Wie viele Vögel gibt es auf der Welt?
Wie viele Vögel gibt es auf der Welt? Nach der besten neueren Schätzung rund 50 Milliarden wilde Vögel in etwa 11.000 Arten. So zählen Forschende sie.

In diesem Artikel
- Kurze Antwort: die Zahlen auf einen Blick
- Wie viele Vögel gibt es laut Wissenschaft?
- Wie zählt man Vögel, die man nicht sieht?
- Welche Vögel sind die häufigsten der Welt?
- Wie viele Vogelarten gibt es, und wie viele sind selten?
- Wo leben die meisten Vögel?
- Gibt es mehr Hühner als wilde Vögel?
- Nimmt die Zahl der Vögel auf der Welt ab?
- Mythen und Fakten zu den weltweiten Vogelzahlen
- Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
- Wie werden künftige Zählungen besser?
- Kurz zusammengefasst
- Quellen
- Häufige Fragen
Wie viele Vögel gibt es auf der Welt? Rund 50 Milliarden wilde Vögel, so die bisher detaillierteste globale Schätzung aus dem Jahr 2021. Das sind etwa sechs Vögel pro Mensch auf der Erde. Diese Vögel verteilen sich sehr ungleich auf rund 11.000 Arten: Eine Handvoll Arten zählt Milliarden Tiere, während über tausend Arten Bestände haben, die kleiner sind als die Einwohnerzahl einer Kleinstadt.
Die Zahl von 50 Milliarden ist eine Schätzung, keine Zählung, und sie ist mit echter Unsicherheit behaftet. Wer versteht, wie Forschende auf diese Zahl kommen und warum andere Schätzungen abweichen, erfährt viel darüber, welche Vögel sich gut behaupten, welche selten sind und was die eigenen Beobachtungen am Futterhaus beitragen.
Kurze Antwort: die Zahlen auf einen Blick
- Wilde Vögel weltweit: rund 50 Milliarden erwachsene Tiere, laut der Schätzung von 2021 in der Fachzeitschrift PNAS.
- Vogelarten: etwa 11.000, je nach verwendeter Artenliste.
- Arten mit über einer Milliarde: nur vier in dieser Studie, angeführt vom Haussperling mit rund 1,6 Milliarden.
- Seltene Arten: Für rund 12 Prozent der Arten wurden weniger als 5.000 Individuen geschätzt.
- Haushühner: einige Dutzend Milliarden zu jedem Zeitpunkt, und Geflügel wiegt mehr als alle wilden Vögel zusammen.
- Trend: Viele Regionen verlieren Vögel. Allein Nordamerika hat rund 3 Milliarden Brutvögel weniger als 1970, und auch in Europa sind die Bestände seit 1980 deutlich geschrumpft.
Wie viele Vögel gibt es laut Wissenschaft?
Die bekannte Zahl stammt aus einer Studie von Corey Callaghan, Shinichi Nakagawa und William Cornwell von der University of New South Wales in Australien. Sie schätzten die Bestandsgrößen von rund 9.700 Arten, fast 92 Prozent aller lebenden Vogelarten, und zählten sie zusammen. Ihr mittlerer Wert lag bei rund 50 Milliarden einzelnen Vögeln.
Die Autoren bezeichneten das ausdrücklich als ersten Versuch. Die statistische Unsicherheit war groß, und die Methode hängt stark von Annahmen darüber ab, wie oft Vögel entdeckt werden. Es war aber die erste Schätzung, die Art für Art aus echten Beobachtungsdaten aufgebaut wurde statt aus groben Hochrechnungen.
Wie sahen frühere Schätzungen aus?
Vor 2021 stammte die meistzitierte Zahl aus einer Arbeit der Ökologen Kevin Gaston und Tim Blackburn von 1997. Sie kamen auf 200 bis 400 Milliarden Vögel, mit einem anderen Ansatz: Sie kombinierten geschätzte Vogeldichten in verschiedenen Lebensräumen mit der weltweiten Fläche dieser Lebensräume.
Der Abstand zwischen 50 Milliarden und mehreren Hundert Milliarden zeigt, wie schwierig die Frage ist. Keine der beiden Zahlen ist eine genaue Zählung. Die neuere Schätzung nutzt weit mehr Daten, aber manche Fachleute halten sie für zu niedrig bei schwer sichtbaren Vögeln, vor allem in den Tropen, wo ein Großteil der Vogelvielfalt lebt und es weniger Beobachtungsdaten gibt.
Wie zählt man Vögel, die man nicht sieht?
Niemand kann jeden Vogel zählen. Stattdessen kombinieren Forschende zwei Arten von Informationen: sorgfältige Bestandsschätzungen für gut untersuchte Arten und riesige Mengen an Beobachtungen von Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachtern.
Schritt 1: mit gut untersuchten Arten beginnen
Für rund 700 Arten lagen bereits solide Bestandsschätzungen vor, etwa von Partners in Flight in Nordamerika und BirdLife International. Auch nationale Programme liefern solche Zahlen, in Deutschland zum Beispiel das Monitoring häufiger Brutvögel und der Brutvogelatlas ADEBAR, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) mit vielen Ehrenamtlichen koordiniert. Solche Erfassungen folgen festen Routen, festen Zählzeiten und geschulten Beobachtern und werden seit Jahren oder Jahrzehnten wiederholt.

Schritt 2: mit Bürgerwissenschaft hochrechnen
Die Studie von 2021 nutzte dann Beobachtungsdaten von eBird, der weltweiten Datenbank des Cornell Lab of Ornithology. eBird enthielt damals fast eine Milliarde Datensätze von Hunderttausenden Freiwilligen. Wer selbst Beobachtungslisten einträgt, trägt zu dieser Art von Forschung bei. Unser Ratgeber eBird nutzen erklärt, wie Beobachtungslisten aufgebaut sind. In Deutschland ist außerdem ornitho.de verbreitet, das Meldeportal des DDA.
Schritt 3: Entdeckungswahrscheinlichkeit korrigieren
Das ist der raffinierte Teil und zugleich die Hauptquelle der Unsicherheit. Manche Vögel sind leicht zu zählen: eine Möwe am Strand oder ein Spatz am Futterhaus. Andere sind heimlich, nachtaktiv oder leben hoch im Kronendach. Die Forschenden nutzten die gut untersuchten Arten, um zu lernen, wie die Zahl der gemeldeten Vögel mit dem tatsächlichen Bestand zusammenhängt, und korrigierten dann für Merkmale wie Körpergröße, Färbung, Schwarmverhalten und Sichtbarkeit.
Schritt 4: alles addieren, mit Fehlerbalken
Jede Art erhält eine Schätzung und eine Spanne. Die Summe über Tausende Arten ergibt die globale Zahl. Weil jede Einzelschätzung unsicher ist, ist es auch die Summe.
Warum die Methode Kritiker hat
Innerhalb eines Jahres veröffentlichten andere Forschende eine Erwiderung. Sie argumentierten, das Modell zur Entdeckungswahrscheinlichkeit habe für einzelne Arten unplausible Zahlen geliefert, teils zu hoch, teils zu niedrig. So soll Wissenschaft funktionieren. Die großen Schlussfolgerungen, dass wenige sehr häufige Arten die Vogelzahlen dominieren und viele Arten selten sind, haben sich gut gehalten. Die genauen Zahlen einzelner Arten sollte man dagegen als grob betrachten.
Welche Vögel sind die häufigsten der Welt?
Ein auffälliges Ergebnis ist, wie kopflastig die Vogelbestände sind. Nur vier Arten überschritten in der Studie von 2021 die Milliardengrenze.
| Art | Grobe Schätzung (Studie 2021) | Verbreitung |
|---|---|---|
| Haussperling | rund 1,6 Milliarden | Heimisch in Eurasien und Nordafrika, eingeführt in Amerika, im südlichen Afrika und in Australasien |
| Star | rund 1,3 Milliarden | Heimisch in Europa und Westasien, eingeführt in Nordamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland |
| Ringschnabelmöwe | rund 1,2 Milliarden | Nordamerika |
| Rauchschwalbe | rund 1,1 Milliarden | Brütet auf der ganzen Nordhalbkugel, überwintert auf der Südhalbkugel |
Zwei der vier sind also Vögel, die man auch in jedem deutschen Dorf sieht: Haussperling und Star. Die Rauchschwalbe brütet ebenfalls bei uns, in Ställen und Scheunen.
Was ist mit dem Blutschnabelweber?
Viele Bücher und Museen nennen den Blutschnabelweber, einen kleinen finkenähnlichen Webervogel aus Afrika südlich der Sahara, als häufigsten Wildvogel, oft mit Schätzungen von rund 1,5 Milliarden Brutvögeln. Seine Schwärme können Millionen Vögel umfassen und brauchen Minuten, um vorbeizuziehen. Dass er in manchen Datensätzen weiter hinten landet, liegt wahrscheinlich an den geringeren Beobachtungsdaten aus weiten Teilen Afrikas, nicht an einem tatsächlichen Mangel an Vögeln. Man kann ihn getrost zu den häufigsten Wildvögeln der Erde zählen, gleichauf mit den vier Arten der Tabelle.
Die Ringschnabelmöwe hat viele überrascht
Die Schätzung für die Ringschnabelmöwe, eine nordamerikanische Möwe, die in Europa nur als seltener Gast auftaucht, sorgte für Stirnrunzeln und gehört zu den Zahlen, die Kritiker infrage stellten. Möwen sind groß, hell und laut und versammeln sich an offenen Orten wie Parkplätzen, Stränden und Deponien, deshalb werden sie sehr oft gemeldet. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie leichte Sichtbarkeit eine Schätzung aufblähen kann, wenn die Korrektur nicht perfekt ist.

Häufige Vögel, die Sie kennen
Jenseits des Milliardenklubs zählen viele vertraute Arten Hunderte Millionen Tiere. Arten wie Buchfink, Amsel, Feldsperling, Kohlmeise, Straßentaube und Rotkehlchen werden jeweils auf Hunderte Millionen geschätzt. In Deutschland gelten Buchfink und Amsel als die häufigsten Brutvögel, mit jeweils Millionen Revieren. Solche Arten prägen Parks, Felder und Gärten in ihren Regionen und erklären, warum wenige Arten einen so großen Anteil aller Vögel ausmachen.
Wie viele Vogelarten gibt es, und wie viele sind selten?
Die wichtigsten Weltlisten erkennen rund 11.000 lebende Vogelarten an. Die Liste des International Ornithological Congress (IOC) und die Clements-Checkliste, der eBird folgt, unterscheiden sich um einige Hundert Arten, weil Taxonomen uneins sind, ob manche Populationen eigene Arten oder Unterarten sind. Genetische Studien teilen bekannte Vögel immer wieder in zwei oder mehr Arten auf, deshalb steigt die Gesamtzahl langsam. In Deutschland brüten regelmäßig gut 250 Vogelarten, dazu kommen zahlreiche Durchzügler und Wintergäste.
Die Studie von 2021 ergab, dass rund 1.180 Arten, also etwa 12 Prozent, auf weniger als 5.000 Individuen geschätzt wurden. Viele davon leben auf einzelnen Inseln, isolierten Bergen oder kleinen Waldresten. Beispiele für Vögel mit sehr kleinen Wildbeständen sind der Kakapo aus Neuseeland, ein flugunfähiger Papagei, von dem nach Jahrzehnten intensiven Schutzes nur wenige Hundert Tiere leben, und der Kalifornische Kondor, von dem in den 1980er-Jahren nur noch 27 Tiere übrig waren, bevor ein Zuchtprogramm den Bestand wieder aufbaute.
Selten heißt nicht immer gefährdet
Manche Arten sind von Natur aus selten, weil sie in einem winzigen Gebiet leben, etwa auf einer einzigen Vulkaninsel, und können trotzdem vorerst stabil sein. Andere sind selten, weil der Mensch sie selten gemacht hat. Der Gefährdungsstatus der Roten Liste der IUCN berücksichtigt Bestandsgröße, Trend und Verbreitungsgebiet, nicht nur die reine Zahl. In Deutschland gibt es zusätzlich die nationale Rote Liste der Brutvögel.
Wo leben die meisten Vögel?
Anzahl und Vielfalt sind zwei verschiedene Dinge. In den Tropen gibt es die größte Artenvielfalt. Kolumbien, Peru, Brasilien und Ecuador haben jeweils mehr als 1.600 Vogelarten, weit mehr als ganz Europa. Große Individuenzahlen entstehen aber oft an weniger artenreichen Orten mit reichem saisonalem Nahrungsangebot.
- Nördliche Wälder. Der boreale Nadelwald in Skandinavien, Russland, Kanada und Alaska wird manchmal als Kinderstube der Vögel bezeichnet. Milliarden Laubsänger, Drosseln, Finken und Schnäpper brüten dort jeden Sommer und ziehen dann nach Süden.
- Agrarland und Städte. Arten, die mit dem Menschen leben, etwa Haussperling, Star, Straßentaube und Türkentaube, erreichen in menschengeprägten Landschaften enorme Zahlen.
- Meere und Küsten. Seevogelkolonien können auf wenigen Felseninseln Hunderttausende bis Millionen Vögel beherbergen. Sturmtaucher und Sturmvögel brüten in riesigen Zahlen auf abgelegenen Inseln in allen Ozeanen. Auch das Wattenmeer an der Nordsee ist ein Drehkreuz, an dem jedes Jahr Millionen Watvögel und Enten rasten.
- Afrikanische Savannen. Blutschnabelweber, Webervögel und andere Körnerfresser können sich dort, wo es viel Grassamen gibt, zu gewaltigen Schwärmen sammeln.
Wie der Vogelzug lokale Zahlen verändert
An jedem einzelnen Ort schwanken die Vogelzahlen im Jahreslauf stark. Nach der Brutzeit sind die Bestände am höchsten, weil der Nachwuchs des Jahres zu den Altvögeln hinzukommt. Zug, Winter und Beutegreifer dezimieren sie dann bis zum nächsten Frühjahr wieder. Radarstudien in den USA schätzten, dass im Herbstzug mehrere Milliarden Vögel über das Land ziehen, weit mehr als im Frühjahr, weil so viele Jungvögel ihre erste Reise machen. Auch über Mitteleuropa ziehen jeden Herbst Hunderte Millionen Vögel.
Wer einmal einen Starenschwarm über einem Schilfgebiet wirbeln sah, hat eine Form gesehen, in der sich Vögel im Winterhalbjahr sammeln. Unsere Beiträge warum Vögel in Schwärmen fliegen und was ein Starenschwarm-Ballett ist erklären die Wissenschaft dahinter.

Gibt es mehr Hühner als wilde Vögel?
Nach vielen Maßstäben ist das Haushuhn der zahlreichste Vogel überhaupt. Agrarstatistiken zufolge leben zu jedem Zeitpunkt einige Dutzend Milliarden Hühner, und jedes Jahr werden noch viel mehr aufgezogen und geschlachtet, weil Masthühner nur wenige Wochen alt werden.
Nach Gewicht ist der Unterschied noch deutlicher. Eine vielzitierte Studie von Yinon Bar-On, Rob Phillips und Ron Milo schätzte 2018 in PNAS die gesamte Biomasse des Lebens auf der Erde. Sie ergab, dass Hausgeflügel alle wilden Vögel zusammen etwa um das Dreifache überwiegt. Der größte Teil der Vogelmasse auf dem Planeten gehört also Nutzgeflügel, nicht Wildvögeln.
Das ist wichtig, weil Schlagzeilen beides manchmal vermischen. Wenn Sie lesen, “wie viele Vögel es gibt”, prüfen Sie, ob Geflügel mitgezählt ist. Die 50 Milliarden beziehen sich nur auf wilde Vögel.
Nimmt die Zahl der Vögel auf der Welt ab?
In vielen Regionen ja, und die Rückgänge sind groß genug, um sie mit Sicherheit zu messen.
- Nordamerika. Eine von Kenneth Rosenberg geleitete Studie schätzte 2019 in Science einen Nettoverlust von rund 3 Milliarden Brutvögeln seit 1970, etwa 29 Prozent. Der größte Teil des Verlusts betraf häufige, weit verbreitete Arten wie Ammern, Stärlinge, Waldsänger und Finken, nicht nur seltene.
- Europa. Das europaweite Monitoring häufiger Brutvögel zeigt, dass Feldvögel wie Feldlerche, Kiebitz, Rebhuhn und Feldsperling seit den 1980er-Jahren stark zurückgegangen sind. Neuere Auswertungen kommen für die Vogelbestände der EU und Großbritanniens insgesamt auf einen Verlust von mehreren Hundert Millionen Vögeln seit 1980.
- Wiesenbrüter und Luftinsektenjäger gehören auf mehreren Kontinenten zu den am stärksten betroffenen Gruppen, darunter Schwalben, Mauersegler und Ziegenmelker, in Deutschland auch Uferschnepfe und Braunkehlchen.
Nicht jeder Trend ist negativ. Viele Gänse haben zugenommen, und Greifvögel wie Wanderfalke und Seeadler erholten sich, nachdem DDT verboten wurde. Auch der Weißstorch ist in Deutschland heute deutlich häufiger als noch vor einigen Jahrzehnten. Diese Erfolge zeigen, dass Bestände sich erholen können, wenn die Ursachen des Rückgangs angegangen werden.
Die wichtigsten Belastungen sind Lebensraumverlust, intensivere Landwirtschaft, Pestizide und weniger Insekten, Kollisionen mit Glas und Bauwerken, Hauskatzen und der Klimawandel. Unser Beitrag warum Vogelbestände zurückgehen geht die Belege für jeden Punkt durch.
Mythen und Fakten zu den weltweiten Vogelzahlen
Mythos: “Es gibt Hunderte Milliarden Vögel”
Fakt: Das war in den 1990er-Jahren die beste verfügbare Schätzung, und sie wird noch immer zitiert. Die datengestützte Schätzung von 2021 liegt bei rund 50 Milliarden. Die wahre Zahl ist unsicher, aber die meisten aktuellen Arbeiten deuten eher auf einige Dutzend Milliarden als auf Hunderte Milliarden hin.
Mythos: “Häufige Vögel sind sicher”
Fakt: Wer einen kleinen Anteil eines riesigen Bestands verliert, verliert sehr viele Vögel. Ein Großteil der Verluste in Nordamerika und Europa betraf häufige Arten. Heute häufig zu sein, garantiert nicht, es in 50 Jahren noch zu sein. Der Haussperling ist in manchen europäischen Großstädten deutlich seltener geworden.
Mythos: “Tauben sind die häufigsten Vögel”
Fakt: Straßentauben sind in Städten weltweit zahlreich, liegen in globalen Schätzungen aber deutlich hinter Haussperling und Star. Sie konzentrieren sich einfach dort, wo Menschen sie bemerken.

Mythos: “Jemand hat sie gezählt”
Fakt: Jede globale Zahl ist ein Modell auf Grundlage von Stichproben. Das ähnelt eher dem Schätzen einer Menschenmenge anhand von Luftbildern als dem Zählen verkaufter Eintrittskarten.
Was bedeutet das für Vogelfreunde im Garten?
Die Zahlen wirken abstrakt, haben aber direkt mit Ihrem Garten zu tun.
- Ihre Beobachtungen zählen, im Wortsinn. Globale Schätzungen beruhen auf den Daten von Freiwilligen. Wer bei eBird, ornitho.de oder den Mitmachaktionen “Stunde der Gartenvögel” im Mai und “Stunde der Wintervögel” im Januar von NABU und LBV mitmacht, erweitert den Datenbestand, den die Forschung nutzt.
- Häufige Vögel verdienen Aufmerksamkeit. Sperlinge, Stare und Finken wirken alltäglich, aber sie stellen den Großteil der Vögel der Welt, und Rückgänge bei ihnen summieren sich auf Milliarden.
- Sicherheitsmaßnahmen wirken stark. Kollisionen mit Fenstern und Hauskatzen töten jedes Jahr sehr viele Vögel. Glas mit sichtbaren Mustern zu markieren und Katzen, besonders in der Brutzeit, im Haus zu halten, gehört zu den wirksamsten Dingen, die Hausbesitzer tun können. Lesen Sie dazu unsere Ratgeber zu Vogelschlag an Fenstern und Katzen und Vögeln.
- Lebensraum schlägt Futter. Futterhäuser helfen einzelnen Vögeln, aber heimische Pflanzen, Insekten und Deckung stützen ganze Bestände. Unser Überblick zur Vogelbeobachtung im Garten zeigt, wie ein Garten das ganze Jahr über für Vögel wertvoller wird.
Wie viele Vögel besuchen ein typisches Futterhaus?
Viel mehr, als man denkt. Beringungen an stark besuchten Winterfutterstellen haben immer wieder gezeigt, dass die Zahl der einzelnen Vögel, die eine Futterstelle über den Winter nutzen, um ein Mehrfaches höher ist als die Zahl, die man in einem Moment sieht. Ein Futterhaus, an dem scheinbar ein Dutzend Meisen verkehrt, versorgt womöglich weit mehr, die über den Tag verteilt nacheinander kommen. Die meisten kleinen Singvögel leben zudem nur wenige Jahre, sodass die Individuen schnell wechseln. Mehr dazu im Beitrag wie alt Gartenvögel werden.
Wie werden künftige Zählungen besser?
Mehrere Entwicklungen dürften die Unsicherheit im nächsten Jahrzehnt verringern.
- Mehr Beobachter in wenig erfassten Regionen. eBird und ähnliche Plattformen wachsen in Afrika, Asien und Südamerika schnell, also dort, wo die Datenlücken am größten sind.
- Tonaufnahmen. Automatische Aufnahmegeräte und maschinelles Lernen können Vögel über große Flächen am Gesang erkennen, auch scheue Arten, die Beobachter selten sehen.
- Wetterradar. Radarnetze in Nordamerika und Europa können die Masse ziehender Vögel in einer Nacht schätzen, und diese Werte lassen sich mit Zählungen am Boden abgleichen.
- Bessere Modelle. Jede Runde aus Kritik und Erwiderung verbessert die Statistik, mit der die Entdeckungswahrscheinlichkeit korrigiert wird.
Die Gesamtzahl wird wohl weiter angepasst werden, vielleicht nach oben, wenn tropische Vögel besser erfasst werden, vielleicht nach unten, wenn die Rückgänge anhalten. Entscheidend ist derzeit weniger die genaue Zahl als das Muster: wenige extrem häufige Arten, viele seltene und deutliche Rückgänge in vielen Regionen.
Kurz zusammengefasst
- Die beste neuere Schätzung liegt bei rund 50 Milliarden wilden Vögeln.
- Es gibt etwa 11.000 lebende Vogelarten, in Deutschland brüten regelmäßig gut 250.
- Haussperling, Star, Ringschnabelmöwe und Rauchschwalbe lagen in der Schätzung von 2021 jeweils über einer Milliarde.
- Der Blutschnabelweber wird oft mit rund 1,5 Milliarden Altvögeln angegeben.
- Rund 12 Prozent der Arten haben womöglich weniger als 5.000 Individuen.
- Hausgeflügel wiegt etwa dreimal so viel wie alle wilden Vögel zusammen.
- Nordamerika hat seit 1970 rund 3 Milliarden Brutvögel verloren, Europa seit 1980 mehrere Hundert Millionen.
- Ihre Meldungen bei eBird, ornitho.de oder der Stunde der Gartenvögel fließen in solche Schätzungen ein.
Quellen
- Callaghan, C. T., Nakagawa, S., and Cornwell, W. K. (2021). Global abundance estimates for 9,700 bird species. PNAS. https://doi.org/10.1073/pnas.2023170118
- Rosenberg, K. V., et al. (2019). Decline of the North American avifauna. Science. https://doi.org/10.1126/science.aaw1313
- Bar-On, Y. M., Phillips, R., and Milo, R. (2018). The biomass distribution on Earth. PNAS. https://doi.org/10.1073/pnas.1711842115
- Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). https://www.dda-web.de/
- NABU, Naturschutzbund Deutschland. https://www.nabu.de/
- eBird, Cornell Lab of Ornithology. https://ebird.org
Häufige Fragen
Wie viele Vögel gibt es gerade auf der Welt?
Die meistzitierte neuere Schätzung, 2021 in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht, kommt auf rund 50 Milliarden erwachsene wilde Vögel. Die Autoren nannten eine große Unsicherheitsspanne, und andere Fachleute meinen, einzelne Arten seien über- oder unterschätzt worden. Fair zusammengefasst: Es gibt einige Dutzend Milliarden wilde Vögel, und 50 Milliarden ist ein vernünftiger mittlerer Wert.
Welcher Vogel ist der häufigste der Welt?
Unter den wilden Vögeln lag in der globalen Schätzung von 2021 der Haussperling mit rund 1,6 Milliarden Tieren vorn, gefolgt von Star, Ringschnabelmöwe und Rauchschwalbe mit jeweils über einer Milliarde. Der afrikanische Blutschnabelweber wird oft als häufigster Wildvogel genannt, mit Schätzungen um 1,5 Milliarden oder mehr. Rechnet man Hausgeflügel mit, liegt das Haushuhn vor allen.
Wie viele Vogelarten gibt es?
Die großen Weltlisten wie die IOC World Bird List und die von eBird genutzte Clements-Checkliste erkennen rund 11.000 lebende Vogelarten an. Die genaue Zahl unterscheidet sich etwas, weil Taxonomen uneins sind, wann eine Art in zwei aufgeteilt wird. Fast jedes Jahr werden neue Arten beschrieben, oft aus tropischen Wäldern oder durch genetische Studien. In Deutschland brüten regelmäßig gut 250 Arten.
Gibt es mehr Hühner als wilde Vögel?
Der reinen Zahl nach nicht, aber der Abstand ist kleiner, als viele denken. Zu jedem Zeitpunkt leben einige Dutzend Milliarden Hühner, gegenüber rund 50 Milliarden wilden Vögeln. Nach Gewicht liegt das Geflügel klar vorn: Eine Studie zur globalen Biomasse schätzte 2018, dass Hausgeflügel alle wilden Vögel zusammen etwa um das Dreifache überwiegt.
Nimmt die Zahl der Vögel ab?
In vielen Regionen ja. Eine Studie in Science schätzte 2019, dass Nordamerika rund 3 Milliarden Brutvögel weniger hat als 1970, ein Rückgang von etwa 29 Prozent. Auch in Europa zeigt das langfristige Monitoring starke Verluste, besonders bei Feldvögeln wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn. Einige Gruppen, etwa viele Greifvögel, Gänse und der Weißstorch, haben dank Schutzmaßnahmen dagegen zugenommen.