Warum bilden Vögel Schwärme?
Warum bilden Vögel Schwärme? Vor allem zum Schutz vor Greifvögeln, dazu für bessere Nahrungssuche, geteiltes Wissen und Wärme. Die Wissenschaft, mit Beispielen.

In diesem Artikel
- Kurz erklärt: die wichtigsten Gründe für Schwarmbildung
- Wie schützt der Schwarm Vögel vor Feinden?
- Wie hilft der Schwarm bei der Nahrungssuche?
- Warum schließen sich verschiedene Arten zusammen?
- Spart der Flug im Schwarm Energie?
- Schließen sich Vögel zusammen, um warm zu bleiben?
- Warum bilden manche Vögel nur im Winter Schwärme?
- Wie groß können Vogelschwärme werden?
- Warum bilden nicht alle Vögel Schwärme?
- Gibt es in Schwärmen eine Hackordnung?
- Wie bewegen sich Schwärme, ohne zusammenzustoßen?
- Mythen und Fakten zur Schwarmbildung
- Was bedeutet das für Ihren Garten?
- Kurz und knapp
- Quellen
- Häufige Fragen
Vögel bilden Schwärme vor allem, weil sie in der Gruppe sicherer vor Feinden sind, und oft auch, weil sie so leichter Nahrung finden. Im Schwarm halten mehr Augen nach Sperber und Falke Ausschau, ein Spatz in einem Trupp von 20 Tieren wird weit seltener zum Opfer als ein Spatz allein, und eine wirbelnde Menge verwirrt Angreifer. Schwärme verbreiten außerdem Wissen über Futterquellen, sparen bei manchen Arten Energie und helfen Vögeln, nachts warm zu bleiben. Der Preis ist Konkurrenz, deshalb verteidigen viele Vögel während der Brutzeit ein Revier.
Diese Abwägung von Kosten und Nutzen erklärt fast jeden Schwarm, den Sie sehen, vom Meisentrupp im winterlichen Laubwald über Stare am Schilf bis zu Kranichen und Gänsen, die in Keilformation über den Himmel ziehen.
Kurz erklärt: die wichtigsten Gründe für Schwarmbildung
- Feinde früher entdecken: Viele Augen sehen Gefahr eher, also kann jeder Vogel mehr Zeit mit Fressen verbringen.
- Verdünnungseffekt: In der Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass ausgerechnet ein bestimmter Vogel zum Opfer wird.
- Verwirrungseffekt: Eine bewegte Menge macht es einem Beutegreifer schwer, ein einzelnes Ziel zu verfolgen.
- Nahrungssuche: Artgenossen zeigen ergiebige Futterstellen und scheuchen gegenseitig Insekten auf.
- Information: Warnrufe und Verhalten geben Wissen weiter, sogar zwischen verschiedenen Arten.
- Energie sparen: Manche Vögel fliegen in Formation, um Kraft zu sparen, und viele schlafen dicht gedrängt, um Wärme zu halten.
- Soziales Lernen: Junge Vögel lernen Zugwege, Nahrung und Gefahren von erfahrenen Altvögeln.
Wie schützt der Schwarm Vögel vor Feinden?
Bei den meisten untersuchten Arten ist der Druck durch Beutegreifer der wichtigste Grund für Schwarmbildung. Er wirkt über mehrere verschiedene Mechanismen, und die Biologie betrachtet sie getrennt, weil jeder zu anderen Vorhersagen führt.
Was ist der Viele-Augen-Effekt?
Ein einzelner Vogel muss seine Zeit zwischen Fressen und Sichern aufteilen, also dem Aufblicken, ob Gefahr droht. In der Gruppe verteilt sich diese Aufgabe. Studien an vielen Arten haben gezeigt, dass der einzelne Vogel mit wachsender Gruppengröße seltener aufblickt, die Gruppe als Ganzes aber trotzdem früher bemerkt, wenn ein Feind naht. Jeder Vogel kann dadurch mehr fressen, und das zählt an einem kurzen Wintertag sehr viel.
Was ist der Verdünnungseffekt?
Greift ein Sperber einen Trupp an und erbeutet einen Vogel, teilt sich das Risiko für jedes Mitglied ungefähr durch die Zahl der anwesenden Vögel. Ein Spatz in einem Trupp von 20 Tieren wird im Durchschnitt weit seltener zum Opfer als ein Spatz allein. Dieser Effekt ist am stärksten, wenn ein Beutegreifer pro Angriff nur ein Tier fangen kann, und das trifft auf die meisten Greifvögel zu.
Was ist der Verwirrungseffekt?
Ein Jäger muss sich auf ein einzelnes Ziel festlegen. Wenn sich Dutzende oder Tausende ähnlich aussehende Vögel gleichzeitig bewegen, wird es schwer, eines davon im Blick zu behalten. Experimente mit Raubfischen und simulierter Beute sowie Beobachtungen von Falken, die Stare und Watvögel jagen, stützen die Annahme, dass der Jagderfolg sinkt, je größer und dichter die Beutegruppe ist. Das berühmte Schwarmballett der Stare ist ein extremes Beispiel dafür.
Warum drängt sich ein Schwarm zusammen, wenn ein Greifvogel auftaucht?
Der Biologe W. D. Hamilton beschrieb 1971 die sogenannte egoistische Herde. Jedes Tier versucht, sich selbst weniger auszusetzen, indem es zur Mitte der Gruppe strebt und so andere zwischen sich und den Feind bringt. Das Ergebnis ist ein dichter Pulk. Beobachten Sie einen Trupp Watvögel, Tauben oder Stare, wenn ein Wanderfalke vorbeifliegt, dann sehen Sie oft, wie sich der Schwarm zusammenzieht. Randplätze sind riskanter, und dominante Vögel besetzen häufig die Mitte.

Ist ein Schwarm immer sicherer?
Nein. Große, laute Gruppen sind für Beutegreifer auch leichter zu finden, und manche Greifvögel haben sich auf Schwärme spezialisiert. Der Sperber jagt in Mitteleuropa regelmäßig an Futterstellen, eben weil sich dort kleine Vögel sammeln. Der Schwarm senkt das Risiko für das durchschnittliche Mitglied, beseitigt es aber nicht. Was im Garten hilft, lesen Sie in unserem Ratgeber wenn Greifvögel am Futterhaus jagen.
Wie hilft der Schwarm bei der Nahrungssuche?
Folgen Vögel einander zum Futter?
Ja, ständig. Ein Vogel, der andere fressen sieht, lernt daraus, dass es dort etwas gibt. Diese sogenannte lokale Verstärkung ist der Grund, warum ein neues Futterhaus oft tagelang leer bleibt und sich dann schnell füllt, sobald die ersten Vögel es entdeckt haben. Fressen erst einige Stammgäste dort, deuten Neuankömmlinge ihr ruhiges Verhalten als Zeichen, dass der Platz ergiebig und halbwegs sicher ist.
Für Vögel, die auf fleckig verteilte, schwer vorhersehbare Nahrung angewiesen sind, etwa Samenstände, Beeren oder Insektenschwärme, deckt die Suche in der Gruppe mehr Fläche ab. Findet ein Vogel eine reiche Stelle, profitieren die anderen mit.
Können Schwärme Nahrung erbeuten, die ein einzelner Vogel nicht erreicht?
Manchmal. Einige Wasservögel arbeiten locker zusammen. Pelikane schwimmen mitunter in Linien oder Bögen, um Fische ins flache Wasser zu treiben. Kormorane jagen an manchen Gewässern in großen Gruppen, und Kuhreiher folgen weidendem Vieh, das Insekten aufscheucht. In gemischten Waldtrupps scheuchen einzelne Arten Insekten auf, die andere Mitglieder fangen. Zusammenarbeit bedeutet hier meist sich überschneidendes Eigeninteresse, keine geplante Teamarbeit.
Wo liegt der Nachteil bei der Nahrung?
In der Konkurrenz. Jeder Vogel im Schwarm ist ein Rivale um dieselben Samen oder Insekten. Dominante Tiere belegen die besten Plätze, rangniedere bekommen oft weniger. Deshalb sind Schwärme dann am häufigsten, wenn Nahrung in Flecken verteilt ist, die zu groß sind, als dass ein einzelner Vogel sie verteidigen könnte, und deshalb wechseln viele Vögel zur Revierbildung, wenn sie eine verlässliche Versorgung für ihre Küken brauchen.
Warum schließen sich verschiedene Arten zusammen?
Gemischte Trupps gehören zu den spannendsten Schwarmformen und kommen auf jedem Kontinent vor, auf dem Singvögel leben.
Wer führt einen gemischten Trupp an?
Die Forschung unterscheidet Kernarten, die das Zentrum des Trupps bilden und denen andere folgen, und Begleitarten, die sich ihnen anschließen. Kernarten sind meist ruffreudig, gesellig und aufmerksam. In mitteleuropäischen Wäldern übernehmen Meisen diese Rolle, allen voran Kohl-, Blau-, Tannen- und Schwanzmeisen. Ihnen schließen sich im Winter häufig Kleiber, Garten- und Waldbaumläufer, Winter- und Sommergoldhähnchen sowie Bunt- und Kleinspechte an. In Nordamerika spielen Chickadees und Titmice, enge Verwandte unserer Meisen, dieselbe Rolle. In tropischen Wäldern vom Amazonas bis nach Südostasien können gemischte Trupps Dutzende Arten umfassen.
Eine 2009 in der Fachzeitschrift Animal Behaviour veröffentlichte Übersichtsarbeit von Sridhar, Beauchamp und Shanker verglich Studien aus aller Welt und kam zu dem Schluss, dass sowohl Feindvermeidung als auch Vorteile bei der Nahrungssuche die Teilnahme erklären, wobei die Feindvermeidung oft der stärkere Faktor ist.
Verstehen Vögel die Warnrufe anderer Arten?
Viele schon. Ein gut untersuchtes Beispiel stammt von der nordamerikanischen Schwarzkopfmeise. Eine 2005 in Science veröffentlichte Studie zeigte, dass diese Meisen ihre Rufe je nach Größe und Gefährlichkeit eines Feindes abwandeln, mit mehr Elementen bei kleinen, wendigen und damit gefährlicheren Feinden wie kleinen Eulen. Andere Arten, darunter Kleiber, reagieren auf diese Rufe. Auch bei uns ist gut zu beobachten, dass ein scharfer Meisenwarnruf den ganzen Garten verstummen lässt. Meisen wirken damit wie ein Frühwarnsystem für den gesamten Trupp.

Profitieren alle Mitglieder gleich?
Nicht ganz. Manche Arten nutzen andere aus, etwa indem sie Nahrung stehlen, die Truppmitglieder aufgescheucht oder gefunden haben. In manchen tropischen Trupps gibt es Wächterarten, die warnen und gelegentlich Fehlalarm schlagen, was andere kurz von ihrer Beute ablenkt, die sich der Wächter dann schnappt. Unterm Strich scheinen die Vorteile aber groß genug, dass gemischte Trupps bestehen bleiben.
Spart der Flug im Schwarm Energie?
Bei manchen Vögeln ja. Gänse, Kraniche, Pelikane und Ibisse, die in Keil- oder Linienformation fliegen, positionieren sich vermutlich so, dass sie die aufsteigende Luft an den Flügelspitzen des Vordermanns nutzen. Eine 2014 in Nature veröffentlichte Studie stattete Waldrappe mit hochpräzisen Datenloggern aus und fand, dass sie ihre Position und ihren Flügelschlag so abstimmten, wie es aerodynamische Modelle für eine Energieersparnis vorhersagen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag warum Vögel in V-Formation fliegen.
Der gemeinsame Zug hilft jungen Vögeln vermutlich auch, die Route von erfahrenen Altvögeln zu lernen. Kraniche, Gänse und Schwäne ziehen als Familienverbände, und die Jungvögel reisen auf ihrem ersten Zug in der Regel mit den Eltern. Wer im Herbst die großen Kranichrastplätze in Norddeutschland besucht, sieht diese Familiengruppen besonders gut.
Schließen sich Vögel zusammen, um warm zu bleiben?
Gemeinsames Übernachten verringert bei Kälte den Wärmeverlust. Viele kleine Vögel drängen sich nachts in Höhlen oder dichter Deckung aneinander. Zaunkönige übernachten in kalten Nächten mitunter zu mehreren in einem einzigen Nistkasten oder Nest, und von verschiedenen Meisen und Baumläufern sind in Europa und Nordamerika dichte Schlafgemeinschaften beschrieben. Schwanzmeisen sind dafür bekannt, dass sie in einer Reihe, eng aneinandergepresst, auf einem Ast schlafen.
Gemeinschaftsschlafplätze bieten außerdem an sich schon Schutz: Dichte Schilfgürtel, Nadelbäume oder Gebäude in der Stadt halten Wind und manche Feinde ab. Mehr dazu in unseren Beiträgen wo Vögel nachts schlafen und wie sich Vögel im Winter warm halten.
Warum bilden manche Vögel nur im Winter Schwärme?
Schwarmverhalten ist flexibel. Dieselbe Art kann im Frühjahr streng territorial und im Herbst ausgesprochen gesellig sein. Einige Beispiele aus heimischen Gärten:
| Art | Brutzeit | Außerhalb der Brutzeit |
|---|---|---|
| Kohlmeise | Paare verteidigen Reviere | Umherstreifende Trupps, oft Kern gemischter Wintertrupps |
| Amsel | Revierpaare, Männchen singen von Dachfirsten | Weniger streng territorial, im Winter oft mehrere Vögel an beerenreichen Sträuchern, Zuzügler aus dem Norden |
| Rotkehlchen | Territorial | Bleibt weitgehend territorial, beide Geschlechter können eigene Winterreviere halten |
| Star | Brütet in lockeren Gruppen in Höhlen | Große Trupps und Gemeinschaftsschlafplätze, Schwarmflüge am Abend |
| Buchfink | Männchen verteidigen singend Reviere | Trupps auf Feldern und unter Buchen, oft gemischt mit Bergfinken |
| Stieglitz | Brütet oft in lockeren Nachbarschaften | Trupps an Distel-, Karden- und Erlensamen |
Das Muster folgt der Ökonomie. Braucht ein Vogel eine verlässliche Nahrungsquelle nahe am Nest, lohnt sich ein Revier. Ist die Nahrung fleckig verteilt und die Brut vorbei, lohnt sich der Anschluss an einen Trupp mehr.
Wie groß können Vogelschwärme werden?
Die Spannweite reicht von zwei Vögeln, die gemeinsam unterwegs sind, bis zu einigen der größten Ansammlungen von Wirbeltieren auf der Erde.
- Blutschnabelweber. Dieser kleine afrikanische Samenfresser gilt oft als einer der häufigsten Wildvögel der Welt, und seine Schwärme können Hunderttausende oder mehr Vögel umfassen. Große Schwärme können Getreidefelder kahl fressen, weshalb die Art in Teilen Afrikas als ernster Schädling gilt.
- Wandertaube. Im 19. Jahrhundert beschrieben Beobachter Schwärme dieser nordamerikanischen Taube, deren Vorbeiflug Stunden oder sogar Tage dauerte, mit Schätzungen von Hunderten Millionen oder Milliarden Vögeln. Das sind historische Berichte, keine modernen Zählungen. Die Art wurde durch Bejagung und Lebensraumverlust ausgerottet, das letzte bekannte Tier starb 1914 in einem Zoo. Ihre Abhängigkeit von riesigen Schwärmen beim Brüten und Fressen hat sie womöglich besonders verwundbar gemacht, als die Bestände schrumpften.
- Bergfinken. In Wintern nach einer Buchenmast sammeln sich Bergfinken aus Nordeuropa an einzelnen Schlafplätzen in Mitteleuropa, etwa in der Schweiz und in Süddeutschland, in Größenordnungen, die auf Millionen Vögel geschätzt wurden. Solche Einflüge sind unregelmäßig und hängen stark vom Buchensamenangebot ab.
- Watvögel und Wasservögel. Rastgebiete an den großen Zugwegen, allen voran das Wattenmeer an der deutschen, niederländischen und dänischen Nordseeküste, beherbergen jedes Jahr Millionen durchziehender Watvögel, Gänse und Enten, und auf großen Seen sammeln sich im Winter riesige Entenansammlungen.

Warum bilden nicht alle Vögel Schwärme?
Schwarmbildung lohnt sich nur, wenn der Nutzen die Kosten übersteigt, und bei vielen Arten ist das nicht der Fall. Die meisten Eulen und viele Greifvögel jagen einen Großteil des Jahres allein. Für einen Jäger, der auf Heimlichkeit angewiesen ist, ist Gesellschaft ein Nachteil: Mehr Vögel bedeuten mehr Lärm, mehr Konkurrenz um jede Beute und mehr Gelegenheiten für die Beutetiere, ihn zu bemerken. Auch Vögel, die eine Nahrungsquelle verteidigen, fahren allein besser, etwa ein Rotkehlchen mit seinem Winterrevier oder eine Misteldrossel, die im Winter einen Strauch voller Beeren oder einen Mistelbusch gegen alle anderen Vögel bewacht. Teilen würde genau die Quelle erschöpfen, von der sie abhängen.
Auch die Körpergröße spielt eine Rolle. Sehr große Vögel haben weniger Feinde, der Sicherheitsgewinn im Schwarm ist also kleiner. Manche großen Vögel schließen sich trotzdem aus anderen Gründen zusammen, etwa auf dem Zug oder in Brutkolonien, viele leben aber lieber paarweise oder in Familiengruppen.
Gibt es in Schwärmen eine Hackordnung?
Oft ja. Viele Wintertrupps haben eine stabile Rangordnung. In Meisentrupps haben dominante Vögel, häufig ältere Männchen, zuerst Zugang zum Futter und besetzen die sichersten Plätze, während rangniedere Tiere am Rand oder zu riskanteren Zeiten fressen. Die Rangordnung verringert ständige Kämpfe, weil jeder Vogel seinen Platz kennt. Der Begriff Hackordnung selbst stammt übrigens aus der Verhaltensforschung an Haushühnern.
Am Futterhaus können Sie das gut beobachten. Achten Sie darauf, welche Vögel andere verdrängen und welche warten. Unser Ratgeber zum Vogelverhalten verstehen erklärt die Haltungen und Drohgesten, mit denen Vögel ihren Rang zeigen.
Wie bewegen sich Schwärme, ohne zusammenzustoßen?
Schwarmvögel folgen einfachen lokalen Regeln: Abstand zu den Nachbarn halten, die eigene Richtung an ihre anpassen und bei der Gruppe bleiben. Untersuchungen an Staren in Rom ergaben, dass jeder Vogel etwa sechs bis sieben nächste Nachbarn im Blick behält. Das reicht für blitzschnelle, abgestimmte Wendungen in riesigen Schwärmen, ohne dass ein Anführer das Ganze lenkt.
In kleineren, strukturierteren Gruppen kann der Einfluss ungleich verteilt sein. Untersuchungen an Brieftauben, die in kleinen Trupps heimflogen, fanden, dass manche Tiere regelmäßig vorausfliegen und andere folgen. Das spricht für eine Hierarchie des Einflusses statt für strikte Gleichheit.
Mythen und Fakten zur Schwarmbildung
| Behauptung | Was die Forschung sagt |
|---|---|
| “Gleich und gleich gesellt sich gern” bedeutet, dass immer nur eine Art zusammen fliegt. | Falsch. Gemischte Trupps sind weltweit häufig. |
| Schwärme folgen immer einem Anführer. | Überwiegend falsch. Die Abstimmung entsteht meist aus lokalen Regeln, auch wenn manche Vögel mehr Einfluss haben. |
| Vögel bilden Schwärme, weil sie sich einsam fühlen. | Keine wissenschaftliche Erklärung. Schwarmbildung lässt sich am besten mit Vorteilen beim Überleben und Fressen erklären. |
| Im Schwarm ist man immer sicherer. | Für den durchschnittlichen Vogel meist richtig, doch Randvögel tragen ein höheres Risiko, und Schwärme können Feinde anlocken. |
| Alle Vögel bilden Schwärme. | Falsch. Viele Arten, etwa die meisten Eulen und viele Greifvögel, leben außerhalb der Brutzeit weitgehend allein. |
Was bedeutet das für Ihren Garten?
Wer Schwärme versteht, beobachtet das Futterhaus mit mehr Gewinn und kann den Garten besser gestalten.
- Rechnen Sie mit Wellen, nicht mit einem gleichmäßigen Strom. Im Winter ziehen gemischte Trupps auf festen Runden durch die Gärten. Ruhige Phasen, gefolgt von plötzlichem Betrieb, sind normal.
- Schaffen Sie Deckung nahe der Futterstelle. Schwarmvögel fühlen sich sicherer, wenn Sträucher, eine Hecke oder ein Reisighaufen mit einem kurzen Sprint erreichbar sind. Unser Ratgeber einen Reisighaufen für Vögel anlegen zeigt, wie Sie schnell Fluchtdeckung schaffen.
- Bieten Sie mehrere Futterplätze an. Verteiltes Futter entzerrt das Gedränge und lässt auch rangniedere Vögel zum Zug kommen.
- Hören Sie auf Warnrufe. Ein plötzliches Zetern der Meisen oder eine schlagartige Stille bedeutet oft, dass ein Sperber oder eine Katze in der Nähe ist.
- Halten Sie Futterstellen sauber. Gedränge begünstigt die Übertragung von Krankheiten. Reinigen Sie Futterhäuser und Schalen regelmäßig, besonders wenn viele Vögel gleichzeitig kommen.
- Füttern Sie im Winter zuverlässig. Trupps verlassen sich an kurzen Tagen auf verlässliche Quellen. Welches Futter dann am meisten hilft, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Winterfütterung. Der NABU gibt auf seiner Website ebenfalls Hinweise zur naturnahen Fütterung.
Kurz und knapp
- Schutz vor Beutegreifern ist der am besten belegte Grund für Schwarmbildung.
- Viele Augen, Verdünnung, Verwirrung und die egoistische Herde sind die vier wichtigsten feindbezogenen Mechanismen.
- Schwärme helfen, fleckig verteilte Nahrung zu finden, erhöhen aber auch die Konkurrenz.
- Gemischte Trupps sind weltweit verbreitet und werden oft von ruffreudigen, wachsamen Arten wie Meisen angeführt.
- Die Warnrufe nordamerikanischer Meisen verraten, wie gefährlich ein Feind ist, und andere Arten hören mit.
- Keilformationen sparen bei manchen großen Vögeln Energie, wie Studien an Waldrappen zeigen.
- Viele Singvögel wechseln vom Revier im Frühjahr zum Trupp im Herbst und Winter.
- Wintertrupps haben oft eine Rangordnung, die Kämpfe verringert.
Quellen
- Sridhar, Beauchamp und Shanker (2009), Why do birds participate in mixed-species foraging flocks? A large-scale synthesis, Animal Behaviour
- Templeton, Greene und Davis (2005), Allometry of alarm calls: Black-capped Chickadees encode information about predator size, Science
- Portugal et al. (2014), Upwash exploitation and downwash avoidance by flap phasing in ibis formation flight, Nature
- Ballerini et al. (2008), Interaction ruling animal collective behavior depends on topological rather than metric distance, PNAS
- NABU, Naturschutzbund Deutschland
- Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA)
Häufige Fragen
Warum schließen sich Vögel im Winter zu Schwärmen zusammen, im Frühjahr aber nicht?
In der Brutzeit verteidigen viele Singvögel ein Revier, um Nahrung und Nistplatz für ihre Jungen zu sichern, und vertreiben deshalb Rivalen. Nach der Brut ändert sich die Rechnung. Nahrung ist nun fleckig verteilt, die Tage sind kurz und Greifvögel jagen weiter, also überwiegen Sicherheit in der Gruppe und gemeinsame Futtersuche die Nachteile der Konkurrenz. Viele Arten wechseln im Herbst vom Revierpaar zum Trupp.
Bilden verschiedene Vogelarten gemeinsame Schwärme?
Ja. Gemischte Trupps sind weltweit verbreitet. In mitteleuropäischen Wäldern führen Kohl-, Blau-, Tannen- und Schwanzmeisen im Winter oft Trupps an, denen sich Kleiber, Baumläufer, Goldhähnchen und Buntspechte anschließen. In Nordamerika übernehmen Chickadees diese Rolle, in tropischen Wäldern können gemischte Trupps Dutzende Arten umfassen. Mitläufer profitieren von Warnrufen und Ortskenntnis der Kernarten.
Ist ein Vogel im Schwarm sicherer?
Im Allgemeinen ja, aber nicht jedes Mitglied gleich stark. Schwärme entdecken Feinde früher, verteilen das Risiko auf viele Köpfe und verwirren Angreifer. Vögel in der Mitte sind meist sicherer als Vögel am Rand, und rangniedere Tiere werden oft an riskantere Plätze gedrängt. Große Ansammlungen können Greifvögel zudem anlocken, der Nutzen hängt also von der Situation ab.
Haben Vogelschwärme einen Anführer?
Meist nicht im Sinne eines einzelnen Chefs, der die Gruppe lenkt. Die Bewegung eines Schwarms entsteht überwiegend daraus, dass jeder Vogel auf seine nächsten Nachbarn reagiert. Trotzdem haben manche Tiere mehr Einfluss als andere. Bei Heimflügen von Brieftauben fanden Forschende Hierarchien, in denen bestimmten Tauben häufiger gefolgt wird, und in gemischten Trupps geben sogenannte Kernarten die Richtung vor.
Warum fliegen alle Vögel eines Schwarms gleichzeitig auf?
Wenn ein Vogel Gefahr bemerkt und flieht, reagieren seine Nachbarn innerhalb von Sekundenbruchteilen auf diese plötzliche Bewegung, und die Reaktion pflanzt sich durch den ganzen Schwarm fort. Vögel achten sehr genau darauf, wenn Artgenossen abfliegen, und viele geben zusätzlich Warnrufe. Diese schnelle Kettenreaktion ist einer der größten Vorteile des Schwarms, denn nicht jeder Vogel muss den Feind selbst sehen.