung mit diesen Ritualen oft auch weit außerhalb der Brutzeit. Wer im Herbst an einem der großen Rastplätze in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg steht, hört die trompetenden Duette schon von Weitem.

Adler und andere Greifvögel
Seeadler und der nordamerikanische Weißkopfseeadler bleiben meist über Jahre mit demselben Partner zusammen und kehren oft zum selben großen Horst zurück, den sie jedes Jahr erweitern. Viele andere große Greifvögel wie Steinadler und Fischadler zeigen ähnliche Langzeitpartnerschaften, oft an einen traditionellen Horst gebunden.
Rabenvögel
Kolkraben und Krähen bilden langfristige Paare. Kolkraben bleiben oft das ganze Jahr zusammen in ihrem Revier, und bei manchen Krähenarten brüten Paare in Familienverbänden, zu denen Junge aus früheren Jahren gehören. Auch Elstern und viele Häher bleiben mehrere Jahre verpaart.
Papageien
Viele Papageien, von den Aras Südamerikas bis zu den Kakadus Australiens, gehen starke, lang anhaltende Bindungen ein. Paare putzen sich oft gegenseitig und fliegen dicht nebeneinander. Die Unzertrennlichen verdanken ihren Namen dem engen Kontakt zwischen den Partnern.
Seevögel
Viele Seevögel, darunter Papageitaucher, Basstölpel und einige Pinguine, finden Jahr für Jahr mit demselben Partner am selben Nistplatz wieder zusammen. Bei Arten, die den Winter getrennt auf dem Meer verbringen, ist die gemeinsame Bruthöhle oder der Nistplatz oft der Treffpunkt.
Weißstörche: Treue zum Nest
Weißstörche gelten im Volksmund als treue Paare. Tatsächlich sind sie vor allem ihrem Nest treu. Weil Männchen und Weibchen getrennt aus dem Winterquartier zurückkehren, finden sie oft deshalb wieder zusammen, weil beide denselben Horst ansteuern. Kommt ein anderer Storch zuerst an, kann das Paar in diesem Jahr ganz anders aussehen.
Bleiben Singvögel ein Leben lang zusammen?
Meistens nicht. Bei der Mehrzahl kleiner Singvögel bilden sich die Paare im Frühjahr und lösen sich nach der Brutzeit wieder auf. Viele Singvögel leben nur wenige Jahre, sodass es weniger Saisons gibt, über die eine Bindung halten könnte, und viele sind Zugvögel, die getrennt überwintern. Unser Ratgeber wie alt Gartenvögel werden erklärt, warum die Lebenserwartung so kurz ist.
Einige Gartenvögel bleiben dennoch länger zusammen:
- Sumpfmeisen bleiben das ganze Jahr in ihrem Revier verpaart, und viele Paare halten, bis ein Partner stirbt.
- Kleiber verteidigen ihr Revier auch im Winter als Paar und brüten oft mehrere Jahre gemeinsam.
- Amseln bleiben als Standvögel im Siedlungsraum oft ganzjährig im Revier, und manche Paare finden im Folgejahr wieder zusammen.
- Kohl- und Blaumeisen schließen sich im Winter Schwärmen an, und viele Paare, die im Vorjahr erfolgreich gebrütet haben, brüten erneut zusammen.
Viele Fälle scheinbarer Treue sind in Wahrheit Treue zum Ort. Vögel, die jedes Frühjahr in dasselbe Revier zurückkehren, landen oft einfach deshalb beim selben Partner, weil dieser ebenfalls zurückgekehrt ist. Fachleute nennen das Ortstreue, und von außen sieht sie leicht wie Romantik aus.
Gehen Vögel fremd?
Ja, oft. Bei vielen sozial monogamen Singvögeln suchen Weibchen Paarungen mit benachbarten Männchen, und Männchen werben um Weibchen außerhalb des Paares. Der Anteil fremd gezeugter Küken schwankt enorm: Manche Arten zeigen fast keine, bei anderen enthält ein großer Teil der Bruten mindestens ein Küken eines anderen Männchens.
Warum sollte ein Weibchen das tun? Die Forschung hat mehrere Erklärungen vorgeschlagen, und die Belege unterscheiden sich je nach Art:
- Bessere Gene. Ein Weibchen kann von einem attraktiven Nachbarn genetisch hochwertigere oder vielfältigere Nachkommen bekommen.
- Absicherung. Paarungen mit mehr als einem Männchen schützen möglicherweise davor, dass der Partner unfruchtbar ist.
- Optionen für später. Kontakte außerhalb des Paares helfen einem Weibchen vielleicht, einen neuen Partner zu finden, falls der jetzige stirbt oder verschwindet.
Für Männchen ist der Nutzen einfacher: Fremdpaarungen erhöhen die Zahl ihrer Küken ohne zusätzliche Brutpflege. Der Preis ist, dass das eigene Nest weniger bewacht ist, solange das Männchen unterwegs ist.
Langlebige Arten mit lebenslangen Bindungen, etwa Albatrosse und Schwäne, zeigen eher niedrige Fremdvaterschaftsraten, auch wenn sie nicht in jeder Population bei null liegen.

Lassen sich Vögel scheiden?
Ja, und die Ornithologie verwendet genau dieses Wort. Scheidung heißt, dass beide Partner leben, in einer späteren Saison aber mit anderen Partnern brüten.
Die Raten schwanken stark. Albatrosse, Schwäne und Gänse lassen sich selten scheiden, viele kleine Singvögel häufig. In Langzeitstudien ist Brutmisserfolg der beständigste Vorhersagefaktor: Paare, die ihr Nest verlieren oder wenige Junge großziehen, trennen sich eher. Forschung an Kohlmeisen im Wytham Wood bei Oxford, einer der am längsten laufenden Vogelstudien der Welt, hat Scheidungen mit der Vorgeschichte des Paares und dem Bruterfolg in Verbindung gebracht, und ähnliche Muster wurden bei anderen Arten beschrieben.
Aus Sicht des Vogels kann eine Scheidung sinnvoll sein. Wenn eine Partnerschaft keine Jungen hervorbringt, verbessert ein neuer Partner oder ein besseres Revier vielleicht die Chancen im nächsten Jahr.
Warum zahlen sich lange Paarbindungen aus?
Bei langlebigen Vögeln brüten Paare, die zusammenbleiben, mit der Zeit oft erfolgreicher. Mehrere Gründe tragen vermutlich dazu bei:
- Keine Zeit für die Balz verloren. Eingespielte Paare können früher in der Saison mit dem Brüten beginnen.
- Bessere Abstimmung. Partner, die sich kennen, wechseln sich beim Brüten und Füttern reibungsloser ab. Bei Seevögeln bedeuten gut abgestimmte Nahrungsflüge, dass die Küken selten ohne Futter bleiben.
- Gemeinsame Ortskenntnis. Ein Paar, das die besten Nahrungsplätze und Nistplätze kennt, vermeidet teure Fehler.
Studien an Arten wie Dreizehenmöwe und Austernfischer berichten, dass der Bruterfolg mit der Dauer der Paarbindung steigen kann, auch wenn dieser Effekt nicht überall gilt.
Welche Vögel bilden gar keine Paare?
Viele Vögel verzichten ganz auf eine Paarbindung.
- Kolibris. Bei den meisten Kolibriarten paart sich das Männchen und verschwindet. Das Weibchen baut das Nest und zieht die Küken allein groß. Wild lebende Kolibris gibt es nur in Amerika. Was hierzulande im Sommer vor Blüten schwirrt, ist fast immer das Taubenschwänzchen, ein Nachtfalter, der tagsüber fliegt.
- Arenabalz. Bei Birkhuhn, Auerhuhn und Kampfläufer sowie bei vielen Pipras in Mittel- und Südamerika versammeln sich die Männchen an Balzplätzen, den Arenen oder Leks. Die Weibchen wählen einen Partner und brüten dann allein.
- Die meisten Enten. Viele Enten, auch die Stockente, bilden im Winter Paare, doch der Erpel verlässt das Weibchen meist, sobald es zu brüten beginnt.
- Polyandrische Vögel. Bei Odinshühnchen und Mornellregenpfeifer sind die Rollen vertauscht: Die Weibchen konkurrieren um Männchen, und die Männchen übernehmen einen Großteil oder das gesamte Brüten.
- Brutparasiten. Der Kuckuck und der amerikanische Braunkopf-Kuhstärling überlassen die Aufzucht ganz anderen Arten. Siehe warum der Kuckuck seine Eier in fremde Nester legt.
Manche Vögel mischen ihre Strategien. Die Heckenbraunelle, ein unscheinbarer brauner Vogel in vielen europäischen Gärten, wurde durch Forschung in Cambridge berühmt. Sie zeigte, dass in derselben Population monogame Paare, ein Männchen mit zwei Weibchen, ein Weibchen mit zwei Männchen und Gruppen aus mehreren von beiden vorkommen können.
Was passiert, wenn ein Vogel seinen Partner verliert?
Die meisten Vögel verpaaren sich neu. Bei kurzlebigen Singvögeln findet ein verwitweter Vogel im Frühjahr oft innerhalb weniger Tage einen neuen Partner, weil unverpaarte Vögel häufig schon auf eine freie Stelle warten. Langlebige Vögel brauchen manchmal länger und setzen gelegentlich eine Brutsaison aus.
Manche Arten, besonders Gänse, Rabenvögel und Papageien, verändern nach dem Verlust eines Partners ihr Verhalten: Sie rufen, suchen oder bleiben in der Nähe des Ortes, an dem der Partner verschwand. Die Wissenschaft ist vorsichtig damit, das Trauer zu nennen, doch die Beobachtungen sind real. Unser Beitrag trauern Vögel fasst die Belege zusammen.

Mythen und Fakten zur lebenslangen Vogelliebe
Mythos: Alle Vögel bleiben ein Leben lang zusammen. Nur eine Minderheit der Arten behält den Partner über viele Jahre.
Mythos: Verpaarte Vögel sind immer treu. Genetische Studien zeigen, dass fremd gezeugte Küken bei vielen sozial monogamen Arten häufig sind.
Mythos: Ein verwitweter Schwan oder Adler paart sich nie wieder. Die meisten verpaaren sich neu, auch wenn es dauern kann.
Fakt: Dasselbe Nest heißt nicht immer derselbe Partner. Manche Vögel sind ortstreu, und dasselbe Nest kann über die Jahre verschiedene Paare beherbergen. Siehe nutzen Vögel ihre Nester mehrmals.
Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
Die Paare an Ihrer Futterstelle sind ein Fenster zu diesen verschiedenen Strategien.
- Auf Balzfüttern achten. Wenn ein Männchen im Spätwinter und Frühjahr dem Weibchen Futter reicht, etwa bei Gimpeln oder Meisen, ist das ein Zeichen für ein festes Paar.
- Ganzjährige Paare bemerken. Sumpfmeisen und Kleiber bleiben im Winter verpaart, sodass Sie womöglich Monat für Monat dieselben zwei Vögel zusammen sehen.
- Nistkästen beherbergen wechselnde Paare. Ein Meisenkasten, der jedes Jahr belegt ist, kann verschiedene Bewohner haben, auch wenn es nach demselben Paar aussieht.
- Nistmöglichkeiten bieten. Heimische Sträucher, Nistkästen und Nistmaterial helfen Paaren, sich anzusiedeln. Unser Beitrag wie Vögel Nester bauen erklärt, worauf Vögel achten.
- Aufzeichnungen führen. Wer Paare, Nester und Daten in einem Notizbuch, bei eBird oder bei ornitho.de festhält, macht aus Gartenbeobachtung echte Naturbeobachtung.
Kurze Fakten
- Rund 90 Prozent der Vogelarten leben sozial monogam.
- Die meisten Singvogelpaare halten eine einzige Brutsaison.
- Fremd gezeugte Küken finden sich bei den meisten untersuchten sozial monogamen Arten.
- Albatrosse, Schwäne, Gänse, Kraniche, Adler, Kolkraben und viele Papageien bilden langfristige Paare.
- Wisdom, ein 1956 beringtes Laysanalbatros-Weibchen, ist der älteste bekannte wild lebende Vogel und hatte mehr als einen Partner.
- Brutmisserfolg ist ein wichtiger Vorhersagefaktor für eine „Scheidung“.
- Kolibrimännchen beteiligen sich nicht am Brutgeschäft.
- Bei Odinshühnchen und Mornellregenpfeifer brüten vor allem die Männchen.
Quellen
- Laysan Albatross overview, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds
- Bald Eagle overview, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds
- Spotted Sandpiper overview, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds
- Common Raven overview, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds
- NABU, Naturschutzbund Deutschland
- British Trust for Ornithology
Häufige Fragen
Welche Vögel bleiben ein Leben lang zusammen?
Für lange Paarbindungen bekannt sind Albatrosse, Schwäne, viele Gänse wie die Graugans, Kraniche, Seeadler und andere große Adler, viele Papageien, Kolkraben und andere Rabenvögel sowie einige Seevögel wie Papageitaucher. Selbst bei diesen Arten trennen sich Partner manchmal nach wiederholtem Brutmisserfolg, und ein Vogel, der seinen Partner verliert, findet meist einen neuen.
Bleiben Amseln und Meisen ein Leben lang zusammen?
Meist nicht im strengen Sinn. Kohl- und Blaumeisen paaren sich oft für eine Brutsaison, manche Paare finden im nächsten Jahr wieder zusammen. Standvögel wie Sumpfmeise und Kleiber bleiben häufig das ganze Jahr im Revier verpaart und oft über mehrere Jahre. Amselpaare in Gärten halten mitunter ebenfalls länger zusammen, doch genetische Studien zeigen bei vielen Singvögeln Junge von fremden Vätern im Nest.
Wie viel Prozent der Vögel leben monogam?
Rund 90 Prozent aller Vogelarten leben sozial monogam, das heißt, Männchen und Weibchen bilden ein Paar und ziehen die Jungen gemeinsam auf. Diese Zahl, die auf den Ornithologen David Lack zurückgeht, beschreibt soziale Partnerschaften, nicht sexuelle Treue und nicht lebenslange Bindungen. Die meisten Singvogelpaare halten nur eine Brutsaison.
Lassen sich Vögel scheiden?
Ja. In der Ornithologie spricht man von Scheidung, wenn beide Partner eines Paares überleben, in der nächsten Saison aber mit anderen Partnern brüten. Die Scheidungsraten unterscheiden sich stark, von sehr niedrig bei Albatrossen und Schwänen bis häufig bei vielen kleinen Singvögeln. Brutmisserfolg ist eine der am häufigsten damit verbundenen Ursachen.
Was passiert, wenn der Partner eines Vogels stirbt?
Die meisten Vögel verpaaren sich neu, in der Brutzeit oft schnell, weil die Aufzucht der Jungen meist zwei Eltern braucht. Langlebige Arten brauchen manchmal länger, bis sie einen neuen Partner finden. Manche Vögel, besonders Gänse, Rabenvögel und Papageien, verhalten sich nach dem Verlust des Partners auffällig anders, doch die Forschung ist vorsichtig damit, das als Trauer zu bezeichnen.