Können Vögel das Wetter vorhersagen?
Können Vögel das Wetter vorhersagen? Kurzfristig ja: Sie spüren fallenden Luftdruck und wohl auch Infraschall. Langfristige Bauernregeln sind dagegen Mythos.

In diesem Artikel
- Kurze Fakten: Vögel und Wetter
- Wie könnten Vögel das Wetter wahrnehmen?
- Was zeigt die Forschung?
- Warum stürmen Vögel vor einem Unwetter die Futterstelle?
- Was machen Vögel während eines Unwetters?
- Was ist ein „Fallout“ und wie entsteht er durch Wetter?
- Wie verändert das tägliche Wetter das Geschehen am Futterplatz?
- Spüren Vögel Erdbeben?
- Spüren Vögel Kälteeinbrüche im Voraus?
- Welche Bauernregeln über Vögel stimmen?
- Können Vögel langfristiges Wetter oder Jahreszeiten vorhersagen?
- Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
- Häufige Fehler
- Fazit
- Quellen
- Häufige Fragen
Vögel können keine Wetterkarte lesen, aber sie spüren Veränderungen, die schlechtes Wetter ankündigen, und handeln oft danach. Die Forschung zeigt, dass Vögel bei fallendem Luftdruck mehr fressen, dass manche offenbar Infraschall von weit entfernten Unwettern wahrnehmen und ausweichen, Goldflügel-Waldsänger 2014 auf einem Rundflug von über 1.400 km, und dass Zugvögel ihren Abflug nach günstigen Winden richten. Was Vögel nach heutigem Wissen nicht können, ist das Wetter Wochen oder Monate im Voraus vorherzusagen. Volksweisheiten über harte Winter sind deshalb nicht belegt.
Hier lesen Sie, was die Forschung sagt, wie Vögel das Wetter wahrnehmen könnten und was Sie selbst vom Fenster aus beobachten können.
Kurze Fakten: Vögel und Wetter
- Luftdruck: Vögel nehmen offenbar fallenden Luftdruck wahr, ein klassisches Zeichen für ein herannahendes Tief.
- Fressen vor Unwettern: Sperlinge in Gefangenschaft fraßen mehr, als Forschende den Luftdruck senkten.
- Flucht vor Tornados: Besenderte Goldflügel-Waldsänger verließen ihr Brutgebiet vor einem großen Tornadoausbruch im Jahr 2014.
- Infraschall: Manche Vögel hören sehr tiefe Töne, die Unwetter erzeugen und die weit reichen.
- Vogelzug: Zugvögel richten ihren Abflug nach Rückenwind und Wetter, oft direkt nach dem Durchzug einer Front.
- Langfristprognosen: Keine guten Belege dafür, dass Vögel das Wetter einer ganzen Jahreszeit vorhersagen.
Wie könnten Vögel das Wetter wahrnehmen?
Vögel verfügen über mehrere Sinne, die die Vorboten eines Wetterumschwungs erfassen könnten.
Luftdruck
Fallender Luftdruck gehört zu den besten kurzfristigen Anzeichen für ein Unwetter. Vögel erleben Druckänderungen ständig, wenn sie steigen und sinken, daher liegt es nahe, dass sie dafür empfindlich sind. Tauben etwa konnten in Laborversuchen kleine Luftdruckänderungen wahrnehmen.
Wo genau Vögel den Druck spüren, ist noch nicht vollständig geklärt. Ein Kandidat ist das Paratympanalorgan, eine kleine Sinnesstruktur im Mittelohr der Vögel, die nach Ansicht mancher Forschender wie ein Barometer oder Höhenmesser arbeitet. Diese Idee ist plausibel, aber noch nicht bewiesen, sie sollte also als führende Hypothese gelten und nicht als gesicherte Tatsache. Mehr zum Aufbau des Vogelohrs lesen Sie in haben Vögel Ohren?
Infraschall
Infraschall ist Schall unterhalb von etwa 20 Hertz, zu tief für das menschliche Ohr. Schwere Unwetter, Tornados, Meereswellen und Erdbeben erzeugen Infraschall, und er kann sich über Hunderte Kilometer ausbreiten. Versuche mit Brieftauben in den 1970er-Jahren deuteten darauf hin, dass sie Infraschall wahrnehmen, und manche Forschende vermuten, dass Tauben ihn zur Orientierung nutzen könnten. Ob wildlebende Vögel herannahende Unwetter über Infraschall erkennen, legen einige Freilandbefunde nahe, die unten beschrieben sind, direkt nachgewiesen ist es aber nicht.
Andere Signale
Vögel reagieren wahrscheinlich auch auf Änderungen von Windrichtung und Windstärke, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht. All das verschiebt sich, wenn sich eine Wetterlage nähert. Viele dieser Signale sind für Vögel leicht wahrzunehmen und ändern sich vor einem Unwetter schnell.
Was zeigt die Forschung?
Sperlinge fressen mehr, wenn der Druck fällt
Eine Studie von Creagh Breuner und Kollegen aus dem Jahr 2013, erschienen im Journal of Experimental Biology, untersuchte Dachsammern, eine nordamerikanische Sperlingsart, in Gefangenschaft. Als die Forschenden den Luftdruck in der Versuchskammer senkten und damit ein herannahendes Tief simulierten, fraßen die Vögel mehr. Das stützt die Annahme, dass Vögel Druckabfall als Signal nutzen, um vor schlechtem Wetter Energie zu tanken.

Waldsänger flohen vor einem Tornadoausbruch
Eines der eindrucksvollsten Beispiele stammt aus einer Studie unter Leitung von Henry Streby, die 2015 in Current Biology erschien. Das Team hatte Goldflügel-Waldsänger, die in den Cumberland Mountains in Tennessee brüten, mit winzigen Geolokatoren ausgestattet, um ihren Zug zu verfolgen. Ende April 2014 brachte ein schweres Unwettersystem einen großen Tornadoausbruch über den mittleren und südlichen USA.
Die Daten zeigten, dass die Waldsänger ihre Reviere etwa ein bis zwei Tage vor dem Unwetter verließen, als es noch Hunderte Kilometer entfernt war. Sie flogen nach Süden, manche bis an die Golfküste oder darüber hinaus, und kehrten nach dem Durchzug des Unwetters in ihre Reviere zurück. Die Forschenden schätzten diesen Rundflug auf deutlich über 1.400 km in wenigen Tagen. Beim Abflug gab es vor Ort keine erkennbare Wetteränderung.
Die Forschenden vermuteten, dass die Vögel Infraschall des Unwettersystems wahrgenommen haben könnten. Das bleibt eine Hypothese, aber die Studie zeigt, dass kleine Singvögel große, schnelle Ausweichbewegungen vor gefährlichem Wetter machen können.
Mauersegler und die „Wetterflucht“
Auch in Mitteleuropa gibt es ein bekanntes Beispiel. Mauersegler, die ausschließlich von Fluginsekten leben, weichen großräumigen Schlechtwetterlagen im Sommer oft aus und fliegen dem Regen um Hunderte Kilometer davon, bis sie wieder Insekten finden. Dieses Verhalten wird als Wetterflucht bezeichnet. Die Jungvögel im Nest überstehen solche Tage, weil sie ihren Stoffwechsel drosseln und in eine Art Kältestarre fallen können. Ob die Altvögel die Wetterlage vorab spüren oder schlicht dem Insektenangebot folgen, ist nicht abschließend geklärt.
Zugvögel lesen den Wind
Wetterradar und Besenderungsstudien zeigen, dass Zugvögel sehr wählerisch sind, wann sie fliegen. In Europa folgen starke Zugnächte im Herbst oft auf den Durchzug einer Kaltfront, wenn Nord- und Nordostwinde den südwärts ziehenden Vögeln Rückenwind geben. Im Frühjahr bringen warme südliche Strömungen Wellen von Zugvögeln nach Norden. Radarstudien, etwa der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, und Projekte wie BirdCast in Nordamerika nutzen Wettervorhersagen, um die Zugintensität vorherzusagen. Das funktioniert genau deshalb, weil die Entscheidungen der Vögel so eng am Wetter hängen.
Langstreckenzieher wirken besonders geschickt. Pfuhlschnepfen, die nonstop von Alaska nach Neuseeland fliegen, richten ihren Abflug vermutlich nach günstigen Windmustern, die mit durchziehenden Wettersystemen verbunden sind. Wie sie die Bedingungen beurteilen, wird noch erforscht. Mehr zur Orientierung lesen Sie in woher wissen Vögel, wohin sie ziehen?
Warum stürmen Vögel vor einem Unwetter die Futterstelle?
Viele Vogelfreunde bemerken, dass an Futterstellen vor Schnee oder Starkregen besonders viel los ist. Dafür gibt es gute Gründe.
Kleine Vögel wie Blaumeisen, Kohlmeisen, Buchfinken und Rotkehlchen haben im Winter kaum Spielraum. Sie legen tagsüber Fett an und verbrauchen einen großen Teil davon in der Nacht, nur um warm zu bleiben. Wenn ein Unwetter die Nahrung unter Schnee begräbt oder die Futtersuche für einen Tag oder länger erschwert, kann es über Leben und Tod entscheiden, vorher so viel wie möglich zu fressen. Die Studie von Breuner legt nahe, dass fallender Luftdruck dieses Verhalten mit auslösen kann.
Sie bemerken dann vielleicht:
- Mehr Vögel gleichzeitig, auch Arten, die sonst nur einzeln oder zu zweit kommen, etwa Kernbeißer oder Bergfinken.
- Längere Fressphasen und kürzere Pausen zwischen den Besuchen.
- Mehr Vorratshaltung bei Meisen, Kleibern und Eichelhähern, die Futter verstecken, um es später zu holen. Siehe warum Vögel Futter horten.
Nach dem Unwetter steigt die Aktivität oft erneut stark an, weil die Vögel ihre Reserven auffüllen.

Was machen Vögel während eines Unwetters?
Während eines Unwetters suchen die meisten kleinen Vögel Schutz. Sie ziehen sich in dichte Nadelgehölze, Hecken, Reisighaufen und Höhlen zurück, wo sie vor Wind und Regen geschützt sind. Viele plustern ihr Gefieder zur Isolation auf und schränken ihre Aktivität ein, um Energie zu sparen. Vögel halten sich mit einem Sehnen-Sperrmechanismus in den Füßen an Zweigen fest, der ihnen auch bei starkem Wind Halt gibt. Mehr dazu in wie halten sich Vögel im Winter warm? und warum plustern sich Vögel auf?
Orkane und tropische Wirbelstürme
Große Stürme sind ein Sonderfall. Manche Vögel scheinen auszuweichen, andere werden vom Sturm erfasst. Bei Hurrikanen und Taifunen werden Seevögel und andere Arten mitunter im ruhigen Auge des Sturms gefangen und weit verfrachtet. In Mitteleuropa sorgen kräftige Herbststürme über Nord- und Ostsee dafür, dass Wellenläufer, Sturmschwalben oder Raubmöwen an Küsten und gelegentlich auf Binnenseen auftauchen. Besenderungsstudien an Watvögeln wie dem Regenbrachvogel dokumentierten Vögel, die durch tropische Stürme oder um sie herum flogen, manchmal erfolgreich, manchmal nicht.
Was ist ein „Fallout“ und wie entsteht er durch Wetter?
Ein Fallout, auf Deutsch manchmal Zugstau oder Massenrast genannt, ist eine der eindrucksvollsten Arten, wie das Wetter Vogelverhalten prägt. Er zeigt zugleich die Grenzen der Wetterwahrnehmung von Vögeln. Er entsteht, wenn schlechtes Wetter große Mengen ziehender Vögel an einem Ort zur Landung zwingt.
Das klassische Beispiel liegt an der nördlichen Golfküste der USA im Frühjahr. Millionen Singvögel starten abends auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán und überqueren den Golf von Mexiko über Nacht, eine Strecke von rund 800 km oder mehr. Treffen sie über dem Wasser auf eine Kaltfront mit kräftigem Nordwind und Regen, verbrauchen sie ihre Fettreserven im Gegenwind. Erschöpfte Vögel fallen dann in die ersten Bäume an der Küste ein.
Fallouts gibt es auch in Europa, etwa an der Ostküste Großbritanniens oder auf Helgoland im Herbst, wenn östliche Winde und Regen skandinavische Zugvögel über die Nordsee drücken und zur Landung zwingen. An solchen Tagen sitzen Rotkehlchen, Wintergoldhähnchen, Singdrosseln und Rotdrosseln in jedem Busch. Vogelbeobachter verfolgen dafür die Wetterkarten sehr genau.
Fallouts zeigen, dass der Wettersinn der Vögel gut, aber nicht perfekt ist. Meist wählen Vögel gute Abflugbedingungen, doch das Wetter über langen Meeresquerungen kann umschlagen, wenn sie schon unterwegs sind.
Wie verändert das tägliche Wetter das Geschehen am Futterplatz?
Auch ohne Unwetter prägt das Wetter die Aktivität am Futterplatz von Stunde zu Stunde:
- Kalte Morgen: Die Aktivität erreicht oft früh ihren Höhepunkt, weil die Vögel nach einer langen Nacht auftanken. Je kälter die Nacht, desto dringender die erste Mahlzeit.
- Wind: Starker Wind senkt die Aktivität an ungeschützten Futterstellen, Vögel bevorzugen Futterplätze nahe schützender Sträucher.
- Leichter Regen: Viele Vögel fressen weiter, bei Wolkenbrüchen suchen kleine Vögel aber Deckung.
- Hitze: Im Sommer sinkt die Aktivität in der heißesten Tageszeit und steigt morgens und abends. Wasser wird dann wichtiger als Futter.
- Schneedecke: Bodenfresser wie Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Buchfinken drängen sich an Futterstellen, wenn natürliche Nahrung verschüttet ist.
- Nebel und tiefe Wolken während des Zugs: Zugvögel können zur Landung gezwungen werden oder die Orientierung verlieren, was ungewöhnliche Arten in Gärten bringen kann.
Wer solche Muster notiert, sieht Vögel in Echtzeit auf das Wetter reagieren. Ein Notizbuch oder eine Beobachtungs-App wie eBird oder ornitho hilft, Trends über eine Saison zu erkennen.

Spüren Vögel Erdbeben?
Diese Frage taucht oft auf, und die ehrliche Antwort lautet: Die Beleglage ist dünn. Es gibt viele anekdotische Berichte über Vögel und andere Tiere, die sich vor Erdbeben ungewöhnlich verhielten, und manche Wissenschaftler haben untersucht, ob Tiere frühe Bodenschwingungen, Veränderungen der Luftionen oder Infraschall wahrnehmen. Einige Besenderungsstudien an Nutz- und Wildtieren, darunter Arbeiten des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, suchten nach Mustern. Die bisherigen Ergebnisse reichen aber nicht aus, um zu zeigen, dass Vögel Erdbeben zuverlässig im Voraus spüren. Behauptungen dieser Art sollten Sie mit Vorsicht betrachten.
Gut belegt ist dagegen, dass Vögel wie viele Tiere schnell reagieren, sobald die Erde bebt, und dann auffliegen oder Warnrufe ausstoßen.
Spüren Vögel Kälteeinbrüche im Voraus?
Vögel reagieren eindeutig auf Temperatur, ob sie Kälteeinbrüche vorausahnen, ist weniger klar. Fallende Temperaturen gehen oft mit Druckänderungen und drehendem Wind einher, wenn sich eine Kaltfront nähert, daher reagieren Vögel vermutlich auf dieselben Druck- und Windsignale wie oben beschrieben. Ist die Kälte da, passen sie sich schnell an: Sie plustern sich auf, fressen länger, und manche Arten wie Weidenmeisen senken nachts ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Das nennt man regulierte Hypothermie. Kolibris in Amerika gehen noch weiter und fallen bei Bedarf nachts in eine tiefe Kältestarre.
Welche Bauernregeln über Vögel stimmen?
| Spruch | Was die Belege sagen |
|---|---|
| Vögel fressen vor einem Unwetter besonders viel | Weitgehend belegt: fallender Druck kann zusätzliches Fressen auslösen |
| Fliegen die Schwalben tief, gibt es Regen | Teilweise wahr: sie folgen Insekten, die bei feuchter, unbeständiger Luft oft tiefer fliegen |
| Vögel verstummen vor einem Gewitter | Plausibel: viele Vögel werden bei schlechter werdendem Wetter ruhiger und suchen Deckung, gut gemessen ist das aber nicht |
| Möwen im Binnenland bedeuten Sturm auf See | Plausibel: Möwen suchen bei rauem Wetter geschützte Orte, sie kommen aber auch zur Nahrungssuche ins Binnenland |
| Vögel auf Leitungen sitzen mit dem Kopf gegen den Wind | Stimmt, dient aber dazu, das Gefieder glatt zu halten und den Abflug zu erleichtern, nicht der Vorhersage |
| Früher Wegzug der Zugvögel bedeutet einen harten Winter | Nicht belegt: der Zugzeitpunkt folgt Tageslänge, Nahrung und kurzfristigem Wetter |
| Große Schwärme im Herbst kündigen einen strengen Winter an | Nicht belegt: Schwarmgröße spiegelt Nahrungsangebot, Bruterfolg und örtliche Bedingungen |
Warum Schwalben vor Regen tief fliegen
Die alte Bauernregel über Schwalben und Regen hat eine vernünftige Erklärung. Rauch- und Mehlschwalben sowie Mauersegler fangen Insekten im Flug, also fliegen sie dort, wo die Insekten sind. Bei schönem Wetter tragen warme Aufwinde kleine Insekten nach oben. Bei kühler, feuchter, unbeständiger Luft bleiben Insekten oft tiefer, und mit ihnen die Vögel, die sie jagen. Das ist ein grober Hinweis, keine Vorhersage, denn das Verhalten der Insekten hängt von vielen Faktoren ab.
Können Vögel langfristiges Wetter oder Jahreszeiten vorhersagen?
Wahrscheinlich nicht. Es gibt keine guten Belege dafür, dass Vögel die Strenge eines kommenden Winters oder Sommers vorhersagen können. Ihr jahreszeitliches Verhalten, also Zug, Mauser und Brut, wird hauptsächlich von der Tageslänge, inneren Jahresrhythmen und aktuellen Bedingungen wie Temperatur und Nahrung gesteuert.
Wenn Vögel etwas Ungewöhnliches tun, etwa bei einer Invasion von Seidenschwänzen, Bergfinken oder Fichtenkreuzschnäbeln nach Mitteleuropa, spiegelt das meist schlechte Beeren- oder Samenernten im Norden wider und keine Vorhersage harten Wetters. Invasionen sind eine Reaktion auf Nahrungsmangel, der bereits eingetreten ist.
Der Klimawandel macht diese Grenze deutlich. Viele Vögel, vor allem Langstreckenzieher, richten den Frühjahrszug weitgehend nach Tageslänge und inneren Uhren, Signalen, die sich bei Erwärmung nicht ändern. In manchen Regionen beginnt der Frühling heute früher, und Insekten schlüpfen früher, doch Zugvögel mit festen Signalen verschieben ihre Ankunft nicht so schnell. Forschende in Europa und Nordamerika haben solche Fehlanpassungen dokumentiert, etwa bei Trauerschnäppern in den Niederlanden, die erst nach dem Raupengipfel ankamen, auf den ihre Küken angewiesen sind. Könnten Vögel Jahreszeiten vorhersagen, wären solche Fehlanpassungen seltener.

Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
Sie können das Verhalten der Vögel als unterhaltsames, grobes Wettersignal nutzen und den Vögeln helfen, Unwetter zu überstehen:
- Füllen Sie Futterstellen vor Unwettern auf. Energiereiches Futter wie schwarze Sonnenblumenkerne, Fettfutter und Erdnüsse hilft Vögeln, Reserven aufzubauen. Siehe was man Vögeln im Winter füttert.
- Räumen Sie nach dem Schneefall Futterstellen und ein Stück Boden frei, damit Bodenfresser wie Amseln, Rotkehlchen und Heckenbraunellen an Futter kommen.
- Bieten Sie Schutz. Dichte immergrüne Gehölze, Hecken und Reisighaufen geben Vögeln Orte, an denen sie schlechtes Wetter aussitzen. Siehe wie man einen Reisighaufen für Vögel anlegt.
- Bieten Sie Wasser an, besonders wenn natürliche Wasserstellen zufrieren.
- Beobachten und notieren Sie. Halten Sie fest, wann die Aktivität am Futterplatz steigt, und vergleichen Sie das mit dem Wetter. Unser Ratgeber zur Winterfütterung erklärt die Grundlagen.
Häufige Fehler
- Vogelverhalten als verlässliche Vorhersage behandeln. Vögel reagieren auf echte Signale, aber ihr Verhalten hängt von vielen Faktoren ab. Schauen Sie in den Wetterbericht.
- Futterstellen bei Unwetter leer lassen. Gerade dann brauchen Vögel eine verlässliche Nahrungsquelle.
- Bauernregeln zu Jahreszeiten glauben. Früher Wegzug oder große Herbstschwärme sagen keinen harten Winter voraus.
- Annehmen, Unwetter schadeten Vögeln nur. Stürme können tödlich sein, doch viele Vögel sind gut angepasst, besonders mit gutem Schutz in der Nähe.
Fazit
Vögel spüren kurzfristige Wetteränderungen und handeln danach. Sie nehmen offenbar fallenden Luftdruck wahr und hören möglicherweise ferne Unwetter über Infraschall. Darauf reagieren sie, indem sie mehr fressen, Schutz suchen oder sogar Hunderte Kilometer ausweichen, wie die Goldflügel-Waldsänger vor dem Tornadoausbruch 2014 oder die Mauersegler auf Wetterflucht. Zugvögel richten ihre Flüge mit beeindruckender Genauigkeit nach günstigen Winden. Für langfristige Wettervorhersagen gibt es dagegen keine guten Belege. Für den Garten heißt das: Wenn an einem grauen Tag plötzlich viel los ist am Futterplatz, zieht vielleicht ein Unwetter auf. Halten Sie Futter und Schutz bereit.
Quellen
- Breuner et al. (2013), Environment, behavior and physiology: do birds use barometric pressure to predict storms?, Journal of Experimental Biology
- Streby et al. (2015), Tornadic storm avoidance behavior in breeding songbirds, Current Biology
- BirdCast: Zugvorhersagen und Live-Zugkarten (Nordamerika)
- Schweizerische Vogelwarte Sempach
- NABU: Mauersegler
Häufige Fragen
Spüren Vögel, dass ein Unwetter kommt?
Es gibt gute Belege dafür, zumindest kurzfristig. Vögel nehmen offenbar fallenden Luftdruck wahr, und manche können vermutlich Infraschall hören, also sehr tiefe Töne, die schwere Unwetter erzeugen. Studien zeigten, dass Sperlinge in Gefangenschaft mehr fraßen, wenn der Luftdruck sank, und dass besenderte Waldsänger ihr Brutgebiet einen Tag oder länger vor einem großen Tornadoausbruch verließen.
Warum fressen Vögel vor einem Schneesturm so viel?
Vögel brauchen genug Fettreserven, um lange, kalte Nächte zu überstehen, und ein Unwetter kann Nahrung stunden- oder tagelang unerreichbar machen. Vorher kräftig zu fressen ist daher sinnvoll. Die Forschung deutet darauf hin, dass fallender Luftdruck zusätzliches Fressen auslösen kann. Volle Futterstellen vor einem Wetterumschwung sind also wahrscheinlich eine Reaktion auf echte Signale und kein Zufall.
Fliegen Schwalben vor Regen wirklich tief?
Schwalben und Mauersegler jagen vor Regen tatsächlich oft tiefer, die alte Bauernregel hat also einen wahren Kern. Die Vögel folgen den fliegenden Insekten, von denen sie leben, und diese halten sich bei kühler, feuchter, unbeständiger Luft oft niedriger auf. Das ist aber ein grobes Muster und keine verlässliche Vorhersage, denn die Flughöhe von Insekten hängt von vielen Faktoren ab.
Können Vögel einen harten Winter vorhersagen?
Es gibt keine guten Belege dafür, dass Vögel das Wetter Wochen oder Monate im Voraus vorhersagen. Früher Wegzug, eifriges Fressen im Herbst oder große Schwärme sagen einen strengen Winter nicht zuverlässig voraus. Vögel reagieren auf aktuelle und kurzfristige Bedingungen wie Tageslänge, Temperatur, Nahrungsangebot und herannahende Wetterlagen, nicht auf eine Jahreszeitenprognose.
Was machen Vögel bei einem Orkan oder Hurrikan?
Das ist unterschiedlich. Manche Vögel weichen dem Sturm aus, viele verkriechen sich in dichter Deckung und klammern sich an Zweigen fest, und Seevögel werden mitunter weit ins Binnenland verdriftet. Bei tropischen Wirbelstürmen werden Vögel manchmal im Auge des Sturms mitgetragen. Nach schweren Herbststürmen finden Vogelbeobachter an Küsten und Binnenseen oft ungewöhnliche Seevögel fern ihres normalen Gebiets.